Persönliches....

An dieser Stelle finden Sie persönliche Gedanken, Überlegungen und Anregungen mit unterschiedlichstem Inhalt, jedoch stets mit einem Bezug zu unserem Alltag. 

 

PS: Es versteht sich von selbst, dass es sich bei allen aufgeführten Beiträgen ausschließlich um subjektive Gedanken, Überlegungen und Überzeugungen handelt.

 

Sollten Sie einen Beitrag oder etwas aus einem Beitrag kommentieren wollen, haben Sie unten auf der Seite Gelegenheit dazu. -  L.B. ;)


Chronologie bisheriger Beiträge:

(absteigend geordnet -

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ab Beitrag 31 weiter auf Blog Seite 2)

 

 

(30) 24.06.2016

"Wie kann ich das denn ändern?"

 

(29) 23.06.2016

Anmerkungen zur Verwendung von Stereotypen...

 

(28) 21.06.2019

Gedanken zu unserer täglichen Kommunikation...

 

(27) 20.06.2019

Ein beispielhaftes Alphabet wertvoller Tugenden...(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

 

(26) 19.06.2019

Zur Bedeutung der elektromagnetischen Kräfte unserer Körper-Zellen...

 

(25) 18.06.2019

Eine wesentliche Ursache für tägliches Unglück - das 'Vergleichen'

 

(24) 17.06.2019

Können Verletzungen heilsam sein?

 

(23) 16.06.2019

"Alle denken nur an sich, ich bin der Einzige, der an mich denkt!"

 

(22) 15.06.2019

Ist Disziplin antiquiert?

 

(21) 14.06.2019

Gut für sich sorgen...

 

(20) 13.06.2019

Carl Rogers  - das Konzept der Empathie und des Selbst...

 

(19) 12.06.2019

Zum Wissen bzw. Nicht-Wissen...

 

(18) 11.06.2019

'Wehret den Anfängen'...Womit?...Durch Kontrolle?

 

(17) 11.06.2019

Zur Bedeutung des Innehalten...

 

(16) 09.06.2019

"Das ist aber nicht leicht..." bzw. das Verlorengehen der Fähigkeit zur 'Frustrationstoleranz'...

 

(15) 08.06.2019

Zu den kreativen Potentialen unseres Unbewussten...

 

(14) 08.06.2019

Was sind die wichtigsten Faktoren im Leben, die für Wohlbefinden und Glück verantwortlich sind?

 

(13) 07.06.2019

Eine multikulturelle Herkunft hat nicht nur Nachteile...

 

(12) 07.06.2019

Wie frei sind wir in unserem Denken?

 

(11) 06.06.2019

Warum wir stets nach einer 'guten Gestalt' streben...

 

(10) 06.06.2019

Gedanken zur Quantenphysik...

 

(9) 05.06.2019

Die Kunst der Medizin heute...

 

(8) 04.06.2019

Zur Bedeutung der Sprache bzw. der Worte....

 

(7) 03.06.2019

Zur 'Therapeutischen Ich-Spaltung' und dem Innehalten....

 

(6) 02.06.2019

Gedanken zum 'Unbewussten' und zur 'Intuition'...

 

(5) 01.06.2019

Über die Versuchung, uns 'allmächtig' zu fühlen...

 

(4) 01.06.2019 

"Ja, aber...." / "Eigentlich...."

 

(3) 31.05.2019

'Herz-Business' - was hat es mit diesem Wort bzw. Begriff auf sich?

 

(2) 25.05.2019

'Verbundenheit' als Urerlebnis von uns allen!

(....oder über das Verhältnis des 'Ich' zum 'Wir')

 

(1) 18.05.2019

"Es tut mir leid, ich hatte keine Zeit."


24.06.2019

 

"Wie kann ich das denn ändern?"

Die Frage „Wie kann ich das denn ändern?“ ist eine, der wohl am häufigsten, direkt oder indirekt gestellten Fragen im Rahmen meiner psychotherapeutischen Behandlungen. Meist schließt sie sich an ausführliche Darstellungen dessen an, was im eigenen Leben als schwierig, problematisch, enttäuschend, traurig oder auch als bedrohlich und ärgerlich empfunden wird. Die Frage kann sich auf das eigene Denken, Erleben und Verhalten beziehen oder aber auch auf Beziehungen und Umstände, die das eigene Leben kennzeichnen, sowohl im Privaten, Beruflichen oder auch im Freizeitbereich. 

 

Auslöser für diese häufig gestellte Frage „Wie kann ich das denn ändern?“ kann jedoch auch das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit in der Psychotherapie sein, die zu der vorläufigen Erkenntnis führt, dass es offensichtlich ein bestimmtes Muster gibt, welches in gleicher Weise wiederkehrend das eigene Leben bestimmt. Dieses Muster kann die Form eines sog. ‚Circulus Vitiosus‘ haben, in welchem gleiche Gedanken, zu gleichen Entscheidungen, mit gleichem Verhalten, gleichen Erfahrungen, gleichen Gefühlen und einer wiederkehrend gleichen Realität führen. Aus dieser Realität entstehen erneut die gleichen Gedanken, welche die festgelegte Abfolge erneut hervorruft. Wie vorliegende Ergebnisse von verschiedenen Untersuchungen belegen, sind die Gedanken, die wir täglich denken, tatsächlich zu 90 % identisch zu denen, die wir einen Tag vorher gedacht haben. Was eine Bestätigung ist für diese in uns fest verankerten Muster.

 

Neues Lernen, in Verbindung mit neuen synaptischen Verknüpfungen in unserem neuronalen System, findet somit nur in sehr bescheidenem Ausmaß statt. ‚Der Mensch ist ein Gewohnheits-Tier‘ heißt es nicht zufällig, womit gemeint ist, dass es uns ganz offensichtlich besonders wichtig ist, in uns vertrauten und gewohnten Mustern zu agieren. Wir können diese uns kennzeichnende Neigung an einem alltäglichen, ganz banalen Beispiel erkennen. Besuchen wir eine Veranstaltung, die in mehreren zeitlichen Einheiten statt findet, sind wir bestrebt stets den gleichen Platz einzunehmen, uns auf den gleichen Stuhl, an der gleichen Stelle zu setzen, auch wenn diese Plätze vollkommen frei wählbar sind. Bei einer solchen Veranstaltung konnte ich erleben, wie eine Teilnehmerin nach einer Pause, allen Ernstes zu einem anderen Teilnehmer sagte, „Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen auf meinem Platz.“, worauf dieser den Stuhl räumte und auf einem Stuhl daneben Platz nahm.

 

Warum tun wir das? Der Grund dafür ist wohl, dass wir ein Gefühl der Sicherheit und des Wohlbefindens mit dem Gewohnten und Vertrauten verbinden, das wir nicht aufgeben möchten. Neues ist somit immer mit einer Umstellung, neuen Einstellung, möglicher Weise dann auch mit einem Risiko verbunden. Das kann Verunsicherung oder auch Angst auslösen. Also lieber bei dem Vertrauten und Gewohnten bleiben, auch wenn es sich als schwierig und problematisch erwiesen hat.

 

Im Rahmen einer Psychotherapie erscheint das dennoch paradox, da es gerade diese bekannten Muster sind, die jemanden veranlassen, eine solche Behandlung aufzusuchen, um neue und möglicher Weise bessere Wege im Umgang mit sich selbst, anderen und dem eigenen Leben zu finden. Von Beginn an offenbart sich diese Paradoxie, die sich in der Aussage formulieren ließe, „Ich möchte, dass sich das alles ändert, aber nur unter der Voraussetzung, dass alles so bleibt wie es ist!“

 

Wie soll das gehen? Es erinnert an das französische Sprichwort, welches besagt: „Ich möchte gern ein Omelett haben, aber die Eier sollen bitte ganz bleiben.“ Veränderung bedeutet insofern immer auch Arbeit am eigenen Selbst. Genau hier jedoch liegt das Problem.

 

Wir sind es nicht zuletzt durch unsere Sozialisation gewöhnt, bevorzugt die Verantwortung für wiederkehrende Erlebnisse und Abläufe im Draußen zu suchen. Bezeichnender Weise besagt eine aus dem amerikanischen kommende Empfehlung im Umgang mit einer schwierigen, problematischen, frustrierenden und ärgerlichen Situation: „Take it, change it, or leave it!“, was bedeutet solche Situationen anzunehmen, sie zu verändern oder aber zu verlassen. Nicht explizit angesprochen in dieser Empfehlung ist die Möglichkeit, an sich selbst zu arbeiten, sich selbst zu verändern, um möglicher Weise neue Wege im Umgang mit der Situation zu finden. Diese neuen Wege könnten die Voraussetzung sein, damit sich auch die Situation verändert. 

 

Grundsätzlich haben wir immer die Möglichkeit im Draußen anzusetzen oder in uns selbst. In den Darlegungen, die wir auch vielen alltäglichen Schilderungen von Menschen in unserem Umfeld entnehmen können, liegt der Fokus der kritischen Betrachtung häufig auf den Umständen oder auch auf unseren Mitmenschen. Dies verbunden mit den daraus abgeleiteten Rechtfertigungen und Erklärungen für das eigene Denken, Empfinden, Entscheiden und Verhalten. In diesem Verständnis müsste tatsächlich die eigene Mutter, der eigene Vater, oder auch beide Eltern, die Ehepartner, die eigenen Kinder, der Vorgesetzte, die Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte, alle möglichen Menschen sich in Therapie befinden, nicht jedoch die oder der Betroffene, welche bzw. welcher sich tatsächlich in Therapie begeben hat. 

 

Somit besteht der erste grundlegende, große Schritt im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung darin, das bestehende Problem in aller Klarheit und Deutlichkeit zu erkennen und in gleicher Weise, den eigenen verantwortlichen Anteil daran zu sehen. Denn nur an diesem kann sinnvoller Weise eine Arbeit stattfinden. Die Psychotherapie ermöglicht es nicht, alle anderen im Leben eines Menschen wichtige Personen zu verändern, genauso wenig wie sie erlaubt, direkt auf die Umstände des eigenen Lebens einzuwirken. Der einzige Ansatzpunkt ist das eigene Selbst. Gelingt es hier Veränderungen vorzunehmen, können wir davon ausgehen, dass das nicht ohne Auswirkungen bleiben wird, sowohl auf die anderen Mitmenschen im Leben dieses Betroffenen als auch auf die realen Umstände der Lebenssituation. Die Lebenserfahrung zeigt, verändert sich ein Teil eines Systems, kann sich das ganze System verändern.

 

Insofern besteht das erste Bemühen einer psychotherapeutischen Selbstreflexion immer darin, eine Bereitschaft zu wecken für die Notwendigkeit, an sich selbst zu arbeiten. Dies ist dann verbunden mit dem Bemühen, die eigenen angelegten Muster im Denken, Fühlen und Verhalten in Frage zu stellen und zu verändern. Erst dann kann es gelingen neue Gedanken zu schaffen, die zu neuen Entscheidungen führen, in Verbindung mit einem neuen Verhalten, neuen Erfahrungen, veränderten, neuen Gefühlen und dem Ergebnis einer neuen Realität. 

 

Wir sollten berücksichtigen, dass unser Gehirn neuro-physiologisch und neuro-biologisch gesehen, im Sinne eines Computerprogramms funktioniert und wir über unsere Körperzellen, im Sinne der Konditionierung, über fortlaufende Wiederholung lernen. Wir funktionieren somit überwiegend aus Automatismen, mit reflexartigen Reaktionen von selbst, geradezu ohne bewusste Entscheidungen. 95 % unseres Seins ist ohnehin von unserem Unbewussten bestimmt, womit verständlich wird, wie wichtig und notwendig es ist, diese alten Muster zunächst aufzulösen um Neuem Platz zu machen.

 

Ist diese Einsicht, nach einer gewissen Zeit (die u.U. Monate oder länger beanspruchen kann) tatsächlich entstanden, geht es darum in einer dann mühevollen Kleinarbeit, die mit den alten Mustern verbundenen, tief verankerten biographischen Erlebnisse und Erfahrungen aufzuarbeiten. Denn diese bilden letztlich die Grundlage und Ursache dafür, dass wir über Jahre und Jahrzehnte in gleicher Weise Denken, Fühlen und Handeln. Dieser Teil der Arbeit, ist die wesentliche Arbeit an dem eigenen Selbst, verbunden mit immer wiederkehrenden Wiederholungen des Gleichen an den unterschiedlichsten Erlebnissen und Erfahrungen des eigenen Lebens, sowohl in der Vergangenheit als auch der Gegenwart. Wir können es als das notwendige ‚Durcharbeiten‘ im Rahmen der Selbsterfahrung bezeichnen. 

 

Mit diesem wiederkehrenden Durcharbeiten verbunden, ist das wiederholte Verstehen der ursächlichen lebensgeschichtlichen Auslöser, sowie deren Bedeutung und nachhaltigen Wirkung im eignen Erleben. Das alles kann, je nach Person und Fall, ganz unterschiedliche Formen der Erkenntnis und Einsicht mit sich bringen. So ist es nichts Ungewöhnliches zu erkennen, dass man mit dem eigenen Denken, Fühlen und Handeln, u.U. das genaue Abbild des Menschen (Vater, Mutter) ist, was man nie sein wollte, verbunden mit der bis dahin vorhandenen Überzeugung und Gewissheit doch ganz anders zu sein.

 

Als Ergebnis dieser Betrachtungen, lässt sich feststellen, dass die erste und grundlegende Voraussetzung für eine Veränderung, in der entstandenen Bewusstheit für die Bedeutung des eigenen Anteils an den lebensbestimmenden Mustern ist.  Diese Bewusstheit ist unerlässlich und ist verbunden mit einem tiefen Verständnis und einer tiefen Einsicht in das eigene Selbst. Nur auf dieser Grundlage lässt sich die dann notwendige, zeitweise lange Arbeit am eigenen Selbst vornehmen. Dies auch im Verständnis, dass es immer wieder zu Rückschlägen kommen wird und ebenso zu wiederkehrenden Widerständen und Abwehrmaßnahmen, die Ausdruck sind, für das Festhalten-Wollen an den gewohnten und vertrauten Mustern. Wie so oft im Leben, hilft uns auch hier eine Lebensweisheit, „stetiger Tropfen, höhlt den Stein“, irgendwann ist der Durchbruch geschafft, insofern gilt es, nicht aufzugeben! ;)

 


23.06.2019

 

Anmerkungen zur Verwendung von Stereotypen...

Wir sind als Menschen gekennzeichnet, sowohl durch die Festlegungen und Einengungen, welche durch die Eigenarten und Einschränkungen unserer Sinnesorgane gegeben sind, als auch (wie in einem vorangegangenen Beitrag auf dieser Seite bereits ausgeführt) durch die automatisierten Denkmuster, einschließlich der dazugehörigen Interpretations-Rahmen. Letztere bestimmen, wie wir Informationen, die sich uns vermitteln und die wir aufnehmen, mit einem ganz bestimmten Deutungskontext versehen. Hieraus resultiert eine Einengung unseres Denkens und Verstehens, da sich unser Verständnis nur anhand gewisser in uns angelegter Vorgaben entfalten kann.

 

Ein solches Muster wäre z.B. der zugrunde gelegte Deutungskontext, ‚weiß‘ ist gut und ‚schwarz‘ ist schlecht oder ‚Westen‘ ist gut und ‚Osten‘ schlecht. Sind solche Muster in uns, bewusst oder unbewusst, angelegt bzw. in Folge der Sozialisation erworben, sind wir in unserem Denken und Verstehen nicht mehr frei. Solche festgelegten Begrenzungen unserer Deutungs- und Interpretationsfreiheit, finden im sozialen Kontext bzgl. des Zusammenleben mit anderen, ihre Analogie in unserer Neigung zur Kategorien-Bildung, Klassifizierung und Typisierung unserer Mitmenschen. 

 

Dieses Vorgehen hilft uns einerseits im Sinne einer besseren Orientierung und besseren Ökonomie, wodurch wir u.U. im Alltag wesentlich effektiver, wirkungsvoller und schneller Entscheiden und Handeln können. Zugleich jedoch ist damit andererseits eine Gefahr verbunden, die tatsächlich real gegebenen Differenzierungen, Schattierungen und Nuancen, zu übersehen bzw. sie aus dem Auge zu verlieren, statt dessen, Verschiedenes und damit auch Unterschiedliches in ‚einen Topf‘ zu werfen.

 

Unser Gehirn hat im Rahmen der Evolution gelernt, im Fall unserer Wahrnehmung immer auch den Kontext von Situationen zur Bewertung von einzelnen Objekten und Ereignissen mit einzubeziehen. So erscheint ein Farbton, sofern er von einer dunklen Fläche umgeben ist heller, der gleiche Farbton aber, wenn er von einer hellen Fläche umgeben ist, dunkler, so dass wir mit aller Sicherheit und Entschiedenheit behaupten würden, es handele sich um zwei verschiedene Farbtöne, auch wenn es tatsächlich die gleichen sind. Die Ursache liegt darin, dass unser Gehirn gelernt hat, in dieser Weise einen Abgleich mit Bezug zur Umgebung vorzunehmen.

 

Den gleichen Vorgang finden wir auf einer emotionalen Ebene, wenn es z.B. darum geht, einen Menschen zu bewerten. Auch das tun wir nahezu stets, in dem wir Bezug nehmen auf das gegebene Umfeld. Wir stellen bewusst oder unbewusst eine Verbindung her. Auf diese Art und Weise entsteht ein sog. Interpretationskontext, welcher dann die Bewertung vorgibt.

 

Eine solche Vorgehensweise führt letztlich auch zur Bildung von Stereotypen, d.h. relativ starren, einfachen, einprägsamen Bildern und Beschreibungen von Menschen oder Gruppen, die der Komplexität und Differenziertheit der Realität, in der wir leben, mit all ihren Schattierungen und ihrer Vielfalt, in keiner Weise gerecht wird. Dennoch haben solche Stereotype eine magische Anziehungskraft auf uns Menschen, da ihre Wirkkraft gerade in dieser Simplifizierung liegt, womit so vieles scheinbar einfach, klar und handhabbar wird. 

 

Leider lassen sich auch unsere politischen Repräsentanten in nahezu allen Teilen dieser Erde von solchen Stereotypen leiten und versuchen uns mit viel Aufwand, Mühe und allen möglichen Mitteln der Einflussnahme, den angeblichen Wahrheitsgehalt, dieser stereotypen Sichtweisen zu vermitteln. Das Muster ist sehr einfach und banal und folgt meist dem Drehbuch eines billigen Krimis, der ‚Gute‘ bzw. ‚Edle’ kämpft gegen den oder die ‚Bösen‘. Entsprechend der politischen Vorgaben, denen wir in unserem Kulturkreis folgen sollen, versteht es sich scheinbar von selbst, dass sich der Gute immer im Westen und der Böse immer im Osten befindet.

 

Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit war ich über die Jahre selbst immer wieder mit einem solchen, mich persönlich betreffenden Stereotyp konfrontiert, v.a. auch von Seiten der ärztlichen oder psychologischen Kollegen, die bei mir ihre Selbsterfahrung im Rahmen ihrer Weiterbildung machten. Demnach sollte ein Psychoanalytiker, doch keine bunten Hemden tragen, nicht so viel Persönliches (Bilder, Dekoratives, u.a. mehr) in seiner Praxis offenbaren, statt dessen eher eine neutrale Kleidung tragen, bei einer eher kargen und ebenfalls neutralen Praxisgestaltung. In gleicher Weise sollte sich die Internetpräsenz mit der eigenen Homepage durch Neutralität, Sachlichkeit und Abstinenz kennzeichnen. 

 

Der Vorteil dieser offenbarten Stereotypien im Rahmen der psychotherapeutischen Arbeit war und ist es, dass sich dann in einer grundsätzlichen Weise an den mit ihnen verbundenen inneren Haltungen, Überzeugungen, Festlegungen, Bedürfnissen, Wünschen bzw. Befürchtungen und Ängsten, sehr schnell und sehr gut arbeiten lässt. Insofern bekommen die Träger solcher konkret geäußerten Stereotypien die Möglichkeit, aus den Erkenntnissen der Bearbeitung dieser Muster, die Gelegenheit in einem beispielhaften Sinn zu verstehen, was mit einem solchen Vorgehen verbunden ist.

 

Der Begriff Stereotyp wurde ursprünglich von Walter Lippmann 1922 eingeführt und beschreibt eine „erkenntnis-ökonomische Abwehreinrichtung gegen die notwendigen Aufwendungen einer umfassenden Detailerfahrung“ (Dröge, 1967). Dies bedeutet letztlich nichts anderes, als dass wir es als Menschen gern einfach und bequem haben möchten, auch im Denken und unseren inneren Empfindungen. Warum uns mit der Vielfalt der Farben und Farbnuancen beschäftigen, wenn es doch auch mit nur zwei Farben geht, ‚Schwarz oder Weis‘. Passend dazu die uns ebenfalls leider häufig kennzeichnenden Muster, ‚Entweder / Oder‘ bzw. ‚Alles oder Nichts‘. Es hat den Anschein, als sei das ‚Sowohl / als auch‘ bzw. das ‚Mehr oder Weniger‘ für uns im Allgemeinen, deutlich weniger attraktiv, erfordert es doch mehr Differenzierung.

 

Letztlich haben solche Stereotype den Stellenwert von Vorurteilen, die selbst ein sog. ‚sich-selbst-erfüllendes‘ Verhalten induzieren. Dies bedeutet, dass aufgrund der bereits vorgefassten Überzeugung wir dazu neigen, ein Verhalten zu zeigen, das letztlich nur dazu führen kann, unsere Stereotype zu bestätigen. Dieses Vorgehen i.S. einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wurde 1948 von dem Soziologen Robert K. Merton ausgearbeitet. Es dient bis heute als Erklärung für die Entwicklung einer sozialen Situation entlang einer bereits zuvor gefassten Überzeugung. Dies bedeutet, das Ergebnis wird vorweggenommen, so dass es dann auch eintreten kann.

 

Merton sagte hierzu: „Die selbsterfüllende Prophezeiung ist anfänglich eine falsche Bestimmung der Situation, sie verursacht [aber] ein neues Verhalten, das bewirkt, dass die ursprünglich falsche Auffassung richtig wird. Die vordergründige Gültigkeit der selbsterfüllenden Prophezeiung führt eine Herrschaft des Irrtums fort. Denn der Prophet wird den tatsächlichen Gang der Dinge als Beweis dafür anführen, dass er von Anfang an recht hatte.“ (Robert K. Merton, 1948)

 

In vergleichbarer Weise ist das Konzept der ‚Kognitiven Dissonanz‘ zu verstehen, das von dem US-amerikanischen Sozialpsychologen Leon Festinger (1978) entwickelt wurde. Er beschreibt damit einen als spannungsgeladenen und damit unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch bedingt ist, dass verschiedene kognitive Zustände (Wahrnehmungen, Gedanken, Einstellungen, Überzeugungen, Wünsche und Intentionen) nicht im Einklang miteinander stehen bzw. sich gegenseitig widersprechen oder ausschließen. 

 

Ein solcher Zustand ist z.B. charakteristisch für eine Person, die ein Verhalten zeigt, welches tatsächlich mit seinen eigenen tiefen Überzeugungen im Widerspruch steht. Die Folge davon sind ein nur schwer erträglicher Spannungszustand, der die Notwendigkeit einleitet, diesen abzubauen. Der Weg dazu kann dann in vorgenommenen Rationalisierungen oder externen Zuweisungen für das gezeigte Verhalten bestehen. So könnte man es aus Überzeugung ablehnen, mit Dritten schlecht über jemand anderen zu reden, sich jedoch selbst erleben es zu tun. Um das eigene Verhalten zu legitimieren, würde man dann auf die Besonderheit der Situation, des Falles oder der Umstände verweisen. Dies im Sinne einer nachträglichen Rechtfertigung. 

 

Ganz offensichtlich sind wir stets bestrebt einen Zustand der inneren Harmonie, des inneren Gleichgewichts herzustellen, der sich durch keine Abweichungen und Spannungen kennzeichnet. Das Geschehen und Erleben in der Realität sollte sich vollkommen in Übereinstimmung mit unseren Überzeugungen und Haltungen entfalten. Steht es im Widerspruch dazu, sehen wir uns veranlasst, die offensichtliche Diskrepanz zu erklären und zu rechtfertigen. Verständlicher Weise möchten wir weder uns selbst gegenüber noch den anderen gegenüber, als jemand erscheinen, der nach links redet aber nach rechts handelt - auch wenn wir es tatsächlich tun.

 

Ein Weg solche Diskrepanzen von Beginn an zu vermeiden, besteht darin unser Verhalten und unsere Entscheidungen so auszurichten, dass wir die Wirklichkeit an unsere inneren Haltungen anpassen. Dies können  wir, in dem wir bewusst bzw. unbewusst einen entsprechenden Einfluss auf den Verlauf nehmen. In diesem Sinne sind wir geleitet von dem Wunsch, dass sich unsere begründbaren und ableitbaren Überzeugungen in der Wirklichkeit widerspiegeln.

