Persönliches...

An dieser Stelle finden Sie persönliche Gedanken, Überlegungen und Anregungen mit unterschiedlichstem Inhalt, jedoch stets mit einem Bezug zu unserem Alltag. 

 

PS: Es versteht sich von selbst, dass es sich bei allen aufgeführten Beiträgen ausschließlich um subjektive Gedanken, Überlegungen und Überzeugungen handelt.

 

Sollten Sie einen Beitrag oder etwas aus einem Beitrag kommentieren wollen, haben Sie unten auf der Seite Gelegenheit dazu. -  L.B. ;)


16.07.2019

 

Belege zum Thema Geist über Materie...

 

Der nachfolgende Beitrag ist als Ergänzung zu dem vorangegangenen Beitrag auf dieser Blog Seite mit der Nr. 40 über Geist und Materie zu verstehen.

 

Richard Davidson, (geb. 1951) US-amerikanischer Psychologe und Hirnforscher, an der University of Wisconsin-Madison, führte mit der Erlaubnis von Dalai Lama sehr aufwendige Untersuchungen mit täglich meditierenden tibetischen Mönchen durch. Anhand seiner Studien (2008) konnte er belegen, dass Mitgefühl und Güte sich durch Meditation ausweiten lassen. 16 tibetanische Mönche wurden mittels einer Kernspintomographie (MRT) auf veränderte Gehirnaktivität untersucht. 

 

Diese Untersuchungen belegten, dass die Aktivität in dem Gehirnbereich, der für Emotionen zuständig ist, bei Mönchen mit erheblicher Meditationserfahrung deutliche Veränderungen zeigte, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von 32 Menschen, die erst zwei Wochen zuvor in das Meditieren eingeführt worden waren. Die Mönche zeigten größere Aktivitäten in speziellen Gehirnbereichen des sog. Limbischen Systems, welches für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Zugleich waren die gemessenen Gamma-Wellen im EEG mehr als 30-mal stärker ausgeprägt als bei der Kontrollgruppe. 

 

In einem vorangegangenen Beitrag auf dieser Blog Seite (33 - ‚Was gibt uns die Meditation und das Yoga?‘) wurden zahlreiche Belege wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse angeführt, die z.T eindrucksvoll die Auswirkungen der geistigen Haltung in Folge von Meditation und Yoga auf die unterschiedlichsten körperlichen, seelischen und geistigen Prozesse belegen. 

 

Für das Verständnis der Medizin nicht nachvollziehbar und anhand all unserer naturwissenschaftlich ausgerichteter Überzeugungen nicht erklärbar, sind z.B. die Darbietungen von Mirin Dajo (1912-1948), der in der Schweiz lebend, bekannt wurde dafür, dass er spitze Gegenstände, wie z.B. ein Florett, durch seinen Körper stoßen ließ, ohne dass es dabei zu Verletzungen, Wunden oder Blutungen gekommen wäre. Dajo selbst sagte hierzu: „Sehen Sie, ich bin unverwundbar, und dass ich unverwundbar bin, weiß ich seit zwei Jahren. Allerdings habe ich schon lange Zeit vorher auf dieses Ziel hin trainiert. Aber vor zwei Jahren bog sich eine allzu elastische Waffe bei einem Lungendurchstich ab und fuhr mir quer durch das Herz. Seither habe ich die absolute Gewissheit, dass ich unverwundbar bin….Was ich hier deutlich zu machen versuche, sind uralte, aber meist nur im Verborgenen verkündete Erkenntnisse. […] Ich spreche in aller Öffentlichkeit davon, weil ich den Augenblick dazu für gekommen erachte und die Wahrheit meiner Worte durch Taten beweisen kann.“ 

 

Wie in einem wiedergefundenen originalen Film von 1947 zu sehen ist, bewies er seine Unverwundbarkeit tatsächlich bei Vorführungen und Untersuchungen in der Anwesenheit von Medizinern. (siehe hierzu das unten aufgeführte Video) Diese konnten nur feststellen, dass das, was sie zu sehen bekamen, so z.B. das Durchstechen lebenswichtiger Organe (Lunge, Leber) anhand einer scharfen Florett-Klinge, aus medizinischer Sicht unmöglich zu erklären war. Weder floss Blut, noch war auch nur die leiseste Spur eines Schmerzes oder einer anderen körperlichen, psychischen oder geistigen Reaktion bei Mirin Dajo zu erkennen. Nachweislich über 500 Mal vollführte Dajo seine „Experimente“ vor einem öffentlichen Publikum in der Schweiz und in den Niederlanden. Die Grundlage seiner Fähigkeit erklärte Dajo damit, dass er behauptete, er sei fähig, in seinem Körper eine Dematerialisation und anschließend eine Rematerialisation zu vollführen. Was bedeuten würde, Materie in einen anderen Zustand übergehen zu lassen und sie sich anschließend wieder in Materie zurückverwandeln zu lassen.

 

Wie auch immer es gewesen sein mag, ohne Zweifel hat er nachweislich medizinisch und naturwissenschaftlich Unvorstellbares vollbracht, was dem klassischen, traditionellen, westlichen Verständnis des Menschen und der Medizin vollkommen widerspricht und damit in diesem konkreten Fall deren, mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit verbundenen Grundannahmen außer Kraft setzt.

 

In vergleichbarer Weise haben die Darbietungen von Jack Schwarz (1924-2000) das medizinische Verständnis der Zusammenhänge zwischen Körper, Seele und Geist außer Kraft gesetzt. Jack Schwarz, war holländisch-jüdischer Abstammung und wurde während des zweiten Weltkrieges als Gefangener des Naziregimes der Folter ausgesetzt. Seinem eigenen Bericht zu Folge, suchte er Wege das Leid und die Schmerzen unter der Folter ertragen zu können und entwickelte zunehmend mehr die Fähigkeit, über Meditation und Gebet die Folter zu erdulden. 

 

Nach seiner Befreiung verfolgte er weiterhin seine Fähigkeit Schmerzen und Verletzungen, sowie die damit verbundenen Folgen zu meistern. So lies er sich lange und spitze Nadeln durch den Arm stechen, ohne dass dies erkennbare Verletzungen oder Folgen gehabt hätte. Schwarz erklärte selbst: „Sie müssen verstehen, dass ich nicht meinen Körper zwinge, irgend etwas dieser Dinge zu tun. Ich musste nur mein Unterbewusstsein fragen, ob es bereit war, das zu tun….Und dann musste ich auf die Antwort warten…“ 

 

Aus seinem eigenen energetischen Verständnis erklärte Schwarz die Darbietung damit, dass er von einem ‚Aura Lesen‘ ausgehe. Wie viele Yogis und andere Heiler war er der Überzeugung, dass die energetische Struktur des Menschen unterteilt ist, in eine physische, emotionale, mentale und eine spirituelle. Er war der Überzeugung, dass diese verschiedenen energetischen Zustände für bestimmte Menschen sichtbar seien. Schwarz wurde in Untersuchungen der Menninger Foundation verschiedenen Tests unterzogen. Hierbei zeigte sich, dass er tatsächlich in der Lage war, anhand seiner geistigen Aktivität verschiedene körperliche Prozesse zu kontrollieren. Ebenso zeigte sich, dass sich sein abgeleitetes EEG von dem anderer deutlich unterschied. Auch diese Darbietungen von Schwarz entbehren jeder konventionellen, medizinischen Erklärung. (siehe das unten angehängte Video)

 

Nachdem sie von indischen Yogis gehört hatte, die in der Lage waren ihre physiologischen Prozesse in tiefer Meditation willkürlich zu steuern und über 28 Tage eingeschlossen in einer luftdichten Kammer zu überleben, reiste Therese Brosse (1902-1991) eine französische Ärztin, nach Indien um sich der Untersuchung dieser Vorgänge zu widmen. Tatsächlich konnte sie in vielen ihrer Untersuchungen nachweisen, dass es diesen Yogis möglich war, deren Herzschlagfrequenz willentlich zu steuern und so sehr zu verlangsamen, dass die Frequenz nur noch über die Ableitung eines EKG zu erfassen war. 

 

In den 50er Jahren wurden diese Untersuchungen von weiteren Gruppen von Wissenschaftlern ausgeweitet und fortgeführt. Im Verlaufe dieser Studien wurde die Gehirnaktivität erfasst, die Atemfrequenz, Körpertemperatur, Blutdruckverhältnisse, Hautleitfähigkeit, u.a.m. Zwei der untersuchten Yogis wurden in einer luftdichten Kiste, zu zwei verschiedenen Gelegenheiten, über 8 bzw. 10 Stunden Dauer fortlaufend untersucht. Die abgeleiteten biologischen Parameter, zeigten Werte, die einem Schlafzustand entsprachen, mit deutlich reduzierter Herzschlagrate und Atemfrequenz. Das Verhältnis zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid blieb während der gesamten Zeit der Messung vollkommen unverändert. Ganz offensichtlich waren die Yogis in der Lage ihre körperliche Reaktion auf die gegebenen Verhältnisse so anzupassen, dass ein mehrwöchiges Überleben gesichert werden konnte.

 

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten wurde an verschiedenen Orten der Erde von Personen berichtet, die zu medizinisch bzw. naturwissenschaftlich nicht erklärbaren Leistungen in der Lage sind und diese unter verschiedenen, kontrollierten Bedingungen nachgewiesen haben. Stellvertretend soll hier auf die Aktionen von David Blaine (geb. 1973) US-amerikanischer Aktionskünstler  eingegangen werden. Blaine begann seine Karriere zunächst mit Zauberkünsten, die er v.a. auf New Yorks Straßen zeigte. Neben dem Arbeiten mit Karten, Münzen und Geldscheinen, bezog er schnell schon Telepathie und Akte der Levitation ein. V.a. seine ersten Fernsehshows, Street Magic (1996) und Magic Man (1998) machten ihn berühmt.

 

Im Verlauf der Jahre legte er zunehmend den Schwerpunkt seiner Aktionen auf Darstellungen, die weniger mit Zauberkunst zu tun hatten, als mit der Fähigkeit, über den Geist die eigenen Körperfunktionen zu beherrschen bzw. ganz außer Kraft zu setzen. So ließ er sich am 5. April 1999 in einem gläsernen Sarg in eine Grube versenken, in welchem er, ohne Zufuhr von Luft und Lebensmitteln, sieben Tage verbrachte. Hierbei konnte er 24 Stunden lang, rund um die Uhr, beobachtet werden. Am 27. November 2000 ließ er sich in einen Eisblock einschließen, der von außen mit Schläuchen verbunden war, so dass Wasser und Frischluft zugeführt werden konnte, ebenso bestand eine Verbindung über einen Blasenkatheder. In diesem Eisblock verbrachte er 61 Stunden, 41 Minuten und 15 Sekunden, stehend und im Wachzustand. Auch in diesem Eisblock eingeschlossen, blieb er während der gesamten Zeit beobachtbar. 

 

Am 1. Mai 2006 versuchte David Blaine den Weltrekord im Luftanhalten zu brechen, der damals bei 8 Minuten und 58 Sekunden lag. Dazu befand er sich zunächst für 176 Stunden in einer wassergefüllten Plexiglaskugel in New York. Luft und Flüssigkeit wurden über Schläuche zugeführt. Der Abschluss dieser Aktion sollte in diesem neuen Weltrekord bestehen. Allerdings musste er nach 7 Minuten und 8 Sekunden erschöpft abbrechen. Zwei Jahre später am 30. April 2008 konnte er in einer Wiederholung live in Rahmen der Oprah Winfrey Show diesen neuen Welt-Rekord tatsächlich aufstellen, in dem er seine Atmung für 17 Minuten und 4 Sekunden unterbrechen konnte. (siehe hierzu das Video unten)

 

Neben diesen erwähnten Aktionen gab es noch weitere Aufsehen erregende Darbietungen, die in gleicher Weise die Grenzen des medizinisch Erklärbaren und Nachvollziehbaren überschreiten (siehe das letzte Video unten mit David Blaine). Auch wenn es, gemessen an der Gesamtanzahl der Erdbevölkerung, eine vergleichsweise nur kleine Hand voll solcher Menschen gibt, die für das Unmögliche bzw. Undenkbare stehen, so bleibt bestehen, dass diese Phänomene aufgrund dieser Belege grundsätzlich real sind. Zeigen sie insofern nicht, dass die Gesetzmäßigkeiten, an denen wir naturwissenschaftlich ausgerichtet sind, keinen absoluten und universellen Stellenwert beanspruchen können. Die Anzahl der Orientierungen, an denen wir uns im Allgemeinen und in der großen Mehrzahl der Fälle ausrichten, ist offensichtlich viel größer, als es uns unser klassisches naturwissenschaftliches Verständnis nahe legt. Wir dürfen einbeziehen, dass wir als Menschen, durch entsprechende Ausbildung gewisser Fähigkeiten, die uns von der Natur scheinbar auferlegten Grenzen des Möglichen weit überschreiten können.

 

Erinnern wir uns an all das, was uns inzwischen, aus der Quantenphysik vermittelt vorliegt und beziehen aufgrund dessen das uns umgebende ‚elektromagnetische, energetische Feld aller Möglichkeiten‘ mit ein (siehe Beitrag 10 bzw. 40 auf dieser Blog Seite), dann bekommen diese Ereignisse und Phänomene einen durchaus nachvollziehbare Erklärung. Denn in diesem physikalischen Verständnis sind die Grenzen des Möglichen weitgehend aufgehoben. Insofern scheint auch das Nicht-Vorstellbare möglich. 

 


14.07.2019

 

Von der Saat bis zur Ernte...

Der nachfolgende Beitrag stellt ein deutlich verkürztes Abbild des psychotherapeutischen Prozesses dar. Das Anliegen ist es jedoch, anhand der aufgezeigten Analogie, ein besseres Verständnis für die mit diesem Prozess verbundene Arbeit zu erzeugen. 

 

Wenn wir verstehen möchten, wie ein psychotherapeutischer Prozess abläuft, können wir ihn vergleichen mit der Arbeit, die ein Landwirt vornimmt, wenn er die Schritte vollzieht, die notwendig sind um eine Frucht zu ernten, die er lange Zeit zuvor gesät hat.

 

Vor der Aussaat, muss der Boden entsprechend bearbeitet und vorbereitet werden. Das bedeutet, dass der Boden durch Pflügen, Lockern und Krümeln aufgeweicht werden muss. Hierbei wird zugleich das Unkraut beseitigt, in dem die obere Erdschicht nach unten gedreht wird. Anschließend wird die Erdoberfläche eingeebnet und eine feinkrümelige Oberfläche entsteht. 

 

In vergleichbarer Weise geht es auch im Rahmen eines therapeutischen Prozesses zunächst darum ‚den Boden zu bearbeiten‘. Dies bedeutet den Patienten nach und nach mit dem Vorgehen in der Psychotherapie vertraut zu machen, ihn zu sensibilisieren für die Notwendigkeit, sich den eigenen Gedanken, Vorstellungen, Phantasien, Erinnerungen und Gefühlen zu öffnen. Vieles von dem, was bisher aus den unterschiedlichsten Gründen verborgen war, darf und soll nun mitgeteilt werden, von ‚unten nach oben gekehrt‘ werden. Hierbei geht es auch darum, es sich zunehmend mehr zu zugestehen, Schamgrenzen zu überschreiten, Ängste zu überwinden und Vertrauen zu fassen. Erleichtert werden kann dies durch den geschützten Rahmen und das wertschätzende, einfühlsame und respektvolle Vorgehen auf Seiten des Therapeuten. Notwendig ist es eine Atmosphäre des geschützten Raumes zu schaffen, sowie der relativen Sicherheit und Geborgenheit.

 

Von Beginn an der therapeutischen Beziehung, sollte als spürbare Grundlage der gemeinsamen Arbeit das Bemühen um Aufrichtigkeit gegeben sein, dies von beiden Seiten. Die Vorgabe, i.S. einer Vorleistung hierzu, kann von Seiten des Therapeuten kommen, in dem er stets erkennbar bemüht ist, behutsam und respektvoll zu spiegeln, was sich bzgl. der charakteristischen Kennzeichen des Patienten offenbart, zumal wenn diese, was häufig der Fall ist, diesem selbst nicht bewusst sind. In gleicher Weise verhält es sich mit Zusammenhängen, bzgl. der aktuell gegebenen Probleme und dem frühkindlich Erlebten. Tatsächlich kann im Rahmen einer Spiegelung bzw. Rückmeldung alles gesagt werden, solange es von einer wertschätzenden und zugewandten inneren Haltung und Intention getragen und davon gekennzeichnet ist. 

 

Fragen wir mit Hilfe der Analogie, wie es nach der Bearbeitung des Bodens weiter geht, sehen wir, dass als nächster Schritt die Aussaat folgt. Hierfür muss für den jeweiligen Boden passendes Saatgut ausgewählt werden. Dieses Saatgut sollte frei sein von Unkrautsamen und geschädigten Körnern. Es ist die Saattiefe und auszusäende Menge einzustellen. Die einzelnen Samen werden in den Boden gelegt und mit Erde bedeckt. 

 

Übertragen auf den psychotherapeutischen Prozess bedeutet es, dass nach dem Erarbeiten der Bereitschaft Zusammenhänge und zugrundeliegende unbewusste Motive anzuerkennen und nachzuvollziehen, dem Patienten zunehmend Deutungen und Interpretationen angeboten werden können. Diese beziehen sich auf die ihn kennzeichnenden charakteristischen Muster des Denkens, Erlebens und Verhaltens, sowie der damit verbundenen Wiederholungszwänge, deren kompensatorischer Charakter in Verbindung mit den biographischen Erfahrungen und Erlebnissen, nach und nach aufgedeckt werden kann. 

 

So kann es notwendig sein, die ihn z.B. kennzeichnenden Größenphantasien im Zusammenhang mit seiner narzisstischen Persönlichkeit als Ausdruck der Kompensation von tief empfundenen Gefühlen des Minderwertes, der Selbstzweifel und auch von Ängsten zu verstehen. In gleicher Weise kann es notwendig sein, die z.B. zwanghaft wiederkehrenden selbstschädigenden Verhaltensweisen (Suchtverhalten, Eingehen pathologischer Beziehungen, etc.) als kompensatorischer Ausdruck von Selbst-Bestrafungstendenzen zu verstehen, da hiermit u.U. das möglicherweise unbewusste, trotzhafte Aufbegehren gegen die elterlichen Vorgaben fortgeführt wird. 

 

Deutungen und Interpretationen dieser Art, sollten stets an die spezifische Persönlichkeit des Betroffenen angepasst werden. In einem Fall kann das mit einer ausgeprägten Behutsamkeit verbunden sein, in einem anderen Fall mit einer erkennbaren und notwendigen Deutlichkeit des Nachdrucks. In jedem Fall jedoch sollten die Interventionen frei sein von persönlichen emotionalen Reaktionen auf Seiten des Therapeuten, die Ausdruck eigener Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte oder auch Konflikte sein könnten. Auch sollte stets berücksichtigt werden, wie häufig und wie intensiv solche Interventionen vorgenommen werden. Je nach individueller ‚Beschaffenheit des Bodens’ sind hier die therapeutischen Entscheidungen zu treffen.

 

In der Landwirtschaft kann auf den Prozess der Keimung kein Einfluss genommen werden. Der Samen benötigt Luft, Wasser und eine Mindesttemperatur. Sind diese Komponenten gegeben, beginnen die Keimwurzeln selbst zu wachsen und Blattspitzen werden an der Erdoberfläche sichtbar. Den Winter überdauern die zarten Pflänzchen im Reifestadium. 

 

Vergleichbar verhält es sich mit den Prozessen, die nun zunehmend in dem Patienten ablaufen. Die, die therapeutische Beziehung kennzeichnenden positiven Anteile der Wertschätzung, Achtsamkeit, des Respekts und der Anerkennung der Selbstbestimmung auf Seiten des Patienten, bestimmen die Arbeit und leisten somit einen Beitrag zu den in dem Betroffenen sich vollziehende ‚Reifung‘. Die sich in der Tiefe vollziehende Entwicklung wird, wenn auch zunächst nur in Ansätzen, zunehmend deutlicher erkennbar an den sich verändernden Erfahrungen des Patienten in seinem Leben und den ihn kennzeichnenden Beziehungen, im Privaten, Beruflichen und in der Freizeit. Auch seine Einlassungen im Rahmen der psychotherapeutischen Beziehung werden sich verändern, erkennbar u.a. auch an seinem Sprachstil, z.B. kann dieser im Fall einer narzisstischen Störung weniger Ich-Bezogen werden oder im Fall einer sehr unterwürfigen Persönlichkeit, mit mehr Bedacht auf authentische Aussagen vom eignen Selbst bestimmt werden. Letztlich ist in dieser Phase des Verlaufs auch die notwendige Zeit des Verbleiben auf einem bestimmten Plateau der Entwicklung und des Fortschritts zu respektieren. Dies ist durchaus nicht verbunden mit einem Stillstand, sondern mit einer kaum merklichen, unterschwellig stattfindenden Weiterentwicklung (siehe hierzu den Beitrag Nr. 42)

 

In der Landwirtschaft ist es während der gesamten Zeit des Wachstums notwendig eine fortlaufende Unkrautbekämpfung zu betreiben, da ansonsten das Unkraut überhand nehmen würde und somit den Prozess der Keimung deutlich beeinträchtigen oder gar verhindern würde. 

 

Ähnlich verhält es sich im Rahmen der psychotherapeutischen Arbeit. Hier geht es mit Hilfe eines immer wiederkehrenden Durcharbeiten darum, gewonnene Erkenntnisse und Einsichten wiederholt bewusst zu machen, um damit den sich stets von Neuem manifestierenden Widerständen und Abwehrmechanismen entgegen zu wirken. Diese sind bestrebt den ursprünglichen Zustand des Seins bzw. die alten Muster des Denkens, Empfindens und Verhaltens wieder bestimmen zu lassen. Trotz der vollzogenen Entwicklung und des erzielten Fortschritts, ist die Macht dieser zeitlich weit zurück reichenden Selbstanteile beträchtlich.

 

Diese werden sich auch nach Beendigung der Psychotherapie zu Wort melden und in unveränderter Weise den Versuch unternehmen, erneut bestimmenden Einfluss auf das Denken, Fühlen und Verhalten zu gewinnen. Dann wird es wichtig und notwendig sein, die im Verlaufe der psychotherapeutischen Erfahrung gelernten und verinnerlichten Verarbeitungs- und Bewältigungsprozesse, mit sich selbst durchzuführen. Dies geschieht dann mit Hilfe der sog. Therapeutischen Ich-Spaltung (siehe hierzu den Beitrag Nr. 7), welche es, in einem mit sich selbst geführten Dialog, ermöglicht das eigene Denken, Fühlen und Handeln einer selbstkritischen Prüfung zu unterziehen. Dies erfolgt unter Berücksichtigung aller bis dahin gewonnener Erkenntnisse und Einsichten in sich selbst.

 

Als letzten Akt in der Landwirtschaft, kommt es schließlich zum Erntevorgang, d.h. die Früchte der ganzen Arbeit und Mühe, sowie der langen Zeit des aktiven Zuwarten, können nun geerntet werden. Im Rahmen der psychotherapeutischen Arbeit, kommt es zwar nicht zu einem vergleichbaren Erntevorgang, der sich zu einem bestimmten Zeitpunkt erkennbar manifestiert, doch können in gleicher Weise, anhand des veränderten Denkens, Fühlens, Verhaltens und Entscheiden des Patienten, die angestrebten und erwünschten Ergebnisse sichtbar werden. Dokumentieren wird sich das u.a. an verschiedenen Stellen im Leben des Betroffenen. Sowohl bzgl. der Arbeitsfähigkeit und der Liebesfähigkeit als auch der Genussfähigkeit (siehe hierzu Beitrag Nr. 39) werden sich Veränderungen einstellen und benennen lassen, die insgesamt zu einer besseren Lebensqualität beitragen werden.

 

Anhand der hier ausgeführten Analogie mit der Arbeit in der Landwirtschaft wird deutlich, wie intensiv und auch langwierig die zu vollführende Arbeit auch am eigenen Selbst sein kann. Wie auch bei der Arbeit an dem Boden, ist der größte Anteil der Arbeit auch in der Psychotherapie, zum Einen der gründlichen Vorbereitung des Bodens gewidmet, zum Anderen dem wiederkehrenden, geduldigen Durcharbeiten des bereits Erkannten. Hier reicht es nicht eine einmalige Erkenntnis und Einsicht zu erschließen, um diese dann sicher und voller Überzeugung anzuwenden. Anhand wiederkehrender und auch wechselnder bzw. neuer Lebenssituationen, ist diese Arbeit des Durcharbeiten fortlaufend von Neuem zu leisten.

