Psychoanalyse und Politik

(14.05.2020)

 

Wie anhand der Gestaltung dieser Praxisseite unschwer zu erkennen ist, habe ich als Arzt und Psychoanalytiker sowie Hauptverantwortlicher dieser Seite, mich - in Anbetracht der aktuellen gesellschafts-politischen Entwicklung - bewusst dafür entschieden, meine Abstinenz aufzugeben und mich offen zu meinen persönlichen Überzeugungen zu bekennen. Ich tue dies wohlwissend, dass ich damit zur deutlichen Minderheit meiner Berufskollegen zähle. Für mich ist es eine Frage meines Selbstverständnisses und ich lehne mich damit gerne an Horst-Eberhard Richter (1923-2011) an, der in den 1970er und 1980er Jahren eine Leitfigur der Friedensbewegung war.

 

Mit seinem 1981 veröffentlichen Buch 'Alle reden vom Frieden' legte er die Grundlage für sein weitergehendes Engagement in der damaligen Friedensbewegung. 1982 gründete er die westdeutsche Sektion der 'Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges'. Diese Organisation erhielt 1985 den Friedensnobelpreis. 

 

In dem Vorwort zu seinem Buch 'Psychoanalyse und Politik' finde ich meine eigene Überzeugung, der ich mich verpflichtet fühle und die mich trägt, in ganz hervorragender Weise zum Ausdruck gebracht:

 

"Es gibt eine kreisförmige Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen. Wenn man nicht macht, was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist. Wer Anpassungszwängen taktisch nachgibt, wohl wissend, dass er ihnen mit vertretbarem Risiko widerstehen könnte und auch sollte, wird nach und nach die Unzumutbarkeit von Anpassungsforderungen gar nicht mehr wahrnehmen, d. h. die eigene Gefügigkeit auch nicht mehr als Fluchtreaktion durchschauen. Alles erscheint normal: die Verhältnisse, denen er sich ergibt, und der Verzicht auf Gegenwehr, den er eben gar nicht mehr erlebt."