 

In Anbetracht dieser Darlegungen sollten wir uns stets bewusst sein, wie verführerisch es ist, gewissen in uns angelegten Mustern zu folgen (Stereotypen, Gewohnheiten, spannungsfreien Erklärungen bzgl. möglicher Zusammenhänge, schwarz/weis, entweder/oder, etc.). Wir sollten stattdessen, bewusst prüfen, ob unser Verständnis, unsere Deutung und Wertung einem anderen oder einer Situation gegenüber, wirklich gerecht wird.

 

In einem mit dem Oskar preisgekrönten Kurzfilm von 1994 werden in einer sehr anschaulichen und überzeugenden Weise die Stereotype thematisiert, die mit der Ausländerfeindlichkeit verbunden sind. Inhaltlich insofern ein Film der an Aktualität nichts eingebüßt hat und uns nachdenklich stimmen darf. 

 


21.06.2019

 

Gedanken zu unserer täglichen Kommunikation...

Im Verlauf unserer Menschheitsgeschichte haben wir uns immer mehr entfernt von unseren Ursprüngen. Die Entwicklung unseres Gehirns hat uns immer mehr Möglichkeiten geliefert, uns von allen Lebewesen auf diesem Planeten durch die Fähigkeiten unseres Intellekts zu unterscheiden. In besonderer Weise zeigt sich dies in der hochdifferenzierten Ausgestaltung unserer sprachlichen Fähigkeiten. Keine andere lebende Spezies auf unserem Planeten hat ein derart ausgeklügeltes und differenziertes System der Kommunikation entwickelt wie wir Menschen. Zwar können sich auch Tierarten untereinander verständigen, doch sind sie weit von den Möglichkeiten entfernt, die uns zur Verfügung stehen.

 

Insofern ist die sprachliche Kommunikation ein besonderes Privileg, das uns Menschen auf diesem Planeten auszeichnet und für das wir stets auf’s neue dankbar sein können.

 

Paul Watzlawick (1921-2007) ein österreichisch-amerikanischer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut und Philosoph, hat uns durch seine Veröffentlichungen über die Kommunikation vieles verständlicher gemacht. Aus seinen Darlegungen dürfen wir v.a. drei Erkenntnisse hervorheben. So stellt er fest, dass für Menschen, die sich in einer Beziehung des Austauschs befinden, es nicht möglich ist, nicht zu kommunizieren. In welcher Beziehung auch immer zwei oder mehrere Menschen sich befinden, sie interagieren miteinander, selbst wenn sie schweigen, bekundet sich darin eine bestimmte Art des Austauschs. Das Schweigen kann unterschiedlichste Bedeutung haben, sagt jedoch immer auch etwas über die jeweilige Beziehung und die Beteiligten aus. 

 

Des weiteren enthalten Kommunikationen stets zwei Ebenen des Austauschs. Zum Einen eine sogenannte Objekt-Ebene auf der es tatsächlich um einen bestimmten Sachverhalt geht, über den ein Austausch stattfindet. Zum Anderen eine sog. Beziehung-Ebene, auf der zeitgleich zur Objekt-Ebene, ein Austausch über die Beziehung stattfindet. Auf dieser Beziehungs-Ebene ist erkennbar in welchem Verhältnis bzw. in welcher Art der Beziehung die Kommunizierenden zueinander stehen. Es betrifft die Art und Weise bzw. das ‚Wie‘ des Austauschs. 

 

Mit dieser Beziehungs-Ebene ist ein dritter kennzeichnender Aspekt von Kommunikation verbunden, wonach zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe immer auch auf einer symmetrischen (gleichen) oder komplementären (ungleichen) Beziehung zu verstehen sind. Sehr anschaulich läßt sich dies an dem unten angefügten Filmausschnitt von Charles Chaplin’s Film ‚Der Diktator‘ erkennen. Hier hat Chaplin sehr anschaulich gezeigt, wie die beiden dargestellten Diktatoren versuchen sich gegenseitig durch ihr Verhalten ihre eigene Überlegenheit über den anderen mitzuteilen, ohne dass dies verbal benannt würde. 

 

In vergleichbarer Weise sind wir im Alltag mit solchen unausgesprochenen Botschaften bzw. Beziehungsangeboten im Verlauf von Kommunikationen konfrontiert, ohne dass es bewusst oder offen Thema des verbalen Austauschs ist. Dieser bezieht sich meist ausschließlich auf das scheinbar vordergründige Thema bzw. den offen benannten Inhalt um den es geht.

 

Diesen Beziehungsaspekt einer Kommunikation finden wir insofern häufig verborgen, viel mehr in der körpersprachlichen Mitteilung, sei es die Körperhaltung, Gestik, Mimik, die Augenbewegungen oder auch der Tonfall der Stimme. Dieser Umstand bekundet sich in der uns allen bekannten Feststellung, „der Ton macht die Musik“. 

 

Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit kann es sein, dass ein Patient verbal etwas mitteilt, was durch seine Körperhaltung zugleich aufgehoben wird. So kann es sein, dass er sich selbst im Verlauf eines Gesprächs als sehr offen, aufgeschlossen und zugänglich für alle Arten der Rückmeldung, gar Kritik beschreibt. Zugleich sitzt er während dieser Selbstbeschreibung mit übereinander geschlagenen Beinen und verschränkten Armen im Stuhl, somit in einer vollkommen geschlossenen Haltung, die eine starke Abwehr- und Schutzhaltung dokumentiert. Es soll nichts heraus und auch nichts hinein, bekundet diese Körperhaltung. 

 

In gleicher Weise können wir am Blickkontakt erkennen, ob das verbal geäußerte in Übereinstimmung steht mit der inneren Haltung. Hier können die Bewegungen der Augen ebenso im Einklang mit der verbalen Botschaft stehen oder ihr widersprechen. Auch kann es im Alltag z.B. dazu kommen, dass uns im Verlauf des Gesprächs jemand eine Frage verneint und dennoch unmerklich mit dem Kopf nickt, als Ausdruck einer Zustimmung. Eines der berühmtesten Beispiele hierfür dürfte Bill Clinton sein, der in einer öffentlichen Vernehmung durch einen Untersuchungsausschuss (1998), die landesweit über das Fernsehen ausgestrahlt wurde und heute noch in YouTube abrufbar ist, auf die Frage, ob er eine sexuelle Beziehung zu seiner Praktikantin Monika Lewinsky hatte, mit Worten verneinte und zeitgleich, mit seinem Kopf nickend, bejahte.  

 

Ein besseres Verständnis der kommunikativen Prozesse, bietet uns auch das sog. Vier-Seiten-Modell, das der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun entworfen hat. Auch er hebt unterschiedliche Anteile von Botschaften hervor, die zu berücksichtigen sind. Auch in diesem Modell gibt es die Sachebene und die Beziehungsebene, zusätzlich jedoch den Aspekt der Selbstbekundung im Rahmen einer Botschaft, wo der Sprechende eine Aussage über sich macht und den Appellaspekt, bei dem der Sprechende einen Appell an den Anderen richtet.

 

Beispielhaft läßt es sich darstellen, an der Szene, in welcher ein Ehepaar im Auto sitzend auf eine Appel zufährt. Die Frau sitzt am Steuer, und der Mann sagt „Du, die Ampel ist grün!“ Die Frau antwortet: „Fährst du oder fahre ich?“. Betrachtet auf der Sachebene, lässt sich diese kurze Interaktion verstehen, als Hinweis auf eine reale Gegebenheit (die Ampel ist grün). Auf der Ebene des Appels, kann die Aussage als Aufforderung zum losfahren verstanden werden (fahr jetzt los). Bezüglich der Beziehungsebene, kann sich ein Verständnis der Beziehung offenbaren, in der sich der Mann seiner Frau gegenüber überlegen fühlt. Auf der Ebene der Selbstoffenbarung, kann es verstanden werden als Botschaft über sich selbst (ich habe es eilig). 

 

Im sozialen Alltag können jeweils alle Ebenen erkennbar sein und in unterschiedlichen Gewichtungen die Kommunikation bestimmen. Je nach Situation kann es insofern hilfreich sein, sich dessen bewusst zu sein und unter Umständen, um Missverständnisse oder auch Konflikte zu vermeiden, die Interaktionen nach diesen Aspekte aufzulösen. 

 

Bewerten wir die Aspekte nach ihrem Stellenwert und ihrer Gewichtung, können wir feststellen, dass die Beziehungsebene jeweils die Grundlage bietet, auf der eine Kommunikation auf der Sachebene stattfinden kann. Das bedeutet, dass eine inhaltliche, sachbezogene Kommunikation sinnvoller Weise nur dann möglich ist, wenn die Beziehungsebene geklärt ist und von beiden Seiten akzeptiert ist. Hier sind somit auch ganz grundsätzliche Haltungen von Bedeutung. 

 

Liegt auf der Beziehungsebene eine grundsätzliche gegenseitige Achtsamkeit und Wertschätzung vor, ein gegenseitiger Respekt und eine Begegnung auf ‚Augenhöhe‘ , ist die Voraussetzung geschaffen, um Inhaltliches zu besprechen und zu klären. Ist dies alles auf der Beziehungsebene nicht gegeben, so zeigt uns unsere Alltagserfahrung, wird es kaum möglich sein, erfolgreich miteinander zu kommunizieren. 

 

Aufgrund dessen empfiehlt es sich in vielen Situationen des Alltags u.U. zunächst situativ einen ‚Ebenen-Wechsel‘ vorzunehmen. D.h. bevor man weiter versucht Inhaltliches zu klären, kann es notwendig sein, sich darüber zu verständigen auf welcher Grundlage man sich begegnen möchte. Spricht z.B. der eine Partner der Interaktion dem anderen ohnehin eine grundsätzliche Kompetenz und Berechtigung ab, zu einem Thema oder Inhalt, Aussagen zu machen, macht es keinen Sinn das Gespräch auf einer inhaltlichen Ebene fortzuführen.

 

Hilfreich ist es letztlich wenn wir uns bewusst machen, dass unsere sprachlichen Mitteilungen von drei Elementen bestimmt sind. So haben wir die Möglichkeit Aussagen zu tätigen, im Sinne von Feststellungen, Erklärungen, Darlegungen, Erläuterungen, Erzählungen etc. Diesen Aussagen kommt immer der Charakter eines Ausrufezeichens zu (!), d.h. das Gesagte steht für sich und ist zu verstehen als Bekundung des Senders an mögliche Empfänger. 

 

Die zweite Möglichkeit der sprachlichen Mitteilung besteht darin, dass wir Fragen (?) stellen, in denen sich unser Interesse, unsere Neugier und das Bedürfnis offenbart, vom Anderen etwas erfahren zu wollen. In der Frage können wir eine Hinwendung zum Anderen erkennen. Betrachten wir unsere alltäglichen Gespräche, werden wir erkennen können, dass dieser Anteil der Kommunikation, der aus Fragen besteht, wesentlich kleiner ist, als der, welcher aus Aussagen besteht.

 

Ein letzter kennzeichnender Anteil, der mit großem Abstand den Kleinsten im Rahmen unserer Interaktionen darstellt, besteht in den Pausen (…), dem Innehalten, Schweigen und Nachdenken. Diese Pause ermöglicht es uns, dem Gesagten nachzugehen, es wirken zu lassen, um wahrnehmen zu können, was es in uns an Gedanken, Assoziationen, Einfällen, Erinnerungen und auch an Empfindungen auslösen mag.

 

Aus all diesen Darlegungen können wir erkennen, wie differenziert und vielschichtig wir unsere Kommunikationen bzw. Gespräche mit unseren Mitmenschen im Alltag verstehen und begreifen können. Das Wissen um diese unterschiedlichen Anteile und Ebenen eröffnet uns viel mehr Möglichkeiten, unsere Beziehungen zu gestalten und macht uns letztlich viel kompetenter im Umgang mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen.

 

Lassen Sie mich ein Letztes bemerken zu der Qualität von Beziehungen zu unseren Mitmenschen. Haben wir Beziehungen, von denen wir sagen, dass sie uns etwas bedeuten und auch einen bestimmten persönlichen Wert haben, geht es nicht nur darum in den Gesprächen und Kommunikationen diese viele verschiedenen, benannten Aspekte zu berücksichtigen. Die Qualität hängt auch davon ab, was wir bereit sind für diese Beziehungen zu tun. Wie aktiv sind wir selbst? 

 

In dem als ‚Bester Film‘ mit einem Oskar 2019 preisgekrönten und sehenswerten Film ‚Green Book‘ fällt ein Satz, der uns nachdenklich stimmen kann:

 

„Die Welt ist voll von einsamen Menschen, die darauf warten, dass der Andere anruft.“

 


20.06.2019

 

Ein beispielhaftes Alphabet wertvoller Tugenden...(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Praxis bin ich immer wieder mit der Aussage konfrontiert, „Ich weiß nicht, was ich tun soll?“ bzw. „Ich weiß nicht, was ich tun muss?“. An dieser Stelle, frage ich stets, „Was 'wollen' Sie denn tun?“, dies verbunden mit dem Hinweis, dass es doch offensichtlich vielmehr darum geht, herauszufinden, was der eigene, subjektive und individuelle Wille bzw. Wunsch ist. Aus diesem Verständnis ist es nicht von Bedeutung, was im Sinne von anderen getan werden sollte oder getan werden müsste, denn dies bedeutet die Orientierung für das eigene Denken, die eigene Entscheidung und das eigene Tun nach außen zu verlagern. 

 

Vielmehr geht es darum sich der Selbst-Bestimmung und Selbst-Verantwortung bewusst zu werden. Das mit diesem Fragen verbundene Anliegen ist es ganz offensichtlich, eine Orientierung zu bekommen, da wo keine innere Orientierung vorliegt, im eigenen Selbst. Aufgrund dessen wird sie draußen gesucht. Je häufiger und je intensiver sie draußen gesucht wird, umso weniger kann ein Gefühl des Selbst-Vertrauens, Selbst-Bewusstseins und der Selbst-Bestimmung entstehen und wachsen. Stattdessen wird die Abhängigkeit von Orientierungen, die von Außen kommen fortgeführt.

 

Warum neigen wir immer wieder von Neuem dazu im Außen zu suchen? Offensichtlich ist es viel leichter, sich an eine Vorgabe anzulehnen und auszurichten, als tief in uns selbst nach einer eigenen Bestimmung zu suchen. Es erinnert an die Geschichte des Mannes, der spät Abends im Dunkeln nach Hause kommt und seinen Nachbarn auf allen Vieren auf dem Boden unter der Laterne kriechen sieht. Er fragt ihn: „Lieber Herr Nachbar, was machen Sie denn da?“, der Nachbar antwortet: „Ich suche meinen Haustürschlüssel“; „Haben Sie den denn hier unter der Laterne verloren?“; „Nein, verloren habe ich ihn, dort hinten im Dunkeln“; „Und warum suchen Sie ihn dann hier?“; „Weil es hier so schön hell ist.“

 

So scheint es uns Menschen zu gehen, wenn wir die Antworten und Orientierungen im Draußen suchen, statt tief in uns selbst. 

 

Voraussetzung für die Orientierung, die wir in uns suchen könnten, ist es, dass wir Werte verinnerlicht haben, nach denen wir unser Selbst-Verständnis und unser gesamtes Leben ausrichten können. Verbunden mit diesen essentiellen Werten darf ein Bewusstsein für deren Bedeutung sein. Wir sollten wissen und entscheiden, was zu den unerschütterlichen, nicht in Frage zu stellenden Werten zu zählen ist und was einer Relativierung oder Vernachlässigung zufallen darf.

 

Aufgrund der Bedeutung solcher Werte, möchte ich im Folgenden eine Auflistung von Werten beispielhaft aufführen, die für mich eine Grundlage für unser Denken, Fühlen und Tun bieten könnte und somit Orientierung sein könnte. Hierbei handelt es sich um Werte bzw. Tugenden, die in den unterschiedlichsten Kulturen und spirituellen Traditionen einen bedeutenden Stellenwert haben. Wir alle können im alltäglichen Leben prüfen, in wie weit wir ihnen gerecht werden. Dies stellt für die meisten von uns eine lebenslange Herausforderung dar.

 

Achtsamkeit - können wir verstehen als eine bewusste Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt, ohne Bewertung, verbunden mit einer unmittelbaren Wahrnehmung des eigenen Selbst, des Anderen oder dessen, was uns umgibt. In diesem Sinne ist es eine bewusstseinserweiternde Form der Achtsamkeit, die v.a. in der hinduistischen und buddhistischen Lehre von großer Bedeutung ist und sowohl mit Yoga als auch Meditation tief verbunden ist.

 

Aufrichtigkeit - bezieht sich auf die Fähigkeit wahrhaftig zu sein, im Denken, Sprechen und Verhalten. Diese Eigenschaft ist somit die Grundlage für das Entstehen von Vertrauen und spielt im sozialen Kontext eine wichtige Rolle. Die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit anderen gegenüber, setzt die Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber voraus. 

 

Authentizität - hierunter verstehen wir die Echtheit, Glaubwürdigkeit und auch die Integrität eines Menschen. Erleben wir einen Menschen als authentisch, so können wir erkennen, dass der Schein mit dem tatsächlichen Sein übereinstimmt. Das Agieren eines authentischen Menschen ist von eigenen inneren Werten, Überzeugungen und Vorstellungen gekennzeichnet.

 

Dankbarkeit - bezieht sich auf die Bewusstheit, anzuerkennen und zu schätzen, was einem an Werten, seien sie immateriell oder auch materiell, zuteil geworden ist. Mit der Dankbarkeit verbunden ist somit die Wertschätzung anderen und dem eigenen Schicksal gegenüber. Gefühle der Dankbarkeit wirken sich in positiver Weise sowohl auf das eigene als auch das Leben anderer aus und führen zu einer gesteigerten Qualität des Lebens. Glück muss nicht Dankbarkeit zur Folge haben, jedoch führt Dankbarkeit meist zum Glück.

 

Empathie - beschreibt unser Einfühlungsvermögen und unser Mitgefühl. Es ist abzugrenzen von dem Mitleid, welches einen durchaus viel stärkeren Bezug zu dem eigenen Selbst hat, als das Mitgefühl, welches wesentlich deutlicher die Zuwendung zum Anderen betont. In der Empathie offenbaren wir unsere Fähigkeit uns den Gedanken, Gefühlen und der Lebenssituation eines anderen zu zuwenden. Ohne Empathie sind gewisse zwischenmenschliche Begegnungen nicht vorstellbar bzw. die mit ihnen verbundenen Anliegen und Zielsetzungen nicht realisierbar. Dies trifft z.B. für alle sozialen und helfenden Berufe zu, gilt jedoch letztlich für alle unsere Kontakte im sozialen Alltag. Die Empathie zwischen Menschen findet im Alltag in unterschiedlichsten Formen statt. Manche sind so natürlich, dass sie kaum zu erkennen sind. Andere sind zunächst so schwer erklärlich, dass sie wie magische Momente erscheinen.

 

Flexibilität - hierunter verstehen wir die Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit, auf allen Ebenen unseres Seins. Betroffen ist insofern unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Verhalten. Darwin hat uns vermittelt, dass es nicht die Arten waren, welche in der Geschichte der Evolution überlebt haben, die sich durch besondere Stärke auszeichneten, sondern die Arten, mit der größten Anpassungsfähigkeit. 

 

Freundlichkeit - ist Ausdruck einer bestimmten Haltung, die einem zugewandten, liebevollen, wertschätzenden Geist entspring und zugleich auch aus der Tiefe des Herzens kommt. Mark Twain (1835-1910) sagte zur Freundlichkeit, sie sei „eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können.“

 

Fürsorglichkeit - beinhaltet die Bereitschaft sich der Bedürftigkeit eines Anderen zu zuwenden, ihm die notwendige Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. In der Fürsorge bekundet sich ein Akt der Nächstenliebe. Ohne ein fürsorgliches Miteinander ist eine positive soziale Gemeinschaft nicht vorstellbar. 

 

Gelassenheit - ermöglicht es uns in vielen auch schwierigen Situationen unseres Lebens, im inneren Gleichgewicht zu bleiben, uns nicht in Sorgen, Befürchtungen und Ängsten zu verlieren. Die mit ihr verbundene innere Ruhe, ermöglicht es uns Zuversicht und Vertrauen zu bewahren und die in uns vorhandenen Potentiale zum Wohl von uns selbst und anderen zu nutzen. 

 

Großzügigkeit - ist eine Fähigkeit, die sich konkret auf das eigene Verhalten und Handeln bezieht, welches in Zuwendungen zum Anderen erkennbar ist, sowohl materieller als auch immaterieller Art. Ebenso bezieht sie sich auf ein Denken und eine innere Haltung, die bereit ist, übliche Grenzen zu überschreiten. 

 

Güte - ist als Qualität untrennbar mit Zuwendung, Nächstenliebe und Menschlichkeit verbunden. Sie ist verbunden mit einem freundlichen, wertschätzenden Verhalten, das von einer großzügigen, nachsichtigen und vergebenden Haltung geprägt ist.

 

Herzlichkeit - mit ihr verbinden wir ein offenes, zugewandtes, freundliches, annehmendes, liebenswertes Verhalten, das ganz offensichtlich, wie es das Wort selbst bekundet, aus dem Herzen eines Menschen entspringt. Wie wir wissen, befindet sich in unserem Herzen nur Gutes. Im Herzen ist kein Platz für negative Energie, so dass alles, was dem Herzen entspringt, nur Positives bewirken kann. Nicht zufällig finden wir im fernöstlichen Verständnis die Empfehlung, unseren Verstand und unseren Intellekt zwar zu befragen, das Herz jedoch entscheiden zu lassen.

 

Hilfsbereitschaft - beschreibt unsere Bereitschaft uns anderen zu zuwenden um ihnen zur Seite zu stehen, ihnen unsere Unterstützung zukommen zu lassen, Zeit, Aufwand und Energie zu opfern, ohne dass wir hierfür eine Gegenleistung erwarten. Es ist eine Qualität, die zutiefst in uns verankert ist und leider im Rahmen unserer Sozialisation, aufgrund vieler schädlicher Einflussnahmen und Vorgaben, teilweise verloren geht. Bei Kleinkindern ist diese, wie viele Untersuchungen belegen, noch deutlich ausgeprägt vorhanden. 

 

Leidenschaft - steht in einem positiven Sinn auch für die Genussfähigkeit, zu der wir in der Lage sein sollten. Die Möglichkeit das Leben in all seinen Facetten und schönen Seiten auch genussvoll und leidenschaftlich leben zu können, ist ein wichtiger Anteil eines zufriedenen, erfüllten und in Anteilen auch glücklichen Lebens. Hiermit ist die Fähigkeit verbunden in starkem und tieferreichendem Maße, positive Empfindungen zu zulassen und auszuleben.

 

Offenheit - verbindet sich zum einen mit unserer Bereitschaft uns selbst zu öffnen, unsere Gedanken, Vorstellungen, Phantasien, Wünsche, Sehnsüchte, Bedürfnisse, Zweifel, Ängste, etc. nach außen zu tragen, sie im Rahmen vertrauensvoller Beziehungen auch mitzuteilen. Zum anderen bezieht sich die Offenheit auf die Bereitschaft unser Interesse, unsere Aufmerksamkeit und Neugier unseren Mitmenschen und unserer Umwelt zukommen zu lassen. Ebenso ist damit unsere Bereitschaft verbunden, bisher für uns Gültiges zu hinterfragen und uns stets durch Neues bereichern zu lassen.

 

Respekt - so wie wir von anderen Menschen behandelt werden möchten, mit Wertschätzung, Achtsamkeit, Rücksichtnahme und Anerkennung, sollten wir bereit sein es den Menschen, denen wir begegnen zukommen zu lassen. Es handelt sich somit um eine sehr grundsätzliche Haltung im sozialen, zwischenmenschlichen Kontakt. Ist dieser respektvolle Umgang zwischen uns Menschen, unabhängig von kultureller Herkunft, sozialem Status, Religion, Weltanschauung, Hautfarbe, Geschlecht und Alter gegeben, sind die Voraussetzungen für ein friedvolles und erfüllendes Miteinander gegeben.

 

Sanftmut - ist eine Tugend, die mit einer inneren Ausgeglichenheit, Ruhe, Gelassenheit, Geduld und liebevoller Zuneigung verbunden ist. Diese Haltung lässt jede Form der Anspannung, Gereiztheit und Aggressivität vermissen. Dankbarkeit und Demut sind im Allgemeinen mit Sanftmut verbunden. Vor allem in Situationen des Konflikts zwischen Menschen, kann Sanftmut sehr hilfreich sein, da sie stets auch mit einem versöhnlichen Bestreben verbunden ist.