 

Wünschenswerter Weise sollte sich mit zunehmender Dauer der Psychotherapie bei dem Betroffenen, das Gefühl einstellen, aus eigenen Stücken viele der entscheidenden Erkenntnisse und Einsichten entwickelt bzw. gewonnen zu haben, so dass die tatsächlichen, Hilfe bietenden Interventionen von Seiten des Therapeuten, in der Erinnerung und dem Erleben des betroffenen Patienten, immer mehr in den Hintergrund treten und verblassen. Auch wenn es den realen Verlauf des Prozesses nicht widerspiegelt, trägt es dazu bei, dass das Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und das Selbstverständnis des Patienten eine zusätzliche und entscheidende Stärkung erfährt.

 

Die Einsicht, dass wir alle unser Leben lang mit solchen Prozessen der Arbeit an uns selbst befasst sein sollten und dies in aller Demut auch anerkennen dürfen, vermittelt sich in einer fernöstlichen Geschichte.

 

Nach einigen Jahren der intensiven Arbeit an sich selbst, mit Hilfe von Bücherstudium und Meditation, fragt der Meisterschüler seinen Meister, „Meister, was muss ich denn machen um so zu werden wie du?“; der Meister antwortet, „um so zu werden wie ich, musst du bereit sein, täglich Wasser zu holen und täglich Holz zu hacken.“; der Schüler, „und wenn ich dann so bin wie du Meister, was muss ich dann machen?“; der Meister antwortet, „wenn du so bist wie ich, dann…., ja dann…musst du bereit sein, täglich Wasser zu holen und täglich Holz zu hacken.“ 

 


12.07.2019

 

Zum Stellenwert der Plateaus in unserem Leben...

Wenn wir uns ein Ziel setzen, das mit einer persönlichen Entwicklung, einem persönlichen Fortschritt und einem damit verbundenen Lernen einhergeht, stellt sich uns die Frage, welchen Verlauf das Ganze nehmen wird. Sofern das angestrebte Ziel mit einem entsprechenden Wert verbunden ist, sollten wir bestrebt sein, alles dazu notwendige zu tun, dieses Ziel zu erreichen. Dies impliziert, dass wir unser Denken, Empfinden, Verhalten und unsere Entscheidungen darauf ausrichten, das in der Zukunft Liegende, Realität werden zu lassen. 

 

Im Rahmen unserer Sozialisation lernen wir in unterschiedlichem Ausmaß von frühester Kindheit an, vorgegebene Ziele anzustreben und die damit verbundenen Mühen und Anstrengungen auf uns zu nehmen. Ebenso lernen wir den fortlaufenden Einsatz von Bewertungen und Überprüfungen unserer Fortschritte und der damit verbundenen Entwicklung in Kauf zu nehmen. Dies dokumentiert sich anschaulich in den von klein auf erfolgten Benotungen und den unterschiedlichen Zeugnissen, die wir als Spiegel unserer Leistungen erhalten. Das fortlaufende Bewerten und Vergleichen, wird zum selbstverständlichen Maßstab unserer Entwicklung.

 

Im Verlaufe dieser Sozialisation verinnerlichen wir ebenso die offen oder auch verdeckt vermittelte Botschaft, dass wir stets bestrebt sein sollten voranzukommen, ob im Privaten, Beruflichen oder auch im Rahmen der Freizeit (Sport, Musik, etc.). Stillstand ist nicht erstrebenswert und auch nicht mit Anerkennung verbunden. Noch weniger ist es verständlicherweise ein Rückschritt in der Entwicklung, der einer Niederlage bzw. einem Versagen gleichkommt. Erkennbar sein sollte somit immer ein aufsteigender Ast bzw. ein aufsteigender Kurvenverlauf in unserer Entwicklung. Wachstum auf allen Ebenen ist die Maxime, der wir uns unterordnen sollen. Dass dem so ist, soll für jeden im Bereich unseres Lebensumfeldes sichtbar werden, lautet der an uns gestellte Anspruch.

 

Diesen mehr oder weniger steil nach oben zeigenden Kurvenverlauf, tragen wir daher als verinnerlichte Vision, bewusst oder auch unbewusst als Auftrag in uns. Insofern sind wir es gewohnt, uns selbst daran zu messen. Je nach Ergebnis dieses Abgleichs, fühlen wir uns zufrieden mit uns selbst, u.U. gar beglückt oder aber auch enttäuscht, niedergeschlagen und vielleicht sogar beschämt. Die Folge dieser stets nach oben gerichteten Bestrebung, verbunden mit einem mehr, schneller, besser, größer, umfangreicher, vielfältiger etc. ist nicht selten, eine zunehmende Anspannung, die unser Denken, Fühlen und Verhalten erfasst. 

 

Je nach Verlauf dieser Entwicklung, fühlen wir uns zunehmend erschöpft, ausgelaugt, ohne Energie, leiden unter Schlafdefizit und vermehrt auch depressiven Stimmungen, neigen zum Rückzug bis hin zur Lethargie. Was kann uns in dieser Situation helfen? Was kann dazu beitragen, dass wir erst gar nicht in eine solche Situation geraten?

 

Entscheidend helfen kann uns in diesem Zusammenhang ein Umdenken, verbunden mit einem veränderten Verständnis dessen, was wir unter einer natürlich verlaufenden, wünschenswerten Entwicklung verstehen. Dies bedeutet, dass wir das verinnerlichte Bild des Kurvenverlaufs einer positiven Entwicklung, die sich in einer mehr oder weniger steil nach oben verlaufenden Kurve darstellt, aufgeben bzw. entsorgen sollten. 

 

Tatsächlich brauchen wir diesbezüglich nur auf unsere eigene Lebenserfahrung zu schauen und uns vor Augen zu führen, was wir mit uns selbst, mit anderen und auch der Natur, die uns umgibt, erlebt haben. Wir werden erkennen, wo auch immer Entwicklungen stattfinden, sind diese auch mit Rückschlägen bzw. noch viel häufiger mit Phasen des scheinbaren Stillstandes verbunden. Dieser vermeintliche Stillstand erstreckt sich nicht selten über einen längeren oder auch sehr langen Zeitraum, bevor ein erneuter Fortschritt bzw. Zuwachs erkennbar ist.

 

In diesen Phasen befinden wir uns auf einem sog. ‚Plateau‘, auf dem eine Weiterentwicklung, ein Lernfortschritt nicht offensichtlich erkennbar ist. Bedeutet dies aber, dass in dieser Zeit tatsächlich nichts geschieht? Ganz im Gegenteil haben solche Plateaus eine ganz entscheidende Funktion im Rahmen der Weiterentwicklung. In der Zeit, in der wir uns auf einem solchen Plateau befinden, finden wichtige Reifungs- und Umbauprozesse statt, kann das, was an Wissen, Kenntnissen, Erfahrungen und Kompetenzen neu erworben wurde, umgestaltet, eingepasst und tiefer verinnerlicht werden. Insofern sind solche Plateau-Phasen ein natürlicher Bestandteil des Lernens, während derer durchaus ein unsichtbarer Fortschritt stattfindet.

 

Der Gehirnforscher Romuald Brunner (geb. 1953), Kinder- und Jugendpsychiater, meint bzgl. solcher Prozesse, wie sie beispielhaft auch in der Pubertät stattfinden, in der sich die Strukturen im Gehirn von Teenagern verändern, die Graue Zellen abnehmen, neue Verbindungen aufgebaut werden, wäre es hilfreich auf der Stirn ein Schild anzubringen mit der Aufschrift: „Gehirn wegen Umbau geschlossen.“

 

Die Ergebnisse der Lernforschung, die heute vorliegen, belegen uns, dass Lernen nicht in einer stets nach oben verlaufenden Kurve stattfindet. Lernen wir etwas Neues, kommt es in unserem Gehirn zu solchen ‚Umbaumaßnahmen‘, diese nehmen verständlicherweise Zeit in Anspruch, so dass wir das neu Erworbene zunächst nur mit viel Aufwand, Mühe und auch einer erkennbaren Fehlerquote anwenden können. Erst mit einer entsprechenden Zeit der Übung und der damit verbundenen großen Anzahl an Wiederholungen, kommt es zu einer Automatisierung, die es uns ermöglicht sehr schnell und vielleicht gar reflexartig auf das neu Erworbene, im Denken, Empfinden und Verhalten zurückzugreifen. 

 

Mit den Phasen auf den Plateaus können wir die Zeiten verbinden, die wir dazu nutzen, Wiederholungen durchzuführen, um das neu Erworbene, aus welchen Bereichen auch immer, besser zu verinnerlichen. Hierbei ist es hilfreich sich der körpereigenen biologischen Prozesse bewusst zu sein, die mit dem Lernen verbunden sind.

 

Denn inzwischen wissen wir, je häufiger bestimmte Verbindungen genutzt werden, z.B. im Rahmen eines Lernvorgangs und den damit verbundenen Wiederholungen und Übungen, umso mehr Myelin, eine Biomembran, legt sich um die betreffenden Nervenzellen als Schutzmantel. Je vielschichtiger diese Ummantelung ist, desto stärker, schneller und präziser können unsere Aktionen (Bewegungen, Gedanken, emotionale Reaktionen) erfolgen. Da es stets mit einer Zeitdauer verbunden ist, bis sich diese Ummantelungen mit Myelin ausgebildet haben, steht deren Ausbau in einem direkten Zusammenhang mit der Ausdauer und Leidenschaft, die einem Lernprozess zukommt. Insofern finden wir hier die biologische bzw. histologische Analogie zu dem uns allen bekannten Sprichwort „Übung macht den Meister“.

 

Dennoch ist diese Feststellung insofern zu relativieren, als nicht nur die Anzahl der Übungen entscheidend ist, sondern auch die damit verbundene innere Einstellung. Dies zeigte eine Untersuchung, in der sowohl die Intensität des Übens (Anzahl der Übungseinheiten) erfasst wurde als auch die innere Einstellung. Diese wurde danach unterschieden, ob eine kurzfristige, mittelfristige oder langfristige Leistungsbereitschaft vorlag. Es zeigte sich, dass bei gleichen Übungszeiten, Probanden, die eine langfristige Leistungsbereitschaft hatten, 400 Prozent besser waren als diejenigen, die eine Einstellung hatten, verbunden mit einer nur kurzfristigen Leistungsbereitschaft.

 

Ganz offensichtlich ist die Bereitschaft sich auf einen langen Weg einzustellen und die damit verbundenen Mühen und Anstrengungen auf sich zu nehmen, neben der tatsächlichen Anzahl von Übungseinheiten von großer Bedeutung für die Lernfortschritte bzw. die persönliche Entwicklung in welchen Bereichen des Lebens auch immer. Eine langfristige Leistungsbereitschaft ist auch in einen Zusammenhang zu bringen mit einer notwendigen Frustrationstoleranz und der Fähigkeit einen Belohnungsaufschub in Kauf zu nehmen. (siehe den Beitrag in Blog 1 hierzu Nr. 16).

 

Wir dürfen davon ausgehen, dass Lernen, das recht mühelos erfolgt ist, sich weniger tief in uns verankert, als Lenen, das mit großen Schwierigkeiten verbunden war und aufgrund dessen mit erheblichen Auseinandersetzungen mit dem zu lernenden Gegenstand verbunden war. Die dadurch entstehenden Verknüpfungen in unserem Nervensystem haben eine offensichtlich wesentlich größere Beständigkeit als es im Fall einer einfachen Lernerfahrung der Fall ist.

 

Auf den oben angesprochenen Phasen der Plateaus ist es von besonderer Bedeutung, Ausdauer und Disziplin zu bewahren, da hier der Zuwachs an Entwicklung und Fortschritt, da nicht offensichtlich sichtbar, als motivierender Faktor zunächst entfällt. Auf diesen Phasen ist es wichtig, wie George Leonard (1923-2010), US-amerikanischer Pädagoge und Schriftsteller, betont, den ‚längeren Atem‘ zu entwickeln und zu behalten. Sind wir in der Lage den Wert und die Bedeutung dieser Plateaus zu berücksichtigen, haben wir nach Leonards Überzeugung die Voraussetzung geschaffen um ein Meister in allen Lebensbereichen zu werden. Er schließt dabei das tägliche Leben und unsere Beziehungen zu Anderen mit ein. Er betont die Wichtigkeit der Bereitschaft zur Hingabe und immer wiederkehrenden Übung.

 

In der Analogie können wir uns die Lernprozesse im Rahmen neuer Entwicklungen als das Anlegen und Beschreiten neuer Wege in unserem hochkomplexen und dichten Nervenzellen-Netzwerk vorstellen. Zunächst wird ein Pfad angelegt, der sich dann zu einem erweiterten Weg bis zu einer Allee bzw. einer Schnellstraße oder gar Autobahn ausbauen wird. Hier können wir dann auch von einer Datenautobahn sprechen, welche die Grundlage für unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln sein kann. Ein solcher Prozess erfordert Zeit, welche mit einer stufenweisen Entwicklung verbunden ist, in dem wir uns von einem Plateau zum nächsten bewegen.  

 

Charles Darwin (1809-1882), britischer Naturforscher, betonte aus seiner Sicht den Stellenwert des Lernens, in dem er sagte: „Narren einmal ausgenommen, unterscheiden sich die Menschen nicht so sehr hinsichtlich ihres Intellekts, sondern vielmehr hinsichtlich ihres Ehrgeizes und ihres Fleißes.“

 

John Wooden (1910-2010) eine US-amerikanische Basketball Trainer Legende, der in einem Zeitraum von 12 Jahren einen Rekord von 10 Nationalen Meisterschaften aufstellte, sagte bezüglich der persönlichen Entwicklung und Fortschritte: „Erwarten Sie keine großen, plötzlichen Fortschritte. Bemühen Sie sich um kleine Fortschritte, Tag für Tag. Nur so stellen sich Veränderungen ein, und wenn sie sich einstellen, sind sie von Dauer…Die Bedeutung der Wiederholung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wiederholung ist der Schlüssel zum Lernerfolg.“

 

In Anbetracht dieser Ausführungen, dürfen wir uns eingestehen, dass wir den Stellenwert der Plateaus im Rahmen unserer Entwicklung, in welchen Bereichen unseres Lebens auch immer, nicht hoch genug einschätzen können.

 


10.07.2019

 

Zur Bedeutung des ersten Schrittes...

Ein Sprichwort lautet: „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.“ Im Alltag findet diese Redewendung meist dann ihre Anwendung, wenn wir einen Fehler begangen haben und aus diesem Fehler unsere lehrreichen Schlüsse ziehen sollten. Die geschichtliche Herkunft dieser Redewendung lässt sich nicht eindeutig benennen. Zum Einen wird sie mit dem griechischen Philosophen Sokrates (469-399 v. Chr.) in Verbindung gebracht, da in seinen Lehren die Selbsterkenntnis einen alles überragenden Stellenwert hatte. Zum Anderen kann sie auch dem tiefgründigen griechischen Philosophen Heraklit (550-489 v. Chr.) zugeschrieben werden, für den der Begriff ‚Logos‘ von größter Bedeutung war. 

 

Unter Logos verstand Heraklit nicht das, was wir mit Logik verbinden, i.S. eines Denkens, das auf dem Intellekt basiert. Logos war für Heraklit die Wahrheit selbst, eine Kraft und ein herrschendes Gesetz über den Kosmos und den Menschen. Logos ist verbunden mit einer Erkenntnis, die auf Wissen aufbaut, das existenziell erworben wurde, insofern authentisch ist. Es geht ihm nicht um ein intellektuelles Wissen, sondern um ein existentielles Wissen, welches über das bloße Verstehen hinausgeht und dazu führt, eine zugrunde liegende Wahrheit zu erkennen.

 

Dies ist eine sehr bedeutsame Unterscheidung, denn sie betrifft das Problem, welches sich in der täglichen Arbeit mit Menschen einstellt, die sich in einer psychotherapeutischen Erfahrung befinden. Hier wird in den meisten Fällen missverständlich davon ausgegangen, es genüge etwas auf Verstandesebene mit dem eigenen Intellekt zu begreifen bzw. nachzuvollziehen, um Veränderungen im eignen Denken, Erleben und Verhalten einzuleiten. Im Verständnis von Heraklit geht es nicht um ein solches intellektualisiertes Begreifen und Verstehen, sondern um ein erlebnismäßiges erfahren einer Wahrheit, im Hier und Jetzt, was mit einer ‚Bewusstheit‘ bzw. mit einem ‚Bewusstsein‘ verbunden ist. In gleicher Weise ist es das Anliegen einer analytischen Psychotherapie eine solche Bewusstheit herzustellen. Dort, wo zuvor das Unbewusste unser Denken, Fühlen und Verhalten bestimmt hat, sollte sich Bewusstheit einstellen, so dass wir nicht mehr unwillkürlich irgendwelchen verborgenen Strebungen ausgeliefert sind, sondern selbstbestimmt und bewusst entscheiden und handeln können.

 

Wenden wir dieses Verständnis auf das o.g. Sprichwort an, so wird deutlich, dass es bei der in der Redewendung angesprochenen Selbsterkenntnis um mehr geht, als nur einem intellektuellen Verstehen bzw. Begreifen. Mit dieser Redewendung ist zunächst das Erkennen eines bestimmten Zustandes des eigenen Seins verbunden („So bin ich.“), an welches sich die Frage anschließen kann, ob es Sinn macht so zu bleiben („Will ich so sein?“). In einem weiteren Schritt dieser Erkenntnis kann sich die Frage anschließen, was verändert werden könnte („Wie will ich sein?“). 

 

Diese jeweiligen Schritte sind mit einem sehr tief reichenden erlebnismäßigen, authentischen Verstehen verbunden, welches weit über das intellektuelle Begreifen hinausgeht. Ein derartiges Verstehen beinhaltet eine erlebnismäßige Dimension. In der Analogie könnten wir sagen, dass mit einer solchen Einsicht nicht nur unser Gehirn angesprochen ist, sondern auch unser Herz, welches einen größeren und direkteren Bezug zum unbewussten und intuitiven Erfassen mit einbezieht als es auf der intellektuellen bzw. verstandesmäßigen Ebene der Fall ist.

 

Wenn wir uns dieses bis jetzt ausgeführte, erweiterte Verständnis des Begriffs Erkenntnis näher bringen wollen, kann es hilfreich sein, den Begriff der ‚Einsicht‘ heranzuziehen. Auch dieser spielt in dem psychoanalytischen Prozess eine sehr große Rolle, denn bei allen Schritten der gemeinsamen psychotherapeutischen Arbeit geht es letztlich immer um die zu erlangende Einsicht. Aus dieser kann sich dann eine weiterführende Erkenntnis ableiten.

 

In diesem Verständnis ist Einsicht mehr als Erkenntnis, sie ist ursprünglicher, hat eine Nähe zu dem, was wir mit einem ‚Aha-Erlebnis‘, mit einer  ‚Erleuchtung‘ oder ‚Offenbarung‘ verbinden können. Diese Einsicht kann sich intuitiv vermitteln, somit mehr aus dem Herzen entspringen als dem Intellekt. Einsicht in diesem Verständnis, enthält immer auch ein Moment der Selbsterkenntnis und ist mit einer Erfahrung verbunden. Das angesprochene Aha-Erlebnis ist ein vom deutschen Psychologen Karl Bühler (1879-1963) geprägter Begriff aus der Psychologie. Er beschreibt das schlagartige Erkennen eines gesuchten, jedoch zuvor unbekannten Sinnzusammenhanges. In diesem Verständnis kann sich die Einsicht als Ergebnis eines vermeintlich vollendetem Erkenntnisprozesses einstellen, diesen jedoch auch als vorausgehendes intuitives Erfassen eines Zusammenhangs erst auslösen bzw. fortführen.

 

Die Einsicht bzw. das Erkennen (auch im Sinne der Selbst-Erkenntnis) steht immer im Zusammenhang mit der Beschäftigung und Auseinandersetzung mit einer Fragestellung bzw. einem Problem. Genau hierin besteht der Alltag der psychotherapeutischen Arbeit, in der fortlaufenden Auseinandersetzung mit bestehenden Problemen und den mit ihnen verbundenen Fragestellungen, sowie der sich daraus ableitenden Bemühung, Lösungen zu finden. Karl Duncker (1903-1940), deutscher Psychologe und Mitbegründer der Gestaltpsychologie, ging davon aus, dass es in der Phase der Beschäftigung mit einem Problem, zu kognitiven Umstrukturierungsprozessen kommt. In dieser Phase wird nachgedacht, sich etwas vorgestellt oder es werden Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalte kombiniert, so dass möglicherweise eine Idee oder Neuordnung von Wissen entsteht. Das Ergebnis kann das angesprochene ‚Aha-Erlebnis‘ sein, im Sinne einer tief gehenden Einsicht bzw. einer Erkenntnis im Verständnis von Heraklit (s.o.).

 

Nun sollten wir Menschen, wenn wir Probleme haben und diese in gleicher oder ähnlicher Weise stets wiederkehren, im eigenen Interessen bestrebt und bemüht sein, herauszufinden wodurch diese verursacht sein können und was wir in der Folge dieser Erkenntnis tun könnten um sie zu überwinden. Im Alltag zeigt sich jedoch etwas recht Paradoxes, insofern als zwar die Probleme mit all ihren Nachteilen und negativen Auswirkungen, benannt und u.U. auch präzise geschildert werden können, zugleich recht deutlich und schnell ein erheblicher Widerstand erkennbar wird, sich unter Einbeziehung einer selbstkritischen Befragung, mit den möglichen Ursachen auseinander zu setzen. 

 

An dieser Stelle haben wir es mit dem oben angesprochenen ‚ersten Schritt‘ der Selbsterkenntnis zu tun, den es zu vollziehen gilt. Der Vollzug dieses ersten Schrittes, ist die unablässige Voraussetzung zur Einleitung einer Veränderung und damit verbunden einer angestrebten Verbesserung der eigenen Lebensqualität. Also warum dieser Widerstand gegen diesen ersten Schritt? 

 

Wenn wir unter den wiederkehrenden Schwierigkeiten, Problemen und Konflikten in unserem Leben leiden, fühlen wir uns meist recht hilflos und ausgeliefert, ohne ein Wissen darüber zu haben, was wir tun könnten, um eine wünschenswerte Änderung herbeizuführen. Allein dieses Eingeständnis, aus eigener Kraft nicht weiter zu wissen, keinen Ausweg zu finden, können wir bewusst bzw. noch viel mehr unbewusst als eine Art ‚narzisstische‘ Kränkung erleben. 

 

Es ist nichts, was sich in Einklang mit unserem Wunsch- bzw. Ideal-Bild von uns selbst vereinbaren lässt und ebenso wenig ist es etwas, das sich im sozialen Kontext im Umgang mit anderen leicht vermitteln lässt. Denn an dieser Stelle, müssen wir befürchten, den allgemein gültigen Standards nicht gerecht werden zu können, die von Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Eigenständigkeit gekennzeichnet sind. Stark sein ist angesagt, schwach sein, nicht weiter wissen, ist ein Makel.

 

Somit ist das Eingeständnis professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, u.U. bereits etwas, das mit ‚Scham und Schande‘ verbunden ist. Haben wir uns notgedrungen zu dem Schritt entschieden uns helfen zu lassen, greift ein weiteres Bemühen eine ‚Ehrenrettung‘ zu vollziehen. Dies, insofern als wir, wenn wir uns schon auf eine psychotherapeutische Erfahrung einlassen, dann den Versuch unternehmen, alles was sich als Problem darstellt, durch die zurückliegenden oder aktuellen Umstände und/oder Personen in unserem Umfeld zu erklären versuchen. Mehr oder weniger hat sich zwischenzeitlich bewusst oder unbewusst eine ganz persönliche Überzeugung bzw. Theorie herausgebildet, wodurch das alles bedingt ist und wo die tatsächlichen Ursachen zu suchen sind. 

 

Dies kann sich im Fall von auch körperlichen Beschwerden auf unseren scheinbar ‚defekten‘ Körper beziehen, in der Folge von psychosomatischen oder rein psychischen Beschwerden auch auf die gegebenen Lebensumstände oder die darin relevanten Bezugspersonen (Partner, Eltern, Kinder, Verwandte, Freunde, Vorgesetzte, Arbeitskollegen etc.). Das entscheidende all dieser Erklärungsversuche ist, dass stets irgendwas oder irgendwer die Schuld daran trägt, jedoch nicht wir selbst, da wir doch Opfer sind.

 

Das Paradoxe besteht darin, so lange wir uns als Opfer begreifen, unverantwortlich und ohne eigenes Zutun, bleiben wir verständlicher Weise hilflos und ausgeliefert, können nichts verändern. Denn das, was es in diesem Verständnis zu verändern gäbe, liegt nicht an uns und in uns. 