 

Selbstdisziplin - bietet uns die Gewähr dafür, dass wir in der Lage sind und bleiben, all unseren Ansprüchen, Erwartungen, Aufgaben, Verpflichtungen und Verantwortungen gerecht zu werden. Dies betrifft alle Bereiche unseres Lebens, im Privaten, Beruflichen und in unserer Freizeit. Uns selbst und anderen gegenüber können wir dadurch zuverlässig und berechenbar bleiben. 

 

Selbstvertrauen - ist sowohl das Ergebnis einer tief empfundenen Selbst-Bestimmung, verbunden mit einem damit einhergehenden Selbst-Bewusstsein, als auch das Ergebnis von zurückliegenden positiven Erfahrungen, bezogen auf das eigene Entscheiden und Handeln. Menschen, die sich durch ein starkes Selbstvertrauen auszeichnen, fühlen sich in vielen Situationen des Lebens, vertrauensvoll, zuversichtlich, gelassen und in sich ruhend. Im Allgemeinen zeigt sich, dass selbstbewusste Menschen offener und zugänglicher sind für abweichende Haltungen, Überzeugungen und Entscheidungen.

 

Solidarität - ist eine Qualität, die im Zusammensein mit anderen, im Rahmen einer Gemeinschaft, von großer Bedeutung ist. Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Verbundenheit, kann ohne eine spürbar gelebte Solidarität nicht verwirklicht werden. Das Verbindende besteht u.U. in gemeinsamen Interessen, Überzeugungen, Wertvorstellungen oder auch Zielen. Gelebte und verwirklichte Solidarität vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit, des Aufgehoben-Seins und der Stärke.

 

Sorgfalt - mit ihr legen wir Wert auf Genauigkeit, Achtsamkeit in dem was tun und wie wir Handeln. Sind wir behutsam in unserem Vorgehen, dann sind wir bemüht uns so zu verhalten, dass daraus keine Sorge bezogen auf das Ergebnis ableitbar ist, wir zeigen insofern Sorgfalt. Letztlich ist diese Eigenschaft auch mit dem Respekt vor allem verbunden, mit dem wir konfrontiert sind.

 

Toleranz - ist eine der grundlegenden Eigenschaften im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen. Sind wir mit Menschen zusammen, die all unsere Werte, Vorstellungen, Gewohnheiten und Vereinbarungen in gleicher Weise teilen, müssen wir uns nicht herausgefordert fühlen. Anders verhält es sich, wenn wir Menschen begegnen, die sich in vielerlei Hinsicht von uns unterscheiden. Hier geht es dann darum die abweichenden Sichtweisen, Überzeugungen, Gewohnheiten, Sitten und Gebräuche, zu zugestehen, sie zu dulden, i.S. einer nachsichtigen, großzügigen und auch großherzigen Haltung.

 

Treue - können wir als Tugend begreifen, die sich auf einen oder mehrere andere bezieht und mit Qualitäten wie Vertrauen, Verlässlichkeit und Loyalität verbunden ist. Liegt diese Tugend vor, entsteht ein Gefühl der Sicherheit und des Haltes. 

 

Unbestechlichkeit - ist sehr stark mit der Qualität der Treue verbunden. Die bestehende Anbindung an andere oder aber auch an eigene, innere Werte, Vorstellungen und Überzeugungen, ist nicht durch vorteilhafte Leistungen käuflich. Der immaterielle Wert der bestehenden Anbindung kann nicht durch einen materiellen Wert ersetzt werden.

 

Verantwortlichkeit - ist eine moralische Kategorie, der im Zusammenleben mit anderen Menschen ebenfalls große Bedeutung zukommt, geht es doch darum berechtigten Ansprüchen, Erwartungen oder auch Forderungen gerecht zu werden und diese zu erfüllen. Dies kann sich auf zurückliegendes Handeln beziehen oder auf gegenwärtiges und zukünftiges Handeln. In diesem Sinne sollten wir alle stets bestrebt sein, das jeweils Notwendige und Angemessene zu tun, so dass kein Schaden für uns selbst und andere entsteht.

 

Weisheit - begreifen wir als die Gesamtheit eines wertvollen Wissens, welches meist im Verlauf einer langen Lebenserfahrung erworben wurde, weshalb wir die Weisheit meist mit älteren, klugen, kundigen und gelehrten Menschen in Verbindung bringen. Doch können wir auch in jungen Jahren uns schon in dieser Qualität üben, sofern wir besonnen, geleitet von unserer Vernunft und genauso von unserem Herzen, uns der Prüfung von Fragen hingeben, die uns selbst, andere, Sachverhalte oder das Leben betreffen.

 

Willensstärke - wo ein Wille ist, ist ein Weg, heißt es. Dies beschreibt die Erfahrung, dass das Erreichen von gesetzten Zielen, das Vorliegen eines starken und ausgeprägten Willens voraussetzt. Je stärker der Wille bewusst aktivierend und motivierend eingesetzt werden kann, umso kompetenter sind wir in der Verwirklichung unserer Ziele. 

 

Zielstrebigkeit - ist eng mit der Willensstärke verbunden und beschreibt die Fähigkeit, konsequent auf ein definiertes Ziel ausgerichtet zu sein. Dies ist meist mit einer eigenverantwortlichen Haltung verbunden, die zur Stärke der gegebenen Motivation beiträgt, ein deklariertes Ziel zu erreichen.

 

Zuversicht - Hierbei handelt es sich um ein festes Vertrauen in eine positive Entwicklung bezogen auf die Zukunft. Diese Eigenschaft ist untrennbar verbunden mit einer optimistischen und vertrauensvollen Haltung, aus der sich positive Energien ableiten lassen. Die Zuversicht betrifft sowohl das eigene Leben als auch die Einbettung in die Schöpfung, von der wir ein Teil sind. Gelingt es uns, uns auf das tief in uns angelegte Ur-Vertrauen zu besinnen, werden wir uns von Zuversicht leiten lassen können.

 

Schauen wir auf diese aufgeführte Liste, können wir uns fragen, wieviel davon in unserem Alltag ganz offensichtlich und erkennbar Platz findet. Wo und wie oft finden wir in unserem Alltag diese Werte bzw. Tugenden als erstrebenswert und von grundsätzlicher Bedeutung benannt? Es fällt schwer Beispiele zu finden, wo das eindeutig und umfassend der Fall ist.

 

Viel leichter hingegen finden wir in unserem Alltag ganz andere Werte, die uns fortlaufend propagiert und vorgelebt werden. Diese sind nicht selten teilweise geradezu entgegengesetzt zu den hier aufgeführten Werten. Alles überragend können wir z.B. die stets an allen Stellen des öffentlichen Lebens uns induzierten Ängste und Zweifel nennen, mit denen wir konfrontiert sind. Auch die ebenfalls, stets und überall gestellten Fragen nach der Wirtschaftlichkeit unserer Entscheidungen und unseres Tuns, haben offensichtlich große Bedeutung. Folgerichtig wird in Befragungen von jüngeren Populationen der wirtschaftliche Erfolg im Privaten wie auch im Beruflichen als anzustrebender Wert an vorderster Stelle genannt.

 

Könnte ein wiederkehrendes, vielleicht auch gewohnheitsmäßiges Innehalten, verbunden mit einer Besinnung auf diese aufgeführten Werte bzw. Tugenden, nicht sinnvoll und hilfreich für uns und unser Leben sein?!

 

Zur Dankbarkeit - Wunder der Natur - Ein von mir vor 25 Jahren gepflanzter Baum, damals 1,60 m hoch und mit einer Stammes-Dicke der Größe eines Unterarms. Heute reichen zwei Menschen nicht um den Stamm zu umfassen - ;) 


19.06.2019

 

Zur Bedeutung der elektromagnetischen Kräfte unserer Körper-Zellen...

Wir Menschen bestehen aus ca. 50 Billionen Zellen (d.h. 50 mal 1000 Milliarden). Jede Zelle unseres Körpers hat einen Minuspol im Inneren und einen Pluspol im Äußeren. Da jede Zelle eine Ladung von 1,4 Volt hat, bedeutet das bei 50 Billionen Zellen 700 Billionen Volt elektrischer Ladung. Wir können davon ausgehen, dass wir durch Übung bzw. Meditation diese elektrische Aufladung beeinflussen und zu Zwecken der Heilung nutzen können.

 

Alle Lebewesen auf unserem Planeten, ob Menschen, Tiere oder Pflanzen, kommunizieren auch über elektrische Schwingungen. Auf diese Weise lassen sich sowohl positive als auch negative Energien über große Distanzen übertragen und vermitteln. Haie z.B. verfügen über einen passiven elektrischen Sinn, mit dem sie elektrische Wellen aussenden, um sie über ein Echo zu deuten. Bienen können Magnetfelder wahrnehmen und sich danach ausrichten. Fledermäuse besitzen ein so fein ausgeprägtes Gehör, dass sie in der Lage sind, mit Hilfe eines Sonars sich zu orientieren, in dem sie ebenfalls eine Echoortung nutzen. Auch wenn wir Menschen zu solchen Leistungen mittels unserer Sinne nicht fähig sind, folgen wir bzgl. der elektrischen Schwingungen dem gleichen Prinzip.

 

Im kindlichen Alter können diese Energien in noch viel größerem Umfang unser Erleben bestimmen als im erwachsenen Alter. Im Verlauf unserer Sozialisation verlagern wir immer mehr den Fokus unserer Aufmerksamkeit auf unseren Intellekt und immer weniger auf unsere natürlichen Empfindungen und Gefühle. Das Sprechen und das Intellektualisieren ersetzen zunehmend die Wahrnehmung und das Äußern von Gefühlen. Dies, obwohl die Kommunikation mittels Übertragung von energetischen bzw. elektrischen Schwingungen, menschheitsgeschichtlich wesentlich älter ist als es unsere kognitiven Funktionen sind. 

 

Betrachten wir uns selbst als Mensch, können wir uns v.a. auch als Ausdruck einer physischen Realität bzw. eines Körpers begreifen, der aus vielen organischen Teilen zusammengesetzt ist und mehr oder weniger gut funktioniert. Tatsächlich jedoch bestehen wir als Lebewesen überwiegend auch aus elektromagnetischen Schwingungen, die miteinander in Kontakt und Kommunikation treten können. Aus der Quantenphysik wissen wir, dass diese Schwingungen sich über ein elektromagnetisches Feld vermitteln. 

 

Die Quantenphysik befasst sich seit langem schon mit diesen Schwingungen. Sie untersucht u.a., wie die Schwingungswellen verschiedener Menschen miteinander interagieren. Zwar sind wir aus Atomen zusammengesetzt, doch kommunizieren wir auch über dieses elektromagnetische Feld miteinander. 

 

Mittels besonderer Messmethoden ist es inzwischen möglich, diese Aktivität des Gehirns und somit die Energie-Wellen zu erfassen. Beispiele für das Interagieren von diesen elektromagnetischen Wellen, kennen wir alle aus dem Alltag. So z.B. wenn wir uns nach langer Zeit an eine mit uns befreundete Person erinnern, aktiv an sie denken und kurze Zeit später einen Telefon-Anruf von dieser Person bekommen oder ihren nicht geplanten, unerwarteten Besuch. Die gleiche Erfahrung können wir machen, wenn wir uns von positiven bzw. negativen Gedanken bestimmen lassen und dann feststellen, dass die Realität diesen Vorstellungen folgt, ganz im Sinne einer sich-selbst-erfüllenden Prophezeiung. Viele von uns haben es schon erlebt, einen Menschen von hinten intensiv angeschaut zu haben und dann festgestellt zu haben, dass dieser sich nach einer gewissen Zeit umschaut, als habe er unseren Blick auf sich ruhen gespürt.

 

Wie sehr die Schwingungen, die von uns ausgehen, physikalischen Charakter und auch eine konkrete physikalische Auswirkung haben können, sehen wir an dem Phänomen der sog. ‚Harmonischen Resonanz‘, bei der es z.B. zum Zerspringen von Gläsern kommt. Vorausgegangen ist ein gleichschwingender Laut bzw. Gesang, den wir von uns geben. Hier kommt es zu einer sog. ‚konstruktiven Interferenz‘ (d.h. Verstärkung der Amplituden bei der Überlagerung gleichschwingender Wellen). Ein alltäglich positives Beispiel einer konstruktiven Interferenz finden wir in der natürlichen Verbindung zwischen Mutter und Kind. Hier sind die embryonalen Zellen der Mutter im Kind vorhanden, sowie die Stammzellen des Kindes in der Mutter. Somit gleiche Zellen, mit gleichen Rezeptor-Frequenzen. Muss es uns dann rätselhaft vorkommen, dass eine Mutter auch über große Distanz spüren kann, was in ihrem Kind vorgeht? 

 

Übertragen auf die Qualität unserer Gedanken und deren Schwingungen, können wir davon ausgehen, dass z.B. auch Angstgefühle eine Resonanz im Äußeren finden, so wie gleichfalls positive Gefühle wie Liebe eine Resonanz finden. Die Lebenserfahrung selbst und inzwischen auch viele Studienergebnisse zeigen, dass wir die Resonanz im Äußeren finden können, die unseren eigenen Schwingungen entspricht. Insofern können wir anhand unserer Gedanken mitbestimmen zu welchen Verbindungen mit anderen es kommen mag. In einem solchen Fall, wie auch bei der Mutter und dem Kind, kann die Kommunikation über das elektromagnetische Feld durch die gleichlautenden Schwingungen erfolgen. 

 

Die Viktimologie, welche sich als wissenschaftliche Disziplin auch mit der Erforschung der Persönlichkeits-Merkmale von Opfern befasst, hat nachgewiesen, dass ängstliche Personen eine größere Wahrscheinlichkeit haben, Opfer eines Übergriffs zu werden, als Personen ohne solche Ängste. So wie Gedanken bei einer einzelnen Person zu Resonanzen im Äußeren führen, ist es auch mit ganzen Gruppen von Menschen bzw. ganzen Populationen. 

 

Wir können davon ausgehen, dass jede Zelle unseres Körpers eine eigene Intelligenz besitzt. Diese relativiert sich beim Zusammenschluss mit anderen Zellen, die alle einem Organismus angehören und der zentralen Stimme dieses Organismus folgen. Eine Aufgabe unseres Gehirns besteht darin, Signale in Form solcher Schwingungen aus dem Inneren und dem Äußeren wahrzunehmen und zu interpretieren. Daraufhin sendet es die Informationen an die Zellen, die über das weitere Vorgehen entscheiden. 

 

Aufgrund der Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Placebo Forschung wissen wir, dass die Überzeugung der Gedanken eine Heilung bewirken kann, ohne dass äußere, biochemische Einflussnahmen vorhanden sind. Die Ergebnisse der bisherigen Forschung legen nahe, dass ein Drittel der erfolgten Heilungen u.a. auch das Ergebnis von solchen Placebo-Effekten sind. In gleicher Weise wie die Wirkung des Placebo-Effekts uns helfen kann, können jedoch negative Überzeugungen und Gedanken uns schaden bzw. gar zum Tod führen. Dies nennen wir die Auswirkung des sog. Nocebo-Effekts. In beiden Fällen können wir davon ausgehen, dass es über die Gedanken und Vorstellungen, zur Aktivierung bestimmter energetischer Schwingungen kommt, die ihrerseits körperbezogene Prozesse auslösen.

 

In einer indischen medizinischen Zeitschrift erschien ein Artikel mit der Bezeichnung „Von der Imagination getötet.“ In diesem Artikel wurde das Experiment eines Hindu-Arztes an einem durch den Strang zu Tode Verurteilten beschrieben. Der Arzt bekam die Erlaubnis einen zu Tode Verurteilten zu fragen, ob er durch den Strang sterben möchte oder einen unmerklichen Tod durch kontrolliertes Verbluten vorziehe. Nach der Zustimmung des Verurteilten, wurde er mit verbundenen Augen auf ein Bett fixiert. Behältnisse mit Wasser wurden an allen vier Bettpfosten aufgehängt, aus denen Wasser in ein Becken tropfte. Zuvor wurde die Haut des Verurteilten an allen vier Extremitäten angeritzt, ohne dass eine nennenswerte Blutung zustande kam. Das Tropfen des Wassers wurde reguliert, so dass es zunächst schnell erfolgte und dann immer langsamer. Erkennbar wurde der Gefangene immer schwächer. Der Effekt wurde durch einen leisen, ebenfalls immer schwächer werdenden monotonen Gesang des Arztes verstärkt. Letztlich kam es zu völliger Stille, nachdem auch das Wasser aufgehört hatte zu tropfen. Kurze Zeit später konnte der Tod des Gefangenen festgestellt werden, obwohl es sich um einen zu diesem Zeitpunkt gesunden jungen Mann gehandelt hatte und er keinen nennenswerten Blutverlust erlitten hatte. 

 

Bereits vor dreihundert Jahren stellte der Entdecker des Blutkreislaufs, William Harvey (1578-1657), englischer Arzt und Anatom, fest: „Jede Gemütsregung, die entweder von Schmerz oder Lust, Hoffnung oder Furcht begleitet wird, ist die Ursache einer Erregung, deren Einfluss sich bis zum Herzen erstreckt.“ Zu allen Zeiten gab es und gibt es in allen Kulturen sprachliche Ausdrucksformen, die den möglichen, plötzlichen Herztod aufgrund belastender Emotionen beschreiben („Er starb an gebrochenem Herzen.“; „Die Last auf dem Herzen war zu groß.“; „Das Herz war zum Bersten voll.“ etc.). 

 

Karl Pearson (1857-1936), britischer Mathematiker und Statistiker, untersuchte die Todesdaten von Eheleuten aufgrund der Grabstein-Einschriften in verschiedenen Ländern (England, Holland, Deutschland) und konnte erkennen, dass Ehepartner auffälliger Weise die Tendenz zeigten, im Verlauf eines Jahres nacheinander zu versterben. 

 

Aus all diesem Dargelegten können wir erkennen, dass wir aufgrund unserer Gedanken und unserer Überzeugungen Einfluss nehmen können auf die elektro-magnetischen Energien unserer Körper-Zellen, dies sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Grundlage hierfür sind die mit unseren Gedanken verbundenen elektromagnetischen Schwingungen, die sowohl eine Wirkung in unserem Inneren, als auch eine Wirkung im Äußeren entfalten können. Entscheidend dafür, ob dies möglich ist, ist die Stärke und Tiefe der Überzeugung, welche mit den Gedanken und Vorstellungen verbunden ist. Ist diese nur scheinbar vorhanden, sind in der Tiefe jedoch die Zweifel bestimmend, so kann sich kein Effekt zeigen.

 

In der Bibel ist zu lesen: "Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.“ Im Alltäglichen finden wir diesen Hinweis wieder in der Lebensweisheit, 'der Glaube kann Berge versetzen'. Sinngemäß bedeutet die Verwendung dieser Aussage, dass man etwas unmöglich Erscheinendes schaffen kann, wenn man es nur mit genug Einsatz und Überzeugung versucht. Die Geschichte der Menschheit ist voll von belegbaren Beispielen dafür. 

 

Aufgrund der Erkenntnisse der Quantenphysik können wir davon ausgehen, dass in dem elektromagnetischen Quantenfeld alles mit allem verbunden ist, so dass wir annehmen dürfen, dass auf diesem Weg die Möglichkeit besteht, mit unserem Bewusstsein bzw. unserem Geist auf Materie einzuwirken. Sind wir uns dessen bewusst, können wir diese Möglichkeit sinnvoller Weise, in aller Demut, auch zur Heilung einsetzen.

 


18.06.2019

 

Eine wesentliche Ursache für tägliches Unglück - das 'Vergleichen'

In einer neueren holländischen Studie stellten Forscher fest, dass Nachbarn, die Tür an Tür mit Menschen lebten, die aufgrund eines Lotteriegewinns sich u.a. auch ein neues Auto leisteten, mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit in den ersten sechs Monaten nach dem Lotteriegewinn dieser Nachbarn, ebenfalls ein neues Auto kauften. 

 

In einer Studie der Stanford University in Kalifornien, stellten Psychologen fest, dass befragte Personen dazu neigen, das Ausmaß der Freude ihrer Mitmenschen, welche diese in ihrem Leben verspürten, deutlich zu überschätzen. Auch zeigte sich, dass Studenten, die sehr viel ihrer Zeit auf Facebook verbrachten, dazu neigten zu glauben, dass es ihren Freunden generell deutlich besser gehe als ihnen selbst. 

 

Aufgrund verschiedener inzwischen vorliegender Untersuchungen, wissen wir,  je häufiger sich Menschen in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, Google+, Twitter oder auch den unterschiedlichsten Datingwebseiten aufhalten, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit sich selbst, dem eigenen Leben und der eigenen Entwicklung schlecht zu fühlen. Es besteht in der Folge, durch die bewusst oder auch unbewusst angestellten Vergleiche, die Neigung das eigene Leben als monoton, langweilig und uninteressant zu definieren. Hiermit verbunden ist eine zunehmende Unzufriedenheit, innere Anspannung, Enttäuschung, Trauer bis hin zu depressiven Stimmungen, verbunden mit dem Stellen von Sinnfragen bezogen auf das eigene Leben.

 

Tatsächlich können wir, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Bedeutung der sozialen Netzwerke in unserem Alltag, erkennen, dass das Anstellen von Vergleichen eine immer wichtiger werdende Ursache von persönlichem Unglück ist. War es früher der Vergleich mit dem nahen Umfeld, der ebenfalls schon für viele deutlich negative Auswirkungen haben konnte, so ist es heute der weltweite Vergleich, der keine Grenzen kennt und die sichere Grundlage für Unzufriedenheit und Unglück bietet. Der damit verbundenen Versuchung des Vergleichs, ist kaum zu widerstehen. 

 

Ohne große Mühe, können wir über die verschiedenen Foren jemanden finden, dem es vermeintlich viel besser geht, der innerhalb kürzester Zeit, beruflich und privat viel mehr erreicht hat, obwohl er vielleicht oder angeblich doch schlechtere Voraussetzungen hatte. Auf diese Weise können wir unseren Irrglauben, dass es ohnehin alle oder die meisten viel besser haben als wir selbst, pflegen und uns in unserem offensichtlichen Unglück leidend schlecht fühlen.

 

Inzwischen gibt es nicht wenige Menschen auf diesen verschiedenen Kanälen, die sich uns gern als Vorbilder anbieten, uns helfen möchten uns aus unserer ‚Not‘ zu befreien, natürlich gegen Bezahlung. Bei genauer Betrachtung appellieren sie oft unverhohlen an unsere ohnehin vorhandene Neigung zu Selbstzweifeln und Selbstkritik, die uns fragen lässt, ob wir uns denn mit dem, was wir haben, wie wir leben und wer wir sind, wirklich zufrieden sein können und wollen. Die Werbung gibt uns vor, wenn auch auf humorvolle Art, worauf es ankommt: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ (s.u. das Video dazu).

 

Die Botschaft, die vermittelt wird und die wir verinnerlichen sollen lautet, „da geht doch so viel mehr, also warum nicht den Versuch wagen und ein entsprechendes ‚Coaching‘ , einen entsprechenden Kurs, Workshop oder ein entsprechendes Programm buchen“. Der Vergleich mit denen, die das alles schon absolviert haben, inzwischen sehr erfolgreich, zufrieden und glücklich sind, wird uns in allen Farben, Schattierungen, Bildern und Darstellungen vorgeführt. Wir sollen und dürfen uns vergleichen und fragen, ob wir uns nicht in gleicher Weise ‚weiter entwickeln‘ möchten.

 

Es besteht eine große Sehnsucht nach einer schnellen und umfassenden Erfüllung der eigenen Wünsche, Sehnsüchte und Bedürfnisse. Zugleich haben wir die Hoffnung auf die Möglichkeit, anhand der suggerierten Lösungsvorschläge, einen Weg gefunden zu haben. Die erkennbaren Hinweise auf die Fragwürdigkeit dieser Angebote werden häufig außer acht gelassen, verleugnet, verdrängt, abgespalten oder auch als unbedeutend in ihrem Stellenwert bagatellisiert.

 

Der Vergleich mit anderen wirft die Frage auf, warum man sich dem gemeinsam gelebten ‚Hype‘ verschließen sollte, mit der Gefahr sich als jemand, der die Gelegenheit nicht wahrgenommen hat eine Chance zu ergreifen. Es könnte sein, sich in der Folge als zurückgeblieben, isoliert und gescheitert wieder zu finden. Dann lieber ein Teil der ‚Community‘ sein, die scheinbar der Zeit vorauseilt und die Erfüllung  der persönlichen Träume verspricht.

 

Diese Art der Betrachtung wirft die Frage auf, wie sehr wir noch ‚geerdet‘ sind, wie sehr wir noch tief verwurzelt Kontakt zum Boden haben, auf dem wir stehen. Wenn es als Ergebnis der angestellten Vergleiche v.a. darum geht abzuheben, zu fliegen, zu schweben, den eigenen Träumen, Wünschen und Sehnsüchten gerecht zu werden. Wie sehr stehen wir dann noch mit unseren alltäglichen Aufgaben im Einklang? Entspricht es denn tatsächlich unserer individuellen Erfüllung und unserem individuellen Glück, dem nachzustreben, was andere uns vorleben und als erstrebenswert und wertvoll vermitteln wollen?