 

Der vielleicht wesentliche Teil der psychotherapeutischen Arbeit in den ersten Monaten, manchmal sogar ersten Jahren einer analytischen Psychotherapie besteht somit darin, die Bereitschaft zu erarbeiten, von diesen bisher gültigen Erklärungsmodellen abzulassen und die Möglichkeit der eigenen Verursachung und der inzwischen eigenen Verantwortung an den bestehenden Problemen einzubeziehen. Es entsteht zeitweise der Eindruck als sollte sich mit ‚Händen und Füßen‘ gegen eine solche Möglichkeit, zur Wehr gesetzt werden. Auch hier, im Widerstand gegen solche Einsichten, dürfen wir vermuten, dass die damit verbundene narzisstische Kränkung eine große Rolle spielt.

 

Ist diese Einsicht in dem oben beschriebenen Sinn erreicht, können wir davon ausgehen, dass aufgrund der dann vollzogenen Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung vollzogen ist. Die sich dann ergebende weitere Arbeit wird auf diesem ersten Schritt aufbauen können und in möglichen verschiednen,  zukünftigen Versuchungen, in eine früheres Selbstverständnis zurückzufallen, helfen können, sich an dieser einmal gewonnen tiefen Einsicht erneut auszurichten.

 

Die oben besprochenen Widerstände gegen diesen ersten Schritt, die sich, wie bereits erwähnt u.U. über eine lange Zeit erstrecken können, lassen zeitweise die Hoffnung auf eine angestrebte Veränderung aufgeben. An diesen Stellen, wie an vielen anderen unseres Lebens auch, hilft es sich auf eine Lebensweisheit zu besinnen: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Insofern lohnt es sich die Hoffnung nicht aufzugeben, die Mühe und Anstrengung auf sich zu nehmen. Es ist der ‚längere Atem‘, der zum Erfolg führt.

 


08.07.2019

 

Bestimmt die Materie unseren Geist oder unser Geist die Materie?

Der folgenden Beitrag mag etwas theoretischer klingen als die meisten in diesem Blog. Dies ist dem Inhalt bzw. der besprochenen Thematik geschuldet. Sicher hilft es dem Leser, sich mit Nachsicht, Verständnis und Offenheit, auf die Darlegungen einzulassen. Mit einer solchen Haltung wird sich dieser anspruchsvolle Beitrag auch leichter lesen lassen. ;) 

 

Wie schon in verschiedenen Beiträgen angesprochen, sind wir in unserer westlichen Kultur unverändert ausgerichtet an dem mechanistischen Weltbild, wie wir es aus den Darlegungen von Isaac Newton (1642-1726), englischer Naturforscher, kennen. Alles hat Ursachen, alles hat Wirkungen, es bestehen stets kausale Zusammenhänge. Wir können sie beobachten, messen, erklären als eigenständiger und unabhängiger Beobachter.

 

Die Quantenphysik hat gezeigt, dass dem nicht so ist. Wir wissen nun, dass alles mit allem verbunden ist, der Beobachter durch seine Beobachtung und Messung Wirklichkeit schafft.

 

Werner Heisenberg (1901-1976), Physiker und Nobelpreisträger hierzu: „Das Argument, lebende Organismen seien nur mit den Gesetzen der Physik und Chemie zu erklären und es gäbe keine Vitalitätskraft, stimmt nicht mit der modernen Quantentheorie überein.“

 

Inzwischen können wir von einem uns umgebenden und ausfüllenden energetischen Raum ausgehen, dem Meer aller Möglichkeiten, das im physikalischen Vakuum liegt, es ist ohne Masse, d.h. ohne Atomkerne oder Elektronen als Teilchen. Es ist voll von unvorstellbar viel Energie und Information, die als Möglichkeit vorliegen. Dieser massenlose Raum ist zwischen den Atomkernen, den Elektronen, in unserem Körper, in der uns umgebenden Luft, der Atmosphäre der Erde, im Kosmos und der Unendlichkeit des Universums. In diesem Vakuumfeld liegen Energie und Information als codierte Wellenfunktion in unendlicher Verbreitung vor, losgelöst von Raum und Zeit.

 

Mathematisch lässt sich dieses Feld beschreiben durch Wellenfunktionen, die sich überlagern und erst durch die Beobachtung eines Bewusstseins kollabieren und dann zeitlich und räumlich lokalisiert sind. Im buddhistischen Verständnis wird dieser Raum, dieses Feld als ‚Große Leere‘ beschrieben, als das ‚Allumfassende‘.

 

Aus Sicht der Quantenphysik entfaltet sich die Welt aus dieser Leere. Alles tritt aus dem Zustand der Leere, dem Vakuum, in eine wirkliche Erscheinung. Erwin Schrödinger (1887-1961), Physiker und Nobelpreisträger, sagte 1956 hierzu: „Unsere jetzige Denkweise hätte eine kleine Bluttransfusion aus östlichem Gedankengut notwendig.“ Max Planck (1858-1947), Physiker und Nobelpreisträger: „Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde…“

 

Dieser intelligente Geist können wir als unser Bewusstsein verstehen. Es ermöglicht die in dem Feld bzw. dem Meer aller Möglichkeiten liegenden Information durch Erkennen und Verarbeiten über die Vernunft zu öffnen.

 

In gleicher Weise ermöglicht unser Unterbewusstsein diese Information zu Erkennen und zu Verarbeiten. Hier jedoch über unsere Gefühle bzw. unsere Intuition.

 

Ohne unser Bewusstsein kann es somit keine Welt geben. Alle Erfahrung, alles Wissen, das wir haben, entstand über unser Bewusstsein. Alle Materie kann nur über ein Bewusstsein erkannt werden, existiert erst durch unser Bewusstsein. Ohne Geist, keine Materie. Somit ist das Wesen der Natur geistig und nicht materiell. Viele Untersuchungen belegen, dass unser Gehirn bereits Aktivitäten für Handlungen zeigt, bevor unser Bewusstsein von einer bevorstehenden Handlung weiß. 

 

Läuft z.B. ein Laserlichtstrahl zufallsgesteuert über eine weiße Wand, schaut das Auge bereits 6 Millisekunden vorher genau auf den Punkt, welcher dann von dem Lichtstrahl eingenommen wird. 

 

Das Ich, ist mehr als nur unser Bewusstsein, es bedient sich des Bewusstseins, arbeitet mit ihm. In gleicher Weise wird das Ich ergänzt von unserem Unterbewusstsein, das tatsächlich mehr als 95 Prozent unserer gesamten Informationsverarbeitung vornimmt. Man geht davon aus, dass es in jeder Sekunde ca. eine Milliarde Informationseinheiten verarbeitet. Das Ich in Verbindung mit dem Bewusstsein und dem Unterbewusstsein repräsentiert das, was wir als unser Selbst erleben können.

 

So wie wir fragen können, ob das, was wir im Fernsehen sehen, aus dem Fernsehen kommt oder das, was wir von einer CD hören von dieser CD kommt, können wir fragen, kommt das Ich bzw. das Bewusstsein aus unserem Kopf.

 

Beim Fernsehen und der CD gehen wir selbstverständlich davon aus, dass es nur Werkzeuge bzw. Träger der Wiedergabe sind, es ist die Hardware. Wenn wir das Bewusstsein als den wesentlichen Kern unseres Seins begreifen, wie es die Medizin, Psychologie, Neurologie und die Physik nahe legen, können wir fragen, wo kommt es her? Wir können heute davon ausgehen, dass auch unser Kopf mit dem Gehirn nichts anderes ist, als Ausdruck eines Werkzeuges bzw. einer Hardware. 

 

In diesem Verständnis, ist somit nicht das Bewusstsein die Folge von Gehirnaktivität, sondern Bewusstsein ist die Ursache der Gehirnaktivität. Das Bewusstsein nutzt das Gehirn und die Nervenaktivität, wie das Fernsehprogramm die Beschaffenheit des Fernsehers nutzt um sichtbar zu werden.

 

Albert Einstein sagte: „Ein menschliches Wesen ist ein Teil des Ganzen, das wir ‚Universum‘ nennen….Es erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle, als etwas von allem anderen Getrenntes - eine Art optische Täuschung seines Bewusstseins.“

 

Tatsächlich können wir fragen, wie es möglich sein sollte, dass ein individuelles Bewusstsein entsteht, wenn wir nicht von der Existenz eines universellen Bewusstseins ausgehen können. Eugene Paul Wigner (1902-1995), Physiker und Nobelpreisträger, sagt dazu: „Die Quantentheorie beweist die Existenz eines universellen Bewusstseins im Universum.“

 

Diese Einsichten haben auch Folgen für das Verständnis unserer Gedächtnisinhalte. Wir können davon ausgehen, dass all unsere Erinnerungen nicht aus unseren Gehirnstrukturen entspringen, sondern Entnahmen sind aus dem universellen Informationsspeicher, der sich im unbegrenzten elektromagnetischen Feld, im Vakuum, in der großen Leere bzw. dem Meer aller Möglichkeiten befindet.

 

Je nach Individuum ist die Fähigkeit, eine Verbindung zu diesem Feld herzustellen und aufrecht zu erhalten, unterschiedlich ausgeprägt.

 

In einer Sammlung der Aussprüche des Buddha (Dhammapada) heißt es: „Der Geist ist Vorläufer aller Dinge, die Grundessenz alles Existierenden. Vom Geist geh’n alle Dinge aus, sind Geist geschaffen, Geist geführt.“

 

Es gibt in den letzten Jahren weltweit, in den verschiedensten Ländern, Persönlichkeiten, die in unterschiedlicher Weise mit z.T. Aufsehen erregenden Darbietungen, die Fähigkeit des Geistes, Materie anhand der Gedanken zu beeinflussen, belegt haben. Anhand der heutigen sozialen Medien und Netzwerke, finden diese Aktionen schnell weltweite Verbreitung. Einer der Pioniere und der vielleicht Bekannteste, ist der US-amerikanische Aktionskünstler David Blaine (geb. 1973). Das unten aufgeführte Video, zeigt eine seiner vielen Darbietungen, unter kontrollierten Bedingungen. Aus der Sicht eines klassischen Mediziners bleibt diese Demonstration ohne jede Erklärung, da sie jedem physiologischen, biologischen und medizinischen Verständnis widerspricht, in dieser Weise gar nicht möglich sein dürfte.

 

Das Ich, als unsere Erlebnisinstanz, lässt sich wissenschaftlich nicht beweisen. Es existiert nur im Erleben und in der Vorstellung und ist dennoch Ursache alles Bestehenden. Ebenso ist das Denken nur erkennbar an dem, was es hervorbringt. Bezüglich der Dimension der Zeit können wir sagen, dass das Ich keine Zeit kennt, es altert nicht, kann sich in die Vergangenheit und auch in eine phantasierte Zukunft begeben. Es fühlt sich immer gleich alt an und bekommt  die Information bezüglich seines Alters nur aus der Spiegelung durch die Umwelt. So gesehen ist das Ich ‚zeitlos‘. 

 

Zum Erleben der Zeit durch das Ich geben uns die Studien im Zusammenhang mit der sog. Präkognition Aufschluss. Als Präkognition bezeichnen wir die Fähigkeit ein Ereignis, das in der Zukunft liegt, vorweg zu nehmen. Tatsächlich funktioniert unsere Wahrnehmung an vielen Stellen des Alltags im Sinne einer Präkognition.

 

Bereits in den 80er Jahren (Libet et al. 1983, Libet 1985) konnte in Untersuchungen nachgewiesen werden, dass unser Gehirn etwas ansteuert, bevor unser Bewusstsein davon in Kenntnis ist. Das Gleiche zeigte sich bei dem subjektiven Erleben eines Hautreizes, das 50 Millisekunden vor der Reizung auftrat. (Roth, 1998). Ebenso zeigte sich, dass Fehlleistungen eines Klavierspielers sich bereits eine zehntel Sekunde vor der falschen Ausführung im EEG erkennen lassen.

 

Wenn wir in der Lage sind aufgrund des Feldes der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem es keine Zeit und kein Raum in unsrem alltäglichen Verständnis gibt, vorausschauend mit unseren Gedanken in die Zukunft zu gehen und hier Realität zu bestimmen, stellt sich die Frage, ob wir das auch retrospektiv, in die Vergangenheit ausgerichtet können. Können wir die Realität des bereits Geschehenen beeinflussen und bestimmen? Jahn et al. (1997), Neuropsychologe, sagt: „Gedanken können den gewöhnlichen Raum und die gewöhnliche Zeit transzendieren.“ Somit sollte es möglich sein Wirkungen in der Vergangenheit auszulösen.

 

In einer Vielzahl von Versuchen (1971-1975) konnte dies von Helmut Schmidt (1928-2011) Physiker und Parapsychologe, nachgewiesen werden. Mit Hilfe eines Zufallsgenerators wurden Klick-Laute auf einem Stereo-Audiogerät aufgezeichnet, so dass die Klick-Laute sich zufällig auf den rechten und linken Kanal verteilten. Medizin Studenten sollten im Nachhinein durch Instruktion („Klicks vermehrt links“), die zuvor aufgezeichneten, verschlossenen Daten nachträglich beeinflussen. Ergebnis: In 55 % der Fälle war sowohl auf den nachträglich ‚bearbeiteten’ Aufnahmen vermehrt Klicks auf dem linken Kanal vorhanden. Nicht auf einer Kontrollaufnahme, die keiner nachträglichen Beeinflussung unterlag. 

 

In der Zeitschrift ‚New Scientist‘ von 2004 heißt es im Editorial (Brooks): „Die Quantenmechanik scheint die Gesetze von Ursache und Wirkung zu beugen…“

 

In anderen Untersuchungen von William Braud (1942-2012), Psychologe,  wurden von zwei Gruppen Protokolle der Emotion geschrieben. Eine Gruppe bekam im Anschluss, also danach, eine Beruhigungsinstruktion. Die zuvor verfassten Protokolle zeigten, dass diese Gruppe, mit nachträglicher Beruhigungsinstruktion, im Vergleich zur Kontrollgruppe tatsächlich ruhigere Protokolle verfasst hatte. 

 

Die Feststellung, wonach die Natur auch unabhängig von einem Bewusstsein existiert und materielle Objekte eigene Merkmale haben, müssen wir als überholt bewerten. Heute können wir davon ausgehen, dass es eine Wissenschaft der Natur, losgelöst von einem menschlichen Bewusstsein, nicht gibt. Erst durch das erkennende, wahrnehmende und interpretierende Bewusstsein wird Wirklichkeit erschaffen. George Berkeley (1685-1753), Bischof und Philosoph, sagte: „Materie besitzt nur insofern eine Realität, als sie durch irgendeinen Geist wahrgenommen wird.“

 

Niels Bohr (1885-1962), Physiker und Nobelpreisträger: „Realität wird durch Beobachtung geschaffen.“ Erwin Schrödinger (1887-1961), Physiker und Nobelpreisträger: „Die in Raum und Zeit ausgedehnte Welt existiert nur in unserer Vorstellung. Dass sie außerdem noch etwas anderes sei, dafür bietet jedenfalls die Erfahrung - wie schon Berkley wusste - keinen Anhaltspunkt.

 

Im buddhistischen Verständnis sind wir es selbst, die Realität erschaffen: „Achte auf dein Gedanken, denn sie werden deine Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden deine Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf dein Charakter, denn er wird dein Schicksal.“

 


06.07.2019

 

Drei Säulen, die unser Leben bestimmen...

Sofern wir uns in einem Zustand einer relativen Gesundheit befinden, sind wir bestrebt alles dazu beizutragen, uns wohl zu fühlen, in einem Zustand der inneren Zufriedenheit, des Ausgleichs, der Entspannung, wünschenswerter Weise gar des Glücks. Viele unserer alltäglichen Bemühungen sind darauf ausgerichtet, uns einem solchen Zustand anzunähern bzw. ihn, soweit es uns möglich ist, auch herzustellen. Die Voraussetzungen hierfür liegen in uns selbst und auch in den uns umgebenden Merkmalen unserer Lebenssituation. Hierzu gehören sowohl die Mitmenschen als auch die situativen Umstände, in denen wir uns befinden.

 

Haben wir das Glück und es geht uns gut, sowohl auf der körperlichen, als auch auf der seelischen und geistigen Ebene unseres Seins, möchten wir diesen Zustand aufrechterhalten. Da wir uns in diesem Zustand des Wohlgefühls befinden, werden wir sehr wahrscheinlich die ihn kennzeichnenden Merkmale wertschätzen und danach streben, sie so zu belassen. Pointiert formuliert können wir sagen, wir ‚lieben es‘ uns so zu fühlen. 

 

Ein solcher Zustand setzt im Allgemeinen eine Ausgewogenheit zwischen drei wesentlichen Säulen voraus, die unser ganzes Leben bestimmen. Befinden sich diese Säulen in einem relativen Zustand des Gleichgewichts untereinander, steht unser persönliches ‚Haus‘ auf einer guten und gesunden Grundlage. Diese drei Säulen, können wir in gewisser Weise als Stützpfeiler begreifen.

 

Die erste Säule, ohne dass mit dieser numerischen Auflistung eine Gewichtung bzw. Rangfolge verbunden wäre, ist die Säule, welche unsere ‚Arbeitsfähigkeit‘ repräsentiert. Mit dieser Säule ist unsere Fähigkeit verbunden, allen Anforderungen, Aufgaben und Verpflichtungen unseres Lebens bzw. unseres individuellen Alltags in angemessener Weise gerecht werden zu können. Dies betrifft sowohl unser privates als auch unser öffentliiches Leben, in dem wir als Familienmitglied, Ehepartner, Freund, oder auch Nachbar, Vereinsmitglied, Mitarbeiter, Angestellter oder Vorgesetzter existieren. In diesen unterschiedlichen, uns kennzeichnenden Rollen, haben wir den unterschiedlichsten Aufgaben, Anforderungen und Verpflichtungen gerecht zu werden. Erfüllen wir dies alles zu unserer eigenen Zufriedenheit und auch der relativen Zufriedenheit der Anderen, können wir uns diesbezüglich im Einklang mit uns selbst und unserem Umfeld fühlen. Wir können uns wohl fühlen, ausgeglichen und entspannt.

 

Verhält es sich nicht so, werden wir uns unwohl fühlen, uns mehr und mehr in einem Zustand innerer Anspannung wieder finden, möglicherweise im Konflikt mit uns selbst oder/und auch  mit anderen erleben. In diesem Fall sollten wir bestrebt sein alles dazu notwendige zu tun, um die Situation so weit zu verändern, damit wir den ersehnten Wunsch nach Wohlempfinden herstellen können. Die Diskrepanz zwischen einem gegebenen Ist-Zustand und dem erstrebten Soll-Zustand gilt es so stark zu reduzieren, dass die aus der Diskrepanz resultierende Spannung kein überdauerndes Unwohlsein mit sich bringt. 

 

Die Folge einer zeitüberdauernden Diskrepanz, mit einem entsprechenden Spannungszustand und dem damit verbundenen inneren und vielleicht auch äußeren Konflikt, kann in dem Entstehen von Symptomen bestehen, sowohl auf der körperlichen, als auch seelischen und geistigen Ebene. Unter Umständen könnte sich eine zunächst akute, später chronische psychosomatische Erkrankung entwickeln (Migräne, Tinnitus, Bluthochdruck, Magen-Darm-Erkrankung, Gelenkschmerzen, Hautallergien, Herz-und Kreislauferkrankungen, Lungenerkrankungen, usw.). 

 

Die zweite Säule, die in gleicher Weise bestimmend für unser ganzes Leben bzw. unseren täglichen Alltag ist, bezieht sich auf unsere ‚Liebesfähigkeit‘. Hiermit ist unsere Fähigkeit zu verstehen, uns auf wertschätzende, liebevolle, zärtliche, zugewandte und achtsame Verbindungen mit anderen Menschen einzulassen. Hierunter fallen sowohl unsere sehr privaten, intimen und nahen Beziehungen zu unseren Partnern, Familienmitgliedern und Freunden, als auch unsere Beziehungen zu Menschen in unserem alltäglichen öffentlichen Leben, im Rahmen unserer Arbeit, Freizeit oder auch der Begegnung von Menschen in irgendwelchen öffentlichen Räumen. 

 

Gelingt es uns warmherzige, innige, liebevolle und tief gehende Beziehungen mit uns nahe stehenden Menschen zu leben, werden wir uns aufgehoben fühlen können, Liebe geben und Liebe empfangen können. Wir werden die uns kennzeichnenden grundsätzlichen Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte weitgehend erfüllen können und auf diese Weise unserem Leben einen wichtigen Sinn verleihen können. Das, was uns Menschen vom frühesten Zeitpunkt unseres Lebens im Mutterleib kennzeichnet, ist die Verbindung mit einem anderen Menschen (der Mutter). Diese Verbindung steht für das in uns zu tiefst verankerte ‚Wir‘, nach dem wir in der Folge unserer individuellen lebensgeschichtlichen Entwicklung immer, mehr oder weniger ausgeprägt, streben werden. Biologischer-, physiologischer- und damit auch natürlicherweise finden wir Erfüllung nur in der Verwirklichung des Wir. Dies gilt für die intimste Beziehung zu einem Lebens-Partner, so wie auch für die wert- und respektvolle Beziehung zu jedem Menschen, dem wir in welcher Situation auch immer begegnen können. 

 

Auch bezüglich der Liebesfähigkeit können wir, aus welchen verursachenden Gründen auch immer, von dem gewünschten und erstrebten Zustand abweichen, so dass wir uns auch hier in einem Zustand geringerer oder größerer Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand befinden. Ist das der Fall, entsteht ebenfalls ein mehr oder weniger großes Gefühl der Unzufriedenheit, des Unwohlseins, bis hin zu einem subjektiv empfundenen Unglück. Auch hier kann die Folge in der Entstehung von allen möglichen psychosomatischen Krankheiten bestehen, einschließlich schwerer psychischer Erkrankungen im Sinne z.B. einer Depression, Angstzustände, Zwangserkrankungen, Suchterkrankungen, tief gehender Selbstwertprobleme.

 

Wie auch bei den aus der relativen Arbeitsunfähigkeit sich ergebenden Problemen, sind bei den Einschränkungen, die sich aus der relativen Liebesunfähigkeit ergeben, die Ursachen, möglicherweise in zeitlich nahe zurückliegenden Faktoren zu suchen oder aber auch durchaus (was wesentlich häufiger der Fall ist) in den biographisch zurückliegenden, kindlichen und frühkindlichen Erfahrungen. Je nach Schwere der Beeinträchtigungen kann es notwendig sein, auf eine professionelle Hilfe zurückzugreifen und sich einem psychotherapeutischen Prozess zu unterziehen.

 

Als letzte wesentliche Säule, die dazu beiträgt unserem Leben eine  ausgewogene, harmonische und damit gesunde Grundlage zu bieten, ist die Genussfähigkeit zu nennen. Hiermit ist unsere Fähigkeit gemeint, das Leben in all seinen schönen Facetten und Nuancen schätzen und annehmen zu können, sich dem genussvoll, mit Lust und vielleicht auch Leidenschaft hingeben zu können. Hier geht es auch um die Fähigkeit sich fallen zu lassen, in einem lustvollen Genießen baden zu können. Die Schönheiten auf allen Ebenen des Erlebens, bezogen auf alle uns Sinne, aufnehmen, zulassen und empfinden zu können, ist eine besondere Fähigkeit. Diese kommt an vielen Stellen unseres Alltags, der nicht selten erfüllt ist von Aufgaben, Anforderungen und Verpflichtungen (s. Arbeitsfähigkeit) häufig zu kurz und bleibt u.U. sogar ‚auf der Strecke‘. Sind wir in der Lage, Situationen und Gelegenheiten genussvoll zu leben, werden wir uns beschenkt fühlen, erfüllt, zu tiefst befriedigt. Die Natur bzw. unsere Biologie hat uns hierzu mit den entsprechenden Glückshormonen, die in unserem Körper produziert werden können, ausgestattet. Gelingt es uns diese zu aktivieren, fühlen wir uns nicht nur glücklich, sondern wir sorgen in einem umfassenden Sinn für unsere Gesundheit. Aus unzähligen wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir inzwischen, wie sehr diese Zustände zu einer umfassenden Körper-Seele-Geist Gesundheit beitragen.

 

Gelingt es uns nicht, uns auf diese Ebene des Erlebens einzulassen, die Genussfähigkeit zu leben, werden wir ebenfalls mit den beeinträchtigenden und krankheitsinduzierenden Auswirkungen konfrontiert werden. Ein Leben, das keinen ausreichenden Platz für das Genießen hat, wird letztlich in allen Teilen bestroffen sein und durch Einschränkungen gekennzeichnet sein. Auch hier wird es zu schwer erträglichen Zuständen der Spannung kommen, verbunden mit den Diskrepanzen zwischen Ist- und Soll-Wert. Wie auch bei der Arbeitsfähigkeit und Liebesfähigkeit, wird es in der Folge hier darum gehen, Wege zu finden, die Spannung und die Diskrepanz zu reduzieren.