 

Aus einer sehr kreativen und einfühlsamen Untersuchung der Psychologin Kiley Hamlin in einer Studie der Yale Universität wissen wir, dass Säuglinge im Alter von 6 Monaten noch durch ein ganz ausgeprägtes ethisches Verhalten gekennzeichnet sind, welches mit Gefühlen des Vergleichs, der Rivalität oder des Neids nicht in Verbindung steht. Sehr schnell jedoch im Verlauf des ersten Jahres kommt es bereits zu einer Abschwächung dieser mitgebrachten inneren Haltung. Somit können wir bereits in diesem frühen Alter die ersten Spuren der Sozialisation erkennen, die aus den Vergleichen mit anderen ableitend, ganz andere Neigungen im Erleben und Verhalten hervorrufen.

 

Der weitere Verlauf dieser Sozialisation über den Kindergarten, die Grundschule, die weiterführenden Schulen, Lehre, Studium und Beruf, sowie den Freizeitbereich und unser privates Leben, bieten uns fortlaufend, geradezu ununterbrochen die Möglichkeit zu vergleichen. Tatsächlich werden wir darauf konditioniert es zu tun. Wir sollen es tun, um aus diesen Vergleichen die notwendigen, für unser weiteres Leben wichtigen Schlüsse zu ziehen. 

 

Die möglicher Weise mit diesen Vergleichen ursprünglich verbundenen Anliegen, eine Motivation zu stärken, Energien zu mobilisieren, Förderliches und Hilfreiches für die eigene Entwicklung zu bewirken, gehen schnell verloren und machen negativen Selbst- und Fremd-Affirmationen Platz. Stets steht das eigene Selbst-Vertrauen, Selbst-Wertgefühl, Selbst-Bewusstsein auf einem Prüfstand und ebenso werden andere Menschen bemessen, bewertet und beurteilt nach Vergleichswerten. 

 

Es darf nicht sein wie es ist, wir dürfen nicht sein wie wir sind, andere dürfen nicht sein wie sie sind, sondern erst der Vergleich scheint eine berechtigte, legitime, existenzielle Grundlage zu schaffen.

 

Fritz Perls (1893-1970), ein Psychiater, Psychotherapeut, Psychoanalytiker  und Mitbegründer der Gestalttherapie, hat in seinem 'Gestaltgebet' eine Alternative zu unserem fortlaufenden Vergleichen formuliert. Gelingt uns die Umsetzung seiner darin bekundeten Botschaft, könnten wir uns aus dem Unglück, das mit dem Vergleichen verbunden ist, befreien und ein vielleicht besseres und gesünderes Leben führen:

 

(Fritz Perls im Original)

 

„I do my thing,

and you do your thing.

I am not in this world

to live up to your expectations.

And you are not in this world

to live up to mine.

 

You are you,

and I am I.

 

And - if by chance - we find each other,

it’s beautiful.

If not, it can’t be helped.“

 

 

Weitere Gestalt-Sätze von Fritz Perls, die uns den Weg weisen, uns von dem Vergleichen zu befreien:

 

"Sei so wie du bist

und lerne,

wer du bist

und wie du bist.

Vergiss für einen Moment

oder zwei,

was du tun solltest,

und entdecke,

was du gerade tust.

 

Riskiere ein wenig,

wenn es dir möglich ist.

 

Fühle deine eigenen Gefühle.

Rede mit deinen eigenen Worten.

 

Denke deine eigenen Gedanken.

 

Sei du selbst.

 

Entdecke.

 

Lass den Plan für dich

 

aus dir selbst erwachsen."

 


17.06.2019

 

Können Verletzungen heilsam sein?

Kintsugi ist ein Begriff aus dem japanischen und beschreibt eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik. Die Einfachheit und die Wertschätzung der Fehlerhaftigkeit stehen im Zentrum der Anschauung eines ästhetischen Prinzips der Teezeremonie aus dem Japan des 16. Jahrhunderts. Auf diesem Hintergrund entwickelte sich Kintsugi, die Kunst bei der es darum geht, zerbrochene Keramik anhand von Goldverbindungen zu reparieren. Auf diese Weise werden die durch den Bruch entstandenen Makel hervorgehoben, wodurch eine neue Schönheit entsteht. Diese neu entstandene Schönheit übertrifft die ursprüngliche Schönheit der betreffenden Keramik, so dass das, was sich zunächst als Nachteil, Schaden oder Bruch darstellte, die Voraussetzung für die neu entstandene Schönheit wurde (s. Bilder unten).

 

Wie verhält es sich mit uns, wenn wir Verletzungen, Kränkungen und Schäden erleiden? Zunächst haben wir das Gefühl, dass uns etwas verloren geht oder verloren gegangen ist. Etwas, das wir als heil empfunden haben mögen, ist nicht mehr vorhanden, vielleicht sind sogar Narben und Wunden zurückgeblieben, die uns von da an kennzeichnen. Macht uns das weniger wertvoll als wir es zuvor waren, bevor wir die Verletzung, Kränkung oder den Schaden erlitten haben? Oder ist es uns, wie im Kintsugi möglich, das, was uns widerfahren ist, zu vergolden, es zu einem wertvolleren, besseren und gar schöneren Teil von uns selbst werden zu lassen?

 

Im Allgemeinen neigen wir dazu, uns von unseren Wünschen, Sehnsüchten und auch unseren Ansprüchen leiten zu lassen, wir messen uns daran. Je weiter wir uns davon entfernen, umso enttäuschter sind wir, fühlen uns traurig, vielleicht auch hilflos. In gleicher Weise verhält es sich mit Verletzungen und Kränkungen, die wir erleiden. Wir fühlen uns beschädigt, beginnen u.U. an uns zu zweifeln, fragen uns, ob das, was uns zugestoßen ist, mit einer dauerhaften schmerzhaften, vielleicht nicht zu überwindenden Einschränkung verbunden bleibt. Letztlich sind wir immer dann von solchen Gedanken und Empfindungen betroffen, wenn wir etwas erleben, das wir als negativ deuten und bewerten. Somit stellt sich in diesem Zusammenhang die grundsätzliche Frage, wie wir mit allem Negativen, das uns zustoßen kann umgehen. 

 

Die Gefahr, der wir ausgeliefert sein können, besteht darin, dass wir auf die uns widerfahrene negative Energie, im Sinne der Resonanz, ebenfalls mit einer von uns ausgehenden negativen Energie reagieren. Hierbei kann sich diese von uns ausgehende negative Energie gleich und direkt gegen uns selbst wenden (Selbst-Ablehnung, Selbst-Entwertung, Selbst-Bestrafung, etc.) oder aber auf Umwegen zu uns zurückkehren, nachdem wir sie zunächst nach außen, aufgrund aggressiver oder feindseliger Regungen auf andere gerichtet haben (i.S. des Karma bzw. im christlichen Verständnis, was wir sähen ernten wir).

 

Die Herausforderung für uns besteht insofern darin, ob es uns zunächst gelingen kann, auf das, was wir als negativ, verletzend, kränkend und beschädigend erleben, nicht mit einer negativen Energie zu reagieren. Hier kann uns die allgemeine Lebenserfahrung durchaus helfen, in dem wir uns bewusst machen, dass in allem, was zunächst negativ erscheint, auch etwas enthalten ist, was wir für unsere geistige, seelische, körperliche und auch spirituelle Entwicklung als bereichernd erleben können. 

 

Hier gibt es eine Fülle von autobiographischen Berichten uns bekannter Menschen und Persönlichkeiten, die genau davon erzählen. In diesen Schilderungen ist stets zu erkennen, wie sehr sie in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit von dem profitierten, was auch für sie selbst zunächst mit Schmerz und Leid verbunden war. Es mag für Außenstehende, die solche tief einschneidenden Erlebnisse nie gemacht haben, kaum vorstellbar und glaubhaft klingen, dass gerade diese bereichernd gewirkt haben können, doch besteht kein Anlass an der Glaubwürdigkeit solcher wiederkehrend gleich lautender Berichte und Darstellungen zu zweifeln. 

 

Die bildhafte Veranschaulichung anhand der Kunst des Kintsugi kann uns veranschaulichen, welcher positive Prozess sich nach dem Erleben solcher Ereignisse in uns vollziehen und zu welchem Ergebnis er führen kann. Ebenso wie im Kintsugi, können wir den Versuch unternehmen, unsere geistigen, seelischen und vielleicht auch körperlichen Wunden zu vergolden. Betten wir uns in unserem Verständnis der Schöpfung ein, in die Einsicht und Erkenntnis, dass alles, was geschieht einen Sinn haben mag, der letztlich etwas Gutes in sich trägt, können wir das Hadern, die Traurigkeit und stellenweise vielleicht auch die Neigung zur Verbitterung aufgeben, um Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung zu gewinnen. 

 

Je mehr wir versuchen uns innerlich aufzulehnen, das Geschehene abzulehnen, zu verleugnen oder zu bekämpfen, es nicht annehmen wollen und nicht bereit sind, damit einen inneren Frieden zu schließen, um so weniger können wir davon profitieren und das Nützliche und Positive darin für uns entdecken. In dem Augenblick, in dem wir zutiefst in der Lage sind, es in Demut anzunehmen, als etwas das zu unserem Leben gehört und einen tiefen Sinn haben mag, kann sich unser Leben in einen deutlich spürbaren Sinn zum Positiven verändern. Wir wenden damit das zunächst Schmerzhafte, in etwas Gutes, Inspirierendes, das uns bereichert. Zugleich können wir, von da an auch inspirierend und bereichernd für andere Menschen sein. Wir sind in der Lage, die uns dann erfüllende positive Energie weiter zu geben. 

 

Werfen wir vom Ufer einen Stein in ein ruhendes Wasser, können wir sehen, wie sich die Wellen kreisförmig ausbreiten und zu immer größer werdenden Kreisen die energetischen Schwingungen weiterleiten. Ebenso verhält es sich mit dem, wozu wir in der Lage sind, wenn wir die in uns dann entstandenen positiven Schwingungen nach außen abgeben. Jede Entwicklung von uns selbst ist in gewisser Weise jeweils verbunden mit einer Neu-Schöpfung von uns selbst, wir bewegen uns auf ein verändertes und neues Niveau unseres Seins zu.  Ein fernöstliches Sprichwort lautet, „wir können niemals den Fuß zweimal an der gleichen Stelle in ein fließendes Wasser stellen“. Es beschreibt den Prozess, in dem wir uns befinden, einen Prozess der lebenslangen Weiterentwicklung und Veränderung. Wir können niemals an eine gleiche Stelle unserer zurückliegenden Entwicklung zurück kehren. 

 

Im physiologischen und biologischen Prozess unseres körperlichen Seins finden wir die Entsprechung, insofern als wir wissen, dass durchschnittlich im zeitlichen Verlauf von 7 Jahren, sämtliche Zellen unseres Körpers durch neue ausgetauscht werden, wobei der Austausch bei einigen Zellen kürzere Zeit in Anspruch nimmt, bei anderen längere. In diesem fortlaufenden Wandel, in dem wir uns alle befinden, können wir das unfassbare Ausmaß an Potential entdecken, welches es uns ermöglicht, aus zunächst schmerzlichen, verletzenden und kränkenden Erlebnissen, das Positive abzuleiten. Das ermöglicht es uns, in der verbleibenden Lebenszeit, uns auf ein nächstes, höheres und wohl auch wertvolleres Niveau unserer persönlichen Entwicklung zu heben.

 

Stellvertretend für andere, kann uns diesbezüglich die Autobiographie von Nelson Mandela („Der lange Weg zur Freiheit“) eine Hilfe sein. Er beschreibt darin letztlich seinen langen, über 28 Jahre der Gefangenschaft dauernden Weg im Umgang mit all den erlebten Verletzungen, Kränkungen und Demütigungen. Wir erhalten einen tiefen Einblick in seine Gedanken, seine Gefühle und Überzeugungen. Letztich ist es ihm gelungen, getragen von den tief in ihm verankerten friedvollen, wertschätzenden und positiven Energien, einen Prozess des ‚Kintsugi‘ zu durchlaufen und die vielen Narben und Wunden einer ‚Vergoldung‘ zu zuführen, zum Nutzen von Millionen von Menschen und damit auch seiner selbst.

 

In solchen Vorbildern können wir Inspiration finden und uns ermutigt sehen, den Versuch zu unternehmen, in gleicher Weise mit den schmerzhaften Ereignissen in unserem Leben umzugehen. Gelingt uns das, können wir zu einem besseres, vielleicht neuen Leben gelangen.  

 


16.06.2019

 

"Alle denken nur an sich, ich bin der Einzige, der an mich denkt!"

Ein Wanderer befindet sich auf einer Seite eines Baches, wandert dem Ufer entlang und hält Aussicht nach einer Stelle, die es ihm ermöglichen könnte auf die andere Seite zu gelangen. Er findet nichts, was ihm eine Möglichkeit bietet, schließlich sieht er einen Mann auf der anderen Seite stehen und ruft erwartungsvoll hinüber, „Entschuldigen Sie, wie komme ich denn auf die andere Seite?“, worauf hin der Mann ihm antwortet, „Sie sind doch schon auf der anderen Seite.“

 

Was offenbart diese Anekdote? Ganz offensichtlich ist es eine Frage der Perspektive, wo sich die andere Seite befindet. Insofern können wir erkennen, dass es auf die jeweilige Perspektive ankommt, die darüber entscheidet, welche Wahrnehmung und welches Verständnis wir von einer Situation haben. So selbstverständlich und banal das klingen mag, können wir dennoch in unserem Alltagsleben stets von neuem erleben, dass wir das in vielen Situationen, sowohl bei uns selbst als auch bei anderen, als Erfahrungswert und Bewusstsein vermissen können.

 

Statt dessen denken, empfinden und handeln wir Menschen so, als sei unsere subjektive Sicht, Ausdruck dessen, was allgemeingültig ist. So auch wenn wir Menschen sagen hören, „niemand versteht mich“, „ich allein habe das so empfunden“, „alle anderen sehen das ganz anders“, „wie es mir geht, kann sich niemand vorstellen“, usw. Alles das sind Aussagen, die den Anspruch zum Ausdruck bringen, zu wissen, was in anderen Menschen vor sich geht, welche Sicht diese haben, welches Verständnis, welche Empfindungen und welche Verhaltensbereitschaften. 

 

Fallen solche Sätze im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit, frage ich stets „Woher wissen Sie das, was in den Anderen vor sich geht?“ Hierbei geht es nicht darum diese Frage in einem anklagenden oder gar vorwurfsvollen Ton zu stellen, sondern als berechtigte Frage nach einer Information bzw. Erklärung. Zugleich bietet diese Frage die Möglichkeit, diejenige oder denjenigen, der diese Aussagen trifft, mit der Möglichkeit bzw. der Wahrscheinlichkeit zu konfrontieren, dass dieses sichere Wissen über ‚die Anderen‘ so gar nicht vorhanden ist. Dennoch neigen wir Menschen immer wieder dazu, aus der Ich-Perspektive Aussagen von einem allgemein gültigen Charakter andere betreffend von uns zu geben.

 

Worin liegt der Sinn solcher Feststellungen? Mit solchen Feststellungen geben wir uns selbst das Gefühl alleine zu sein, isoliert, u.U. vereinsamt, da uns ‚niemand‘ versteht, es ‚niemandem‘ so geht. Die mit dieser vereinsamten Haltung verbundenen Gefühle, sind schmerzhaft und führen dazu, dass wir leiden. Stellen sie sich über einen längeren Zeitraum immer wieder ein, werden damit zur Gewohnheit, die unseren Alltag kennzeichnet, können wir von einem chronifizierten Leiden sprechen. Mit einem solchen Denken und dem damit verbundenen Empfinden schaffen wir zunehmend die Grundlage für Traurigkeit, Verzweiflung und depressives Erleben. 

 

Die auf diese Weise entstandenen Gefühle verstärken ihrerseits die Neigung unsere Wahrnehmung ganz im Sinne dieser Ich-Perspektive auszurichten, so dass die bereits vorhandenen Überzeugungen, Empfindungen und Entscheidungen bestätigt und verstärkt werden. Letztlich ist es somit zur Ausbildung eines sog. Circulus Vitiosus gekommen, in dem das eine das andere bestätig und verstärkt.

 

Von entscheidender Hilfe um diesen Circulus Vitiosus zu durchbrechen kann es sein, den Versuch zu unternehmen, die Seite zu wechseln, wie in der oben beschriebenen Anekdote, für wenige Augenblicke, die Sicht und das Erleben des Anderen, der sich auf der anderen Seite befindet einzunehmen. Es muss nicht damit verbunden sein, dass es real zu einem Austausch der Standpunkte kommt, es reicht wenn es uns gelingt das gedanklich, imaginativ, visuell und auch gefühlsmäßig zu tun. 

 

In Familiensitzungen, die ich verschiedentlich habe bzw. hatte, konnte ich das u.U. dadurch bewirkten, dass ich einen Vater den Sitz des Sohnes habe einnehmen lassen und den Sohn den Sitz des Vaters, dies verbunden mit der Vorgabe, sich jetzt in die jeweilige Rolle des anderen zu versetzen. Es ist beeindruckend, manchmal ergreifend zu erleben, wie sehr sich das jeweilige Empfinden und Erleben dann wandeln kann. 

 

In der Analogie gesprochen bedeutet es, die Brücke zum anderen zu überqueren, um sich vorübergehend einfühlen zu können und was auch immer aus seiner Sicht sehen und vielleicht auch verstehen und nachvollziehen zu können. Leider bekommen wir in unserem täglichen Leben nur sehr selten die Gelegenheit ein solches Vorgehen zu erleben. Ganz im Gegenteil erleben wir in unseren öffentlichen Medien unentwegt Vorbilder aus allen Bereichen des Lebens, die uns zeigen, wie wichtig die eigene Sicht ist, die es häufig mit vielen Worten, Darlegungen und Ausführungen zu begründen gilt. Der Andere wird in diesem Verständnis häufig als Störfaktor empfunden, der sich aufgrund von Unwissen oder fehlenden Kenntnissen auf der falschen Seite befindet.

 

Schauen wir genau hin, können wir erkennen, dass der Respekt vor dem Anderen, die Achtsamkeit und Wertschätzung der Subjektivität des Anderen nicht gegeben ist. Wir leben und kultivieren somit das Spaltende, Trennende und das Isolierende. Wir erkennen nicht das Gemeinsame und Verbindende, das in der jeweiligen Subjektivität des Betrachters liegt. Die andere Seite gibt es für jeden, sie ist für jeden real erlebbar, da sie für jeden in gleicher Weise vorhanden ist. Somit ist es genau das, was uns verbindet und wir in gleicher Weise empfinden. 

 

Wie oben bereits erwähnt, ist die Erkenntnis, die mit all dem verbunden ist, im Grunde recht einfach und banal. Die Standpunkte sind verschieden, die Vereine, die Parteien, die Religionen, die sozialen und kulturellen Hintergründe, die Geschmäcker und vieles mehr. Gemeinsam sind all die Bedürfnisse, Wünsche, und Sehnsüchte, die diesen jeweiligen Wahlen und Ausrichtungen zugrundeliegen. Wie sehr würde es uns helfen, dieses tief liegende Gemeinsame zu sehen, es zu berücksichtigen und in unserem Erleben einzubeziehen. 

 

Die Folge bestünde darin, dass wir uns nicht mehr alleine und isoliert fühlen müssten, mit unserem Denken, Fühlen und Handeln. Wir könnten uns in der Gemeinschaft aller aufgehoben fühlen. Übertragen auf den stets auf Spaltung von uns Menschen ausgerichteten militärisch-industriellen Komplex, würde es im Sinne der Friedensbewegung bedeuten zu erkennen, wie es Daniele Ganser, Historiker und Friedensforscher, formuliert, wir alle einer Menschheitsfamilie angehören. Insofern bewegen uns die gleichen Gedanken, Empfindungen, Wünsche, Sehnsüchte sowie Befürchtungen und Ängste.

 

Sind wir auf diese Weise in der Lage die Ich-Perspektive zu überwinden, das Gemeinsame zu sehen und das Wohlergehen der Anderen in gleichem Maße in uns aufzunehmen, sorgen wir im buddhistischen und auch im christlichen Verständnis letztlich für unser eigenes Glück. 

 

Gandhi spricht von einer Kraft, die uns alle verbindet, die alle Dinge zusammenhält. Diese Kraft könnte Rita (die ewige, die göttliche Ordnung), Dao (der wahre Weg) oder Solidarität mit allen Wesen heißen. Liebe müsste dies verbindende Kraft sein, denn Liebe ermöglicht Leben, meint er.

 

Mit den Worten Dalai Lama's: "Liebe ist die Quelle unseres Lebens. Sie ist für den Menschen so wichtig wie das Wasser für den Fisch."

 

Gelingt es uns, unseren Alltag in diesem Bewusstsein zu leben, sorgen wir besser für uns selbst und auch für die Anderen, denen es gleich geht wie uns, denn wir alle streben nach Glück und möchten Leid vermeiden. Auch das vereint uns Menschen alle auf diesem Planeten.

 


15.06.2019

 

Ist Disziplin antiquiert?

Die nachfolgenden Gedanken sind möglicher Weise für den ein oder anderen Leser eine Herausforderung. Dies insofern, als es um einen Begriff geht, Disziplin, mit dem sich für sehr viele auch negative Assoziationen, Gefühle und Erfahrungen verbinden. Wir haben es mit einem Begriff zu tun, der im Verlauf unserer biographischen Entwicklung und Sozialisation nicht selten mißbräuchlich verwendet wurde und in vielen Situationen mit Appellen an unser Gewissen verbunden war und ist.

 

Bekanntlich befinden sich in unserem Gewissen v.a. Soll- und Muss-Vorschriften, es steht für unsere eigene und auch die von Außen an uns herangetragene Kontrollinstanz, die prüft, wertet, bewertet und beurteilt, im schlimmsten Fall auch verurteilt. Somit kommt diesem Begriff Disziplin, ein denkbar schlechter Ort zu, zu dem er meist zugeordnet wird. Natürlicher Weise bietet er sich insofern auch dazu an, Abwehr und Widerstand in uns hervorzurufen. Wir dürfen fragen, ob das den Inhalten, für die der Begriff steht, tatsächlich gerecht wird.

 

Machen wir uns diese Inhalte bewusst, verlegen diesen Begriff mit den ihn kennzeichnenden Inhalten aus der Gewissensinstanz in einen Bereich unseres Selbst, der mit Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein verbunden ist, können wir in ganz anderer Weise einen Frieden mit diesem Begriff Disziplin schließen und die Vorteile, die er bietet nutzen und für uns einsetzen. Insofern ist es der Versuch wert, den Begriff Disziplin von diesen möglichen 'Altlasten' und damit dem Hauch des Antiquierten zu befreien, um möglicher Weise zu erkennen, dass er tatsächlich in unserer heutigen Zeit mehr Aktualität haben sollte als je zuvor.

 

Wo auch immer wir uns in unserem Alltag befinden, im privaten Bereich, in der Freizeit oder im Bereich der Arbeit, wir sind fortlaufend konfrontiert mit den Inhalten dieses Begriffs Disziplin. Auf der Straße, im Straßenverkehr, beim Einkaufen im Einkaufszentrum, beim Sport im Freizeitbereich, beim Zusammensein mit Bekannten, Freunden oder der Familie, stets befinden wir uns in Situationen, die mit den Inhalten dieses Begriffs in Verbindung stehen.

 

Wir können viele Eigenschaften, Fähigkeiten und Begabungen aufzählen, von denen wir aufgrund zahlreich vorliegender Untersuchungen wissen, dass sie eine wichtige Rolle spielen für privaten und beruflichen Erfolg. Diese beziehen sich auf geistige, seelische und auch körperliche Anteile. In vielen von Ihnen finden sich sowohl genetische Anlagen als auch soziale und kulturelle Aspekte, die ihr Vorliegen begünstigen bzw. benachteiligen.

 

Verschiedene Langzeitstudien aus den letzten Jahrzehnten, haben wiederholt auf eine Eigenschaft hingewiesen, der ein sicheres und hohes Maß an Vorhersagekraft für vielfältigen Erfolg im späteren Leben zukommt. Bei dieser Eigenschaft handelt es sich um die Fähigkeit zur Disziplin (i.S. einer Selbst-Disziplin). Diese ist meist positiv korreliert mit den damit verbundenen Eigenschaften, der Entschiedenheit und Ausdauer.