 

Wie aus den Ausführungen erkennbar ist, kann es in all diesen drei Bereichen unseres Lebens, der Arbeitsfähigkeit, Liebesfähigkeit und Genussfähigkeit zu Diskrepanzen kommen, verbunden mit dem Abweichen des Ist-Wertes von dem gewünschten Soll-Wert. Ist das der Fall, stellt sich stets die Frage, wie wir diese Abweichungen beheben können.

 

Wir können sowohl versuchen Veränderungen an den jeweiligen situativen Lebensumständen vorzunehmen, die zu einer möglichen Diskrepanz beitragen (z.B. Ortswechsel, Arbeitsplatzwechsel, Trennung etc.), zugleich oder auch alternativ können wir Veränderungen an uns selbst vornehmen. So kann es u.U. helfen, uns von bestimmten Ansprüchen und Erwartungen zu lösen, ebenso eine andere Sicht, ein verändertes Verständnis bzw. eine andere Deutung des Ganzen vorzunehmen, um den inneren und äußeren Konflikt zu reduzieren oder zu lösen (re-framing). 

 

Ziel darf es und sollte es sein, bezüglich dieser o.g. drei Säulen ein ausgewogenes Verhältnis herzustellen. Es wird kaum möglich und realistisch sein, eine weitgehende Gleichheit in deren Ausprägung anzustreben. Je nach Persönlichkeit und Charaktereigenschaften, werden diese Säulen unterschiedlich stark ausgeprägt sein, doch sollte keine überragend dominieren und ebenso keine vollkommen unterrepräsentiert sein. Probleme und Konflikte, in Verbindung mit negativen Empfindungen und möglichen körperlichen, seelischen und geistigen Beschwerden, können wir langfristig nur vermeiden, wenn es uns gelingt diese drei Säulen in einem ausgewogenen Verhältnis als Grundlage unseres Lebens zu haben.

 

Hierbei sollte es nicht darum gehen, hundertprozentige Lösungen zu finden. Eine solche Haltung wäre der Anlass für fortdauernde Unzufriedenheit mit sich selbst und auch mit anderen, da die Wirklichkeit dem Anspruch nach Vollkommenheit niemals gerecht werden kann. Viel sinnvoller, angemessener und empfehlenswerter erscheint eine Haltung der Toleranz, des Verständnisses, der Großzügigkeit und Nachsichtigkeit auch Abweichungen gegenüber, sofern diese sich in Grenzen halten.

 

Die Anerkennung sowohl der eigenen als auch der uns alle kennzeichnenden Unvollkommenheit, gibt uns viel mehr Freiheit und Wohlbefinden, da sie mit einem Frieden verbunden ist, den wir in uns selbst und auch mit anderen schließen und finden können. Zu lernen mit der Abweichung von einem angestrebten Soll zu leben, kann ein wichtiger und bedeutender Schritt sein, dem Wunsch ein klein wenig näher kommen zu können.

 

Im sog. ‚Gelassenheitsgebet‘, das vermutlich von dem US-Amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr verfasst wurde und große Verbreitung gefunden hat, heißt es in den ersten drei Zeilen: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden….“

 

Wie eine Lösung für eine bestehende, enttäuschende Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität aussehen kann, zeigt auch eine fernöstliche Geschichte. Ein indischer Bauer, kämpfte viele Jahre mit dem Unkraut in seinem Garten, bis er eines Tages, enttäuscht und frustriert aufgrund seines erfolglosen Kampfes, sich mit einem offiziellen Schreiben an seine Regierung wendete. Er schilderte sein Problem und bat, mit Hilfe der dort doch sicher vorhandenen Wissenschaftler und Fachleute, ihm eine Lösung zukommen zu lassen. Nach Monaten des Wartens kam schlussendlich ein offizielles Schreiben der Bezirksregierung, in dem man dem Bauern mitteilte, dass man nach vielen langen Erörterungen und Diskussionen in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Behörden, nun glücklich sei, ihm eine Lösung präsentieren zu können. Die Lösung, die der Bauer im letzten Satz des Schreibens lesen konnte lautete: „Wir empfehlen Ihnen, lernen Sie im Frieden mit Ihrem Unkraut zu leben!“. 

 


04.07.2019

 

Der Mensch ist eine Ganzheit aus Körper, Seele und Geist. Was bedeutet das für die Transplantation eines Herzens?

Mit der Erkenntnis und dem Zugeständnis, das wir Menschen eine Ganzheit sind aus Körper, Seele und Geist, überwinden wir den uns von René Descartes (1596-1650), dem französischen Philosophen, Mathematiker und Naturwissenschaftler, auferlegten Dualismus, der eine Trennung von Körper und Geist postulierte. Für Descartes und seine bis zum heutigen Tag weltweit überall anzutreffenden Verfechter aus allen Gebieten der menschlichen Wissenschaft galt, dass es sich bei Körper und Geist um zwei vollkommen unterschiedliche, voneinander getrennte Einheiten bzw. Substanzen handele. Diese können in diesem Verständnis insofern unabhängig und losgelöst voneinander von Störungen oder Erkrankungen betroffen sein.  

 

Das Verständnis von Descartes bezogen auf den Menschen, findet sich in vergleichbarer Weise im Verständnis der ganzen Welt bei Isaac Newton (1642-1726), dem englischen Naturforscher, Theologen, Physiker und Mathematiker. Er war der Überzeugung, dass sich die Welt, wie eine Maschine, exakt mathematisch beschreiben ließe. Dies aufgrund von Beobachtung und Messung. Hierbei ging er von der Gewissheit aus, dass der Beobachter, unter Einhaltung gewisser Grundsätze und Voraussetzungen, bei seiner Beobachtung vollkommen unabhängig von dem Gegenstand der Beobachtung sei. Die Aussagen und Ergebnisse in Folge der Beobachtung, hätten somit durchaus den Anspruch auf Objektivität.

 

So wie wir spätestens seit den Erkenntnissen der psychosomatischen Medizin wissen, dass der Mensch sich nur als Ganzheit begreifen lässt, bei der eine betroffene Einheit (Körper, Seele, Geist) immer auch die anderen mit betrifft, wissen wir seit den Erkenntnissen der Quantenphysik, dass es nicht möglich ist, die Welt nach einem mechanistischen Weltbild zu begreifen. In diesem sollte es klare Zuordnungen und eindeutige kausale Verknüpfungen geben, die sich objektiv beschreiben lassen. Ganz im Gegenteil, dank der Quantenphysik wissen wir heute, dass alles mit allem verbunden ist und insofern auch der Beobachter mit dem Objekt seiner Beobachtung in Verbindung tritt und damit Einfluss auf das Ergebnis seiner Beobachtung nimmt (siehe Doppelspalt-Experiment).

 

Wenn wir diese heutige Sicht und das heutige Verständnis von uns Menschen und von der Welt in der wir leben, auf den medizinischen Eingriff einer Herztransplantation übertragen, können wir uns fragen, was passiert durch eine Transplantation? Geht es tatsächlich nur darum, dass ein krankes, nicht mehr zuverlässig, schlecht funktionierendes Organ durch ein anderes ersetzt wird? Vergleichbar dem Austausch eines defekten, wenn auch zentralen und damit wichtigen Teils in einer Maschine, was durchaus dem physikalischen Verständnis im Sinne von Isaac Newton entsprechend, so gedeutet werden könnte.

 

Aus der Quantenphysik wissen wir mittlerweile, dass wir eingebettet und umeben sind von einem elektromagnetischen Feld, dem sog. ‚Meer aller elektromagnetischen Möglichkeiten‘, in welchem alle Information in Form von Energie in Wellen bzw. Schwingungen gespeichert vorliegt. In diesem Feld nimmt alles auf der subatomaren bzw. Quantenebene seinen Anfang.

 

Betrachtet man ein Atom, so besteht es aus einem Atomkern und einer Atomhülle, die jeweils eine positive bzw. negative elektrische Ladung haben. Kommt es zum Zusammenschluss zweier Atome, bilden sie ein sog. Molekül. Im Bereich der Überlagerung der beiden Atome, in dem es zur Verbindung kommt, wird Information ausgetauscht. Aufgrund der gemeinsamen Information, teilen diese beiden Atome eine ähnliche Energie, die sich durch eine bestimmte Frequenz auszeichnet. Zugleich werden diese beiden Atome von einem unsichtbaren Energiefeld umgeben und zusammengehalten. 

 

Wir könnten das in der Analogie durchaus vergleichen, mit dem Zusammengehen zweier Menschen, z.B. im Rahmen einer Partnerschaft, bei der es vom Augenblick des Zusammenschlusses ebenfalls den gemeinsam geteilten Raum gibt, in dem Information und Energie geteilt wird. Dieser gemeinsame Raum ist ebenfalls durch gleichförmige Schwingungen gekennzeichnet. Für Außenstehende mag das zeitweise den Anschein haben, dass es gleichgültig ist, welchen von beiden Partnern man bzgl. eines Sachverhaltes befragen würde, es kämen gleich lautende Antworten. Auch eine auf diese Weise gekennzeichnete Beziehung, ist insofern von einem nicht sichtbaren energetischen Feld umgeben. 

 

Allein die Tatsache, dass sich diese beiden Menschen entschieden haben eine solche Verbindung im Sinne einer Partnerschaft einzugehen, setzt voraus, dass es zwischen beiden zu einer weitreichenden ‚Resonanz‘ bzw. Kohärenz gekommen ist. Dies bedeutet, die gleichschwingenden energetischen Wellen dieser beiden Menschen haben sich so sehr überlagert, ergänzt und gegenseitig verstärkt, dass daraus eine harmonische Verbindung entstanden ist.

 

Kehren wir auf die Ebene der Atome und Moleküle zurück, können wir feststellen, dass das unsichtbare Energiefeld, welches die Materie umgibt, dem aus den beiden Atomen entstandenen Molekül, ganz spezifische Eigenschaften sowie eine spezifische Form und Struktur gibt. Diese sind mit ganz bestimmten Informationen und Energien verbunden. Durch jedes weitere dazukommende Atom verändert sich die physikalische Eigenschaft des Moleküls. Weitere hinzukommende Atome verändern die chemische Verbindung fortlaufend und ebenso das unsichtbare, umgebende Energiefeld. Bei diesen Prozessen haben wir es mit etwas sehr Realem und Messbarem zu tun. 

 

Wenn es zu einer genügend großen Anzahl solcher chemischen Verbindungen gekommen ist, entsteht letztlich eine Zelle, die ebenfalls von einem Energiefeld umgeben ist und sich durch spezifische Merkmale der Information und Energie auszeichnet. Je geordneter die Frequenzen an Energie sind, die von diesen Zellen abgestrahlt werden, umso gesünder dürfen sie bezeichnet werden. In diesem Fall einer geordneten Frequenz von energetischen Schwingungen, sprechen wir von einer bestehenden Kohärenz bzw. Übereinstimmung. (Als Randnotiz sei angemerkt, dass der Austausch an Energie zwischen Zelle und dem umgebenden Energiefeld, schneller als mit Lichtgeschwindigkeit erfolgt, da er auf der sog. Quantenebene stattfindet.)

 

Der Vorgang des Zusammenschlusses wird weiter fortgeführt, so dass sich aus den Zellen Gewebe bilden, einschließlich eines Energie- und Informationsfeldes. Aus den Geweben, bildet sich ein Organ und aus dem Zusammenschluss der Organe, ein ganzes System mit vergleichbaren Kennzeichen und Merkmalen. Letztlich kommt es zur Vereinigung der Organ-Systeme zu einem ganzen Körper, mit dem ihn kennzeichnenden Energie- und Informationsfeld. 

 

Wie oben beschrieben, ist dieses umgebende Energiefeld voller Information, die hier gespeichert ist und weitergegeben werden kann bzw. sich in einem fortlaufenden Zustand des Austauschs befindet. Insofern können wir diesem energetischen Feld, auch die Funktion eines Informationsspeichers bzw. eines Gedächtnisses zusprechen. 

 

Wir können uns vor Augen führen, dass bei einer Transplantation eines Herzens, ein Organ übertragen wird, das aus Gewebe besteht, welches aus Zellen zusammengesetzt ist, auf der Grundlage von chemischen Verbindungen, die wiederum aus Molekülen bestehen, welche sich aus dem Zusammenschluss von Atomen gebildet haben. Aufgrund dessen können wir verstehen, dass im Fall einer Transplantation nicht nur ein sichtbares Organ entnommen und eingepflanzt wird, sondern auch die mit all den Bestandteilen verbundenen Information, sowie das jeweils damit verbundene Energiefeld. Wie wir gesehen haben, handelt es sich dabei um sehr konkrete, sehr spezifische und einzigartige Informations- und Energiefelder.

 

Zum besseren Verständnis ist es an dieser Stelle hilfreich und sinnvoll, sich an eine indianische Tradition zu erinnern, die der Schamane Bear Heart in seinem Buch ‚Der Wind ist meine Mutter‘ beschreibt. „Das, was in der Gesellschaft des Westens als ‚unbelebte Objekte‘ bezeichnet wird, Steine zum Beispiel, Schmuckstücke, Kleider, Möbelstücke und Gebäude, sind für unser Volk lebende Ganzheiten, weil sie aktive Energie enthalten. Wir nennen Steine ‚Felsmenschen‘…..Wenn man etwas Festes aus der Erde bekommt, einen Stein, einen Kristall oder sogar ein Schmuckstück, kennt man oft weder seine Geschichte, noch weiß man, welche Art von Energie es angereichert hat, deshalb sollte man das Stück vier Tage lang in der Erde vergraben und erst am fünften Tag wieder ausgraben - bis dahin ist die Energie gereinigt. Anschließend sollte man das Stück in die Hand nehmen und seine eigenen Energien hineinströmen lassen und es sich so zu eigen machen. Wenn man die Energie eines Textilgewebes reinigen will, muss man es vier Tage lang in die Sonne legen. So wird es rein.“

 

David Frawley, einer der einflussreichsten und anerkanntesten Lehrer der vedischen Weisheit, berichtet von einer vergleichbaren Achtsamkeit in der Lebenshaltung allem gegenüber, die sich in den über 5000 Jahre alten Veden bzw. Lehren des Yoga findet. In den dort aufgeführten Verhaltensprinzipien ist von Ahimsa ('nicht-verletzten') die Rede. Ahimsa bedeutet, „dass wir keinem lebendem Wesen schaden - nicht nur keinem Menschen, sondern auch nicht der Schöpfung insgesamt - nicht einmal einem Stein!“

 

Wenn wir uns das alles bewusst machen, dürfen wir uns fragen, was geschieht, wenn wir ein Organ wie das Herz einem verstorbenen Menschen entnehmen um es einem anderen Menschen als Ersatz für das eigene, geschädigte, nicht mehr funktionsfähige, einzusetzen? Wird die in den Zellen dieses Organs gespeicherte Information und Energie, die ganz spezifisch und kennzeichnend für diesen verstorbenen Menschen gewesen ist, ebenfalls transplantiert? Und wenn ja, welche Auswirkungen hat das?

 

Claire Sylvia, eine 47-jährige professionelle Tänzerin und Choreografin, war eine Transplantationspatientin, die im Jahr 1988 ihre Erfahrungen, in Folge der bei ihr vorgenommenen Herztransplantation in einem Buch veröffentlicht hat. Sie schildert darin, wie sie nach der Transplantation völlig fremde Charakterzüge und neue Vorlieben entwickelte. So entwickelte sie zunehmend Gelüste auf Chicken Nuggets, Pommes, Bier, grüne Paprika und Snicker-Riegel, was ihr zuvor überhaupt nicht schmeckte. In ihrer Persönlichkeit zeigte sie zunehmend mehr Züge von Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen. Als sie von einem jungen Mann träumte, erkannte sie in ihm ihren Spender. Nach und nach entstand in ihr die Überzeugung, dass sie mit seinem Herzen auch einen Teil seiner Seele in sich aufgenommen hatte. Dies führte sie dazu, sich auf die Suche nach seiner Familie zu machen, um Klarheit zu gewinnen. Tatsächlich bestätigte sich aufgrund der Begegnung mit der Familie des damals 18-jährigen Spenders, dass es sich bei diesen Vorlieben und Eigenschaften und kennzeichnende Merkmale des Spenders handelte.

 

Dramatischer und ebenso überzeugend, ist die Geschichte eines 8-jährigen Mädchens, dem das Herz einer verstorbenen 10-jährigen transplantiert wurde. Nach der Transplantation des Herzens, entwickelte das Mädchen gehäuft Alpträume, in denen es sich bedroht fühlte, ermordet zu werden. Aufgrund der Schwere der Beeinträchtigung durch diese Alpträume, wurde eine ärztliche Behandlung eingeleitet. Nachdem zunächst die Inhalte der Träume als Ausdruck der eigenen Phantasie interpretiert wurden, zeigte sich im Verlauf der Nachforschungen, dass die Spenderin tatsächlich Opfer einer solchen gewaltsamen Tat geworden war. Aufgrund der detailreichen Träume und der genauen Angaben über Zeit und Ort des Verbrechens, sowie die Waffe des Täters und der ihn kennzeichnenden Merkmale, welche das Mädchens aufgrund ihrer inneren Bilder machen konnte, war es letztlich der Polizei möglich, den Täter zu identifizieren. Auf diesem Weg gelang es ihn nachträglich zu verhaften und zu verurteilen.

 

Dies sind stellvertretend nur zwei Fälle, die jedoch sehr anschaulich und eindrucksvoll vermitteln, wovon wir bei der Transplantation eines Organs ausgehen dürfen. Ganz offensichtlich wird mit dem Organ auch die Information und das dieses Organ kennzeichnende energetische Feld übertragen. Die Folge davon ist, dass der Empfänger dieses Organs, auf die in dessen energetischen Feld gespeicherte Information zurückgreifen kann bzw. diese vom Augenblick der Transplantation, einen Einfluss auf den Empfänger ausübt und somit nicht nur seinen Körper bestimmt, sondern in gleicher Weise seinen Geist und seine Seele. 

 

Aufgrund der uns heute vorliegenden wissenschaftlichen Befunde und den damit im Einklang befindlichen, uns überlieferten Gebräuche und Empfehlungen alter Kulturen, können wir feststellen, dass unsere Organe auf der Basis von Energie bzw. Information funktionieren. Bestimmend für ein Organ ist somit das jeweilige Energie- und Bewusstseinsfeld. 

 

Unser gesamter Körper, der sich aus diesen Organen und Organsystemen zusammensetzt, ist in gleicher Weise von einem unsichtbaren elektromagnetischen Energiefeld umgeben. Dieses konstituiert letztlich unser individuelles und damit einzigartiges Selbst, unsere ganz persönliche ‚elektromagnetische Signatur‘. Wie könnte diese bei der Transplantation eines Herzens nicht zugleich mit dem Organ übertragen werden?

 

Zur Beantwortung der in der Überschrift zu diesem Beitrag gestellten Frage, lässt sich insofern feststellen, auch im Fall der Transplantation eines Herzens sollten wir berücksichtigen, dass nicht nur ein Organ übertragen wird, sondern auch Anteile der Seele und des Geistes des Spenders.

 


02.07.2019

 

Alles ist mit Allem verbunden - auch in unseren Wäldern...

Die Inspiration zu diesem Beitrag verdanke ich der Pappel (s. Bilder unten), die ich selbst vor 20 Jahren in unserem Garten gepflanzt habe und die inzwischen zu einem beeindruckenden Baum herangewachsen ist. ;)

 

In einem vorangegangen Beitrag wurde bereits auf die verborgene Ordnung hingewiesen, die wir in unserer gesamten Schöpfung antreffen können, sowie auf die mit ihr verbundene heilige Geometrie. In einem weiteren Beitrag wurden die Erkenntnisse aus der Quantenphysik angesprochen, die uns nahelegen von einem Alles umfassenden elektromagnetischen Feld auszugehen, als dem Feld bzw. dem Meer der unbegrenzten potentiellen Möglichkeiten. Beiden Beiträgen gemeinsam war die Schlussfolgerung, dass Alles mit Allem verbunden ist. Ein weiterer Beleg für diese grundlegende Erkenntnis, bietet uns die kommunikative Vernetzung der Bäume untereinander. 

 

In einer Handvoll Walderde finden sich mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt! Wenn wir uns fragen, ob es Wunder auf unserem Planeten gibt, brauchen wir nicht weit zu reisen um eine Antwort zu finden, es reicht in den nächsten Wald zu gehen. Jeder Wald ist ein eigenes Universum, voller uns verborgener Geheimnisse, ein lebendiges System voller Botschaften und Kommunikationskanäle, die dem World-Wide-Web in nichts nachstehen. Im Wald haben wir es mit dem sog. ‚Wood-Wide-Web‘ zu tun.

 

Die Sprache des Waldes bzw. der Bäume ist uns lange verborgen geblieben, erst allmählich bekommen wir aufgrund der sich ansammelnden wissenschaftlichen Befunde in den letzten 10 Jahren, ein Verständnis und ein Zugang zu dieser Sprache. Bäume ändern nachts ihren Durchmesser und auch ihr bioelektrisches Potential. Es scheint so, als reagierten sie auf den Zyklus des Mondes. Jeder Baum hat einen ganz ‚persönlichen‘, ganz eigenen Duft, den jedes Lebewesen im Wald wahrnehmen kann. Wir wissen schon lange, dass die Blätter der Bäume Nahrung und Sauerstoff produzieren. Relativ neu ist die Erkenntnis, dass sie auch Nachrichten aussenden. In gleicher Weise vermittelt das Moos auf dem Waldboden Nachrichten und Botschaften, da es z.B. sehr früh schon auf Schadstoffe reagiert und diese Bedrohung seiner Umgebung mitteilt. 

 

Wir können davon ausgehen, dass die Laute von Tieren auf das Wachstum der Pflanzen im Wald einen Einfluss haben. Auch hier besteht ganz offensichtlich eine Kommunikation, die sich förderlich oder hemmend auswirken kann. So sehr wir heute von der Natur, der Lebendigkeit und dem kommunizierenden Universum des Waldes fasziniert sein können, so sehr war bis in das 18. Jahrhundert die dunkle Magie der Wälder mit Angst verbunden, der man sich nur ungern auslieferte, schon gar nicht Nachts. Während wir heute das Betreten des Waldes als einen Beitrag zu unserer Gesundheit verstehen, war in früheren Zeiten das Betreten des Waldes, im Verständnis der Menschen, mit einer Gefahr für die Gesundheit verbunden. 

 

Zum Sinnbild eines romantischen Ortes, an dem es wundervolles zu entdecken gibt, wurde der Wald erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Mehr und mehr wurde er zu einem wohltuenden Rückzugsort im Vergleich zu den immer größer werdenden Städten. 

 

Alles ist im Boden des Waldes unterirdisch miteinander vernetzt. Teil dieses umfassenden Kommunikationssystems sind Pilze, Bakterien, andere Mikroorganismen, Pflanzen, Sträucher, Kräuter, alles ist miteinander verbunden. Eine überragende Rolle in diesem Informationsaustausch spielen die Pilze des Waldes. Sie teilen sich ihren Lebensraum mit den Wurzeln der Bäume, können auf diese Weise Botschaften weiterleiten und miteinander Kontakt aufnehmen. Sichtbar an der Oberfläche für uns sind nur die Früchte eines gigantischen organischen Systems, das im Untergrund lebt. Inzwischen wissen wir, dass über dieses unsichtbare, unterirdische Netzwerk der Pilze, fortlaufend Nachrichten vermittelt werden. 

 

Insofern können wir nicht nur den gesamten Wald als ein Kommunikationssystem begreifen, auch jeder einzelne Baum stellt ein solches internes  Kommunikationssystem dar. So steht die Baumkrone im Kontakt mit der Wurzel, und es kommt zu einem fortlaufenden Austausch. Mithilfe der feinen Wurzelspitzen wird der Boden auf Feuchtigkeit und Nährstoffe geprüft. Auf diese Weise wird z.B. bei Trockenheit den Blättern signalisiert, weniger Wasser über die Verdunstung abzugeben. In gleicher Weise erhält die Wurzel Informationen von der Krone des Baumes, z.B. über einen Schädlingsbefall. Diese Gefahr wird dann über ein Verbindungssystem weitergeleitet. Die Botschaften vermittelnde Funktion fällt auch hier den Pilzen zu, die diese Botschaften von Baum zu Baum weiterleiten, über den gesamten Wald hinweg. 