 

Liegt diese Disziplin in starker Ausprägung vor, können wir von einem zu erwartenden Erfolg im Leben ausgehen, der zugleich verbunden ist mit guter Gesundheit, mit Wohlstand und Zufriedenheit. Unabhängig ist diese Qualität zu sehen von dem Ausmaß der messbaren Intelligenz oder auch dem konkreten, gegebenen sozialen Status. Wir können davon ausgehen, dass es sich bei dem Merkmal der Disziplin um eine weitgehend unabhängige Größe im Zusammenspiel wesentlicher Persönlichkeitseigenschaften handelt. Auch wenn dieser Begriff, wie oben erwähnt, wenig modern erscheint, geradezu antiquiert wirkt, ist er unverändert von aller größter Bedeutung für unser Leben.

 

Viele Ziele, die wir uns im Leben setzten mögen, lassen sich nicht erreichen ohne das Vorliegen, gewisser Voraussetzungen auf geistigem, seelischem und körperlichem Niveau. Doch ist die Disziplin als das bestimmende, kennzeichnende Merkmal hervorzuheben. Diese Einsicht bezieht sich auf die Erkenntnis, dass es ganz überwiegend am eigenen Einsatz, der eigenen Ausdauer und Entschiedenheit liegt, welche Ziele zu erreichen sind.

 

Es gibt vieles in unserem Leben, was nicht in der eigenen Hand liegt, was nicht zu bestimmen ist, seien es persönliche Eigenschaften und Begabungen, die nur in begrenztem Umfang vorhanden sind oder Lebensumstände, die uns vorgegeben sind. Eines jedoch liegt nur in der eigenen Hand und ist somit nur von dem eigenen Selbst bestimmt, das Ausmaß des eigenen Einsatzes, der eigenen Ausdauer und der eigenen Disziplin. Muhammad Ali sagte dazu: "Mit Vertrauen, Disziplin und selbstlosem Pflichtbewusstsein, gibt es nichts Erstrebenswertes, was du nicht erreichen kannst."

 

Eine solche Erkenntnis schließt die Bereitschaft ein, u.U. mit sich selbst zu kämpfen, nicht aufzugeben, bei Niederlagen erneut aufzustehen, stets von neuem Anläufe zu unternehmen, die Hoffnung auf einen Erfolg nicht aufzugeben. Ebenso die Zeit in Kauf zu nehmen, die notwendig sein mag, um ein angestrebtes Ziel zu erreichen.

 

Zugleich ist damit die Einsicht verbunden, die möglichen Belohnungen, u.U. erst nach einer langen Wegstrecke erhalten zu können. Wir können in diesem Zusammenhang von der Fähigkeit sprechen, einen 'Belohnungsaufschub', der auch Jahre in Anspruch nehmen kann, zu akzeptieren.

 

Ist man zu einer solchen Haltung und Überzeugung vorgedrungen, kann es bedeuten ein scheinbar unerschöpfliches Ausmaß an inneren Ressourcen in sich selbst zu entdecken. Im Vergleich zu diesen Ressourcen, die sich auf die Ausdauer, Entschiedenheit und Disziplin beziehen, erscheinen Faktoren wie Intelligenz und Begabung sekundär bzw. nachgeordnet.

 

Michael Jordan, eine lebende Basketball-Legende, sagte hierzu: "Das Einzige, was mich von meinen Kontrahenten unterscheidet, ist dass ich 1000 mal mehr Würfe gemacht habe, als alle anderen...." Der große unschlagbare Vorteil der Eigenschaft der Disziplin ist es, dass sie weder angeboren ist, noch mit einer Begabung verbunden werden muss. Tatsächlich ist sie etwas, das wir alle lernen können, uns aneignen und trainieren können, womit wir täglich von neuem die Möglichkeit haben, uns zu ihr zu bekennen. Grundsätzlich ist jeder dazu in der Lage, da sie keine Voraussetzungen benötigt.

 

Bei genauer Betrachtung können wir erkennen, dass wir alle in einem bestimmten Maße bereits Selbst-Disziplin leben, von klein auf. Wir halten uns (mehr oder weniger) an Vorgaben und Regeln, gehen gleichbleibenden Gewohnheiten und Verpflichtungen nach und sind in vielen Teilen unseres Lebens in wiederkehrende Muster eingebunden. Insofern sind wir tatsächlich in bestimmter Weise schon sensibilisiert für das, was mit Disziplin verbunden ist.

 

Möchten wir bestimmte Ziele erreichen, die mit dem Einsatz von Disziplin verbunden sind, ist es sinnvoll das zunächst in kleinen Schritten zu tun. Ein häufiger Fehler besteht darin, den Versuch zu unternehmen zu hohen Ansprüchen gerecht werden zu wollen. Damit verbundene Enttäuschungen können entmutigen und den Prozess der Weiterentwicklung erschweren. In der Folge kann es schwerer fallen, die notwendige Disziplin beizubehalten.

 

Welche Hilfen wir auch nutzen mögen um unsere Disziplin besser, verlässlicher und entschiedener leben zu können, eine unerlässliche Voraussetzung zu erfolgreichem Umgang mit Disziplin besteht darin, dass wir in einer ganz grundsätzlichen Weise mit uns selbst einen Vertrag schließen.

 

Dieser besteht in einem tief reichenden Bekenntnis und einer damit verbundenen Selbst-Verpflichtung, diese Disziplin zu einem Teil des eigenen Selbst bzw. der eigenen Identität werden zu lassen. Es berührt insofern die Frage der Selbstbestimmung, die darüber entscheidet, wie wir in dieser Welt leben und agieren wollen, was soll uns kennzeichnen, wie möchten wir uns selbst wahrnehmen und erleben.

 

Sind wir fähig eine solche grundsätzliche Entscheidung zu treffen und eine entsprechende Selbstverpflichtung einzugehen, befreit uns das von der Notwendigkeit, stets von neuem situativ abzuwägen, ob es sinnvoll, notwendig und wichtig ist, etwas bestimmtes zu tun, obwohl Anstrengung, Mühe, Zeit und Energie damit verbunden sind.

 

Die in dieser Weise frei gewählte Anbindung an die Selbst-Disziplin und die mit ihr verbundene Selbst-Verpflichtung, erleichtert es uns in allen Lebenssituationen, die für das Erreichen bestimmter Ziele notwendigen und sinnvollen Entscheidungen zu treffen. Tun wir das, können wir das als befreiend erleben. 

 

Gelingt es uns zunehmend die notwendige Disziplin zu leben, den Begriff und seine Inhalte positiv zu besetzen, dürfen wir uns auch Gutes i.S. einer Selbst-Belohnung zukommen lassen. Hierin bekundet sich der Ausdruck des Wohlwollens, der Zufriedenheit und Akzeptanz unserem eigenen Selbst gegenüber. Es ist eine angemessene und gesunde Selbst-Wertschätzung, die wir uns dann zukommen lassen dürfen. In diesem Zusammenhang bleibt es auch wichtig, bei aller Ausdauer, Entschiedenheit und Disziplin, uns die notwendigen Phasen der Erholung, Entspannung und Regeneration zukommen zu lassen.

 

Wie in dem vorausgegangenen Beitrag auf dieser Seite dargelegt, kann dies darin bestehen, sich die Zeit zur Meditation zu nehmen. Einer Feststellung von Jon Kabat-Zinn (Begründer des Center for Mindfulness in Medicine, Massachusetts), wichtiger Vertreter der  Achtsamkeits-Meditation, können wir entnehmen, dass auch hierfür eine im positiven Verständnis eingesetzte Disziplin notwendig ist:

 

"Achtsamkeit entsteht nicht einfach wie von selbst, nur weil man zu der Überzeugung gelangt ist, dass es nützlich und wünschenswert wäre, bewusster zu leben. Es bedarf einer starken Entschlossenheit sowie einer wirklichen Überzeugung vom Wert solchen Tuns, um jene nötige Disziplin aufzubringen, die man als Grundpfeiler einer effektiven Meditationspraxis bezeichnen kann."

 

Es ist meine Überzeugung, dass ein tiefer Glaube an sich selbst, untrennbar mit einem positiven Verständnis zur Disziplin verbunden ist! 

 

Hierzu das Video...;)

 

 


14.06.2019

 

Gut für sich sorgen...

Wie in verschiedenen auf dieser Seite aufgeführten Beiträgen bereits erwähnt, sollten wir Menschen uns verstehen als Ganzheit, bestehend aus Körper, Seele und Geist. Sofern ein Teil betroffen ist, sind auch die anderen beiden Teile mitbetroffen. Es ist realistischer Weise nicht denkbar und entspricht nicht unserer Alltags- und Lebenserfahrung, dass z.B. der Körper eine Einschränkung, Behinderung oder Krankheit erleidet und nicht zugleich auch unsere Seele und unser Geist davon betroffen wären. Insofern dürfen wir uns hier gern an die Aussage des Begründers der wissenschaftlichen Psychosomatik, Thure von Uexküll, erinnern, der sagte, dass es keine Krankheit gibt, die nicht psychosomatisch zu begreifen ist.

 

Diese Art der ganzheitlichen Betrachtung entspricht nicht dem, womit wir von klein auf konfrontiert sind und was wir vom Kindergarten, über die Grundschule, die weiterführenden Schulen, in der Leere oder dem Studium als wünschenswertes Vorgehen vermittelt bekommen. Im Rahmen unserer Sozialisation wird uns fortlaufend die Differenzierung, Aufteilung und Fokussierung auf Teilbereiche als erstrebenswert vermittelt. Das Wissen und die damit verbundenen Lehrinhalte beziehen sich zunehmend auf Spezialbereiche, die es zu erforschen und beherrschen gilt. Das Verbindende ist nicht der Schwerpunkt unseres Interesses, sondern das Besondere, Geteilte und Getrennte.

 

Wenn wir in unserer westlichen Kultur Untersuchungen und Betrachtungen anstellen, verwenden wir in der Analogie gesprochen vorzugsweise eine Taschenlampe um Licht in das Dunkel zu bringen. Der Vorteil dieser Art der Beleuchtung liegt darin, dass es möglich ist sehr scharf zu fokussieren, einen konkreten Bereich jeweils sehr hell und deutlich auszuleuchten. Der Nachteil ist, dass das, was sich außerhalb des Fokus befindet, nicht sichtbar ist, da es vollkommen im Dunkeln liegt.

 

In einem ganzheitlichen Ansatz der Betrachtung und Untersuchung, wie er vielmehr dem fernöstlichen Zugang entspricht, verwenden wir in der Analogie gesprochen, eine Kerze zum Ausleuchten um Licht in das Dunkel zu bringen. Der Vorteil der Kerze ist, dass sie ein gleichmäßiges Licht in das Dunkel bringt, so dass wir einen kaum merklichen Übergang in die Randbereiche haben und dadurch u.U. bestehende Zusammenhänge viel besser erkennen können. Der Nachteil besteht darin, dass auch die Mitte nicht wirklich klar, deutlich und hell ausgeleuchtet ist, somit auch wichtige Details und kennzeichnende Merkmale verloren gehen bzw. übersehen werden können.

 

Angetrieben sind wir in unserem Bemühen Antworten zu finden, sei diese Suche in der Analogie durch die Taschenlampe oder die Kerze bestimmt, in den meisten Fällen von unserem Geist und unserer Seele. Unser Körper folgt und leistet uns dabei die notwenige Hilfe. Hierbei laufen wir Gefahr, dass wir die Anliegen und Bedürfnisse unseres Körpers vernachlässigen bzw. auch übersehen. Wir vergessen u.U. ihm die notwendige Entspannung und Regeneration zukommen zu lassen, die er braucht. Ist dem so, bleibt ihm nichts anderes übrig, als uns dies über bestimmte Symptome bzw. Beschwerden mitzuteilen. 

 

Im Allgemeinen belasten wir ihn dann in der Folge mit negativen Zuschreibungen, in dem wir ihn als schwach, krank oder nicht belastbar bezeichnen. Dass die zum Ausdruck gebrachten Symptome und Beschwerden ein Beleg einer gesunden Reaktion auf ein möglicher Weise krankhaftes Verhalten sind, beziehen wir nicht mit ein. Tun wir es doch, können wir erkennen, dass der Körper uns über die Symptome die Botschaft mitteilt, dass das, was  wir tun, nicht sinnvoll und gesund ist. 

 

Tatsächlich setzt ein wirkungsvolles Arbeiten, wie immer dieses aussehen mag und welches Ziel und Anliegen auch immer damit verbunden sein mag, einen gesunden, entspannten und im relativen Wohlgefühl befindlichen Körper voraus. Dieses körperliche Wohlbefinden ist eine Grundlage, auf der wir alles weitere aufbauen können. Hierzu bedarf der Körper genügender Phasen der Entspannung, Erholung, der Sauerstoff- und Nahrungszufuhr.

 

Lernen wir auf unseren Körper feinfühlig zu hören, in uns hinein zu spüren, können wir u.U. viel mehr und viel früher auch erkennen und wahrnehmen, was uns gut tut bzw. was uns schadet. Diese besondere Hinwendung zu unserer Körperlichkeit erfordert Übung und entspricht nicht dem, was uns in unserer Sozialisation vermittelt wird. In dieser spielt ganz offensichtlich der Kopf, insbesondere das Gehirn, mit unserem Intellekt und allen unseren geistigen Fähigkeiten eine ungleich größere Rolle.

 

Insofern scheint es wichtig, entgegen dem, was uns vermittelt wird und wurde, uns bewusst unserem Körper zu zuwenden, um ihn aus einer zeitüberdauernden Anspannung und Belastung herauszunehmen und ihm bewusst die Möglichkeit zur Entspannung zu geben. In diesem Kontext ist es sinnvoll zu wissen auf welche Weise wir das wirkungsvoll leisten können.

 

Hier können uns, neben den selbstverständlichen Pausen und Auszeiten, verschiedene Techniken helfen, wie das Autogene Training, ein bewusstes Anspannen und sofortiges Entspannen von Muskelgruppen (Progressive-Muskel-Relaxation) oder auch die Musik, hier insbesondere Mantras. Diesen wird eine spirituelle Kraft zugesprochen, die sich durch wiederholtes Rezitieren manifestieren soll (s.u. das Video von Krishna Das, Grammy Award Preisträger 2013). Ich kann mich der Wirkung dieser Mantras nicht entziehen, weshalb ich sie mir meist morgens zum Einstieg in den Tag gönne. ;)

 

Immer größere Bedeutung hat in den letzten 20 Jahren die Meditation, als Möglichkeit zur tiefen Entspannung erhalten. Hierzu wurden weltweit unzählige wissenschaftlich anspruchsvolle und z.T. originelle Studien und Untersuchungen zur Wirksamkeit der Meditation auf unser geistiges, seelisches und körperliches Wohlbefinden durchgeführt. Auswirkungen hat die Meditation auf nahezu alle Organe unseres Körpers, Gehirn, Herz-Kreislaufsystem, Lungen, Stoffwechsel-Prozesse, Hormon-Haushalt, glatte und quer gestreifte Muskulatur, Knochen, Sinnesorgane, Immunsystem, Psyche und die Zellen einschließlich unseres Chromosomen-Satzes. Insofern können wir über eine solche Meditation unserem Körper die Entspannung und das Wohlbefinden geben, das er benötigt um uns dann erneut die notwendige Spannung zu vermitteln.

 

Jedoch selbst in einem Zustand der Spannung, Anspannung und Fokussierung können wir einen wesentlichen Anteil aus der Phase der Erholung und Entspannung berücksichtigen und nutzen. Sind wir angespannt ist es häufig damit verbunden, dass wir in Gedanken und in unserem Erleben bereits der Zeit voraus sind, d.h. wir sind nicht bei dem Schritt, den wir gerade tun, sondern schon beim nächsten oder übernächsten.

 

In der Entspannung, wie z.B. der Meditation, sind wir idealer Weise im Hier und im Jetzt. Genau das, können wir auch im Zustand der Anspannung und Leistung tun, im Hier und Jetzt sein, geistig und seelisch jeweils an der Stelle unserer Aufmerksamkeit bzw. Achtsamkeit, an der wir uns gerade befinden. Tun wir das, können wir feststellen, dass wir noch viel wirkungsvoller und effektiver sein können, auch in Phasen der Anspannung und Fokussierung.

 

Übertragen wir diese Gedanken auf unser gesamtes Leben, können wir uns fragen, ob wir als Mensch leben sollten um Leistung zu erbringen und zu arbeiten, oder arbeiten sollten um zu leben. Eine Frage, die auch in der Parabel von Heinrich Böll zum Ausdruck kommt, die er 1963 veröffentlich hat. Auch in dieser Parabel geht es um Entspannung und Leistung. 

 

In einem kleinen Mittelmeerhafen liegt ein ärmlich gekleideter Fischer in seinem Boot und döst. Es kommt ein gut gekleideter Tourist daher, macht ein paar Fotos, schenkt dem Mann eine Zigarette und beginnt ein Gespräch. Wie viele Fische er denn heute gefangen habe, fragt der Tourist den Fischer. Nicht allzu viele, antwortet der Fischer. Aber er sei mit seinem Fang durchaus zufrieden. 

 

Der Tourist erzählt ihm daraufhin enthusiastisch, was der Fischer nicht alles erreichen könnte, wenn er noch einmal aufs Meer hinausfahre, mehr Fische fangen und mehr verdienen würde. Er könnte Karriere machen, von dem Geld ein zweites Fischerboot kaufen, andere Fischer einstellen und noch mehr Geld verdienen.  Schließlich würde er so reich werden, dass er sich bequem zur Ruhe setzen und am Strand dösen könne. 

 

Der Fischer erwidert milde lächelnd: „Das kann ich doch jetzt schon“.

 


13.06.2019

 

Carl Rogers - das Konzept der Empathie und des Selbst...

Für unser Wohlbefinden und unser inneres Gleichgewicht ist es von großer Bedeutung, dass wir uns entscheiden, zeitüberdauernde, situationsunabhängige Grundsätze für unser Leben im sozialen Kontext zu verinnerlichen und diesen einen unabhängigen Stellenwert zu zuerkennen. Solche moralisch-ethischen Werte stellen eine Ethik dar, die unser alltägliches praktisches Handeln bestimmen kann. 

 

Dalai Lama sagt hierzu, „wir können ohne Religion leben, nicht aber ohne Ethik.“ Eine solche Ethik sollte sich ausrichten nach sog. ‚Herz-Geist-Qualitäten‘ wie Freundlichkeit, Mitgefühl, Toleranz, Geduld, Offenheit, Vorurteilslosigkeit, Hilfsbereitschaft, sich selbst und anderen kein Leid zufügen, Wohlbefinden und Glücksgefühle in einem selbst und anderen zu fördern. 

 

In diesem Zusammenhang bekommt eine Qualität, die wir in den letzten Jahrzehnten immer wieder und immer mehr thematisiert fanden, einen zentralen Stellenwert, die Fähigkeit zur Empathie, i.S. eines einfühlenden Verstehens. Im Rahmen der Psychotherapie-Forschung wurde die Bedeutung dieser Qualität v.a. von Carl Rogers (1902-1987), einem US-Amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten im Zusammenhang mit der von ihm entwickelten ‚klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie‘ betont. 

 

Nachdem er zunächst Agrarwissenschaft studierte hatte, gelangte er über die Theologie und die Erziehungswissenschaft zur Psychologie. Seine Überzeugungen im Umgang mit Patienten bzw. Klienten führten auch zur Entwicklung der sog. Humanistischen Psychologie. Deren Kernaussage lautet: „Das Individuum verfügt potentiell über unerhörte Möglichkeiten, um sich selbst zu begreifen und seine Selbstkonzepte, seine Grundeinstellung und sein selbstgesteuertes Verhalten zu verändern; dieses Potential kann erschlossen werden, wenn es gelingt, ein klar definiertes Klima förderlicher psychologischer Einstellungen herzustellen.“ (Carl Rogers 1961). Im deutschsprachigen Raum wurden diese Konzepte von Rogers v.a. von Reinhard und Annemarie Tausch (beides deutsche Psychologen) aufgegriffen und vertreten. 

 

Kommt es zu psychischen Störungen, liegt es im Verständnis der Humanistischen Psychologie v.a. an den Umwelteinflüssen, die eine mögliche Selbstentfaltung blockieren. Die von Carl Rogers in den frühen 60er Jahren verfassten Bücher (‚On Becoming a Person‘ 1961; ‚Freedom to learn‘ 1969), legten seine Überzeugungen dar und förderten ein gänzlich verändertes Menschenbild im Umgang mit sich selbst und anderen (Klienten). 

 

Aufgrund seines humanistischen Wirkens wurde er gar 1987 für den Friedensnobelpreis nominiert. Ohne Zweifel war Carl Rogers auch in meiner eigenen Entwicklung zum Psychologen und Psychotherapeuten - neben S. Freud - einer der bedeutendsten und wegweisenden Einflussgrößen. Im Gegensatz zu S. Freud hob Carl Rogers die Einzigartigkeit des Menschen hervor. Bei S.Freud waren es v.a. die sog. negativen Triebregungen im Menschen, die eine sehr starke Bedeutung und einen nicht zu vernachlässigenden Stellenwert einnahmen. Auf ihnen lag die Betonung der Betrachtung und Analyse. 

 

Bei Carl Rogers war es umgekehrt. Er fokussierte und betonte die positiven Anteile, legte besonderen Wert auf eine Begegnung im voll-menschlichen Sinn. Die emotionale Ebene, einschließlich der nonverbalen Äußerungen, sollte einbezogen werden. Maßgebliches Prinzip war das gegenseitige Wohlwollen, sowohl in allgemeinen zwischenmenschlichen Beziehungen, wie insbesondere auch den Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern oder auch den Beziehungen zwischen Ehepartnern, die stabil und vertrauensvoll sein sollten. An den möglichen Konflikten im Rahmen solcher Beziehungen galt es zu wachsen. 

 

Carl Roger war überzeugt von dem Streben des Menschen nach Selbstverwirklichung und Selbstaktualisierung. Er verstand dieses Streben nach Selbstaktualisierung als grundlegendes menschliches Bedürfnis. Ihm ging es um das sich auszuweiten, auszudehnen, entwickeln und autonom werden. Dies bedeutete für ihn reifen. Kennzeichnend in seinem Verständnis für uns Menschen, ist unser Streben nach Autonomie und der damit verbundenen Loslösung von äußerer Kontrolle und Zwängen. 

 

Mit Hilfe eines von ihm bekannten Gleichnis versucht er dies deutlich zu machen. Sobald etwas Licht auf die im Keller gelagerten  Kartoffeln fällt, beginnen diese auszutreiben, obwohl das in dieser Situation gar keinen Sinn mehr ergibt. Hiermit wollte er unsere grundlegende Neigung zur Aktualisierung deutlich machen, unser unbedingtes menschliches Bestreben, unter allen Umständen, auch unter den lebensfeindlichen, zu wachsen und zu leben. 

 

Die Entwicklung des Selbst zu einem positiven Selbstkonzept, setzt nach C. Rogers voraus, dass in früher Kindheit eine hohe Wertschätzung durch eine bedingungsfreie Zuwendung erfahren wurde, in Verbindung mit der Echtheit des Elternteils und dem gezeigten Einfühlungsvermögen bzw. dem sich hineinversetzen in das Kind. Unter diesen Voraussetzungen, darf das Kind auch negative Empfindungen und Gefühle wie Wut, Ärger, Zorn und Trauer zulassen und zeigen. Es erlebt und lernt, dass seine Gefühle wahrgenommen und respektiert werden. 

 

Ein positives Selbstkonzept im Kind, setzt nach Carl Rogers sieben unerlässliche Botschaften voraus, die dem Kind im Verlauf seiner Entwicklung zu übergeben sind:

Bedingungslose Liebe; Wertschätzung; Echtheit und Interesse; Autonomie; Anregung und Unterstützung; Sicherheit, Geborgenheit und Zuverlässigkeit; Zulassen von Gefühlen.

 

Wenn wir uns selbst prüfen und fragen, wieviele von diesen wünschenswerten und wichtigen Forderungen wir selbst in unserer eigenen Entwicklung erleben durften, werden wir erkennen können, wie hoch der Anspruch ist, der damit verbunden ist. 

 

 


12.06.2019

 

Zum Wissen bzw. Nicht-Wissen...

Wenn wir ein bestimmtes Wissen, das im Feld der unbegrenzten Möglichkeiten unseres Universums vorliegt, nicht mit einbeziehen, weil es uns nicht oder noch nicht zur Verfügung steht, entzieht sich u.U. etwas unserem Verständnis, wir können dann den Sinn bzw. die Bedeutung von etwas Gegebenem nicht erfassen und noch weniger erklären. 

 

Die Überlegungen und Erklärungen, die wir anführen, sind in der Folge vielleicht mehr oder weniger falsch oder auch unvollständig. In solchen Situationen ziehen wir es u.a. auch gerne vor, den Zufall zu bemühen als stets und immer gegenwärtiges Erklärungsprinzip. Wie die allgemeine Lebenserfahrung zeigt, kann Wissen Macht bedeuten, sofern es zur Verfügung steht, sowie das Nicht-Wissen Ohnmacht, auch wenn uns das gar nicht bewusst sein mag. Aufgrund dessen werden uns u.U., je nach Kontext und Bedeutungszusammenhang, gewisse Informationen zur Verfügung gestellt oder aber auch vorenthalten. Das alles bezieht sich nicht nur auf moralisch-ethische Fragen, um die es uns verständlicher Weise gehen darf, sondern auch auf viele konkrete Fragen, im Zusammenhang mit unserem alltäglichen Leben bzw. Zusammenleben.

 

So geschehen z.B. mit den Ereignissen des 11. September 2001. Es stürzten am 11. September 2001 in New York nicht nur die weitgehend allen Menschen bekannten Twin Towers des World Trade Centers (WTC 1 und 2) ein, sondern auch ein 47 Stockwerke hohes drittes Gebäude, der Turm Nr. 7 (WTC 7). Dieser war nicht, wie die beiden anderen von einem Flugzeug getroffen worden, sondern stürzte innerhalb weniger Sekunden, teilweise im ‚freien Fall‘ in sich zusammen. In meinen Fortbildungen, die ich u.a. auch für Ärzte halte, bin ich stets von neuem erstaunt, wenn ich feststellen kann, dass selbst die gut informiert und belesen Kollegen, in 9 von 10 Fällen noch nie etwas von diesem WTC 7 Einsturz gehört haben. 

 

Die offizielle Erklärung des National Institutes of Standards and Technology (NIST) führte als offizielle Ursache des Einsturzes einen Bürobrand an (Abschlussbericht 22.07.2014). Ein 2017 veröffentlichter ‚Zwischenbericht‘ eines Teams von Ingenieuren unter Leitung von Leroy Hulsey, Prof. für Bauingenieurwesen an der Universität of Alaska Fairbanks, kommt zu dem Ergebnis, dass diese offizielle Erklärung nicht nachvollziehbar sei. 

 

Inzwischen stehen mehr als 3000 Architekten in der Vereinigung „Architects & Engineers for 9/11 Truth“ der offiziellen Erklärung skeptisch gegenüber und fordern eine erneute eingehende offizielle Untersuchung aller Vorgänge und Ereignisse des Einsturzes des WTC 7. Paul Craig Roberts (von 1981 bis 1982 Abteilungsleiter für Wirtschaftspolitik im Finanzministerium der Regierung Reagan) sagt hierzu: „Die Tatsache, dass der 9/11 Commission Report das WTC-7-Gebäude nicht einmal erwähnt hat, deutet darauf hin, dass man den Einsturz dieses Gebäudes am liebsten unbemerkt und ungeklärt belassen hätte“ (2017). 

 

Tatsächlich wurde in dem ersten offiziellen Bericht der offiziellen 9/11 Commission vom 22.07.2004 der Einsturz das WTC-7-Gebäudes mit keinem einzigen Wort angesprochen, warum auch immer. Wir können uns fragen, was unser gesunder Menschenverstand  dazu sagt, dass der Einsturz eines 47 Stockwerke hohen Gebäudes mit einer Gesamthöhe von 186 m - dies entspricht der Höhe des Trianon Gebäudes in der Frankfurter Skyline (an 6. Position unter den Top 10 Hochhäusern in Frankfurt 2019) - keiner Erwähnung wert ist.

 

Dieses Beispiel aus unserem Leben, welches sich durch viele uns inzwischen vorliegende andere historische Ereignisse ergänzen ließe, zeigt sehr eindrucksvoll, von welcher Bedeutung Informationen sind, die uns zur Verfügung gestellt werden oder aber uns vorenthalten werden. Unter Umständen verändert ein Wissen um Zusammenhänge vollständig das Bild und das Verständnis, das in uns entstehen kann. Wobei wir damit auch bei der Frage der gezielten Beeinflussbarkeit unseres Denkens, Fühlens, Entscheiden und Verhaltens sind. 

 

In Analogie zu den Darstellungen aus der Gestaltpsychologie können wir in diesem Zusammenhang beispielhaft erkennen, dass das Wissen um eine bestehende Verbindung, ein vollkommen anderes Bild in uns entstehen lässt. Sehen wir z.B nur eine Ansammlung von Punkten (s.u. beide Bilder), erscheint diese fast zufällig, ohne Zusammenhang und ohne erkennbaren Sinn, nahezu willkürlich in der Anordnung. Es bleibt unserer Phantasie überlassen einen möglichen Zusammenhang herzustellen.

 

Kennen wir jedoch die tatsächlich bestehende Verbindung zwischen den Punkten, verändert sich unser Verständnis grundlegend und wir können einen Sinn in der Anordnung finden. Es lassen sich Zusammenhänge herstellen, die zu einem gänzlich anderen Bild führen. Es entstehen uns bekannte und vertraute Formen und Strukturen, die zuvor verborgen waren. In gleicher Weise kann dies in unserem sozialen Alltag geschehen. Aufgrund des Wissens, wie eine bestehende Verbindung gegeben sein kann, kommen wir zu ganz anderen, vielleicht weiterführenden Erkenntnissen. 

 

Ebenso verhält es sich mit dem Wissen, dass sich im Verlauf der Menschheitsgeschichte bereits angesammelt hat. Könnten wir all das bereits vorliegende Wissen in vielen Situationen des Lebens einbeziehen, würden wir möglicherweise häufiger lösungsorientiert und wirkungsvoll entscheiden und handeln können, als wir es tun. Leider fehlt uns all zu häufig diese Möglichkeit, da wir jeweils zu sehr auf das fokussiert sind, was uns bewusst zur Verfügung steht und wir uns dadurch in einem vorgegebenen begrenzten Rahmen der Bedeutungen bewegen.

 

Durch die Öffnung unserem eignen Unbewussten gegenüber, in dem unvergleichlich viel mehr abgelegt ist als in unserem Bewusstsein, können wir viel umfassendere und weitergehende Möglichkeiten einbeziehen. Ebenso kann die Vernetzung und der Austausch mit anderen Menschen, die sich in einer vergleichbaren, jedoch anderen spezifischen Situation befinden, uns u.U. weiter führen und zu einem besseren Verständnis bzw. zu anderen Lösungen beitragen. Auf der wissenschaftlichen Forschungsebene bezeichnen wir dies als sinnvollen ‚interdisziplinären‘ Austausch.  

 

Würden wir alles Wissen, das noch im Verborgenen liegt, gleichfalls einbeziehen können, hätten wir ohnehin die Antworten auf viele Fragen, die uns heute noch beschäftigen und uns auf verschiedene Art und Weise hilflos sein lassen. 

 

Wie wir uns sinnvoller Weise vor Nicht-Wissen, Leicht- und Gutgläubigkeit schützen können, können wir unserer eigenen Lebensgeschichtlichen Entwicklung entnehmen. Wir alle haben als Kind die Phasen durchlaufen, in denen das ständige von Neugier und Interesse getriebene Fragen von großer Bedeutung war. Sinnvoller Weise sollten wir uns auch in unserem Erwachsenen-Alter nicht scheuen und nicht davor zurück schrecken, Fragen zu stellen. Worauf auch immer bezogen, sollten wir unser Bedürfnis und Interesse bekunden, Wissen und Information erhalten zu wollen. Fragen zu stellen bedeutet sich zu öffnen, bereit zu sein etwas auf- und anzunehmen und es kann uns davor schützen unwissend ausgeliefert zu sein.

 


11.06.2019

 

'Wehret den Anfängen'...Womit?...Durch Kontrolle?

Wo auch immer vermeintliche Hilfen und Überzeugungen herkommen, stets sind sie verbunden mit einem Angebot von Antworten auf bisher nicht gelöste Fragen. In allen Bereichen unseres Lebens sind wir damit konfrontiert, dürfen uns aufgerufen fühlen, den uns dargelegten Erklärungen und Schlussfolgerungen zu folgen, dies im Bereich der Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesundheit.

 

Erkennbar ist, dass es bei solchen Angeboten stets auch um die Aufrechterhaltung einer notwendigen Kontrolle geht, da sie allein die Gewähr für eine zu erlangende Sicherheit zu bieten scheint. Solche Überlegungen sind u.a. auch die Grundlage für die enormen, gemessen an der Not vieler Menschen auf diesem Planeten, scheinbar absurden alljährlichen Ausgaben für die Aufrüstung bzw. den sog. ‚militärisch-industriellen‘ Komplex.

 

So haben im Jahr 2017 die Staaten der Europäischen Union ca. 342 Milliarden, die USA ca. 700 Milliarden Dollar für Rüstung ausgegeben. Zusammen somit mehr als 1000 Milliarden Dollar. Das nukleare Potential, über welches wir z.Zt. verfügen, ließe es zu, jeden einzelnen Bewohner der Erde mit 17.000 Handgranaten auszurüsten. Grundlage für diese Realität unseres Lebens, ist die stets von Neuem geschürte Angst vor einem nuklearen Angriffskrieg von der  Gegenseite (vorzugsweise natürlich Russland). 

 

Jedes solide und verlässliche Bauwerk muss auf einem festen und tiefreichenden Fundament stehen, jeder noch so mächtige Baum kann nur überleben, wenn er tief in die Erde reichende Wurzeln hat, wie schwach ist der Boden auf dem wir Menschen stehen. Was uns kennzeichnet sind Zweifel, Ängste, Befürchtungen, sowie die daraus sich ableitenden Zwänge und Bedürfnisse nach Kontrolle und Absicherung. 

 

In einem bemerkenswerten und sehenswerten US-Amerikanischen Spielfilm ('Minority Report' s.u. Trailer) im Stil eines Science-Fiction-Thrillers, hat der Regisseur Steven Spielberg im Jahr 2002 (basierend auf einer gleichnamigen Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Phillip K. Dick aus dem Jahr 1956) dargestellt, wie eine spezielle Abteilung (‚Precrime’) der Washingtoner Polizei damit beauftragt ist, mittels Präkognition zukünftige Morde zu verhindern.

 

Die Grundlage für das Vorgehen dieser speziellen Abteilung bieten die hellseherischen Fähigkeiten der sog. „Precogs“ Agatha, Arthur und Dashiell. Diese werden mit Medikamenten in einem Zustand zwischen Traum und Wachen gehalten, da dieser ihre Fähigkeit zur Hellsichtigkeit begünstigt. In ihren Visionen sehen sie die Morde der Zukunft voraus, einschließlich der Namen der Täter, sowie dem Zeitpunkt der zukünftigen Morde. Anhand der Bilder der Visionen ist es der Polizei so dann möglich die (zukünftigen) Täter zu ermitteln. In der Folge werden diese verhaftet und ohne Prozess in „Verwahrung“ gebracht, sowie in einen künstlich herbeigeführten Zustand ständiger Bewusstlosigkeit versetzt.

 

Das entscheidende Anliegen der Staatsorgane ist es somit, bereits zu einem Zeitpunkt aktiv zu werden und einzuschreiten, bevor es überhaupt zu Auffälligkeiten im Sinne einer kriminellen Handlung gekommen ist. Es geht um eine Frühintervention, nach dem Grundsatz ‚wehret den Anfängen’.

 

Bezeichnender Weise kennen wir real vergleichbare, vorliegende Bestrebungen und Bemühungen im Rahmen unseres Gesundheitssystems. So haben sich in den vergangen Jahren v.a. in den USA Frauen dafür entschieden, sich die Brüste ‚vorsorglich‘ amputieren zu lassen um damit ein mögliches Brust-Krebsrisiko zu minimieren. Bekanntestes Beispiel hierfür dürfte Angelina Jolie sein, die sich als Trägerin des Brustkrebs-Genes ihr Brustgewebe hat vorsorglich entfernen lassen. 

 

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungsinstituts in Heidelberg berichtet auf seinen Internetseiten, dass die Überlebenschancen bei Abnahme der Brust im Vergleich mit einer brusterhaltenden Operation und nachfolgender Bestrahlung tatsächlich gleich hoch sind: "Patientinnen, deren Brust amputiert wird, leben nach der Operation statistisch genauso lange wie nach brusterhaltender Operation und Radiotherapie“. Abgesehen davon, dass diese radikalen operativen Maßnahmen i.S. einer Prävention ebenfalls mit nachfolgenden Risiken verbunden sein können, ist aufgrund vieler Untersuchungen gesichert, dass selbst Patientinnen, die aufgrund der Gen-Untersuchungen in die Gruppe der Hochrisiko-Patientinnen eingestuft werden können, zum Teil nie erkranken. 

 

Einen vergleichbaren Ansatz der Prävention finden wir inzwischen aus den Reihen der sog. biologischen Psychiatrie, vertreten durch den ehemaligen Leiter des Max Planck Instituts für Psychiatrie in München F. Holzboehr. 

 

Sein Anliegen im Rahmen der von ihm konzipierten und sog. ‚Personalisierten Medizin’ ist es, ebenfalls vor Einsetzen der ersten klinischen Symptome einer möglichen depressiven Erkrankung, zu intervenieren. Grundlage wäre hierfür ebenfalls, das Ergebnis der Gentestung. Hierbei soll es sich dann um eine biologische und genetische Prävention handeln, im Rahmen des Wandels von einer 'Reparaturmedizin' hin zu einer 'Präventionsmedizin'. 

 

In diesem Zusammenhang ist ohne Zweifel die Gründung des Biotechnologie-Unternehmens ‚HolsboerMachmeyer NeuroChemie GmbH‘ zu verstehen, welches sich auf die Erforschung und Entwicklung von neuen Medikamenten gegen Depression und Angsterkrankungen spezialisiert hat. Hier liegt somit alles in ‚einer Hand‘. Mittels der von dem Unternehmen entwickelten Labortests werden spezifische Krankheitsmechanismen identifiziert, welche dann im Anschluss eine ‚maßgeschneiderte‘ Behandlung ermöglichen sollen. Angestrebt ist somit eine Frühintervention bzw. eine deutliche Verkürzung der Krankheitsdauer, mit in der Folge erheblichen Einsparungen im Gesundheitssystem - so die offizielle ‚verführerische‘ Begründung.

 

Der dafür zu verwendende Diagnostik-Test (ABCB1), wurde bereits am MPI unter Leitung von Holzboehr entwickelte und wurde bereits 2015 in Deutschland eingeführt. Die Kosten dieses Tests auf dem deutschen Markt lagen bei 167,- Euro. Die damit verbundene Konzeption ist in mehreren Schritten geplant. Zunächst mit einer flächendeckenden Einführung des Test, der flächendeckenden Einführung des Medikaments und dem sich dann anschließenden Börsengang des Unternehmens.

 

Wenn man sich vor Augen führt, welche Größe die angestrebte Zahl der zu versorgenden Population über die aufgelisteten und angestrebten Länder hat (570.432.204) und davon ausgeht, dass nur 5 % davon bedient würden, läge man immer noch bei ca. 28.521.610 Menschen. Diese Anzahl multipliziert allein mit dem Kaufpreis eines Tests (167,- Euro) ergibt eine Summe von 4.763.108.870,- Euro. Hinzu kommen dann noch die Gewinne aus den zu verabreichenden Medikamenten. Alles zusammen genommen Zahlen, die das Vorstellungsvermögen weit überschreiten können.

 

Mitglieder der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, die allesamt über eine ausgewiesene psychiatrische Expertise verfügen, haben solchen Testverfahren (u.a. auch dem sog. Stada-Test, der gleiche Ansprüche hat) kein gutes Zeugnis ausgestellt. Somit scheinen Zweifel an der Verlässlichkeit und Validität solcher Test ohnehin mehr als berechtigt.

 

Es ist durchaus berechtigt zu fragen, in wie weit die Aussagen über die Qualität eines solchen Tests zu bewerten sind, wenn sie von dem gleichen Unternehmen kommen, die den Test herstellt um ihn auf dem Markt flächendeckend zu verkaufen und zugleich die sich daraus ableitende Behandlung durch ein spezifisches Medikament empfiehlt, das ebenfalls von diesem Unternehmen produziert wird? 

 

 

Vielleicht ist es durchaus sinnvoll, sich an dieser Stelle an eine Aussage zu erinnern, die Publilius Syrus, einem römischen Mimen Autor, zugerechnet wird, der im 1. Jahrhundert vor Christus lebte: „In allen Angelegenheiten herrscht das Geld.“

 


11.06.2019

 

Zur Bedeutung des Innehalten...

Jeder Wahrnehmung anhand unserer Sinnesorgane, sowohl unserer bewussten, physiologischen fünf Sinnesorgane (Sehen, Hören, Tasten, Schmecken u. Riechen), als auch unseres sog. sechsten unbewussten Sinnes, im Sinne einer Anmutung bzw. eines intuitiven Erfassens, folgt eine ganz persönliche, subjektive Verarbeitung und Deutung dieser Wahrnehmung.

 

Jede dieser Deutungen bzw. Interpretationen ist abhängig von den bereits in uns abgelegten persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen. Insofern kann die Deutung des gleichen Reizes oder Ereignisses, je nach Erfahrungsinhalt des biographischen Hintergrundes, sehr unterschiedlich sein. Mit der jeweiligen Deutung sind im Allgemeinen ganz konkrete emotionale Reaktionen verbunden. Somit kommt es in der Folge der Deutung zum Entstehen eines bestimmten Gefühls. 

 

Das letzte Glied in der Kette der Reaktionen auf einen Reiz bzw. auf ein wahrgenommenes Ereignis ist nach dem entstandenen Gefühl, die Verhaltensbereitschaft bzw. ein konkretes Verhalten, im Sinne einer ganz konkreten Handlung. 

 

Im alltäglichen Ablauf sind uns diese verschiedenen Elemente des Ablaufs in Folge einer Wahrnehmung selten bewusst, so dass wir häufig davon ausgehen, dass wir in direkter Weise auf einen Reiz bzw. ein wahrgenommenes Ereignis mit einem bestimmten Verhalten reagiert haben. Dass dem eine Deutung und ein Gefühl vorausgeht entzieht sich nicht selten unserem Bewusstsein. 

 

Da die Zellen in unserem Körper über Wiederholung lernen, d.h. über Konditionierung, funktionieren wir als Körper-, Seele- und Geist-Einheit überwiegend in Form von Automatismen und reflexartigen Reaktionen, ohne Zutun unserer bewussten Entscheidung. Wir können davon ausgehen, dass 95 % unseres Verhaltens, unserer Überzeugungen und Gedanken, sowie der emotionalen Reaktionen von unbewussten, in uns abgelegten Programmen bestimmt werden. Diese Fähigkeit dient der Ökonomie und Effektivität unseres Verhaltens.

 

In diesem Sinne bewegen wir uns in gewisser Weise in einem Circulus Vitiosus, in dem gleiche Wahrnehmungen zu gleichen Gedanken führen, mit gleichen gefühlsmäßigen Reaktionen, was ein gleiches Verhalten bedingt, welches wiederum zu gleichen Erfahrungen führt, aus denen wiederum gleiche Gefühle entstehen mit einer immer gleichen Realität. Somit können wir feststellen, dass wir neuropsychologisch, neurophysiologisch und neurobiologisch gesehen, arbeiten und funktionieren nach dem Muster eines Computerprogramms.

 

Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass wir ca. 60-70.000 Gedanken pro Tag denken, von denen ca. 90% die gleichen sind, die wir bereits einen Tag zuvor gedacht haben. Sofern diese Gedanken unser Leben bestimmen, bestimmen die gleichen Gedanken unsere wiederkehrend gleichen Entscheidungen.

 

Wollen wir einen solchen Circulus Vitiosus durchbrechen, müssen wir über neues Lernen neue synaptische Verbindungen unserer Neurone herstellen. So können wir neue Muster schaffen, die mit neuen Gedanken, Gefühlen, Verhalten und Entscheidungen verbunden sind. Erst dann entsteht in uns und um uns eine neue Realität.

 

In dieser Weise neue Wege des Deuten, emotionalen und verhaltensmäßigen Reagieren und damit eine neue Realität zu schaffen, ist sehr schwierig. Dem entgegen stehen die bisher so lange schon wirksamen Automatismen, die nahezu reflexartig ablaufen, ohne unser bewusstes Zutun.

 

Jeder Trainer irgendeiner Sportart, wird es wohl stets vorziehen jemandem die jeweilige Sportart von Grund auf beizubringen, als jemanden, der diese Sportart schon lange ausübt dazu bringen, die bisherigen falschen Bewegungsabläufe gegen neue, sinnvolle und richtige austauschen zu wollen. Es ist viel leichter von Beginn an etwas aufzubauen, als bereits bestehende alte, nicht erwünschte Muster und Automatismen zu beseitigen, um die neuen zu implantieren.

 

Wir alle kennen aus unserem Alltag solche Erlebnisse und Erfahrungen, in denen wir zunächst in einer automatisierten Weise reagiert haben, dann jedoch nach Überlegung ein Bedauern oder gar eine Beschämung aufgrund unserer spontanen Reaktion empfunden haben. 

 

Ein ganz entscheidender Schutz vor einer solchen automatisierten Reaktion, verbunden mit dem Zulassen eines alten Musters, welches wir im Anschluss bereuen, kann für uns darin bestehen, wenn wir uns verpflichten vor jeder Deutung und gefühlsmäßigen Reaktion, verbunden mit einem Verhalten, Innezuhalten und zu Verweilen, um zu prüfen, wie wir mit der Wahrnehmung umgehen möchten.

 

Während diesem Innehalten, geht es darum, bewusst nichts zu tun, außer in uns selbst zu prüfen, in dem wir in uns hinein hören und versuchen zu verstehen, was aufgrund der Wahrnehmung alles in uns wachgerufen wird. Das erst kann uns u.U. erkennen lassen, dass unterschiedliche Möglichkeiten gegeben sind, dein Reiz oder das Ereignis zu deuten. 

 

Eine Mitarbeiterin einer Behörde, die sich in hohem Maße überlastet fühlte und sich verpflichtet sah, bei jedem einkommenden Anruf, der mit einer Anfrage bzw. Bitte verbunden war, sofort zu reagieren, war der Überzeugung, würde sie das nicht tun, könnte man ihr Vorwürfe machen. Hierin bestand ihre persönliche Deutung der Situation. Die Empfehlung nicht mehr sofort zu reagieren, sondern einen Moment Innezuhalten, um dann in einer standardisierten Weise zu sagen, „Ich werde mir gern Gedanken dazu machen und Ihnen sobald es geht Bescheid geben“ , veränderte den automatisierten Ablauf und ermöglichte es ein neues, wünschenswertes und sinnvolles Muster zu schaffen.

 

Aufgrund dessen war es möglich eine neue Deutung vorzunehmen, verbunden mit einem anderen Gefühl und einem neuen Verhalten, sowie einem anderen Erlebnis. Die Auswirkung auf das Empfinden sich selbst gegenüber, war erkennbar mit einer viel größeren Zufriedenheit und deutlich weniger Stress verbunden.

 

Somit sehen wir, dass das Innehalten uns viele Türen öffnen kann zu ganz neuen Erlebnisqualitäten, in Verbindung mit ebenso neuen Entscheidungen. Die in unserer Entwicklungsgeschichte ursprünglich angelegte Automatik unseres Reagierens, hat uns ohne Zweifel in vielen Gefahrensituationen das Überleben gesichert, so wenn es darum ging, uns vor einem Raubtier zu schützen und wir auf eine Flucht- und Kampfreaktion angewiesen waren. Unsere heutigen sozialen Alltagssituationen haben jedoch in den allermeisten Fällen nichts mit solchen Gefahrensituationen zu tun, so dass es wesentlich sinnvoller erscheint innezuhalten und zu prüfen, welche Reaktion angemessen ist.

 

Durch das Innehalten versetzen wir uns in die Lage, einen inneren Dialog mit uns selbst zu führen. Wir können das tun, was in einem anderen Beitrag (s.u.) hier bereits als Ausdruck einer ‚Therapeutischen Ich-Spaltung‘ dargelegt wurde. Wir schulen damit unsere bewusste und achtsame Wahrnehmung unseren inneren Prozessen des Denkens, Deuten  gefühlsmäßigen Reagieren und den in uns angelegten Verhaltensmustern gegenüber. 

 

Entscheidend bei diesem Innehalten, verbunden mit dem inneren Dialog, im Sinne einer Therapeutischen Ich-Spaltung ist, dass dies in einer zugewandten, verständnisvollen, wohlwollenden und liebevollen Weise uns selbst gegenüber geschieht. Letztlich werden wir dadurch kompetenter sowohl im Umgang mit uns selbst als auch im Umgang mit anderen. 

 


08.06.2019

 

"Das ist aber nicht leicht..." bzw. das Verlorengehen der Fähigkeit zur 'Frustrationstoleranz'...

„Das ist aber nicht leicht“, ist einer der Sätze, die im Verlauf einer Psychotherapie wohl am häufigsten von Patienten ausgesprochen wird. Er fällt meist dann, wenn offensichtlich wird, dass es sinnvoll und notwendig ist, alternative Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster anzustreben. Dem voraus gegangen sind analytische Betrachtungen und Besprechungen, aus denen sich zwanghaft wiederkehrende Erlebens- und Verhaltensmuster identifizieren ließen. 