 

Das Kommunikationssystem der Pilze besteht aus einem Kilometer weiten unterirdischen Netz, das aus dünnen Fäden besteht. Wie ein Geflecht aus Flies werden die Wurzeln des Baumes von diesen Fäden umhüllt. Zugleich kommt es zwischen dem Baum und den Pilzen zu einem regen gegenseitigen Austausch an Nahrung. Da dieses Geflecht des Netzwerks, gesamte Wälder miteinander verbinden kann, spricht man inzwischen vom ‚Wood-Wide-Web‘. Auf diese Weise kommt es zu einem umfassenden energetischen System des Austauschs an Information. Dieser Austausch ist nur denkbar, wenn wir davon ausgehen, dass Bäume ein Gedächtnis haben und somit Information auch speichern können. Zugleich müssen sie auch die Fähigkeit besitzen, vorausschauend zu sein bzw. ein Gespür dafür haben, was auf sie zukommen kann. Hinweise dafür sind darin zu erkennen, dass Bäume wichtige Umweltdaten kontinuierlich aufnehmen und sich mit Hilfe dieser Daten auf Veränderungen, z.B. starke Temperaturschwankungen, einstellen können. 

 

Das Ausmaß bzw. die Größe der Wälder ist wohl ohne diesen Austausch an Kommunikation zwischen den Bäumen und den Pilzen nicht denkbar. Nur aufgrund dieser Zusammenarbeit ist es möglich ein gesundes Wachstum sicherzustellen. Wir dürfen von einem Zuwachs von 250 m pro Jahr ausgehen, in dem sich ein gesunder Wald ausbreiten kann. Dies indem jeder Baum für seinen eigenen Nachwuchs sorgt, ihn unterirdisch mit den notwendigen Nährstoffen versorgt, wie die Mutter das Kind. So kommt es zu dem wahrnehmbaren Wachstum. Tatsächlich ist über die Jahrtausende erkennbar, dass das Wachstum der Wälder der Wanderung der Menschen gefolgt ist. 

 

Durch die zunehmende Ausbreitung der Städte im Verlaufe der Geschichte, schrumpfte der Waldbestand immer mehr, so dass bis zum Mittelalter in Deutschland nur noch 26 Prozent des ursprünglichen Bestandes verblieb. Erst im 18. Jahrhundert begann eine große Wiederaufforstung. Aus der Erfahrung des Verlusts entstand in der Folge eine Art Liebe zum Wald und zur Natur. Diese Entdeckung ging überwiegend von den Menschen aus, die in den Städten lebten und auf ihre Art den Bewohnern auf dem Land und am Rande von Wäldern, bewusst machen konnten, wie privilegiert sie doch sind, sich in der Nähe zu den Bäumen zu befinden.

 

Die Wälder stehen symbolhaft für den Kreislauf des Lebens, zwischen Geburt und Vergänglichkeit. An keiner Stelle unseres Planeten entsteht mehr Abfall als in unseren Wäldern. Holz, Blätter und Kräuter vermodern, fallen und verfaulen. Hier sind es die Helfer der Natur, die Ameisen, die aktiv werden. Sie bauen ganze ‚Städte‘ aus Biomüll. Berge von Abfall, werden von Milliarden von Mikroorganismen zersetzt und in den Kreislauf des Lebens zurückgeführt. 

 

Forscher der Universität Göttingen, haben es sich zur Aufgabe gemacht herauszufinden, wie Bäume miteinander kommunizieren, wenn eine Bedrohung durch einen organischen Befall (z. B. Prozessionsspinne) gegeben ist. Der Arbeit liegt die Vermutung zugrunde,  dass neben dem unterirdischen Kommunikationssystem, die Bäume über das Aussenden von Duftmarken miteinander in Verbindung stehen. Auf diese Weise sprechen ganz offensichtlich Bäume miteinander. Wird z.B. ein Baum befallen und ist gefährdet, produziert er über die Duftmarken Abwehrstoffe, die zur gleichen Zeit auch von den umliegenden, nichtbefallen Bäumen ‚präventiv‘ im Sinne einer Schutzmaßnahme produziert werden. Inzwischen gehen Forscher von ca. 2000 ‚Baumworten‘ aus, die zur Kommunikation der Bäume untereinander Anwendung finden. Die von uns in unserer Kommunikation verwendeten Worte, finden ihre Entsprechung in den Kohlenstoff-Verbindungen, welche die Bäume miteinander austauschen.

 

Das Gehirn des Baumes dürfen wir in der Wurzelspitze vermuten. Diese ist eine sensorische Einheit, in der alle wichtigen Informations-Parameter gespeichert und miteinander verrechnet werden. Hier werden auch die Entscheidungen getroffen, die den Baum und sein Wachstum betreffen. Diese werden dann bis in den letzten Winkel der Krone weitergeleitet und ebenso in den kommunikativen Austausch mit den Nachbarbäumen. Die ausgeprägte Sensibilität verhindert es, dass der Baum sich in Bereiche des Bodens ausbreitet, die schädlich wirken könnten. Ebenso können  Bäume sehr fein wahrnehmen, ob es kalt, warm, hell, dunkel, nass oder trocken ist. Wird an einer bestimmten Stelle eines Baumes Stress erzeugt (Sägen eines Astes), reagiert der Baum als Ganzes, es wird eine Abfolge von Maßnahmen in Ganz gesetzt, um die Folge der Verwundung zu überwinden und dem entgegen zu wirken. 

 

Wie sehr Pflanzen und auch Bäume auf den Mensch und dessen Art und Weise mit diesen Teilen unserer Natur umzugehen, reagieren, hat jeder mehr oder weniger einfühlsame Mensch schon erleben können. Es ist wohl inzwischen unbestritten, dass ein liebevolles, zugewandtes Umgehen mit diesen lebendigen Teilen der Natur, eine positive Auswirkung auf das Wachstum und die Gesundheit der Pflanzen und Bäume haben. Das Gleiche gilt für eine verbale Zuwendung im Sinne des Sprechens. Vergleichbare Wirkungen, mit einem geradezu heilenden Effekt, kennen wir aus dem Bereich der medizinischen Forschung, die sich mit den Auswirkungen des sog. ‚Therapeutic Touch‘ befasst, wo es nur um das Berühren des Menschen mit der Hand geht, verbunden mit einer heilenden bzw. therapeutischen Intention. Dem zugrunde liegt die Überzeugung, dass wir alle von  einem Energiefeld umgeben sind (Prana, Aura, Qi), welches mit unserer Umwelt stets in Kontakt steht, so wie wir das auch bei den Bäumen vermuten dürfen. Dass der Mensch als ein offenes System zu begreifen ist, das über elektromagnetische Wellen ständig in einem Austausch mit der Umwelt steht, gehört inzwischen zu den festen Bestandteilen der quantenphysikalischen Erkenntnisse. Das Gleiche dürfen wir bezogen auf unsere Bäume bzw. unserer Wälder vermuten.

 

Da die Duftstoffe der Bäume eine antibiotische Wirkung haben, gibt es bestimmte Baumbestände (Nadelwälder), die eine geradezu keimfreie Luft bieten. Alles ist mit allem verbunden, somit können wir vermuten, dass selbst, wenn wir die Botschaften der Bäume und Wälder nicht bewusst wahrnehmen, wir dennoch auf sie reagieren. Es liegen inzwischen Ergebnisse von Messungen anhand von mobilen EKG Geräten und Blutdruck-Messgeräten an Probanden vor, die sich im Wald sportlich bewegen. Aus immunologischer Sicht konnte bereits eine antidepressive Wirkung des Waldes auf entsprechende Versuchsgruppen nachgewiesen werden. Dies liegt u.a. auch daran, dass unser Gehirn im Wald vermehrt Glückshormone produziert, die dazu beitragen, unsere Stimmung aufzuhellen, im Gegenzug dazu sinkt die Anzahl der nachweisbaren Stresshormone. Untersuchungen belegen ebenso, dass bereits das Anschauen von Bildern eines Waldes einen wohltuenden Effekt hat, umso mehr das konkrete, leibhaftige Erleben in der Natur. In Japan ist das sog. ‚Waldbaden‘ inzwischen bereits als offizielle Therapie anerkannt. 

 

Bedingt sind diese Effekte ganz offensichtlich durch unsere Evolution, im Verlaufe derer wir gelernt und verinnerlicht haben, uns in der Umgebung von grüner Natur wohl und geborgen zu fühlen. Die positiven Effekte eines Waldbesuches sind, bezogen auf eine bestimmte zelluläre Beschaffenheit unseres Immunsystems, noch 7 Tange nach dem Besuch messbar. Um positive nachweisbare Effekte auf unseren gesamten Organismus belegen zu können, reichen u.U. bereits 10 Minuten Aufenthalt in einem Wald. Die Waldluft enthält nicht nur deutlich mehr Sauerstoff, sondern zeichnet sich auch durch eine andere elektrische Ladung auf, als es bei der Stadtluft der Fall ist. 

 

Die Blätter der Bäume können wir begreifen als kleine Kraftwerke. Sauerstoff entsteht in ihnen durch Photosynthese. Wie eine Solarzelle auch, wird die Energie des Lichts absorbiert. Damit werden Elektroden im inneren der Blätter aufgeladen. In der Folge wird aus Licht, Luft und Wasser, Traubenzucker hergestellt, d.h. reine Energie. Dieser Traubenzucker wird in Flüssigkeit aufgelöst und in alle Teile des Baumes weitergeleitet. Abfallprodukt dieses synthetischen Prozesses ist der Sauerstoff. Dieser wird somit von jedem einzelnen Blatt eines Baumes produziert. Da jeder Baum Hunderttausende von Blättern trägt, ist der Beitrag zur Sauerstofferzeugung und somit der Luft zum Atmen, die wir alle brauchen, entsprechend groß.

 

Aus all dem bisher Gesagten können wir erkennen, wie sehr tatsächlich Alles mit Allem verbunden ist und wie groß diesbezüglich die Bedeutung der Übertragung und Weiterleitung von Informationsströmen durch entsprechende Kontaktkanäle ist. 

 

In gleicher Weise trifft das für uns zu wenn wir uns mit unserer nackten Haut mit der Erde verbinden, z.B. Kontakt mit einer Wiese oder auch dem Waldboden aufnehmen. Durch diese Verbindung werden Elektroden aus dem Erdboden in unseren Körper geleitet, welche in ihrem Einfluss gegen Entzündungen oder auch sog. freie Radikale, als Auslöser vieler Krankheiten, wirken. Auch werden elektromagnetische Schwingungen der Erde auf unseren Organismus übertragen. Diese Art des Kontaktes mit all diesen Auswirkungen bezeichnen wir inzwischen als ‚Earthing‘. Selbst in einem übertragenen Sinn sprechen wir sprichwörtlich davon, wie wichtig für uns selbst und unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen es ist, unsere ‚Erdung‘ nicht zu verlieren bzw. ‚auf dem Boden‘ zu bleiben. In diesbezüglichen Studien wurde bereits die Wirkung auf das Gehirn, Herz-Kreislauf-System, den Hormonspiegel, die Knochen, Muskeln und Stimmung, mit den Standards der Wissenschaft untersucht. Aufgrund der Ergebnisse wissen wir, dass z.B. eine solche Verbindung der nackten Füße mit dem natürlichen Boden des Waldes, die Körperfunktionen insgesamt normalisiert. 

 

Ohne Zweifel dürfen wir inzwischen von der kommunikativen Verbindung der Bäume untereinander ausgehen und ebenso wohl einer Verbindung der Bäume und Wälder mit uns Menschen. Aufgrund aller heute uns vorliegender Erkenntnisse, können wir insofern Bäume durchaus als ‚soziale Wesen‘ der Natur begreifen, welche Beziehungen miteinander pflegen, Partnerschafen eingehen und möglicherweise sehr viel mehr mit uns Menschen gemeinsam haben, als uns das bisher bewusst ist.

 


30.06.2019

 

Brauchen wir Vorbilder?

Nelson Mandela (18.07.1918-05.12.2013) engagierte sich als führender südafrikanischer politischer Aktivist in einem mehrere Jahrzehnte dauernden Widerstand gegen die Apartheid. Von 1944 an engagierte er sich im African National Congress (ANC) um gegen die Rassendiskriminierung und die politische Gleichberechtigung aller Volksgruppen in Südafrika gegen die Vorherrschaft der Weißen zu kämpfen. Aufgrund dessen wurde er von 1963 bis 1990 über 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft gehalten. 

 

Trotz seiner langen Jahre der Gefangenschaft, blieb er der herausragende Vertreter und die Symbolfigur im Freiheitskampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit in Südafrika. Die erlittenen Demütigungen, Verletzungen und endlosen Versuche der Einschüchterung und Bedrohung, konnten ihm seine versöhnliche, wertschätzende und friedliebende Haltung, alle Menschen, ungeachtet von deren Hautfarbe, Rasse, Herkunft, Kultur und sozialen Status nicht nehmen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde er 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten seines Landes gewählt, was er bis 1999 blieb. Aufgrund seines Engagements für den alle Menschen verbindenden Frieden, erhielt er 1993 den Friedensnobelpreis und galt schon zu seinen Lebzeiten als politisches und moralisches Vorbild.

 

Geboren wurde er am Ufer eines Flusses in einem kleinen Dorf. In prophetischer Weitsicht hatte er von seinem Vater einen Vornamen erhalten (Rolihlahla), der in wörtlicher Übersetzung die Bedeutung hatte ‚Am Ast eines Baumes ziehen‘, was als gleichbedeutend mit ‚Unruhestifter‘ zu verstehen war. Die Familie gehörte zum Stamm der Xhosa, deren Rituale, Gebräuche und Sitten er verinnerlichte. Da sein Vater bereits früh verstarb, Mandela war gerade 9 Jahre alt, wurde er von einem Stammes-Oberhaupt adoptiert und erhielt nun einen Namen mit einer ebenfalls prophetischen Bedeutung ‚Gründer des Rates‘.

 

In seiner lesenswerten, detailreichen und mit 864 Seiten sehr umfangreichen Autobiographie („Der lange Weg zur Freiheit“) ist zu lesen, wie er bereits als Kind versuchte „Gegner zu bezwingen, ohne sie zu entehren“. Im Alter von 19 Jahren besuchte er eine methodistische Missionsschule, wo er ein Bewusstsein als Afrikaner entwickeln konnte, losgelöst von einem Stammes-Bewusstsein. Zwei Jahre später schrieb er sich im University College ein, wo er einige seiner späteren Wegbegleiter im Kampf gegen die Unterdrückung kennenlernte. Seine Studienfächer waren Englisch, Anthropologie, Politik und Römisch-Holländisches Recht. 

 

Nachdem er zunächst als Wachmann in einem Goldbergwerk gearbeitet hatte, nahm er später eine Ausbildungsstätte in einer Anwaltskanzlei an. Hier entwickelte er erstmals eine freundschaftliche Beziehung zu einem weißen jüdischen Kommunisten. Er lebte in ärmlichen Verhältnissen und war neben seiner Arbeit auch als Schwergewichtsboxer unterwegs. Im Alter von 25 Jahren beendete er erfolgreich sein Fernstudium an der Universität of South Africa mit seinem Bachelor of Arts. Seinen graduierten Abschluss konnte er jedoch 6 Jahre später aufgrund seines politischen Engagements nicht machen. Aufgrund unzähliger Behinderungen und absichtlich auferlegter Hürden, vor und während der Jahre seiner Gefangenschaft, konnte er letztlich erst gegen Ende seiner Haftzeit 1989, sein Jura-Studium offiziell mit dem Bachelor of Law erfolgreich abschließen.

 

Sein Kampf gegen die politische, soziale und auch wirtschaftliche Unterdrückung begann er bereits in seinen jungen Jahren als Student. Nachdem 1948 Gesetze eingeführt wurden (Apartheid), mit denen die Vorherrschaft der Weißen festgeschrieben wurde und die Rassenzugehörigkeit aller Südafrikaner gekennzeichnet war, wurde sein Kampf umso intensiver. Bereits zu dieser Zeit war er bestimmt von der Idee des gewaltlosen Widerstands, wie ihn Mahatma Gandhi in Indien vertreten hatte. 1952 eröffnete er zusammen mit einem Weggefährten (Oliver Tambo) die erste von einem Schwarzen geführte Anwaltskanzlei in Südafrika. In den folgenden Jahren wurde er aufgrund seiner politischen Aktivität wiederholt verhaftet und mit einem Bann belegt, der seine Bewegungsfreiheit sowie seine Rechte stark einschränkte.

 

Obwohl er 1961 in einem langwierigen Prozess des Hochverrats freigesprochen wurde, musste er sich in den Untergrund begeben und als Gärtner und Chauffeur arbeiten. Aufgrund der immer schärfer werdenden Auseinandersetzungen mit den weißen Machthabern und der nun eskalierenden Gewalt, von deren Seite, kam Mandela zur Überzeugung, dass es notwendig sei, die Haltung des gewaltfreien Widerstandes zu überdenken und erklärte die Zeit der friedlichen Versuche  einer Umwälzung zunächst für beendet. In der Folge kam es zur Durchführung von unterschiedlichen Sabotageakten.

 

Nachdem Mandela 1962 erneut verhaftet worden war, wurde er in einem Prozess, in dem ihm kein Rechtsanwalt zugestanden wurde und er sich aufgrund dessen selbst verteidigen musste, zunächst zu fünf Jahren Haft verurteilt. 1990 wurde von der New York Times veröffentlicht, dass die Informationen, die an die südafrikanischen Behörden gelangten und zur Verhaftung von Mandela führten, von der CIA kamen. 1964 wurde Mandela letztlich zusammen mit sieben anderen Mitstreitern zu einer lebenslangen Haft verurteilt. 

 

Obwohl im Verlauf der Jahre seiner Inhaftierung Mandela wiederholt das Angebot der Freilassung gemacht wurde, lehnte er es jeweils ab, da es an Bedingungen geknüpft war, die von den weißen Machthabern gestellt wurden. Demnach sollte Mandela u.a. bewirken, dass der African National Congress (ANC) seinen Kampf gegen das weiße Regime aufgeben sollte. Das jedoch wollte Mandela nicht akzeptieren. Trotz einer international zunehmenden Kampagne für seine Freilassung, blieb er weiter inhaftiert und erhielt in Gefangenschaft 1988 den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen.

 

Die amerikanische Regierung unter der Führung von Ronald Reagan, sowie die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher bezeichneten Mandela zur gleichen Zeit 1988 noch als Terroristen, aufgrund dessen er sich zusammen mit verschiedenen Kriminellen auf einer US-Watch List befand, von welcher er erst im Jahr 2008 von G.W. Bush gestrichen wurde.

 

Nachdem Mandela am 11.02.1990 nach 27 Jahren aus der Haft entlassen wurde, hielt er wenige Tage später vor 120.000 Zuhörern im FNB Stadion in Johannesburg eine Rede, in welcher er seine Politik der Versöhnung darstellte. Er rief darin alle Menschen, die die Apartheid aufgegeben hatten zur Zusammenarbeit auf. Sein Ziel war es gemeinsam mit allen an einem „nichtrassistischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle“ zu arbeiten. Nach den ersten freien Wahlen in Südafrika 1994 wurde Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten gewählt. 

 

In seiner Autobiographie ‚Der lange Weg zur Freiheit‘ schreibt Mandela:

„Während dieser langen, einsamen Jahre (der Inhaftierung) wurde aus meinem Hunger nach Freiheit für mein eigenes Volk der Hunger nach Freiheit aller Völker, ob weiß oder schwarz…Ein Mensch, der einem anderen die Freiheit raubt, ist ein Gefangener des Hasses…Der Unterdrückte und der Unterdrücker sind gleichermaßen ihrer Menschlichkeit beraubt. Als ich das Gefängnis verließ, war es meine Aufgabe, beide, den Unterdrücker und den Unterdrückten zu befreien…Denn um frei zu sein genügt es nicht, einfach nur die Ketten abzuwerfen, sondern man muss so leben, dass man die Freiheit des anderen respektiert und fördert.“

 

In beeindruckender Weise ist es in einem sehenswerten Spielfilm (‚Invictus’ siehe das Video unten) dem Regisseur Clint Eastwood gelungen, die Strahlkraft von Nelson Mandela zu vermitteln. Er führte anlässlich der Rugby Weltmeisterschaft in Südafrika 1995 seine südafrikanische Mannschaft zum Finale auf das Spielfeld. Die Mannschaft Südafrikas war relativ ‚chancenlos’ als Außenseiter in das Turnier gestartet. Doch Mandela selbst war voller Zuversicht und konnte der Mannschaft einen Glauben vermitteln, der so stark war, dass sie letztlich Weltmeister wurde. Rugby war der klassische Sport der Weißen. Mandela nutzte diese Gelegenheit, sowie die Weltmeisterschaft insgesamt, um allen Südafrikanern zu signalisieren, wir sind ein Volk und gehören alle zusammen, unabhängig von unserer Hautfarbe, der kulturellen Herkunft oder dem sozialen Status.

 

Die von Mandela in den Jahren seiner Präsidentschaft eingeleiteten und durchgeführten gesellschaftlichen Veränderungen betrafen alle Bereiche des Zusammenlebens und waren von großer Bedeutung, so z.B. die Bestimmung, wonach Kinder unter sechs Jahren, schwangere und stillende Mütter eine kostenlose Gesundheitsfürsorge zu erhalten hatten. Auch wurde die Strom- und Wasserversorgung für Millionen von Menschen sichergestellt, die bis dahin davon ausgegrenzt waren. 

 

Viele bedeutende internationale Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Lebens, Politik, Wissenschaft, Kultur, Sport, Showgeschäft, welche die Gelegenheit hatten Nelson Mandela persönlich zu treffen und ihn kennenzulernen, berichteten in vergleichbarer und übereinstimmender Weise von seinem Charisma, seiner Bescheidenheit, Integrität und Authentizität. Er stand und steht unverändert, beispielhaft für die universellen Werte, die uns Menschen auf diesem Planeten vereinen sollten. Sein Wirken und seine Erfolge sind ein Beleg dafür, dass es sich lohnt, einen langen, beschwerlichen und auch leidvollen Weg auf sich zu nehmen, um ein ersehntes Ziel zu erreichen.  

 

In den langen Jahren seiner Gefangenschaft war es das Gedicht ‚Invictus‘ von William Ernest Henley (1849-1903), das ihm, auch in den dunklen Zeiten, stets Hoffnung, Zuversicht und Kraft gab. Die beiden letzten Zeilen dieses Gedichts sind von großer Bedeutung und gehören für mich zu den Grundlagen meiner Psychotherapeutischen Botschaft an die Menschen, die den Glauben an sich selbst verloren haben.

 

„Aus finst’rer Nacht, die mich umringt,

durch Dunkelheit mein ’Geist ich quäl’.

Ich dank’, welch’ Gott es geben mag,

dass unbezwung’n ist meine Seele.

 

Trotz Pein, die mir das Leben war,

man sah kein Zucken, sah kein Toben.

Des Schicksals Schläg’ in großer Schar.

Mein Haupt voll Blut, doch stets erhob’n.

 

Jenseits dies Orts voll Zorn und Tränen,

ragt auf der Alp der Schattenwelt.

Stets finden mich der Welt Hyänen.

Die Furcht an meinem Ich zerschellt.

 

Egal, wie schmal das Tor, wie groß,

wieviel Bestrafung ich auch zähl’.

Ich bin der Meister meines Los’.

Ich bin der Käpt’n meiner Seel’.

 

Zu Beginn dieses Beitrages steht die Frage, ob wir Vorbilder brauchen. Vorbilder können uns Orientierung sein, da wo wir keine Orientierung haben. Sie können uns Halt, Hoffnung, Zuversicht, Sicherheit, Kraft, Energie, Mut und Vertrauen geben, den Glauben an uns selbst, sowie an eine gute, vielleicht bessere, segensreiche Zukunft und damit auch ein besseres Leben im Hier und Jetzt. Wir alle brauchen solche Vorbilder, die Sehnsucht danach ist uns von Geburt an mitgegeben, sie ist wohl ein Teil unserer menschheitsgeschichtlichen Entwicklung. Insofern dürfen wir dankbar sein, wenn wir einen solchen Menschen unter uns finden. Leider sind sie offensichtlich immer seltener anzutreffen, um so wichtiger scheint es mir, sich an den wenigen, die wir kennen auszurichten. Nelson Mandela ist für mich ein solches Vorbild.

 


29.06.2019

 

Wie sehr können wir uns auf unsere Sinneswahrnehmung verlassen?

Welche Möglichkeiten haben wir die Welt in der wir leben zu erfassen, gleichgültig welcher Kultur wir entstammen, wo wir uns auf diesem Planeten befinden oder in welcher Zeit oder Epoche wir leben? Wir alle waren zu allen Zeiten als Mensch abhängig und sind es unverändert bis zum heutigen Tag, von unseren fünf Sinnesorganen um die Wirklichkeit, die uns umgibt, in uns aufzunehmen und uns an ihr zu orientieren. Was jedoch können wir anhand unserer Sinnesorgane wahrnehmen, die Wirklichkeit, wie sie objektiv ist oder doch nur ein Abbild dieser Wirklichkeit. Tatsächlich gibt es keine Wahrnehmung, die außerhalb von uns selbst erfolgen könnte, alles, was sich uns vermittelt, ist verbunden mit einer ganz persönlichen, individuellen und damit subjektiven Verarbeitung von Informationen. Dies auf allen Ebenen der Sinneswahrnehmung, sei sie visuell (sehen), akustisch (hören), olfaktorisch (riechen), gustatorisch (geschmacklich) oder haptisch (tastend). 

 

Die Bilder, Vorstellungen und Überzeugungen, die entstehen bezüglich dessen, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, befinden sich ausschließlich in uns selbst. Einen Tisch, den wir vor uns in einem Raum stehen sehen, bildet sich als verarbeitetes Bild in uns selbst ab. 

 

Die visuellen Reize, die über den Sehnerv vermittelt werden und sich auf alle möglichen sichtbaren Formen, Farben und Bilder beziehen, werden im subjektiven Erleben von uns als wichtigste Sinneswahrnehmung empfunden. Etwa 80 % aller Sinnes-Informationen unseres Gehirn entspringen dieser Quelle. Von allen Sinnen kommt der visuellen Wahrnehmung die höchste Aufmerksamkeit zu. Über die Vernetzung auf neuronaler Ebene können in unserem Gehirn unzählige Assoziationen aus Gegenwart und Vergangenheit ausgelöst werden, die durch den jeweiligen, wahrgenommenen Schlüsselreiz verbunden sind und unsere kognitive, emotionale und verhaltensmäßige Reaktion bestimmen, sowohl auf bewusste als auch unbewusste Weise.

 

Akustische Reize werden über den Hörsinn vermittelt und bestehen u.a. aus Tönen, Klängen, die einmalig, dauerhaft, periodisch oder auch rhythmisch erfolgen. Diesen Sinn können wir als den differenziertesten Sinn bezeichnen. Die kognitive Verarbeitung erfolgt bei akustischen Reizen wesentlich schneller als das bei Bildern der visuellen Wahrnehmung der Fall ist. In der Zeit, die wir für die Verarbeitung eines Bildes benötigen, können wir 6-8 Wörter verarbeiten. Da hier die Verbindung zu unserem Erleben und emotionalen Reagieren wesentlich ausgeprägter ist, können wir über akustische Reize sehr schnelle und sehr starke emotionale Reaktionen hervorrufen. 

 

Die olfaktorischen Reize des Geruchssinnes sind sehr leibhaftig mit starken Reaktionen verbunden i.S. von Lust und Wohlempfinden oder auch Abscheu und Ekel. Hier besteht ein Kurzschluss zu unserem limbischen System in unserem Gehirn, in dem sich unsere Gefühlsqualitäten befinden. Durch solche ofaktorischen Reize kommt es u.U. zu sehr starken gefühlsmäßigen Reaktionen. Diese Reaktionen werden v.a. auch über das Unbewusste mit den dort befindlichen, abgelegten Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebnissen bestimmt. Auch genügen beim Geruchssinn bereits geringste Mengen des Reizes um entsprechende Reaktionen auszulösen.

 

Bezüglich des Geschmacksinns sind wir auf die Informationen angewiesen, die wir über die gustatorischen Reize empfangen. Diese haben unterschiedliche Qualitäten wie süß, sauer, salzig oder auch bitter. Die aufnehmenden Sinneszellen befinden sich im Mund und in der Nase. Von diesen Sinneszellen besteht ebenfalls ein Kurzschluss zu unserem Gedächtnis und den dort aufbewahrten Erinnerungen. Zum überwiegenden Anteil sind die geschmacklichen Sensationen jedoch durch den Geruchssinn bedingt, nur zu einem Fünftel ausschließlich über die auf der Zunge befindlichen Geschmackssensoren.

 

Der letzte Sinn, der uns physiologischer Weise zur Verfügung steht, ist der Tastsinn, der sich über die haptischen Sensoren vermittelt. Hiermit können wir v.a. die Oberflächen-Beschaffenheit der uns umgebenden gegenständlichen Welt wahrnehmen. Für das haptische Erfassen sind wir auf einen konkreten Kontakt angewiesen, der zu einem Fühlen, Spüren und Abwägen des jeweiligen Gegenstandes führt. Obwohl dieser Sinn unter den genannten Sinnesorganen,  der vielleicht subjektiv am wenigsten bedeutsame ist, verfügen wir über eine große Vielzahl von Sinnesrezeptoren, die ein Gefühl für die Oberflächenbeschaffenheit der Gegenstände vermittelt. In der Hautoberfläche der Hand sind es alleine ca. 10.000 Sinneszellen. Für unser Wohlbefinden im Rahmen von Beziehungen (Mutter-Kind; Partnerschaft) sind diese Sinnes-Reize von elementarer Bedeutung. 

 

Untersuchungen belegen, dass unser Erleben umso stärker ist, je mehr unserer Sinne von einem Ereignis bzw. äußeren Reiz angesprochen werden. Werden z.B. bei der Werbung verschiedene Sinne zugleich angesprochen, ist die Qualität des Erlebens, sowie die Intensität der Wahrnehmung deutlich ausgeprägter. Vergleicht man z.B. die Produkt-Loyalität von Kunden bei nur einem positiv angesprochenen Sinn (28 %) mit der bei zwei bis drei angesprochenen Sinne (43 %) bzw. mit der bei vier bis fünf angesprochenen positiven Sinne (58 %), ist erkennbar, dass die Entscheidung für ein Produkt, mit der Anzahl der angesprochenen Sinne erkennbar ansteigt. 

 

Wie sehr uns jedoch unsere Sinneswahrnehmung, obwohl bzw. gerade weil sie zuverlässig und ohne Einschränkung funktioniert, uns ein - gemessen an der nachprüfbaren Realität - falsches Bild als Sinneseindruck vermittelt, können wir beispielhaft an der visuellen Wahrnehmung erkennen. Schauen wir uns den unten auf einem Bild dargestellten Würfel an, können wir auf der Oberseite mittig ein braunes Quadrat sehen und auf der Vorderseite mittig ein orange gefärbtes Quadrat. Entfernen wir den gesamten Würfel und belassen nur die beiden Quadrate (s. zweites Bild), dann können wir erkennen, dass beide Quadrate die gleiche Farbe haben. Wie ist das möglich?

 

Unser Gehirn arbeitet wie ein Hochleistungscomputer, nur noch wesentlich schneller und effektiver. Es werden innerhalb von Bruchteilen von Sekunden unzählige Informationen verarbeitet und mit all den auf unserer inneren ‚Festplatte‘ gespeicherten Daten abgeglichen und verrechnet. Das Ergebnis ist der Sinneseindruck, der sich uns dann vermittelt. So hat unser Gehirn gelernt, Relativierungen und Anpassungen vorzunehmen, je nach Beleuchtungsintensität, Farbvielfalt und Komplexität der Objekte. Unser Gehirn ist es gewohnt, im Schatten bzw. Dunkeln liegende Farbtöne, im Verhältnis zur Umgebung aufzuhellen, andere im Licht befindliche, im Verhältnis zur Umgebung, abzudunkeln. Dies alles im Dienst einer besseren Differenzierung und Optimierung der Wahrnehmung. In diesem Sinne haben wir es im Verlaufe unserer Evolution gelernt, unsere Wahrnehmung im Sinne unseres Nutzens einzusetzen, nicht jedoch um die Realität präzise so abzubilden, wie sie sich draußen darstellt. 

 

Wie die Farben der beiden Quadrate sich tatsächlich zueinander verhalten, wird für uns erst sichtbar, wenn der gesamte Bezugsrahmen um diese beiden Quadrate entfernt ist. Dieses Beispiel zeigt uns sehr deutlich, wie sicher und mit wie viel Gewissheit sich uns eine Wahrnehmung vermittelt, obwohl sie der realen Gegebenheit nicht entspricht. Sind wir uns dieser physiologischen Verarbeitungsprozesse nicht bewusst, können wir uns in einer vermeintlichen Sicherheit unserer Sinneseindrücke wähnen. Unter Umständen dann auch diese Sicherheit mit aller Selbstverständlichkeit gegen alternative Aussagen anderer vertreten.

 

Ein weiteres Beispiel für diese Art der optischen Verarbeitung zeigen die zwei anderen von mir in einem Urlaub gemachten Bilder, auf denen sich je nach Bezugsrahmen (verengter bzw. erweiterter optischer Ausschnitt) ebenfalls zwei ganz unterschiedliche Interpretationen des Wahrgenommenen vermittelt. Bei verengtem Ausschnitt sehen wir drei unterschiedliche Häuser, bei erweitertem Ausschnitt eine einzige Hausfassade, auf der sich das Ganze als Gemälde befindet.

 

Diese beiden Beispiele optischer Täuschung belegen, wie sehr wir durch unsere fehlerfrei funktionierende Wahrnehmung in die Irre geleitet werden. Beispiele dieser Art lassen sich unendlich viele finden, mit stets der gleichen Botschaft, Vorsicht vor vermeintlichen Gewissheiten des Wahrgenommenen.

 

Wie eingeschränkt natürlicherweise unsere Sinne zusätzlich sind, zeigen Vergleiche mit dem Tierreich. Wir können nur einen relativ kleinen Teil des elektromagnetischen Spektrums als Farben wahrnehmen. Infrarotstrahlen, die eine längere Wellenlänge haben als rotes Licht, können wir im Gegensatz zu manchen Tierarten nicht wahrnehmen. Ebenso nicht das ultraviolette Licht (UV), das von verschiedenen Vögeln und Insekten wahrgenommen werden kann. 

 

Auch ist unser Sehvermögen im Vergleich zu bestimmten Vogelarten sehr eingeschränkt, da die Fähigkeit weit entfernte Gegenstände wahrzunehmen von der Anzahl der Sehzellen auf der Netzhaut abhängt. Während wir je Quadratmillimeter ca. 200 000 Sinneszellen haben, liegt die Zahl bei bestimmten Vögeln um das dreifache höher. Bei dem König der Vögel, dem Adler, liegt die Anzahl der Sinneszellen pro Quadratmillimeter gar bei einer Million und mehr. 

 

Bestimmte Fischarten (z.B. Haie) verfügen über einen passiven elektrischen Sinn, mit dem sie elektrische Felder wahrnehmen können, andere über einen aktiven elektrischen Sinn, mit dem sie elektrische Wellen aussenden, um sie über ein Echo zu deuten.

 

Das Wahrnehmen und die Orientierung an dem Magnetfeld der Erde ist uns Menschen nicht möglich. Anders bei Bienen oder auch Forellen, die Magnetfelder wahrnehmen und sich danach ausrichten können. 

 

Auch bezüglich unseres Hörvermögen sind wir im Vergleich zu vielen Tierarten sehr eingeschränkt. Der Bereich, in dem wir in der Lage sind Töne zu hören, liegt zwischen 20 und 20 000 Herz (d.h. Schwingungen pro Sekunde). Die sog. treuesten Freunde des Menschen, die Hunde, können Töne im Bereich von 40 bis 46 000 Hertz hören. Infraschallwellen von 16 Hertz, die für uns Menschen nicht hörbar sind, da sie unterhalb des Hörvermögens liegen, können von Elefanten gehört werden und ermöglichen es ihnen, sich über mehrere km zu verständigen, da sich diese tieffrequenten Schallwellen weit fortpflanzen. 

 

In besonderer Weise können wir erkennen wie sehr wir in unserem Hörvermögen begrenzt sind, wenn wir uns bewusst machen, zu welchen Leistungen Fledermäuse in der Lage sind. Diese besitzen ein so fein ausgeprägtes Gehör, dass sie gar in der Lage sind, mit Hilfe eines Sonars sich zu orientieren, in dem sie eine Echoortung nutzen. Eine Fledermaus kann aufgrund ihres ausgeprägten Gehörs, Berechnungen anstellen, über Entfernung, Geschwindigkeit und auch die Art des Insekts, welches sie anfliegt. Diese Leistung kann selbst modernste U-Botte, die ebenfalls Echoortung nutzen, in Bedrängnis bringen. Zugleich ist zu berücksichtigen, dass das Gehirn der Fledermaus, in dem all diese Berechnungen stattfinden, kleiner ist als ein Daumennagel.

 

Eine weitere sehr eng mit dem Unbewussten verbundene bzw. möglicherweise gar aus ihm entspringende, uns kennzeichnende ‚Sinnesqualität‘, ist die Intuition. Mit ihr bezeichnen wir im Allgemeinen die Fähigkeit, ohne gedankliche, bewusste Prozesse der Betrachtung, Analyse und Bewertung zu Erkenntnissen, Einsichten, Empfindungen und Entscheidungen zu gelangen. 

 

Die Akte der Intuition sind meist zunächst nicht begründbar und ableitbar, sie erschließen sich auf eine nahezu ‚magische‘ bzw. ‚geheimnisvolle‘ Art und finden häufig erst im weiteren Verlauf der Ereignisse eine Bestätigung oder Relativierung. In vielen Bereichen unserer sozialen Wirklichkeit spielt die Intuition eine immer bedeutendere Rolle, weshalb in diesem Zusammenhang häufig auch von der Intuition als Ausdruck einer emotionalen Intelligenz gesprochen wird. 

 

Diese wird im Vergleich der Geschlechter häufig eher bei den Frauen angesiedelt als bei den Männern („weibliche Intuition“). Wenn wir von einer ganzheitlichen Wahrnehmung im Sinne der ‚guten Gestalt‘ sprechen, dürfen wir davon ausgehen, dass auch die Intuition viel mehr mit einem ganzheitlichen Erfassen, Spüren und Wahrnehmen verbunden ist, als mit einem analytischen, folgerichtigen Betrachten, Erkennen und Wahrnehmen. In diesem Zusammenhang sprechen wir häufig von dem ‚Bauch-Gefühl‘ bzw. von einer ‚Anmutung‘. 

 

Alles das sind Hinweise auf die mit dem Phänomen der Intuition verbundene Dimension der ‚Leibhaftigkeit‘ der Wahrnehmung. Die Intuition wird auch als Ausdruck des sechsten Sinnes bezeichnet. In einer weiteren Sinnes-Analogie kann man von einem Sehen mit dem ‚dritten Auge‘ bzw. Hören mit dem ‚dritten Ohr‘ sprechen. 

 

Während das Hören mit dem dritten Ohr sich auch auf die Eigenschaft des Psychotherapeuten bezieht, mit Hilfe seines eigenen Unbewussten in Resonanz zu treten mit dem Unbewussten des Patienten, um somit intuitiv dessen Botschaften zu empfangen, bezieht sich das dritte Auge auf die Fähigkeit anhand des Energiezentrums im sog. ‚Stirn-Chakra‘ zur Erkenntnis bzw. Erleuchtung zu gelangen. Mit Hilfe dieses dritten Auges soll die in uns allen angelegte Fähigkeit der sensitiven Wahrnehmung gefördert werden bzw. das Tor zur Spiritualität und zur Weisheit geöffnet werden.

 

Die grundlegende Botschaft, die sich wohl aus all diesen Darlegungen, Erkenntnissen und Aufschlüssen ableiten lässt, bekundet sich in der Empfehlung an uns Menschen, uns unserer Sinneseindrücke, als Bindeglied zwischen unserem Inneren und der uns umgebenden Welt, niemals allzu sicher zu sein, stets die Möglichkeit des Fehlerhaften mit einzubeziehen. Diese Einsicht spiegelt sich in der Feststellung, dass alle Sinneswahrnehmung immer nur relativ sein kann und niemals absolut.

 


28.06.2019

 

Warum machen wir wieder und wieder die gleichen Fehler?

Warum lernen wir scheinbar nichts dazu?

Wir alle kennen die Erfahrung aus unserem Leben, wiederholt die gleichen Fehler zu machen, obwohl wir uns wünschen und uns vorgenommen haben, dass sie sich in dieser Weise nicht mehr ereignen sollten. Betroffen sein hiervon, kann unser Denken, Verhalten und unsere gefühlsmäßige Reaktion. 

 

Wiederkehrende Denkmuster, Arten etwas Bestimmtes zu deuten und zu interpretieren, die sich in der Vergangenheit als wenig hilfreich bzw. auch als fehlerhaft erwiesen haben, stellen sich stets von neuem in gleicher Weise wieder ein. Entgegen besseren Wissens und entgegen dem Vorsatz, diesen Denkmustern nicht mehr zu verfallen, begehen wir die gleichen Fehler im Denken.

 

Vergleichbares kennen wir bezogen auf unsere körperlichen Reaktionen, auf unser Verhalten und die damit verbundenen Bewegungsabläufe. Auch hier haben wir vielleicht Erfahrungen gemacht, die uns gezeigt haben, dass konkrete Verhaltens- und Reaktionsweisen, denen wir Ausdruck verleihen, nicht hilfreich sind, uns und anderen möglicherweise geschadet haben. Und dennoch, können wir auch hier feststellen, es wiederholen sich gleiche oder ähnliche Muster.

 

Letztlich ist der Bereich unserer gefühlsmäßigen Reaktionen davon betroffen, dass wir in vergleichbarer Weise mit Enttäuschung, Schmerz, Verunsicherung, Zweifel, Angst, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder auch Ärger, Aggression und Wut reagieren, obwohl wir die Erfahrung gemacht haben, dass uns diese emotionalen Reaktionen in den jeweils konkreten Lebenssituationen nicht helfen. Im Gegenteil machen sie mögliche, sinnvolle und wünschenswerte Vorgehensweisen und Lösungsstrategien unmöglich.

 

Diese auf allen Ebenen unserer Persönlichkeit sich offenbarenden Wiederholungen, die geradezu automatisiert, vielleicht auch reflexartig ablaufen, insofern ohne bewusstes Zutun bzw. bewusste Reflexion, beziehen sich auf alle Bereiche unseres Lebens. Sie vollziehen sich im Privaten, im Beruflichen und auch im Bereich unserer Freizeit. 

 

Von besonderer Bedeutung und verbundenen mit einer erheblichen, spürbaren Auswirkung in unserem Leben, sind diese Muster der Wiederholung, wenn davon unsere Beziehungen zu anderen Menschen betroffen sind bzw. wenn die Beziehungen zu unseren Mitmenschen selbst nach der Vorgabe wiederkehrender Muster ausgerichtet sind und entsprechend gestaltet werden. In diesen Fällen dürfen wir von einem sog. ‚Wiederholungszwang‘ sprechen, der mit einem selbstschädigenden Impuls verbunden ist, Unangenehmes, Schmerzhaftes und Enttäuschendes zu wiederholen. 

 

S. Freud (1856-1939) hat den Begriff des ‚Wiederholungszwangs‘ benutzt um diese uns Menschen kennzeichnenden Muster des Denkens, Verhaltens und Fühlens zu erklären, die in Anbetracht ihrer Auswirkungen und ihres Stellenwertes in unserem Leben keinen Sinn machen und im Gegensatz zu allem stehen, was aufgrund unserer gemachten Erfahrungen ratsam und sinnvoll wäre. Freud sagt hierzu in seiner Schrift ‚Jenseits des Lustprinzips (1920): „...Wir verwundern uns über diese ,ewige Wiederkehr des Gleichen’ nur wenig, wenn es sich um ein aktives Verhalten des Betreffenden handelt, und wenn wir den sich gleichbleibenden Charakterzug seines Wesens auffinden, der sich in der Wiederholung der nämlichen Erlebnisse äußern muß. Weit stärker wirken jene Fälle auf uns, bei denen die Person etwas passiv zu erleben scheint, worauf ihr ein Einfluss nicht zusteht, während sie doch immer nur die Wiederholung desselben Schicksals erlebt...“ 

 

Um die Bedeutung des Ausmaßes dieses Wiederholungszwangs deutlich zu machen, hilft es uns zu erkennen, dass in dieser Charakterisierung das Wort Zwang enthalten ist. Haben wir es mit einem Zwang zu tun, entfällt scheinbar die Option der freien Entscheidung. Zusätzlich sollten wir die Nähe des erlebten und empfundenen Zwangs zu der Suchtstruktur einbeziehen. In diesem Verständnis hat ein solches zwanghaftes Vorgehen immer auch den Charakter eines suchthaften Verhaltens.

 

Die tägliche Arbeit im Rahmen meiner Psychotherapeutischen Praxis ist gekennzeichnet von den unterschiedlichsten Formen dieser ‚suchthaften‘ Wiederholungszwänge. Menschen durchleben stets von Neuem leidvolle und schmerzhafte Erfahrungen in Ihren Beziehungen und scheinen trotz der teilweise auch traumatisierenden Auswirkungen, keinen Ausweg zu kennen, der mit einer Befreiung verbunden wäre. Ganz im Gegenteil scheinen sie sich immer wieder aufs Neue von den gleichen Menschen, mit den gleichen charakteristischen Merkmalen angezogen zu fühlen, um die für Außenstehende früh schon erkennbaren, erneuten und wiederholten, leidvollen Erfahrungen zu machen. 

 

So kann sich z.B. ein Mann immer wieder eine Partnerin suchen, die ihm über kurz oder lang, das Gefühl vermitteln wird, ein Versager zu sein, ihren Ansprüchen nicht gerecht werden zu können, es nicht Wert zu sein, sich mit ihr in einer Beziehung zu befinden. Aufgrund dessen wird sie ihn über kurz oder lang letztlich betrügen. Er seinerseits wird in der Folge beteuern, doch alles für sie getan zu haben, sich bemüht zu haben, ihr jeden Wunsch zu erfüllen und nicht verstehen können, warum sie in dieser Weise mit ihm umgegangen ist. 

 

Statt sich mit ihrem Verhalten und Vorgehen kritisch auseinander zu setzten, wird er sich selbst hinterfragen, sich damit befassen, was er vielleicht falsch gemacht habe, möglicher Weise Schuldgefühle entwickeln, verbunden mit dem Vorsatz, es in der nächsten Beziehung besser zu machen. Was dann die beste und sichere Voraussetzung darstellt, sich erneut in das gleiche Muster zu begeben.

 

In gleicher Weise kann sich eine Frau stets von neuem an einen Mann binden, sich mit ihm auf eine Beziehung einlassen, der ebenfalls bereits nach kurzer Kennen-Lernphase beginnen wird, Verschiedenes, sie Kennzeichnendes, mehr oder weniger direkt in Frage stellen wird. Dies ist dann meist verbunden mit zunehmenden Kränkungen, Entwertungen, Verletzungen, Demütigungen und auch weitergehenden, aggressiven Grenzüberschreitungen. Und auch hier wird diese Frau, die Zweifel auf sich selbst richten, den Fehler oder die Versäumnisse bei sich selbst suchen, verbunden mit der Frage, was sie tun könne, um diesem Mann gerecht werden zu können.

 

In der Außenbetrachtung erscheint das alles stets vollkommen paradox, geradezu absurd. Wie kann jemand, der ganz offensichtlich in einer solchen Weise verletzt, entwertet und gedemütigt wurde, an sich selbst zweifeln, die Fehler und die Schuld bei sich selbst suchen?

 

Die detaillierte und lebensgeschichtliche Rekonstruktion offenbart im Verlaufe einer langwierigen Psychotherapie stets, dass diesen Wiederholungszwängen ganz charakteristische, biographisch erlebte Beziehungen zu Grunde liegen. Dies bedeutet, dass die Matrix, also die ursprüngliche Vorlage für diese späteren sich wiederholenden Muster, in den frühen Beziehungen, meist zum Vater bzw. zur Mutter zu identifizieren sind. So wird sich im psychotherapeutischen Prozess sehr schnell offenbaren, dass z.B. die frühkindlich erlebte Beziehung zum eigenen Vater bereits die Kennzeichen der Entwertung, Geringschätzung, emotionalen Distanz oder gar Kälte enthielten, verbunden mit dem grundsätzlichen Zweifel an dessen tiefe Zuneigung und dem zeitüberdauernden Gefühl, dessen Ansprüchen und Erwartungen doch nie gerecht werden zu können. 

 

Die Tragik solcher lebensgeschichtlichen Verläufe besteht darin, dass die natürlicherweise zugrunde liegenden Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche nach der Anerkennung, Wertschätzung, Zuneigung bzw. auch Liebe von und durch diesen Menschen, in den allermeisten Fällen so nie erfüllt werden wird. Und doch bleiben diese Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche, eine zu Grunde liegende Antriebsfeder, die das eigene Denken, Verhalten und Empfinden im Sinne eines suchthaften Wiederholungszwanges bestimmen.