 

Inhalte solcher, das eigene Leben und den Alltag, bestimmender Muster können Ängste, Zwänge, Depressionen, paranoid anmutende Befürchtungen, Selbstwertprobleme, Suchterkrankungen und vieles mehr sein. 

 

Die mit diesen Formen der Beeinträchtigung und Erkrankung verbundenen automatisierten Muster im Denken, Erleben und Verhalten, sind zugleich ihrerseits selbst ein wesentlicher Baustein bei der Aufrechterhaltung und sicheren Fortführung der konkreten Störung. Es mag paradox anmuten, doch wird im allgemeinen von den Betroffenen mit deutlich spürbarer Überzeugung dargelegt, dass allein diese Muster eine Möglichkeit bieten, mit den durch die Krankheit oder die Störung des körperlich, seelisch und geistigen Gleichgewichts bedingten Einschränkungen, zurecht zu kommen. 

 

So z.B. führt das stets von neuem gezeigte Vermeidungsverhalten des Angstpatienten v.a. dazu, dass die jeweils konkret bestehende Angst und Befürchtung unangetastet bleibt und vor jeder korrigierenden Erfahrung geschützt bleibt. Genau hierin besteht die Sicherheit, dass sich an der gegebenen Lebenssituation, bestimmt von den Ängsten und Befürchtungen nichts ändert, obwohl dies das vorgetragene Anliegen und Bestreben des Patienten ist.

 

In gleicher Weise verhält es sich bei den aus den Ängsten entstandenen Mustern der zwanghaften Kontrolle. Die mit diesen verbundenen Verhaltensweisen, werden stets von neuem ausgelebt und sichern damit, dass jedes aufkommende Vertrauen bereits im Keim erstickt wird, statt dessen die Zweifel, das Mißtrauen und die mit diesem verbundenen Kontrollmaßnahmen aufrecht erhalten bleiben. Der Grundsatz nach dem hier verfahren wird, lautet: "Vertrauen wäre schön, aber die Kontrolle ist besser". 

 

Auch wenn die Betroffenen selbst erkennen, wie schlecht es sich lebt, wenn das eigene Leben von fortlaufenden Zweifeln, Befürchtungen, Ängsten und Kontrollmaßnahmen bestimmt ist, sehen sie zunächst keine alternative Vorgehensweise. Trotz der Einsicht in die Unzulänglichkeit der bisher gewählten Lösungswege, werden diese stets von neuem als einzig denkbare Vorgehensweise dargelegt, begründet, gerechtfertigt und gegen jede In-Frage-Stellung verteidigt. 

 

Tatsächlich kann niemand sonst als der Betroffene selbst besser belegen, wie wenig effektiv, hilfreich und sinnvoll das bisherige Vorgehen im eigenen Leben ist, dennoch werden - trotz eingeleiteter Psychotherapie - alle Kräfte dazu eingesetzt, daran festzuhalten.

 

Sprachlich bekundet sich das in den meisten Fällen in der Neigung zu Reaktionen, die mit einem „Ja aber…“ eingeleitet werden. Bekanntlich ist dieses „Ja aber…“ eine maskierte Form der Ablehnung des Gesagten und bekundet somit nichts anderes als das damit verbundene, jedoch nicht offen formulierte „Nein“. 

 

In vielen Lebenssituationen lassen sich die gleichen bestimmenden Muster identifizieren. Gelingt es nach und nach durch wiederholte analytische Untersuchungen dieser, eine Einsicht in die Notwendigkeit einer Veränderung zu bewirken, so wird ein alternatives Verarbeiten solcher Lebenssituationen, mit der Anmerkung kommentiert, „das ist aber nicht leicht“.

 

Dieser Umstand, dass ein alternatives Denken, Erleben und Verhalten, als ‚nicht leicht‘ empfunden und interpretiert wird, wird in der Folge als ein weiterer wesentlicher Faktor dafür angeführt, warum an den bisher gültigen Mustern festgehalten werden muss. Wäre eine alternative Vorgehensweise ‚leicht‘, würde die Bereitschaft vorhanden sein, lautet der Tenor der Kommentierungen.

 

Was verbirgt sich hinter diesem weiteren Widerstand gegen Veränderung, der sich in der Mitteilung offenbart, dass die Alternative ‚aber nicht leicht‘ sei?

 

Wir können darin die verborgene, latent vorhandene Erwartung erkennen, wonach die anzustrebenden Veränderungen, mit einer Leichtigkeit und Einfachheit einzuleiten und umzusetzen sein sollten. Nicht zufällig fallen an dieser Stelle auch Äußerungen, die diese Erwartung veranschaulichen, „Gibt es denn keinen Schalter, den ich umlegen kann?“, „Haben Sie nicht einen Tipp, wie ich das machen könnte?“, „Gibt es da keinen Trick, den ich anwenden könnte“, „Können Sie mich nicht einfach hypnotisieren, damit das geht?“, etc.

 

Aufgrund solcher Erwartungshaltungen, Wünsche und Hoffnungen, wird sichtbar, dass die sinnvolle und notwendige Einsicht und Bereitschaft in eine länger dauernde Anstrengung und Bemühung (noch) nicht wirklich vorhanden ist. Diese jedoch sind die Voraussetzung, um die angestrebten Ziele, die mit einer Veränderung verbunden sind, zu erreichen. 

 

In sicheren zeitlichen Abständen wird die Frage bekundet, warum alles, was mit einer Veränderung verbunden ist, so schwer sein muss, warum es denn nicht einfach gehen kann. Diese an dieser Stelle erkennbare Haltung dürfen wir durchaus in Bezug setzen, zu dem, was wir im Rahmen unserer Sozialisation an den unterschiedlichsten Stellen als Botschaft vermittelt bekommen. Worum auch immer es gehen mag in unserem sozialen Alltag, es sollte sich sehr schnell, einfach, ohne großen Aufwand, mit nur geringem Einsatz bzw. nur geringen Kosten realisieren lassen. Nicht zufällig ist die Fast-Food Kette McDonalds weltweit so erfolgreich, steht sich doch für die Erfüllung solcher Bedürfnisse, schnell, einfach, ohne großen Aufwand, ‚gut‘ und billig. 

 

Unsere Sozialisation ist darauf ausgelegt, uns in allen möglichen Bereichen des Lebens diese Botschaft zu vermitteln. Es geht darum schnell, ohne großen Aufwand, möglichst effektiv den größt möglichen Erfolg und Gewinn zu erzielen. Dies bezieht sich sowohl auf das, was wir konsumieren, als auch auf das, was uns selbst als Mensch kennzeichnet. Muss man um Meister zu sein, in einem beliebigen Handwerk zunächst Lehr- und Gesellenjahre verbringen, kann  man heute in vielen Bereichen unseres Lebens zum ‚Meister‘ bzw. ‚Lehrer‘ werden, in dem man wenige Wochenendkurse besucht. Die sozialen Netzwerke bieten hierzu unzählige ‚verführerische‘ Angebote.

 

Wollen wir zu jeder Jahreszeit ein bestimmtes Obst essen, müssen wir nicht warten bis der jeweilige Baum das Obst trägt, wir importieren es aus Ländern, wo es aufgrund der gegebenen Klimaverhältnisse dieses Obst bereits gibt. Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte sollen und können sofort, hier und jetzt, befriedigt werden.

 

Also warum eine lange Zeit des Hinarbeitens auf ein Ziel, verbunden mit Mühe und Anstrengung auf sich nehmen. Zumal wenn dies mit Rückschlägen, Benachteiligungen oder Enttäuschungen verbunden sein kann. Dieses in Kauf zu nehmen, erfordert eine Fähigkeit, die sich im Zuge unserer gesellschaftlichen Entwicklung immer mehr verliert. Es handelt sich um die Fähigkeit zur sog. Frustrationstoleranz, eine Persönlichkeitseigenschaft, die die Fähigkeit darstellt, frustrierende Situationen in der Verbindung mit dem Erreichen eines angestrebten Zieles in Kauf zu nehmen.

 

Frustrationstoleranz als Begriff wurde 1938 von Saul Rosenzweig (1907-2004), einem US-amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten, geprägt. Ist diese nur gering ausgeprägt, neigen wir dazu, Aufgaben früher abzubrechen, wenn sich unerwartete Widerstände einstellen oder der erstrebte Erfolg ausbleibt. Diese Fähigkeit erwerben wir im günstigen Fall im Verlauf unserer Sozialisation. Je stärker sie ausgeprägt ist, um so mehr zeichnen wir uns durch Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Selbstbestimmung aus. Umso mehr sind wir in der Lage uns an der Realität zu orientieren. Ist die Fähigkeit zur Frustrationstoleranz gering ausgeprägt, neigen wir zu Vermeidungsverhalten und aggressiven Reaktionen. Wir kehren zurück in kindliche Erlebens- und Verhaltensmuster, die sich durch die Unfähigkeit kennzeichnen, einen Belohnungsaufschub zu ertrgen.

 

Insofern ist jede Form der Psychotherapie, in der es darum gehen kann, die eine jeweilige Persönlichkeit kennzeichnenden ‚tragende Wände‘ zu versetzen, um veränderte, wünschenswerte und anzustrebende neue Denk-, Erlebens- und Verhaltensweisen zu lernen, eine Herausforderung. Zunächst ist es u.U. notwendig, die nicht vorhandene Grundlage der Frustrationstoleranz zu schaffen. 

 

Erst wenn die Einsicht und Bereitschaft bei dem Betroffenen vorliegt anzuerkennen, dass - in der Analogie gesprochen - 50 kg, die zu heben sind, auch so schwer sein dürfen, wie 50 kg und sich nicht anfühlen sollten, wie 10 kg oder 20 kg, erst dann kann eine sinnvolle Arbeit am eignen Selbst erfolgen. Die Lebenserfahrung zeigt und belegt in vielen Situationen, dass die Fähigkeit die Gegebenheiten der inneren und äußeren Realität anzuerkennen und damit einen Frieden zu schließen, die erste Voraussetzung ist, um diese zu verändern. Erst dann wird es möglich, ein definiertes Ziel tatsächlich zu erreichen.

 

Eine wesentliche Erkenntnis unter anderen aus dem lesenswerten Buch von Dan Millman, 'Der Pfad des friedvollen Kriegers' , besteht darin zu erkennen, dass 'der Weg das Ziel ist'.

 

In einer Analogie aus dem fernöstlichen dazu fragt der Schüler den Meister: "Meister, was muss ich machen um so zu werden wie du?"; Der Meister: "Du musst täglich Wasser holen und Holz hacken."; Der Schüler: "Und wenn ich dann so bin wie du, was muss ich dann machen?"; Der Meister: "Wenn du so bist wie ich, dann musst du täglich Wasser holen und Holz hacken." 

 


08.06.2019

 

Zu den kreativen Potentialen unseres Unbewussten...

Wir Menschen sind gekennzeichnet von unserem bewussten Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln, ebenso jedoch auch von unserem unbewussten Denken, Empfinden und Verhalten.

 

Bezüglich des Verhältnisses dieser beiden uns kennzeichnenden Anteile, dürfen wir auf das in Anlehnung an Sigmund Freuds Lehre gegebene Bild zurückgreifen, wonach das Bewusstsein die Spitze des Eisberges darstellt (5%), das Unbewusste hingegen den gesamten Berg (95%), der sich unter der Wasseroberfläche befindet. Diese Metapher wurde von Freud selbst nie verwendet, jedoch dient sie der Veranschaulichung.

 

In diesem Unbewussten dürfen wir alle möglichen Erfahrungen, Erlebnisse, Vorstellungen, Gedanken, Wünsche, Phantasien und Regungen vermuten, die im Verlaufe unserer Entwicklung, aus unterschiedlichen Gründen, u.a. durch Verdrängung und Abspaltung aus dem Bewusstsein eliminiert wurden und nun dort abgelegt sind. Es beinhaltet sowohl Vergangenes, zeitlich Zurückliegendes, als auch aktuelles, zeitlich Gegenwärtiges, das mit dem bewussten Erleben, Denken, Fühlen, aus unterschiedlichen Gründen nicht in Übereinstimmung zu  bringen ist. 

 

Diese Inhalte des Unbewussten sind sowohl persönlicher Natur, insofern als sie ausschließlich die eigene subjektiv gemachten Erfahrungen und Erlebnisse widerspiegeln, als auch von einer allgemeinen, uns alle verbindenden, archaischen Natur. Hier sind Inhalte abgelegt, die uns alle als Menschheit in unserer Menschheitsgeschichte kennzeichnen. 

 

Welche Möglichkeiten haben wir auf all das, was sich im Unbewussten befindet zugreifen zu können? Können wir, obwohl diese Erlebnisinhalte unbewusst sind, mit unserem Bewusstsein einen Zugang finden?

 

Im Alltäglichen offenbaren sich die Inhalte des Unbewussten, sowohl des persönlichen als auch des archaischen Unbewussten, in Versprechern, Fehlleistungen, Fehlhandlungen, der Körpersprache, in freien Assoziationen, Phantasien und Einfällen, sowie in unseren Träumen. 

 

Wir können davon ausgehen, dass zugleich jedoch auch ein Zugang besteht, vergleichbar einer Verbindungsleitung, mit Hilfe derer ein unmerklicher, geradezu stummer Dialog zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten möglich ist. Auf diese Weise ist es möglich, ganz bewusst sich dem Unbewussten zu zu wenden, im Sinne von Anfragen, Bitten, Wünschen und Aufträgen. Diese werden aufgenommen und in der Regel mit entsprechenden Reaktionen, die sich u.U. auch mit einer deutlichen zeitlichen Verzögerung erkennen lassen, beantwortet.

 

Wir alle haben das schon in alltäglichen Situationen erlebt, wenn es z.B. darum geht, dass wir ohne die Hilfe eines Weckers zu einer bestimmten Uhrzeit aufwachen möchten, da wir einen wichtigen Termin einhalten möchten. Wir können uns in einer solchen Situation ebenso auf die Mithilfe unseres Unbewussten verlassen, wie auch in Situationen, in denen wir bezüglich der Idee zur Lösung eines Problems, mit dem wir bewusst nicht weiterkommen, auf die kreativen und schöpferischen Eigenschaften aus dem Unbewussten zurückgreifen. Auch solche Erfahrungen sind vielfach schon bei jedem von uns vorhanden, bisher vielleicht jedoch noch nicht in diesem Kontext verstanden und erklärt.

 

Immer wenn wir mit einer uns bewegenden Frage oder mit einem uns betreffenden Problem konfrontiert sind und eine Lösung suchen, greifen wir verständlicher Weise und sinnvoller Weise zunächst auf unsere bewussten intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten zurück. Erinnern wir uns daran, dass diese bewussten Möglichkeiten jedoch nur 5 % unseres gesamten Erlebens ausmachen, ist es verständlich, dass die möglichen Optionen zur Lösung, die aus den restlichen unbewussten 95 % kommen, viel umfangreicher, einfallsreicher, kreativer und schöpferischer sein können. Insofern ist es in hohem Maße sinnvoll, sich bewusst dieser Quelle zur Beantwortung von Fragen und Lösung von Problemen zu bedienen.

 

Im Bild veranschaulicht, können wir uns unser Unbewusstes auch wie eine Festplatte eines PC’s vorstellen, auf der alles, was wir bisher erlebt und erfahren haben, abgelegt und gespeichert ist. Unter Umständen bedarf es zunächst, vieler unterschiedlicher Stichwörter, die jeweils zu einer Datei gehören, um weiter und tiefer in die abgelegten Inhalte zu gelangen. Wollten wir allein mit dem arbeiten, was auf sich auf dem sog. Desktop (dem Schreibtisch bzw. der Arbeitsplatte) befindet, sind wir in hohem Maße limitiert.

 

Die Funktionsweise des Zugriffs auf das Unbewusste und dessen Zuhilfenahme, lässt sich klassischer Weise an einer Anekdote darstellen, die der Überlieferung nach dem deutschen Chemiker und Naturwissenschaftler August Kekulé (1829-1896) zugeschrieben wird. Nachdem er schon lange erfolglos an einem der großen ungelösten Rätsel der Chemie gearbeitet hatte, welches mit der Struktur organischer Verbindungen zusammenhing, schlief er eines Abend erschöpft von seinen erfolglosen Überlegungen über seinem Schreibtisch ein. Die Frage, die ihn beschäftigte war, wie wohl die sechs Kohlenstoff- und sechs Wasserstoff-Atome des Benzol-Moleküls angeordnet seien. 

 

In seinen bewussten Lösungswegen hatte er sich ganz entlang seines linearen Denkens bewegt. Im Schlaf jedoch träumte er von einer Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, welches einem uralten Alchemisten-Symbol entspricht. Wieder erwacht, kam ihm die Erleuchtung bzw. die Lösung auf die Frage nach der Struktur des Benzol-Moleküls, die Atome bildeten eine Ringstruktur, waren somit nicht linear angeordnet, sondern kreisförmig. Diese im Traum gewonnene Einsicht von Auguste Kekulé hat in der Folge die Zeit der Chemie revolutioniert, das es von da an möglich war, die unterschiedlichsten synthetischen Farbstoffe zu produzieren.

 

Diesen Einfall im Traum von Kekulé dürfen wir dem sog. kollektiven Unbewussten zuordnen. C.G. Jung (1875-1961) spricht hier von Archetypen, die als universell vorhandene Strukturen der Seele aller Menschen zu begreifen sind, dies vollkommen unabhängig von deren Geschichte und Kultur. Solche Archetypen beziehen sich v.a. auf Mythen, Märchen und Bilder in unseren Vorstellungen, die universell auf unserem Planeten verbreitet sind und zu allen Zeiten anzutreffen waren. Diese wirken aus dem sog. kollektiven Unbewussten in gleicher Weise auf unser Denken, Fühlen, Empfinden, Verhalten und unsere Entscheidungen, wie es unser persönliches, individuelles Unbewusstes tut. 

 

Die Schlange ist in dieser Weise ein archetypisches Symbol bzw. Ur-Bild, das wir in verschiedenen Mythologien unterschiedlicher Kulturen wieder finden. 

 

An dieser Anekdote können wir erkennen, dass es durchaus sinnvoll ist, den Schlaf als entscheidende Hilfe zur Aktivierung unseres Unbewussten einzubeziehen. So können wir uns zu lernende Inhalte viel besser einprägen, wenn wir sie uns kurz vor dem Schlafengehen noch einmal kurz vor Augen führen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Unbewusstes im Schlaf für uns arbeitet und u.U. Dinge zusammen fügt, die wir im Bewussten noch nicht verbinden können.  

 

In gleicher Weise können wir bewusst zugelassene Momente der Entspannung und Meditation in unserem Alltag nutzten, um in Kontakt mit den schöpferischen und kreativen Potentialen unseres Unbewussten zu gelangen. Je mehr wir uns dessen bewusst sind und je mehr wir uns darin üben, umso leichter und wirkungsvoller kann uns das gelingen.

 

Die Bereicherung für das eigene Selbst, lässt sich sowohl in der Gestaltung und Qualität unserer Beziehungen zu anderen Menschen erkennen, als auch in der Auseinandersetzung mit unseren alltäglichen Aufgaben, Anforderungen und Verpflichtungen. Ebenso kann unsere Genussfähigkeit deutlich an Tiefe gewinnen. Insofern lohnt es sich, in dieser Weise mit dem eigenen Unbewussten in Kontakt zu treten.

 

 


08.06.2019

 

Was sind die wichtigsten Faktoren im Leben, die für Wohlbefinden und Glück verantwortlich sind?

Machen wir uns bewusst, von welch großer Bedeutung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden positive Energien sind, können wir uns fragen, welches die entscheidenden Faktoren in unserem Leben sind, die mit positiven Energien verbunden sind.

 

In der wohl ältesten Längsschnitt-Untersuchung der psychologischen Forschung wurde dieser Frage nachgegangen. Es wurde der Versuch unternommen die wesentlichen Faktoren für ein ‚gutes Leben' zu identifizieren.

 

Vor die Frage gestellt, in welche Bereiche und Teile unseres Lebens wir sinnvoller Weise unsere Zeit und unsere Energie investieren sollten, beantworteten 80 % einer befragten Untersuchungs-Population, dass das bedeutendste Ziel darin bestehe, Reichtum und Wohlstand zu erwerben. Weitere 50 % dieser befragten Population sagte, dass ein weiteres wichtiges Ziel darin bestünde, berühmt zu werden. Ganz offensichtlich sind diese Ziele dafür verantwortlich weshalb viele Menschen mit viel Einsatz, Energie und Zeit ihre Arbeit verrichten. 

 

Um der Frage nachzugehen, welche Ziele, Umstände, Ereignisse und Entwicklungen nachweislich tatsächlich entscheidend für einen bestimmten Lebensweg waren, wurde eine Vielzahl von Menschen über den Verlauf ihres gesamten Lebens beobachtet. In diesem Zusammenhang wurde eine Vielfalt von verschiedenen Dimensionen ihres Lebens erfasst und dokumentiert. Die sog. 'Harvard-Studie über die Entwicklung Erwachsener', ist wohl die zeitlich längste Untersuchung über die Entwicklung im Erwachsenen-Leben, die je durchgeführt wurde.

 

In dieser Studie wurde über bislang 75 Jahre das Leben von 724 Männern verfolgt. In jährlichen Abständen wurden Befragungen zu deren Familienleben, Arbeit und Gesundheit durchgeführt. Die Schwierigkeiten solche Studien über einen so langen Zeitraum durchzuführen, liegen häufig im Schwund der Probanden, den fehlenden Geldmittel oder aber auch dem nachlassenden Engagement und der Unbeständigkeit der Untersucher. Im Fall der Harvard Studie konnte die Fortführung der Untersuchung über mehrere Generationen von Untersuchern sicher gestellt werden. Von den ursprünglich 724 untersuchten Männer sind heute 60 noch am Leben und nehmen trotz ihres Alters von über 90 Jahren, unverändert an dieser Studie teil. Zwischenzeitlich schließt die Untersuchung über 2000 Kinder dieser Männer ein. 

 

Mit dem Beginn der Studie 1938, wurde das Leben von zwei Gruppen von Männern untersucht. Wobei die erste Gruppe zu einem Zeitpunkt in die Untersuchung aufgenommen wurde, als sie sich im zweiten Jahr ihres Harvard-Studiums befand. Die zweite Gruppe von ausgewählten jungen Männern, sollte aus den ärmsten und am meisten benachteiligten Familien bestimmter Viertel von Boston kommen. Die Untersuchung wurde anhand von Interviews, Befragungen der Eltern und Hausbesuchen durchgeführt. Aus diesen jungen Männern wurden Erwachsene Männer, die später u.a. als Fabrikarbeiter, Maurer, Anwälte und Ärzte tätig waren.  Die persönlichen Entwicklungen war sehr unterschiedlich. So verfielen u.a. einige dem Alkohol, andere entwickelten eine Schizophrenie. Während dessen die Männer aus der zweiten Gruppe, aus den Armenviertel von Boston wiederholt nachfragten, warum deren Leben für eine Studie so relevant sei, wurde diese Frage von der Harvard Gruppe nie gestellt. Vor ca. 10 Jahren wurden letztlich auch die Ehefrauen in die Studie aufgenommen.

 

Die Aufschlüsse und Erkenntnisse, die aus den Tausenden der zwischenzeitlich gesammelten und vorliegenden Daten gezogen werden können, liefern keine Bezüge über Reichtum und Ruhm, so wie es aufgrund der oben erwähnten Befragung zu erwarten wäre. Die unzweifelhaft jedoch wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist, dass es 'gute zwischenmenschliche Beziehungen' waren, die für das Glück, Wohlbefinden und die Gesundheit der untersuchten Männer verantwortlich sind.

 

Es zeigt sich, dass Menschen, die eine starke Verbindung haben, zu ihrer Familie, zu Freunden und zu einer Gemeinschaft, glücklicher, gesünder und länger leben. Ist das nicht der Fall, kommt es häufiger zu Erkrankungen und früherem Tod. In Anbetracht dieser Erkenntnisse, erscheint die Tatsache, dass ein großer Prozentsatz der Bevölkerung vieler Länder angibt, sich einsam zu fühlen, um so schwerwiegender zu sein. 

 

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus dieser Studie ist, dass es nicht auf das Vorhandensein einer konkreten Partnerschaft ankommt oder auch die Anzahl der Freunde und Bekannten. Entscheidend ist vielmehr die Qualität der gelebten Beziehungen. Die  vorliegenden Befunde belegen, dass solche, als gut erlebten Beziehungen, wohltuend und beschützend sein können für die eigene seelische, geistige und körperliche Gesundheit. Ebenso schädlich hingegen wirken sich offensichtlich schwierige und konflikthafte Beziehungen auf das eigene Leben aus.  

 

Berücksichtigt man alle erfassten Parameter, so zeigt sich, dass es im Alter von 50 Jahren v.a. das Ausmaß der Zufriedenheit und die Qualität der gelebten Beziehungen war, die den verlässlichsten Voraussage-Wert lieferten bzgl. einer zu erwartenden gesunden und glücklichen Lebensspanne. Die Tatsache, sich in glücklichen Beziehungen zu befinden ermöglicht es, sowohl die Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens als auch gesundheitliche Probleme wesentlich besser zu handhaben. 