 

So wie bei einer Sucht kennzeichnend, fällt dem Suchtmittel, sei es eine Droge, der Alkohol, das Glücksspiel oder sonstiges nur der Stellenwert einer Kompensation zu. Ebenso verhält es sich bei solchen ‚pathologischen‘ Beziehungen, auch diesen kommt nur ein kompensatorischer, d.h. ein Ausgleich schaffen wollender Charakter zu, für das, was aus der ursprünglichen Beziehung, um die es in Wirklichkeit geht, nicht zu entnehmen ist. Insofern trägt auch aus diesem Grund eine solche Beziehung zum Scheitern bei, da ihr nur der Stellenwert eines Ersatzes zukommt.    

 

Dennoch könnte die Sehnsucht nach der späten, so lange ersehnten Bedürfniserfüllung nicht den Wiederholungszwang alleine erklären, wenn nicht noch zusätzlich ein wesentliches Kennzeichen in der betroffenen Person hinzukäme. Würde nur der Schmerz, die Kränkung und die Verletzung das eigene Erleben bestimmen, warum sollte es stets zu einem erneuten Anlauf kommen, warum sollte von einem neuen Menschen, der die negativen Anzeichen des ursprünglichen Objekts (Vater oder Mutter) in sich trägt, überhaupt noch eine Anziehung ausgehen können?

 

Wenn eine Anziehung gegeben ist, was in diesen hier benannten Fällen stets der Fall ist, dann dürfen wir sicher davon ausgehen, dass es zu einer Resonanz gekommen ist, zu einem Gleichklang, einem (quantenphysikalisch) gemeinsamen Schwingen, elektro-magnetischer Wellen gleicher Amplituden. Spätestens an dieser Stelle der Erkenntnis müssen wir zugestehen, dass offensichtlich die gleichen Anteile, unter denen z.B. die betroffene Frau in der Beziehung zum Vater gelitten hat, auch in ihr selbst vorhanden sind. Nur dann kann es zu einer Resonanz kommen, einem Gleichklang und der damit verbundenen Anziehung. 

 

Wie ist das möglich? Wenn wir frühkindliche Erlebnisse dieser Art haben, wie oben beschrieben, die mit über viele Jahre wiederholtem Leid und Schmerz verbunden sind, besteht für uns die Notwendigkeit, einen Weg zu finden damit umzugehen, so dass das Ganze erträglich wird. Hierzu haben wir die Möglichkeit zum Eigenschutz auf uns zur Verfügung stehende sog. ‚Abwehrmechanismen‘ zurückzugreifen, z.B. die Verdrängung, Verleugnung, Rationalisierung oder andere. Der Abwehrmechanismus, der in dem hier besprochenen Fall von entscheidender Bedeutung ist und seinen maßgeblichen Anteil an der Grundlage für den Wiederholungszwang darstellt, ist die sog. ‚Identifikation mit dem Angreifer oder Aggressor‘.

 

Es war der Verdienst von Anna Freud (1895-1982), der Tochter von S. Freud, ebenfalls Psychoanalytikerin, diesen Abwehrtyp als sogenannte „Identifizierung mit dem Angreifer“ in dem Buch  ‚Das Ich und die Abwehrmechanismen‘ (1936) in den Kanon der psychoanalytischen Lehre der Abwehrmechanismen aufzunehmen. Bei dieser Identifikation mit dem Angreifer verinnerlicht und übernimmt die Person (hier z.B. die Tochter) ohne ihr bewusstes Wissen und oft gegen ihren bewussten Willen Persönlichkeitseigenschaften, Werte und Verhaltensweisen des Aggressors und macht sie zu Anteilen ihres eignen Selbst. 

 

In besonderer Weise sind es traumatische Erfahrungen in der Kindheit, die mit einer unterdrückenden und auch autoritären Erziehung verbunden sind, sowie auch mit einem durch Liebesentzug und manipulativen Vorgehen gekennzeichneten Verhalten, die zu der Ausbildung einer solchen Identifikation mit dem Aggressor führen. Letztlich dient dieser Abwehrmechanismus dem eigenen Schutz, behütet möglicherweise vor einem seelischen Zusammenbruch. Wie immer im Falle solcher Notmaßnahmen ist das, was zu einem bestimmten Zeitpunkt lebensnotwendig erschien (hier die Abwehr i.S. der Identifikation mit dem Aggressor), zugleich das, was sich dann im weiteren Verlauf des Lebens, in hohem Maße schädigend auf die seelische Integrität und das Wohlergehen des Selbst auswirkt. Zumal es die Entwicklung einer persönlichen Autonomie verhindert bzw. unterdrückt wird.

 

Es war Alice Miller (1923-2010), Autorin und Psychologin, die in diesem Zusammenhang auf die Auswirkungen der sog. ‚Schwarzen Pädagogik‘ hinwies. Mit ihr verband sie die dem Kind gegenüber vermittelte Botschaft „Du sollst nicht merken“ (...was ich dir antue), in der einem Kind fortgesetzt erklärt wird, dass alles Demütigen und Quälen, zu seinem eigenen Wohl geschehe. Ein solches Kind, das mit dem Hinweis, alles geschehe zu seinem eigenen Wohl, konditioniert wurde, wird sich sehr schwer damit tun, jemals zu erfassen, was mit ihm tatsächlich geschehen ist bzw. was ihm angetan wurde.

 

Alice Miller zitiert längere Passagen aus dem Buch ‚Wir Kinder vom Bahnhof Zoo‘ von Christiane F. Anhand dieser Zitate wird deutlich, dass Christiane F. in der Kindheit unter dem Schreckensregiment ihres Vaters gelebt hat. Obwohl sie unter der Brutalität des Vaters schwer zu leiden hatte, schrieb sie in dem Buch:

 

„Ich hatte ihn ja nie gehaßt, sondern nur Angst vor ihm gehabt. Ich war auch immer stolz auf ihn gewesen. Weil er tierlieb war, und weil er ein so starkes Auto hatte, seinen 62er Porsche…“

 

Alice Miller schreibt hierzu: „Seine [des Kindes] Toleranz kennt keine Grenzen, es ist immer treu und sogar stolz, daß sein Vater, der es brutal schlägt, niemals einem Tier etwas zuleide täte; es ist bereit, ihm alles zu verzeihen, die ganze Schuld immer auf sich zu nehmen, keinen Haß zu empfinden, alles Vorgefallene schnell zu vergessen, nicht nachzutragen, niemandem etwas zu erzählen…“ An anderer Stelle schreibt Alice Miller: „…wohin ich schaue, sehe ich das Gebot, die Eltern zu respektieren, nirgends aber ein Gebot, das Respekt für das Kind verlang.“ (aus ‚Am Anfang war Erziehung‘)

 

Somit können wir erkennen, dass in dieser Weise traumatisierte Kinder auch dann noch danach streben, die Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Zuneigung und Liebe zu bekommen, wenn der Vater oder die Mutter (oder auch beide) ein Verhalten zeigten, das sich überwiegend gegen die Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte und Interessen des Kindes richtete. Tragischer Weise bleibt diese Haltung in vielen solcher Fälle, nicht zuletzt dank der oben besprochenen Identifizierung mit dem Aggressor, auch noch im Erwachsenenleben bestimmend und bildet somit die Grundlage für die jeweilige, sich mit dem Wiederholungszwang verbundene Partnerwahl. 

 

Welchen Ausweg gibt es, um sich aus diesen, lebensbestimmenden, regressiven Fixierungen zu befreien? Da es sich hier nicht um randständige Bereiche des persönlichen Erlebens handelt, sondern der Kernbereich der Persönlichkeit und des Selbst betroffen ist, bedarf es einer langwierigen und intensiven Arbeit am eigenen Selbst. In der Analogie biete ich meinen Patienten stets das Bild einer Veränderung im eigenen Haus an, die man anstrebt. So lange diese Veränderung sich auf einen neuen Anstrich, das Einsetzen eines neuen Fensters,  einer Tür oder begrenzter Umgestaltungen bezieht, ist der Aufwand relativ gering. Geht es jedoch um das Versetzen der tragenden Wände, sollte man bereit sein, einen erheblich größeren Aufwand in Kauf zu nehmen. Das bedeutet mehr Zeit, mehr Energie und mehr Arbeit.

 

Insofern sollte in solchen Fällen stets die Empfehlung lauten, eine analytische Psychotherapie zu machen, da diese die notwendige Zeit und auch den notwendigen Rahmen bietet, sich aus diesen Wiederholungszwängen zu befreien. 

 

Das im Anhang angefügte Video zeigt in einer sehr exemplarischen Weise die Beziehung zwischen einem Aggressor und dem dazu korrespondierenden ‚Opfer‘. Das Ganze ist in dieser Dichte der Darstellung zwar karikaturhaft überzeichnet, im Kern jedoch offenbart es die ganze Tragik dieses Wiederholungszwanges.

 

PS: In Anbetracht meiner bisherigen Beiträge kann es sein, dass dieser hier sich etwas unterscheidet, insofern er möglicher Weise keine ‚leichte Kost‘ ist. Sich etwas weniger Schönes vor Augen zu führen bzw. sich mit einer unangenehmen Realität zu konfrontieren, ist ein wichtiger Teil meiner alltäglichen Arbeit und findet somit in dieser Darstellung seinen Ausdruck. 

 

Solche zwanghaften Muster und Charaktereigenschaften, welche nahezu jeder von uns, in mehr oder weniger ausgeprägter Form in sich trägt, kennzeichnen uns und belegen, dass wir letztlich ‚menschlich‘ sind. Dies allerdings, sollte uns keinesfalls daran hindern, stets bestrebt zu sein, dazu zu lernen. ;)

 


27.06.2019

 

Was gibt uns die Meditation und das Yoga?

In Folge der Erkenntnisse aus der Quantenphysik, können wir inzwischen von einem ‚elektromagnetischen Feld‘ sprechen, das die gesamte Schöpfung kennzeichnet und ausfüllt. Mit anderen Worten können wir von dem ‚Meer aller Möglichkeiten‘ sprechen. Dieses Meer besteht aus Schwingungen (Wellen aus Energie) bzw. aus Information.

 

Was sind die Zugänge, die wir neben dem Forschen und den wissenschaftlichen Bemühungen v.a. auch im Rahmen dieser Quantenphysik haben, um Aufschlüsse über dieses unbestimmte, elektromagnetische Feld zu bekommen? Wie können wir eine Erfahrung ermöglichen, welche von einem Gefühl der Berührung und des Gewahr-Werdens dieses energetischen Feldes gekennzeichnet ist? 

 

Das Überschreiten bzw. das Durchschreiten der uns gegebenen Grenzen unserer materiellen Wirklichkeit, lässt sich anhand unterschiedlicher Wege vollziehen. Hierzu zählen Zustände der Trance, wie sie über bestimmte Rhythmen oder auch über die Einnahme bestimmter Substanzen ermöglicht werden, bzw. auch in Folge einer Hypnose. Ebenso jedoch ist es uns möglich über das Praktizieren der Meditation und des Yoga in eine Tiefe des  Bewusstseins zu kommen, die den Kontakt mit diesem Meer aller Möglichkeiten bietet.

 

In den letzten 20 Jahren wurden unzählige wissenschaftlich anspruchsvolle und z.T. originelle Studien und Untersuchungen zur Wirksamkeit der Meditation und des Yoga auf unser geistiges, seelisches und körperliches Wohlbefinden durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studien finden sich weltweit in den unterschiedlichsten Ländern der Erde.

 

So können wir inzwischen sagen, dass die Meditation Auswirkungen hat auf nahezu alle Organe unseres Körpers. Gehirn, Herz-Kreislaufsystem, Lungen, Stoffwechsel-Prozesse, Hormon-Haushalt, glatte und quer gestreifte Muskulatur, Knochen, Sinnesorgane, Immunsystem, Psyche und die Zellen einschließlich unseres Chromosomen-Satzes sind betroffen. MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomographie) haben gezeigt, dass regelmäßiges Meditieren, ganze Bereiche in unserem Gehirn verändert und damit unseren gesamten Organismus beeinflusst (siehe MRT-Bild unten). Eine der bekanntesten Formen der Meditation nennen wir ‚Achtsamkeitsmeditation‘. Diese hat sich weitgehend von ihren ursprünglich religiösen Wurzeln gelöst. Hier geht es darum, die Achtsamkeit auf die Vorgänge in unserem Inneren zu lenken, auf unsere tiefen Gefühle bzw. körperliche Empfindungen.  

 

Christophe André, Arzt an dem Centre Hospitalier Sainte-Anne in Paris, sagt: „Wir hören in unsere ganze Person hinein. Lauschen, was in unserem Körper geschieht, wie wir atmen, wie unsere Gedanken fließen, wie Geräusche auf uns wirken….Im Grunde sind wir unser eigener stiller Beobachter.“ Christophe André ist für seine zahlreichen Publikationen bekannt. Er war der erste Arzt in Europa, der die Meditation klinisch genutzt hat. In seiner Klinik in Paris setzt er seit vielen Jahren erfolgreich Meditation bei Patienten mit chronischen Depressionen und Angststörungen ein. Dort wird die Meditation neben der Pharmakotherapie und Psychotherapie als eine weitere, unterstützende Maßnahme verstanden. 

 

Inzwischen vorliegende internationale Studien zeigen, dass Personen, die bereits zwei schwere depressive Episoden erlebt haben, durch 20 Minuten Meditieren am Tag, ihr Rückfall-Risiko um 50 % reduzieren können. Verantwortlich für unsere Gefühle ist ein bestimmter Teil des lymbischen Systems unseres Gehirns, das den Namen Amygdala trägt. Diese Amygdala ist auch das Zentrum für unsere Angstgefühle. So zeigt sich bei Angstpatienten dort eine besonders hohe Aktivität. Werden Patienten ohne Meditationstraining mit Patienten verglichen, die ein bestimmtes 8-wöchiges Meditationstraining hatten, kommt es bzgl. der Angstreaktion bei Patienten mit dem Training zu deutlich weniger Aktivität in diesen Arealen des Gehirns. 

 

Ein weiteres Ergebnis des meditativen Prozesses ist die positive Auswirkung auf die sog. Neuroplastizität unseres Gehirns. Diese bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns, in aktiver Weise Umbauprozesse i.S. der Erneuerung durchzuführen. Es ist nicht davon auszugehen, dass im Gehirn während der Meditation nichts geschieht. Ganz im Gegenteil, kommt es zu aktiven Prozessen des Umbaus in vielen Arealen.

 

Zu Beginn der Forschungsarbeiten zur Meditation, wurde diese v.a. von Psychologen und Psychiatern durchgeführt, zwischenzeitlich sind es Neurowissenschaftler, Immunologen, Kardiologen und auch Endokrinologen. Vielerorts werden Einführungskurse zur Meditation angeboten, in den USA bereits in über 200 Kliniken. Ausgangspunkt für die Erforschung der Meditation auf den Menschen, war das Center of Mindfullness in Medicine, Health Care and Society der University of Messechussets. 

 

Der Gründer dieses Center of Mindfullness, John Kabat-Zinn, wurde in den 70er Jahren, bei seinen Bemühungen, die moderne Medizin mit der Meditation zu verbinden, als ‚bekiffter Hippie‘ bezeichnet. Er entwickelte ein 8-wöchiges Anwendungsprogramm i.S. eines Schulungskonzepts, das inzwischen überall auf der Welt nahezu standardisiert zur Anwendung kommt.

 

In einer Studie von 2013 konnte Barbara Fredrickson, von der Universität North Carolina, belegen, dass die Kultivierung positiver Gedanken mittels der Meditation, unterschiedlichste positive Auswirkungen mit sich bringt. So steigert sich das eigene positive Wohlempfinden, die zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern sich, das eigene Nervensystem erfährt eine positive Beeinflussung und es kommt zu einer Fokussierung der Momente von Freude und Glück im Alltag.  

 

Bezüglich der Effekte der Meditation, wurde von Prof. Clifford Saron, Neurowissenschaftler der Universität in Kalifornien, ein sehr anspruchsvolles Forschungsprojekt durchgeführt. Dieses hatte zum Ziel zu prüfen, ob es möglich ist durch Meditation die Vorgänge innerhalb der menschlichen Zellen, auf der Ebene des Chromosomensatzes zu beeinflussen bzw. zu verändern. Hierzu wurden 2 Gruppen von je 30 Personen für 2 Monate in einem Haus in den Rocky Mountains in Meditation unterwiesen. Es wurden im Anschluss 15 verschiedene computerbasierte Aufgaben verabreicht, die es ermöglichten verschieden Aspekte der Regulierung von Emotionen abzufragen. 

 

Gegenstand der Beobachtung waren die sog. ‚Telomere‘, denen in gewisser Weise die Funktion einer biologischen ‚Schutzkappe‘ an den Enden der Chromosomen zukommt. Diese Telomere werden mit zunehmendem Alter immer kürzer und können somit ihre Funktion nur noch teilweise erfüllen. Sind diese Telomere zu kurz, kann sich die Zelle nicht mehr teilen und es wird kein neues Gewebe gebildet.

 

Zu Beginn und am Ende des 3-monatigen Meditationstrainings wurde die sog. Telomerase bestimmt. Dies ist ein Enzym, das die Telomer-Verkürzung verlangsamt. Die Ergebnisse zeigten, dass nach einem drei monatigen Meditieren, bereits ein Drittel mehr Telomerase im Blut vorliegt. 

 

Mit dieser Untersuchung wurde somit erstmals nachgewiesen, dass Meditation einen grundlegenden Mechanismus unserer Biologie beeinflussen kann, den Alterungsprozess von Zellen.

 

In gleicher Weise wie die Wirksamkeit der Meditation inzwischen in unzähligen Studien belegt wurde, verhält es sich mit der Wirksamkeit des Yoga. Seit 2016 gehört Yoga laut UNESCO zur repräsentativen Liste des ‚Immateriellen Kulturerbes der Menschheit‘. In der indischen Kultur hat Yoga immer schon eine bedeutende Rolle in den Bereichen der Gesundheit, Medizin, Bildung und Kunst. Beruhend auf dem ganzheitlichen Verständnis des Menschen bestehend aus Körper, Seele und Geist, zielt das Yoga auf die physischen, mentalen und spirituellen Kräfte des Menschen. Die angewandten Techniken bestehen in Körperübungen, Meditationen, Kontrollen der Atmung und auch in spirituellen Übungen.

 

Die positiven Auswirkungen des Yoga können wir auf allen Ebenen uns Menschen betreffend finden. Auf der physischen Ebene nimmt Yoga Einfluss auf den Blutdruck, die Herz- u. Lungenfunktion, den Magen-Darm-Trakt, die Beweglichkeit der Glieder, Energie und Ausdauer, Augen-Hand-Koordination, Reaktionsschnelligkeit, das Immunsystem, den Schlaf, die Muskulatur und das Körperbewusstsein. Auf der biochemischen Ebene senkt es die Stresshormon-Ausschüttung, den Glucose-Spiegel, das Cholesterin, erhöht die Anzahl der Lymphozyten (Immun-Abwehr) und des Hämoglobins und hilft bei der Regulation der Schilddrüsenhormone. Die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn steigt und die Lungenfunktion verbessert sich. 

 

Auf der psychischen Ebene kommt es zu einem Ansteigen der Stimmung, zur Reduktion von Stress, Angst und Depression. Zugleich zeigt sich eine Stärkung des Selbstbewusstseins, ein höheres Ausmaß an innerer Ausgeglichenheit und innerer Ruhe. Ebenso steigt das Ausmaß an Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und des Erinnerungsvermögens. In Folge dieser Effekte erhöht sich die soziale Kompetenz und die positive Einstellung zum Leben insgesamt verbessert sich, womit es letztlich zu einer umfassenden Erhöhung der allgemeinen Lebensqualität kommt.

 

Bereits bei Anfängern hat Yoga in kurzer Zeit eine positive Auswirkung. Es zeigt sich, dass diese in der Folge von einführenden Yoga Einheiten, bereits weniger Stress empfinden, statt dessen mehr Ausgeglichenheit und innere Ruhe.

 

Diese gesamten positiven Effekte des Yoga dürfen uns überzeugen und sprechen für sich. Allein aufgrund dieser weitgehenden positiven Auswirkungen auf unsere physische und psychische Verfassung, ist es ratsam sich dem Praktizieren des Yoga zu öffnen. Von noch weiterreichenden Auswirkungen ist die mit dem Yoga verbundene spirituelle Bereicherung. Dieser Fokus, welcher sich auf die spirituelle Ebene bezieht, dürfen wir bei den Yoga Angeboten, die wir heute an vielen Stellen unserer modernen, westlichen Gesellschaft finden, leider häufig vermissen.

 

Mark Whitwell, Autor und einer der weltweit bekanntesten, erfahrenen Yoga Lehrer aus Neuseeland, sagt hierzu: „Yoga ist abgetrennt worden von seiner großen Tradition….Es wurde in die Fitness Industrie integriert…es geht darum vorgegebenen Idealbildern zu genügen, die sich auf den Covers von Magazinen befinden….Tatsächlich jedoch geht es darum seinen Körper zu lieben, so wie der Körper seine eigene Atmung liebt… Wenn das gelingt ist es eine Liebesbeziehung…Die Einatmung liebt die Ausatmung..…Eine Anstrengung um einer Zielvorstellung zu genügen, die sich in der Zukunft befindet, ist kein Yoga.“

 

„Der Versuch irgendwo hinzugelangen, als sei man nicht irgendwo, als sei man nicht irgendwer, als sei man nicht ein Wunder der Schöpfung, ist kein Yoga…Wir sind die Kraft des Universums…in vollkommener Harmonie mit allem….So gibt es ein richtiges Yoga für jeden Menschen, gleichgültig wer dieser Mensch sein mag…Auf diese Weise Yoga zu praktizieren, bedeutet, die Kraft des Universums als wahr zu spüren…das hat etwas göttliches….Die umfassende Harmonie mit Allem zu spüren, das ist Yoga.“

 

Wenn wir erkennen können, dass wir über Meditation und Yoga in der Lage sind grundlegende physiologische, biologische, chemische und physikalische Prozesse zu beeinflussen bzw. zu initiieren, dürfen wir feststellen, dass wir mittels unseres Geistes über Materie bestimmen können. Hier deutet sich die von Mark Whitwell angesprochene ‚Kraft des Universums’ an. Im Einklang dazu steht die Feststellung von Max Planck, Physiker und Nobelpreisträger: „….Da es aber im ganzen Weltall weder eine intelligente noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie! Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre!“

 

Sowohl die Mediation als auch das Yoga bieten uns eine unschätzbare Gelegenheit, neben all den Möglichkeiten auf körperlicher und seelischer Ebene, den spirituellen Zugang zu dem Bereich des elektromagnetischen Feldes bzw. des Meeres der unbegrenzten Möglichkeiten zu bekommen. Es liegt ausschließlich an uns selbst, ob wir uns diesem öffnen.

 


26.06.2019

 

Die heilige Geometrie, eine verborgene Ordnung...

Wollen wir Menschen uns und auch die Welt, in der wir leben, mit einem Sinn verbinden, greifen wir auf die uns angebotenen Muster und Kategorien der Sinngebung zurück. Vermittelt werden uns diese von Beginn an im Verlauf unserer sozialen Entwicklung, in der es recht definierte und klare Inhalte sind, die uns vermittelt werden, vom Elternhaus, über den Kindergarten, die Grundschule, die weiter führenden Schulen, Ausbildungen, Studien und die Welt der Arbeit und Beschäftigung. Nicht vermittelt wird uns zu fragen, was sich hinter dem Erkennbaren und Sichtbaren unserer materiellen Welt zusätzlich offenbaren könnte. Die Hinweise, die wir aus der Quantenphysik, Metaphysik, Philosophie, Psychologie, Medizin, anderen Wissenschaften sowie anderen Kulturen haben, konnten bislang nicht zu einem sog. Paradigmenwechsel führen, mit dem eine Öffnung in eine neue Dimension unseres Selbstverständnisses verbunden wäre. 

 

Wir können dies an dem Beispiel, der sog. ‚heiligen Geometrie‘ erkennen. Wobei die Bezeichnung ‚heilig’ nicht im Sinne eines Glaubens oder einer Religion zu verstehen ist, sondern im Sinne von ‚heil-sein’, also vollständig, unbeschädigt, ganz, allumfassend bzw. gesund. Diese heilige Geometrie gibt uns die Möglichkeit eine, hinter allen Erscheinungen der Natur bzw. der Schöpfung liegende, verborgene Ordnung zu erkennen, von deren Verständnis eine vollkommen veränderte Haltung des ‚In-der-Welt-Seins‘ ausgehen kann. 

 

Die Bewusstheit für das Vorliegen dieser verborgenen, allgegenwärtigen Ordnung, kann Vertrauen, Sicherheit und Gelassenheit in uns erzeugen. Dies ist dann verbunden mit einem Gefühl der Gemeinschaft, welche Kulturen und Völker übergreifend gegeben ist. Doch wissen wir davon? Ist es Bestandteil unserer Bildung, unseres ‚Mainstream-Wissens‘, welches wir vermittelt bekommen?

 

Leonardo da Vinci (1452-1519) hat in seiner Darstellung des vitruvianischen Menschen aus dem Jahr 1490 seine Erkenntnisse aus seinen Proportionsstudien zum menschlichen Körper verwirklicht. Wir können in der berühmten Zeichnung von Leonardo da Vinci einen Mann sehen, mit ausgestreckten Armen und Beinen in zwei sich überlagernden Haltungen. Die Darstellung folgt der Vermutung des griechischen Architekten und Ingenieurs Vitruvius, wonach ein aufrecht stehender Mensch sich sowohl in die geometrische Form eines Kreises als auch die eines Quadrates einfügen lasse (siehe Bild unten).

 

Das in dieser Abbildung realisierte Idealbild des menschlichen Körpers stellt kein absolutes dar, sondern entsteht aus der Beziehung der einzelnen Körperteile zueinander. Auch wenn bei genauer Messung der dargestellten Figur eine Abweichung von 1,7 % besteht, lässt sich der vitruvianische Mensch als sinnbildliche Darstellung des Menschen im ‚Goldenen Schnitt‘ verstehen. 

 

Der Goldene Schnitt bezieht sich auf die Teilung einer Strecke in zwei Abschnitte, so dass sich der kleinere Abschnitt zum größeren in gleicher Weise verhält, wie der größere Abschnitt zur Länge der gesamten Strecke. Die aufgrund der Teilung sich ergebende Zahl 1,618 wird als ‚Goldene Zahl‘ bezeichnet (s. Bild unten).

 

Erstmals benannt wurde dieses Verhältnis, welches wir als den Goldenen Schnitt kennen, wohl ca. 300 v. Chr. von dem griechischen Mathematiker Euclid (365-300 v. Chr.). Zugleich gilt als historisch gesichert, dass der goldene Schnitt bereits im 5. vorchristlichen Jahrhundert bekannt war. Im Ordenszeichen der Pythagoreer, dem Fünfeck, sei der goldene Schnitt bereits entdeckt worden.

 

Auch in der von Leonardo Da Vinci gemalten Mona Lisa (1503-1506) können wir die verborgene Symmetrie des goldenen Schnitts erkennen (s. Bild unten). Ebenso sind in unendlich vielen Darstellungen der Kunst die Proportionen des goldenen Schnitts enthalten, sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Darstellung. In gleicher Weise verwirklicht sind die Verhältnisse des goldenen Schnitts in Bauwerken von der Antike, einschließlich der Pyramiden, bis in die Neuzeit.

 

Viele Produkte unserer heutigen Zeit sind in gleicher Weise in einer Form geschaffen, welche dieses verborgene Verhältnis berücksichtigt bzw. ihm gerecht wird, seien es Verpackungen von Zigaretten oder auch Fernsehformate, Design-Vorlagen für Prospekte und Anzeigen oder auch in unterschiedlichen Firmen-Logos (Apple, Toyota, National Geographic, usw.).

 

In gleicher Weise finden wir den goldenen Schnitt in unserer gesamten Natur. Sei es die Beschaffenheit von Blüten, Eiskristallen, Blättern, Fossilien u.a.m. Letztlich finden wir das Verhältnis des goldenen Schnitts auch im gesamten Universum wieder, so z.B. im Verhältnis der Umlaufbahn von Erde und Venus um die Sonne (s. Bild unten). Beide zusammen bilden anhand ihrer Umlaufbahn ein Pentagramm, in welchem sich der goldene Schnitt wiederfindet. Auch im Verhältnis Erde und Sonne, Venus und Sonne sowie Merkur und Sonne, können wir geometrische Formen finden, die uns auf die verborgene Ordnung hinweisen.

 

Platon äußerte sich zum harmonischen Verhältnis, wie es sich aus dem goldenen Schnitt ergibt, in dem er feststellte: „Daß zwei Dinge sich auf eine schöne Art vereinigen ohne ein drittes, ist unmöglich. Denn es muß ein Band zwischen ihnen entstehen, das sie vereinigt. Das kann die Proportion am besten vollbringen….. alles wird also mit Notwendigkeit dasselbe, und da es dasselbe wird, bildet es ein Einziges.“

 

Auch der französische Bildhauer und Zeichner Francois-Auguste-René Rodin (1840-1917) erkannte die Schönheit des goldenen Schnitts an, in dem er feststellte: „Ich bin kein Träumer, sondern ein Mathematiker, und meine Bildhauerei ist gut, weil sie ein Produkt mathematischer Überlegungen ist.“

 

Gustav Theodor Fechner (1801-1887), Psychologe, Physiker und Naturphilosoph, der als Begründer der sog. Psychophysik gilt, untersuchte als erster experimentell die Präferenz für das aus dem Goldenen Schnitt resultierende irrationale Verhältnis von 1:0,61803. Aufgrund seiner Untersuchungen konnte er zeigen, das ein Quadrat weniger Zuspruch findet als ein Rechteck, dessen Seiten im Verhältnis des Goldenen Schnittes stehen. 

 

Bei seinem 1876 durchgeführten Versuch, entschieden sich die meisten seiner Versuchspersonen bei der Auswahl aus Rechtecken unterschiedlicher Größe – ohne Wissen über harmonische Verhältnisse der Proportion - für das Rechteck, welches im Verhältnis des Goldenen Schnittes beschaffen war. Unter den zehn zur Auswahl stehenden Rechtecken, befand sich nur dieses eine im Goldenen Schnitt (21/34). Das Ergebnis belegte anschaulich die Gültigkeit des Goldenen Schnittes als Proportion der Schönheit.

 

Auch wenn schon der italienische Mathematiker und Franziskaner Luca Pacioli (1445-1514) erstmals feststellte, daß die Proportionen der „schönen“ Menschen den Goldenen Schnitt aufwiesen und dies lange als Tatsache hingenommen wurde, können wir heute feststellen, dass es sich bei dem goldenen Schnitt um ein Ideal handelt, welches in der Realität unserer Schöpfung meist nur eine Annäherung findet. 

 

So konnte an klassischen Statuen dieses Verhältnis mit neueren und kritischen Nachmessungen nicht grundsätzlich bestätigt werden. Es zeigte sich, dass bei heute lebenden Menschen die Körperproportionen mit einer Streuung von ca. 20 % um den Goldenen Schnitt liegen. Somit bewegen sich die Messwerte in einem Streubereich, der auch für sonstige Strukturen in der Natur zutrifft, in welchen sich der Goldene Schnitt finden läßt. Posthum angestellte Untersuchungen legen nahe, dass vielen Künstlern der Goldene Schnitt unbekannt gewesen sein musste. Somit scheint dessen unbewußte Anwendung in besonderer Weise die Gültigkeit dieser Konstruktionsgesetze zu belegen. 

 

Wir können diese geometrischen Gesetze als Grundlage aller Existenz verstehen. Allem scheint eine Harmonie zu Grunde zu liegen, eine alles umfassende, verborgene Gesetzmäßigkeit. Vom kleinsten Atom bis hin zum unendlichen Universum, besteht alles aus geometrischen Mustern, Strukturen und Formen. Es scheint somit, als verstecke sich hinter all dem ein Bauplan ‚göttlicher Schöpfung‘. Insofern können wir feststellen, die Schöpfung folgt dem goldenen Schnitt und damit der heiligen Geometrie. Wir können erkennen, dass die Natur mit all ihren Erscheinungen und ebenso der Mensch, nach diesem Prinzip geschaffen ist. Kann das Zufall sein?

 


25.06.2019

 

Zur Bedeutung der Körpersprache...

Die erste reale Fernsehdebatte zwischen zwei politischen Repräsentanten fand am 26. September 1960, anlässlich des Präsidentschaftswahlkampfes zwischen dem republikanischen Vizepräsidenten Richard Nixon und seinem demokratischen Kontrahenten John F. Kennedy statt. Beide Politiker standen sich in einer einstündigen Debatte in einem CBS-Studio in Chicago gegenüber. Obwohl Nixon der klare Favorit war, lag er in der Gunst der ca. 70 Millionen Zuschauer deutlich hinter Kennedy. Nixon hatte einen längeren Krankenhausaufenthalt hinter sich, hatte 14 kg abgenommen und war von den vielen Wahlkampfauftritten offensichtlich geschwächt, wirkte teilweise blass und kränklich. Zudem war er schlecht rasiert und schwitzte sichtbar. Im Gegensatz dazu wirkte Kennedy sonnengebräunt, frisch, dynamisch und voller Energie. Im Unterschied zu Nixon, der sich immer wieder an Kennedy wandte, blickte Kennedy entschlossen in die Kamera und sprach die Zuschauer direkt an.

 

Kennedy hatte die Tage zuvor seinen Fernsehauftritt mit professionellen Filmschaffenden geübt und geplant. So wählte er einen Anzug in dunkelblau, der ihn deutlich von dem Studiohintergrund abhob, währenddessen Nixon eher einen gräulich gefärbten Anzug trug, der die ihn kennzeichnende Blässe noch unterstrich. (s. das Video hierzu unten)

 

Das interessante Ergebnis dieser Debatte war, dass die Mehrheit der Radiozuhörer, Richard Nixon als Sieger der Debatte nannten. Die Zuschauer hingegen, die diese Debatte über das Fernsehen verfolgten, waren zur überwiegenden Mehrheit der Ansicht, dass John F. Kennedy die Debatte gewonnen hatte. Das spätere offizielle Wahlergebnis bestätigte diese Einschätzung.

 

Was war passiert? Wie konnte ein Ergebnis zustande kommen, das sowohl der Vorhersage widersprach als auch dem Eindruck, den die Zuhörer über das Radio hatten? Die Erklärung liegt ausschließlich in der Wirkung der nonverbalen Kommunikation, somit der Körpersprache.

 

Unter Körpersprache können wir alle Botschaften verstehen, die mitgeteilt bzw. von einer Person als Sender gesendet werden, ohne dass dafür ein Wort gesprochen wird bzw. eine sprachliche Mitteilung erfolgt. So ist allein schon unsere Erscheinung, unser Aussehen, welche Kleidung wir tragen, welche Frisur uns kennzeichnet und alle sonstigen zusätzlichen Attribute (Dekoratives) und Accessoires (Schmuck) eine Aussage über uns selbst und das Selbstverständnis, das wir haben. Es sind Botschaften, die sich ohne ein gesprochenes Wort vermitteln.

 

Diese nonverbalen Botschaften lösen sehr vieles in uns aus, was verbunden ist mit Gedanken, Gefühlen, Wünschen, Sehnsüchten, Bedürfnissen, Zweifeln, Befürchtungen, Ängsten, etc. Wir erhalten Informationen über Status, Gesundheit, Krankheit, Pathologisches, Fähigkeiten, Kompetenzen, Persönlichkeitsmerkmale, etc.

 

Bestimmte Fragen, die sich uns im Kontakt mit jemandem stellen, den wir gerade erst kennen lernen, würden wir niemals offen aussprechen oder gar beantwortet haben wollen, in dem wir ganz offen nachfragen. Jedoch versuchen wir sie dennoch zu beantworten, in dem wir das als Information einbeziehen, was sich uns über das non-verbale Verhalten bzw. die Körpersprache vermittelt. „Sind Sie einfühlsam, aufrichtig und verlässlich?“ ist keine Frage, die wir an jemanden so richten würden, doch suchen wir im körpersprachlichen Ausdruck nach Hinweisen, die uns diese Fragen beantworten könnten.

 

Wir kennen alle dieses Vorgehen aus vielen alltäglichen Situationen, ob es der Kauf eines teuren Haushaltsgerätes ist, bei dem wir uns fragen, wie vertrauenswürdig der Verkäufer ist, die Einschätzung eines Handwerksmeisters, den wir beauftragen möchten, der Arzt, den wir erstmals aufsuchen, den potentiellen Partner, dem wir erstmals in einem Date begegnen, etc. In all diesen Situationen sind wir es gewöhnt, uns aufgrund der non-verbalen, körpersprachlichen Botschaften ein Bild zu machen, das uns Hinweise bietet, ‚wohin die Reise geht‘.

 

Lebensgeschichtlich haben wir alle zunächst über die Körpersprache gelernt uns zu orientieren, da wir zunächst keine Möglichkeit hatten uns verbal mitzuteilen und ebenso wenig in der Lage waren, verbale Botschaften zu verstehen. Zunächst waren es die Mimik, Gestik und die gesamte Körpersprache, einschließlich dem Tonfall der Stimme, die uns Orientierung bieten konnten. Erst später in unserer Entwicklung kam die Sprache als weitere zusätzliche Informationsquelle hinzu. 

 

Aufgrund dieser frühen Erfahrungen sind wir auch später in der Lage, intuitiv zu erkennen, ob die Körperhaltung signalisiert, „Du kannst dich vertrauensvoll an mich wenden“ oder ob sie bekundet „mit mir zu reden, macht wenig Sinn, ich habe keine Zeit“. Ein freundliches Gesicht, mit einem authentischen Lächeln und einer zugewandten Körperhaltung, löst etwas ganz anderes aus als eine zurückgelehnte Körperhaltung in Verbindung mit einem kritischen und distanzierten Blick.

 

Das Besondere bei der Körpersprache ist, dass es hier häufig auch kleine Details sind, die den Ausschlag geben. Spricht jemand und begleitet seine Ausführungen mit geschlossenen, nach unten zum Boden gerichteten Handflächen, hat es eine vollkommen andere Wirkung, als wenn jemand das Gleiche sagt, jedoch mit nach oben gerichteten, offenen Handflächen. In dem einen Fall entsteht Misstrauen, in dem anderen Vertrauen. Sind wir uns dessen bewusst, können wir erkennen, dass die Informationen, die wir über den Körper und das Nichtsprachliche erhalten, wesentlich aufschlussreicher und zuverlässiger sind als es die sprachlichen Mitteilungen sind. 

 

Das Beispiel, des Patienten, der beteuert offen und aufgeschlossen zu sein, in dem er zugleich eine geschlossene Körperhaltung einnimmt, mit überschlagenen Beinen und überkreuzten Armen, habe ich in einem vorangegangenen Beitrag schon genannt. Hier steht die körpersprachliche Botschaft im Widerspruch zur verbalen Äußerung. In einem solchen Fall tun wir gut daran, uns nach der non-verbalen Botschaft auszurichten, statt nach der verbalen Mitteilung. Worte haben einen sehr hohen Stellenwert, weshalb wir sehr genau und sehr achtsam sein sollten, in dem was wir sprachlich mitteilen, so wie auch bezogen auf das, was uns sprachlich mitgeteilt wird.

 

Dennoch können Worte niemals den gleichen Stellenwert einnehmen, wie non-verbale, körpersprachliche Botschaften. Wie sollten wir den Stellenwert, die Bedeutung und das Erleben, das mit einer Umarmung verbunden sein kann, gleichwertig mit Worten ersetzen wollen. Das ist unmöglich, aus guten Gründen. An dieser Stelle können wir uns erinnern an die Untersuchungsergebnisse von Harry Harlow (1905-1981) einem US-amerikanischen Psychologen und Verhaltensforscher, der in seinen bahnbrechenden Experimenten zum Sozialverhalten junger Rhesus-Affen, die Bedeutung des Körperkontaktes nachweisen konnte. (s. das Video hierzu unten)

 

In seinen Untersuchungen zeigte Harlow junge Affen, die ohne ihre Mutter in einen Käfig gesetzt wurden. Sie hatten die Wahl zwischen zwei Attrappen: einer aus Draht nachgebildeten, Milch spendenden „Ersatzmutter“ oder einer der gleichen Größe, die mit Stoff bespannt war und ebenfalls als „Ersatzmutter“ diente. Diese jedoch spendete keine Milch. Es zeigte sich, dass sich die kleinen Affen bei der Milchspenderin nur zur Nahrungsaufnahme aufhielten, zum Kuscheln gingen sie ansonsten jedoch zur stoffbespannten Attrappe, ebenso wenn sie sich bedroht fühlten und Schutz suchten.

 

Fragen wir danach, was in uns ein Wohlempfinden und was, ein Unwohlsein auslöst, können wir uns orientieren an dem, was uns lebensgeschichtlich geprägt und begleitet hat. So haben unsere Lippen vom frühesten Zeitpunkt unserer lebensgeschichtlichen Entwicklung an, eine sehr große Bedeutung. Diese Bedeutung begleitet uns durch unser ganzes restliches Leben, von der Mutterbrust bis zu allen Arten der Berührung, die wir in unserem späteren Leben über unsere Lippen erfahren. Allein über das Signal, welches sich uns durch unsere Lippen vermittelt, empfinden wir ein Gefühl des Wohlseins oder Unwohlseins. So haben viele Bewegungen, die wir mit unseren Lippen vollziehen u.U. einen kompensatorischen Charakter für das uns allen vertraute ursprüngliche Lutschen des Daumens. In einem gewissen Alter ziemt sich das nicht mehr, also beginnen wir je nach Situation und Befindlichkeit, auf unsere Lippen zu beißen, wenn auch nur sanft.

 

Auf diese Weise können wir auch viele kleine Gesten einordnen in das, was wir als Übersprung-Handlung definieren. Handlungen, die einen inneren Stress offenbaren, der sich in solchen kleinen Gesten oder Ausdrucksweisen der Mimik vermittelt. Wer kenn es nicht in Situationen, die mit einer erhöhten Anforderung verbunden sind, sich als Ausdruck der inneren Anspannung und dem tief verborgenen Wunsch, sich am liebsten verstecken zu wollen, kurz mit der Hand an die Nasenspitze zu fassen. Ebenso das kurze Zuhalten der Augen durch die Hand, die sich auf die Augen legt. Das tun wir immer dann, wenn uns etwas belastet, wir am liebsten die Augen davor verschließen möchten, es nicht wahrhaben möchten, weil es uns auf irgend eine Art belastet. Insofern bekunden wir mit dieser Geste das Bedürfnis nach einer Schutzreaktion. Wir möchten uns schützen.

 

Bemerkenswert ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass selbst Kinder, die blind geboren wurden und  keine Gelegenheit hatten diese Geste über die Beobachtung, im Sinne der Imitation bzw. Nachahmung, zu lernen, sich ebenfalls ihre Augen bedecken wenn sie sich unwohl fühlen, etwas hören, das mit einem Stress und etwas Unangenehmen verbunden ist. Auch solche Kinder verdecken mit ihrer Hand ihre Augen, nicht ihre Ohren. 

 

Insofern sehen wir an diesem Beispiel, dass wir es offenbar bei solchen non-verbalen Verhaltensweisen mit menschheits-geschichtlich festgelegten Mustern zu tun haben, die in uns, aufgrund unserer menschheitsgeschichtlichen Entwicklung, fest angelegt sind. Diese Muster sind somit Millionen Jahre alt in uns als Spezies Mensch vorhanden. In vergleichbarer Weise kennen wir es, dass wir die Nase rümpfen, in Falten legen, als Ausdruck von etwas, das wir nicht mögen. 

 

Selbstdarstellungen auf Fotos bzw. Videos mit weit aufgerissenem Mund und Zeigen der Zähne, was als Ausdruck der Begeisterung verstanden werden soll, ist körpersprachlich als Ausdruck eines latent aggressiven Dominanz-Anspruchs zu interpretieren. Hier zeigt sich der Ausdruck eines unbewussten, archaisch in uns angelegten Musters, welches mit Macht, Kampfbereitschaft (Zubeißen), Drohgebärde und Aggressivität verbunden ist. Da die Körpersprache auch Botschaft unserer unbewussten Triebregungen ist, entzieht sich die tatsächlich zugrundeliegende Motivation einer solchen Mimik dem Bewusstsein.

 

Führen wir ein Gespräch und die Lippen des Zuhörers gehen, gegeneinander gepresst zur Seite oder verschließen sich zusammengepresst vollständig, können wir erkennen, dass keine Zustimmung vorliegt, statt dessen eine Ablehnung oder eine andere Sicht, ein anderes Verständnis von dem Besprochenen. Ebenso hat unser Hals eine große Bedeutung. Wir kennen es aus dem Tierreich, wo die tödlichen Angriffe sich häufig auf den Hals richten, durch das Beißen in den Hals. So können wir durch bestimmte Berührungen unseres Halses mit unseren Händen, in bestimmten Situationen der Verunsicherung und der Angst, signalisieren, dass wir uns schützen möchten, sozusagen unseren Hals vor einem Zubiss schützen wollen.

 

Auch unsere Hände spielen eine große Rolle in unsrem non-verbalen Verhalten und sind insofern eine große Quelle der verschlüsselten Botschaften. Wie oft schon hat es jeder erlebt, in Situationen der Unsicherheit, der Angst, des Unwohlseins, auch des schlechten Gewissens und der uns überkommenden Schuldgefühle, unsere Hände, genauer gesagt unsere Hand-Innenflächen aneinander zu reiben. Wir kennen alle das dazu passenden Sprichwort: „Ich wasche meine Hände in Unschuld.“ 

 

Eine wichtige Funktion unserer non-verbalen Kommunikation besteht darin Einfluss auszuüben. Diesen Einfluss üben wir überwiegend über das aus, was sich als die sichtbare Fassade von uns darstellt, die äußere Erscheinung. Zeichnet sich diese äußere Erscheinung durch Stimmigkeit, Souveränität, Glaubwürdigkeit und Authentizität aus, löst es bei unseren Mitmenschen angenehme Empfindungen aus. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass wir bereits im Alter von 6 Monaten schöne, harmonische, in sich stimmige Formen bevorzugen. Lächelnde, geneigte Gesichter, als Ausdruck von liebevoller Zuwendung, werden bevorzugt. Die Bevorzugung zur Seite geneigter, lächelnder Gesichter, bleibt auch im höheren Alter unverändert. Wir fühlen uns von non-verbal gezeigter Zuwendung angezogen und von gezeigter non-verbaler Zurückweisung abgestoßen. 

 

All dieses bisher Gesagte macht deutlich, wie sehr wir abhängig sind von den Signalen bzw. Botschaften, die wir über die Körpersprache, non-verbal erhalten. Sie können uns die entscheidenden Informationen liefern, um das Gesprochene, verbal Mitgeteilte, in seinem Wahrheitsgehalt zu bewerten. Je nach der Beschaffenheit dieser körpersprachlichen Botschaften, fühlen wir uns wohl oder schlecht, sind wir bereit uns auf eine Beziehung einzulassen oder nicht. 

 

Befinden wir uns im Gleichklang mit jemandem, fühlen wir uns sicher, aufgehoben und in einer positiven Schwingung, können wir erkennen, dass sich unsere körpersprachlichen Gesten annähern oder gar gleichen. Wir nehmen unmerklich die gleiche Körperhaltung ein, verwenden die gleichen Gesten und zeigen eine ähnliche Mimik. Es kommt zu einer erkennbaren positiven Resonanz im non-verbalen Verhalten. Auf diese Art entsteht eine Harmonie, die wir als in hohem Maße angenehm erleben. 

 

Dieses Phänomen der Resonanz beruht auf einem Gleichklang, der zur gegenseitigen Nachahmung führt. In unserem Gehirn befinden sich sog. Spiegelhormone, die es uns ermöglichen auf der Ebene des Gehirns, exakt die körpersprachlichen bzw. non-verbalen Signale, die wir wahrnehmen, nachzuahmen. D.h. dass wir in den entsprechenden Arealen unseres Gehirns, die gleichen Neuronen aktivieren, die zuständig sind, für die beobachteten Signale. 

 

Aufgrund dessen ist es sinnvoll und wichtig, im eigenen non-verbalen Verhalten, das zu zeigen, was wir uns auf der Seite unserer Mitmenschen wünschen. Je mehr wir Freundlichkeit und Zuwendung in unserer Körpersprache vermitteln, umso wahrscheinlicher wird sie zu uns in dem non-verbalen Verhalten der Anderen zurückkommen. Hierbei sollte es stets unser Anliegen sein, in authentischer Weise, unsere sprachlichen Mitteilungen und unsere non-verbalen, körpersprachlichen Botschaften, in einen Einklang zu bringen. Voraussetzung hierfür ist Aufrichtigkeit dem Selbst und dem Anderen gegenüber. Auch bzgl. der Körpersprache gilt, was wir weggeben kommt in gleicher Weise auf uns zurück. 

 

Wir dürfen uns bewusst sein - unser Körper kann nicht lügen!

 

  


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