 

Anhand dieser Harvard Studie konnte zugleich nachgewiesen werden, dass glückliche Beziehungen gar auf die Morphologie unseres Gehirns einen positiven und schützenden Effekt ausüben. So sind z.B. unterschiedliche intellektuelle Funktionen des Gehirns bei diesen Menschen länger und besser erhalten als bei der Vergleichsgruppe, die nicht durch solche gelebten Beziehungen gekennzeichnet war.

 

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain (1835-1910) sagte bezogen auf unser Leben: „Wir haben keine Zeit, das Leben ist zu kurz für Streitigkeiten, Entschuldigungen, Sodbrennen und Abrechnungen. Da ist nur Zeit für die Liebe, ... nur dafür.“

 

 


07.06.2019

 

Eine multikulturelle Herkunft hat nicht nur Nachteile...

Geboren bin ich in Marseille, als einziger in der Familie, alle anderen Familienmitglieder stammten aus Italien, wanderten nach Frankreich (väterlicherseits) bzw. Deutschland (mütterlicherseits) aus um ein besseres Leben zu haben als in Italien.

 

Was mich von Beginn an faszinierte und auf eine tiefe Art und Weise mit Marseille verband, war die Vielfalt der Kulturen, die Unterschiedlichkeit der Menschen, der blaue Himmel, die immer scheinen wollende Sonne und das Meer direkt vor der Haustür.

 

Wohl entscheidend und prägend für mein ganzes Leben, meine Einstellung zum Leben, den Menschen und allem uns Bewegende, war der Facettenreichtum, der mit dieser früh schon erlebten und verinnerlichten Vielfalt verbunden war. Das sich darin verbergende universell gültige Prinzip der Relativierung von allem, war zunächst mehr eine Ahnung, später konnte ich es deutlich als einer der wertvollsten Bausteine meines Lebens (bzw. unser aller Leben) entdecken.

 

Diesem Prinzip folgend, können wir erkennen, dass alles stets eine Frage der jeweiligen Betrachtung und Perspektive ist. Hieraus leitet sich ab, dass die Ergebnisse immer auch die Folge der zugrunde gelegten Prämissen sind, also der Ausgangsbedingungen, die definiert werden. Dass diese sehr unterschiedlich sein können, liegt an der jeweiligen Besonderheit des Betrachters bzw. Untersuchers. Wie leicht lässt sich aufgrund dessen die Unterschiedlichkeit nachvollziehen, die sich aus den Beschreibungen und Erklärungen eines Italieners aus der Toscana, im Vergleich zu den Darlegungen eines Franzosen aus der Provence oder denen eines Deutschen aus dem Rheinland bezüglich dessen, was unter einem ‚geordneten Zustand‘ zu verstehen ist.

 

Ganz offensichtlich sind die frühkindlich erlebten biographischen, soziologischen und auch kulturellen Vorgaben von großer Bedeutung für die Entwicklung des eigenen Denkens, Fühlens, Entscheiden und Verhaltens. Nur allzu häufig ist damit auch die Verinnerlichung eines Bezugspunktes verbunden, der den Stellenwert eines vermeintlich objektiven ‚Nullpunktes‘ hat, von dem aus alles bewertet und zugeordnet wird. Das Bewusstsein, dass es solche ‚Bezugspunkte‘ bzw. ‚Nullpunkte‘ über alle Zeiten und Orte auf unserem Planeten in unzähliger Anzahl gab und gibt, ist bedauerlicher Weise selten vorhanden.

 

Insofern neigen wir als Menschen stets von Neuem dazu, in unseren Wahrnehmungen und unserem Verständnis, von einer Sicherheit und Absolutheit auszugehen, die der Vielfalt der tatsächlich möglichen Perspektiven nicht gerecht wird. Sowohl die Begrenzung unserer eigenen natürlichen Beschaffenheit als Mensch, als auch die Abhängigkeit von all den uns umgebenden und Einfluss nehmenden Faktoren unserer Umwelt, lassen wir in verlässlicher Weise außer acht. 

 

M. C. Escher (1898-1972), ein niederländischer Künstler und Grafiker, mit Vorliebe zur graphischen Herstellung optischer Täuschungen, machte in seinen Darstellungen deutlich, wie sehr jede Wahrnehmung und Betrachtung zu relativieren ist, je nach eingenommener Perspektive. Die Darstellung seiner optischen Täuschungen, die sich durch perspektivische Paradoxien und Unmöglichkeiten kennzeichnen, machten ihn weltweit berühmt. Wasserverläufe, Treppenverläufe, Gebäude- und Landschaftsdarstellungen voller Widersprüche und Unmöglichkeiten kennzeichnen sein Schaffen. Ich selbst habe seine Darstellungen stets als Mahnung und Erinnerung empfunden, sichere bzw. gar absolute Aussagen bezogen auf das Wahrgenommene stets mit einer In-Frage-Stellung bzw. Relativierung zu versehen. 

 

Betrachten wir unseren Alltag, so sehen wir, dass diese Form der Relativierung eher selten anzutreffen ist, statt dessen viel häufiger eine sich offensichtlich vermittelnde Gewissheit und Sicherheit in der Aussage.

 

Da diese Neigung sich ebenfalls universell, mehr oder weniger, finden lässt, können wir erkennen, dass auch dies ein Merkmal ist, welches alle Menschen, zu allen Zeiten und an allen Orten vereint hat und vereint.

 

So konnte ich selbst, aufgrund meines multikulturellen Hintergrundes, die gleichen Vorurteile und Stereotype erleben, gleichgültig ob ich mich in Frankreich, Italien oder Deutschland in der Schule bzw. auf der Straße befand. So schmerzhaft diese Erfahrungen und Erlebnisse z.T. auch waren, so haben sie dazu beigetragen, nicht das uns Unterscheidende und Trennende zu sehen, sondern das uns Verbindende und Gemeinsame zu erkennen.

 

Hilfreich hierbei waren sicher die sehr starken Überzeugungen und Einflüsse, die mir väterlicherseits zukamen. Obwohl er, von den deutschen Besatzern aus Marseille, in einer Nacht- und Nebel-Aktion, mittels eines Güterzuges mit vielen anderen jungen Männern, nach Deutschland in ein Arbeitslager deportiert wurde, in dem er zwei Jahre verbrachte, vermittelte er mir von klein auf, dass es so wenig ‚die Deutschen‘ gibt, wie es ‚die Franzosen‘ oder ‚die Italiener‘ gibt. In gleicher Weise sollte dies Gültigkeit für alle Menschen aller Nationen und aller Hautfarben haben, war die Botschaft.

 

Das, was uns Menschen tatsächlich alle vereint, ist die Erfahrung, dass es weltweit, Epochen und Kulturen übergreifend, gute und schlechte Menschen gibt, die insofern aufgrund ihrer Qualitäten Positives bzw. Negatives bewirken können.

 

Sicher waren es nicht zuletzt diese Erfahrungen und Einsichten, die mich veranlasst haben, nicht nur das Gemeinsame im Verständnis aller Menschen zu suchen, sondern auch die Ganzheit des einzelnen Menschen, bestehend aus Körper, Seele und Geist. Wie ließe sich dieser Ganzheit besser nahe kommen, als durch Studien, die sowohl den Körper (Medizin) zum Fokus haben, als auch die Seele (Psychologie) und den Geist (Philosophie).

 

Die Botschaft, wonach es sich lohnt, einerseits die ganze Vielfalt unserer Welt zu sehen und zu respektieren, andererseits das uns universell Verbindende zu berücksichtigen und anzuerkennen, sollte die Grundlage jeden privaten und professionellen Handelns sein. Und ebenso kann es eine wunderbare Grundlage sein, auf der man sich sehr gut aufgehoben fühlt.

 

Hilfe dazu bekommen wir inzwischen durch den Umstand, dass wir in unserem privaten und beruflichen Umfeld, zunehmend eine Vielfalt multikultureller Kontakte und Berührungspunkte erleben können. Das bietet uns die Möglichkeit, sowohl die Vielfalt als auch die Verbundenheit und Gemeinsamkeit zu leben.

 


07.06.2019

 

Wie frei sind wir in unserem Denken?

Betrachten wir unseren Alltag, so sehen wir, dass Relativierungen eher selten anzutreffen sind, statt dessen viel häufiger eine sich offensichtlich vermittelnde Gewissheit und Sicherheit in der Aussage. 

 

Hierbei haben wir es mit einem Phänomen zu tun, welches unsere westliche Welt in ganz besonderer Weise kennzeichnet. Die Wertigkeit des Ausrufezeichens (!) ist unvergleichlich höher als die des Fragezeichen (?). Affirmative Aussagen haben einen deutlich höheren Stellenwert im sozialen Kontext als die Formulierung von Fragestellungen. 

 

Die Fokussierung auf Antworten in Verbindung mit Lösungen, ist das Ergebnis eines langen und sehr intensiven Sozialisierungsprozesses, den wir alle in unserer westlichen Kultur durchlaufen. Ein fernöstliches Sprichwort besagt, eine Antwort schließt eine Tür, eine Frage öffnet eine Tür. Pointiert formuliert scheinen wir es vorzuziehen Türen zu schließen, statt sie zu öffnen. Diese besondere Ausrichtung unserer Kultur lässt sich auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen wieder finden. 

 

Wir kennen hierfür den Begriff ‚offizielle Sprachregelung‘, lässt sich diese erkennen und benennen, so ist es schwer bis unmöglich, alternative Interpretationen, Erklärungen bzw. Zusammenhänge als untersuchenswert in Verbindung mit Fragen zu formulieren. Diese Vorgaben finden wir bereits im Kindergarten, in der Grundschule und sie finden ihre Fortsetzung und konsequente Weiterentwicklung mit zunehmender Sozialisierung in fortführenden Schulen, beruflichen Ausbildungen und der akademischen Weiterbildung.

 

Welche Bedeutung das Stellen von Fragen auf dem Weg zur besseren Erkenntnis haben kann, hat bereits der griechische Philosoph Platon (428/27-348-347 v. Chr.) in seinen Dialogen dargelegt. Dort lässt er Sokrates die Gespräche mit seinen Gesprächspartnern in Dialogform führen, wobei das In-Frage-Stellen jeweils geäußerter Prämissen und Schlussfolgerungen, das wohl wesentliche Merkmal der Gesprächsführung ist. Hiermit hilft Sokrates in den Dialogen von Platon, den Menschen bei der ‚Geburt‘ von Einsichten, wie es eine Hebamme den Frauen gegenüber tut, bei der Geburt ihres Kindes. 

 

In Platons Verständnis ist der Wahrheitssuchende ‚schwanger‘, leidet unter einem Geburtsschmerz, der die dann eingesetzte Kunst der Hebamme notwendig mache, um die Erkenntnis zu gebären. Dieses Vorgehen macht deutlich, dass es bei der Erkenntnisgewinnung nicht darum geht ein Wissen von außen einzugeben, sondern um einen Prozess der Selbsterkenntnis auf dessen Weg die Begleitung durch einen erfahrenen ‚Geburtshelfer‘ sinnvoll und förderlich erscheint. 

 

In positiver Weise lässt sich in diesem Sinn auch die Arbeitsweise eines Psychotherapeuten im Rahmen einer analytischen Psychotherapie verstehen. Auch dieser sollte nichts von außen in einen Patienten hineintragen, sondern dem jeweiligen betroffenen Menschen dazu verhelfen, Erkenntnisse und Wahrheiten in sich selbst zu entdecken. In diesem Sinn ist auch die Psychoanalyse eine Methode der Geburtshilfe und bedient sich damit der platonischen Mäeutik (didaktisch bestimmte Kunst der Gesprächsführung). 

 

Es versteht sich von selbst, dass dies nicht ohne ein verstehendes Einfühlen in den Gesprächspartner möglich ist. Diese Art der Suche nach Erkenntnis gelingt umso besser, je mehr sich die Suchenden ihren freien Assoziationen, Einfällen und Eingebungen überlassen können. Die Kreativität und die schöpferischen Fähigkeiten des eigenen Denkens fördern den Prozess der Erkenntnisgewinnung. Leider sind es genau diese Qualitäten unseres Denkens, die wir im Verlaufe unserer Sozialisation immer weniger bewusst einsetzen können.  

 

Verschiedene Untersuchung haben gezeigt, dass die Faktoren, welche wir mit Kreativität und Genialität in Verbindung bringen, im frühen Kindesalter noch relativ stark ausgeprägt sind, im Verlauf der Sozialisierung und der schulischen Weiterentwicklung, in ihrem Anteil an der gesamten kognitiven Leistungsfähigkeit, jedoch immer kleiner werden. In einer Längsschnitt-Untersuchung, bei der 1500 Probanden beteiligt waren, lag der erfasste ‚Genialität-Faktor‘ im Alter von 3-5 Jahren bei 98%, im Alter von 8-10 Jahren bereits nur noch bei 32 %, im Alter von 13-15 Jahren nur noch bei 10 %. Bei einer Population von 2000 Probanden im Alter von 25 Jahren und mehr, lag dieser Anteil nur noch bei 2 %. Insofern erstaunt es nicht, wenn sich abweichende und unorthodoxe Lösungswege wesentlich schwerer vermitteln lassen, als jene, welche in einem allgemeinen Konsens vorgegeben und nachvollzogen werden sollen. 

 

Wenn wir die möglichen Lösungen bei einer Vielzahl von Rätseln berücksichtigen, ist das Festhalten an einem vorgegebenen Rahmen umso schwerer nachvollziehbar. So z.B. bei dem Problem, bei dem es darum geht, 9 Punkte mit vier Geraden zu verbinden, so dass alle Punkte durchlaufen werden und zugleich das Ziehen der Geraden ohne Absetzen zu erfolgen hat (s. Bilder unten).  

 

Die Lösung der gestellten Aufgabe kann nur erfolgen, sofern der  vorgegebene Rahmen, welcher die neun Punkte im Sinne eines Vierecks verbindet, verlassen wird. Erst das Überschreiten der vorgestellten Begrenzung macht eine Lösung möglich. In gleicher Weise sind wir in unserem sozialen Alltagsleben häufig unfähig vorgegebene oder auch nur imaginierte Grenzen zu überschreiten um alternative Wege der Lösungsfindung zu beschreiten. Doch liegen in nicht wenigen Fällen allein darin die Möglichkeiten, einen Ausweg im Zusammenhang mit einem gegebenen Problem zu finden. 

 

Ein vergleichbares Vorgehen, i.S. einer Fixierung bzw. eines Gefangen-Seins in einem bestimmten Denkmuster zur Problemlösung finden wir, wenn es darum geht, Dinge und Elemente, die wir nur in einer bestimmten Funktion kennen, im Kontext mit einer davon abweichenden anderen Funktion zu verwenden. Hier sind die Funktionen eines Elementes unserer Umgebung im Rahmen einer Aufgabenlösung bereits so fest in uns verankert, dass für die mögliche Lösung eines Problems eine notwendige Veränderung der bisherigen Funktion nicht in Betracht gezogen wird. 

 

Karl Duncker (Schüler und Mitarbeiter der Begründer der Gestaltpsychologie der Berliner Schule) konnte dieses Phänomen bereits 1935 in Untersuchungen nachweisen. Hierzu bat er Probanden eine Kerze an einer Tür zu befestigen, in dem er ihnen Streichhölzer und eine Schachtel gefüllt mit Reißnägeln gab. Die Möglichkeit die Schachtel zu leeren, sie mit den Reißnägeln an der Tür zu befestigen, um sie als Basis für die Kerze zu benutzen, kam den Probanden nicht in den Sinn. Es hätte bedeutet, sich von der üblichen eingesetzten Funktion der Schachtel als Behältnis zu lösen und sie einer ganz anderen Bestimmung zu zuführen. 

 

In diesem Zusammenhang sprach Duncker von einer ‚funktionalen Gebundenheit‘, der uns umgebenden Elemente, welcher wir alle  unterliegen. Wir nehmen uns auf diese Weise die notwendige Freiheit des Denkens, schöpferisch und kreativ neue Wege zu gehen. Sind wir uns dieser in uns vorliegenden Festlegungen und Einschränkungen bewusst, können wir uns den vielleicht weiterführenden Lösungswegen öffnen. 

 

Je starrer wir an bisherigen Mustern festhalten umso mehr verschließen wir uns einer notwendigen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Wer schon einmal den Versuch unternommen hat auf einem Surfbrett mit Segel über die Wellen zu gleiten, weiß, dass die sicherste Methode ins Wasser zu fallen, darin besteht, sich krampfhaft am Segel fest zu halten. Erst die Bereitschaft sich am Segel entspannt haltend, über das Wasser fallen zu lassen, ermöglicht es über die Wellen zu gleiten (s. Bild untern).

 

Genau das gilt sinnbildlich für unser ganzes Leben. Je entspannter wir in unserer Körper/Seele/Geist-Ganzheit sein können, umso leichter und wirkungsvoller können wir uns in unserem Denken, Fühlen und Handeln erleben.

 


06.06.2019

 

Warum wir stets nach einer 'guten Gestalt' streben...

Aus der Gestaltpsychologie kennen wir den Begriff der sog. 'guten Gestalt'. Bezeichnenderweise ist eine gute Gestalt dann gegeben, wenn sie geschlossen ist. Ist sie es nicht, nehmen wir dieses Schließen in einer geradezu intuitiven und automatischen Weise vor. Sehen wir z. B. eine Aneinanderreihung von Punkten, die kreisförmig oder in einer Geraden nebeneinander, mit großem Abstand und den jeweiligen dazwischen liegenden Lücken angeordnet sind, nehmen wir automatisch einen vollkommenen Kreis bzw. eine vollendete Linie wahr. D. h. wir schließen in unserer Wahrnehmung und unserem Denken diese Gestalt, die uns unvollkommen erscheint und machen daraus eine sog. gute Gestalt, die vollkommen bzw. vollendet ist. 

 

So wie wir das an dem Beispiel des scheinbaren Kreises und der Linie tun, tun wir es bei anderen uns begegnenden Situationen im sozialen Alltag. So auch in viel komplexeren Situationen, in denen es auch um Menschen und deren Wahrnehmung und Beurteilung geht. Das, was uns offensichtlich nur schwer erträglich ist, ist die Lücke, das Unvollkommene, das Offene und somit noch nicht Beantwortete. Auch im sozialen Kontakt haben wir dann das Bedürfnis das Fehlende durch zusätzliche Information bzw. Zuschreibungen, Vermutungen oder Projektionen zu ergänzen.

 

Die Tatsache, dass wir im Verlauf unserer Menschheitsentwicklung gelernt haben, in der Lage zu sein, auf alle möglichen Fragen passende Antworten zu finden, hat uns dazu verleitet, davon auszugehen, dass wir in einer ganz grundsätzlichen und umfassenden Weise, immer und überall, dazu in der Lage sind. Dieser über Jahrtausende zurückreichende Lernprozess, hat uns in einer ganz bestimmten Weise geprägt und uns fortlaufend darin bestärkt zu glauben, es lässt sich bei genügend langer Betrachtung, Forschung und Bewertung, alles beantworten. 

 

Untrennbar hiermit verbunden ist das Gefühl bzw. die Überzeugung einer Grenzenlosigkeit der uns gegebenen Möglichkeiten. Eine Versuchung, der wir unterliegen und die uns stellenweise den Respekt und die Demut vor der Schöpfung verlieren lässt. In gewisser Weise ist es zu einer Kopplung gekommen bzw. Konditionierung, die bewirkt, dass wir uns nur dann gut fühlen, wenn wir, wo auch immer uns eine offene Gestalt begegnet, in der Lage sind diese zu schließen und zu einer sog. ‚guten Gestalt’ zu machen.

 

Hieraus leiten wir sodann Sicherheit, Gewissheit, Klarheit, Vollendung und Vollkommenheit ab. Das Schließen einer offenen Gestalt ist somit in unserer westlichen Kultur Inbegriff unserer gesamten Bestrebung, auch wenn wir uns dessen im Alltäglichen an vielen Stellen in keiner Weise bewusst sind. 

 

Was wären die Folgen einer gegenteiligen Haltung, des Offenlassens? Finden wir keine Antwort auf Fragen, die uns beschäftigen, führt das u. U. zu einer zunehmenden Verunsicherung, wachsenden Zweifeln, bis hin zu Besorgnis, Befürchtung und Angst. Letztlich fühlen wir uns überfordert auf lange Zeit mit Ungewissheit und Unklarheit leben zu müssen. Nicht umsonst bemühen wir uns Menschen seit Jahrtausenden Antworten auf die allumfassenden Sinnfragen des Lebens zu finden, über die Entstehung unserer Form der Existenz, sowie über die möglichen Folgen nach dem Ableben. 

 

Alle Philosophien und ebenso alle Religionen haben sich dieser grundlegenden Fragen angenommen und auf unterschiedliche Weise versucht hier entsprechende Antworten zu finden. Einerseits waren und sind diese Bemühungen geprägt von unserer Hoffnung und Sehnsucht durch geschaffene Sicherheiten ein besseres Leben zu finden, andererseits erscheint uns die Ungewissheit des Unbestimmten und Nicht-Fassbaren so sehr zu beängstigen, dass wir in diesen Bemühungen auf der Suche nach sog. letzten Antworten, stets von Neuem angetrieben sehen.

 

Untrennbar mit diesen Fragen verbunden ist ebenso die Frage nach dem Sinn des Lebens schlechthin. Auch hier suchen wir eine Antwort, die es uns ermöglichen soll, in unserem Alltag auf einem festen Fundament zu stehen, das uns trägt und uns die Kraft und Energie liefert, mit allen Anforderungen und Prüfungen, die das Leben für uns bereithält zurecht zu kommen.

 

Durch das fortlaufende Bestreben eine offene Gestalt zu schließen, versagen  wir uns die Möglichkeit, mit einer nicht vollendeten Gestalt in einem friedlichen, entspannten und harmonischen Verhältnis zu leben.

 

Vielleicht ist es genau das, was Menschen in der Lage sind zu leisten, die wir als Vorbild sehen. Sie können offenbar einen Zustand erreichen, in dem weder Fragen gestellt noch Antworten gesucht werden müssen. Sie scheinen ganz in sich zu ruhen. Das bedeutet natürlich nicht, dass es nicht weiterhin sinnvoll und wichtig ist, sich mit allen möglichen, sich uns stellenden Fragen auseinanderzusetzen, zu forschen und neue Entwicklungen zu fördern. Doch sollten wir das nicht in einer Haltung der inneren Anspannung und des Getriebenseins tun, sondern in einer Haltung der Demut und Dankbarkeit, verbunden mit einem tiefen Vertrauen in die Schöpfung.

 


06.06.2019

 

Gedanken zur Quantenphysik....

Max Planck (1858-1947), bedeutender deutscher Physiker und Begründer der Quantenphysik, sagte sinngemäß, dass wir in unseren Vorstellungen, die wir über die äußere Welt haben, immer nur eine Abbildung unserer eigenen Wahrnehmung sehen. Den Vorstellungen der klassischen Physik folgend war es für uns Menschen möglich, eine objektive, von uns unabhängig existierende Wirklichkeit wahrzunehmen.

 

Wir konnten somit als unabhängige Beobachter fungieren und die sich darbietende Welt mit ihren Ereignissen erkennen, beobachten, festhalten und deuten. Durch die Quantenphysik wissen wir nun, dass dieses Weltbild so nicht aufrecht zu erhalten ist. Anhand des sog. Doppelspalt-Experiments konnte nachgewiesen werden, dass wir als aktive und absichtsvolle Beobachter die Realität verändern, insofern, als wir dann aus einer Wahrscheinlichkeit Realität werden lassen. Dies bedeutet nichts anderes, als dass wir durch unsere Absicht Realität erzeugen.

 

Auf der wohl berühmtesten Konferenz von Physikern, in Solvay 1927, über Elektronen und Photonen, wurde unter der Anwesenheit von Albert Einstein und Niels Bohr über die neu formulierte Quantentheorie diskutiert (17 der dort 29 teilnehmenden Physiker hatten damals schon bzw. erhielten später den Nobelpreis).

 

Im Doppelspalt-Experiment (siehe Abbildung unten) werden zunächst, Elektronen durch einen Spalt auf eine dahinter stehende Projektionsfläche geschossen. Es zeigt sich ein Muster auf der Projektionsfläche, das dem Spalt entspricht. Gibt man einen zweiten parallelen Spalt dazu, ist zu erwarten, dass sich ein Muster auf der Projektionsfläche abbildet, das den beiden Spalten entspricht. Würde man Licht oder Wasser durch die beiden Spalte geben, würde sich auf der Projektionsfläche nicht ein Abbild der beiden Spalte zeigen, sondern ein sog. Interferenz-Muster, mit einem deutlichen, starken Streifen in der Mitte und gleichmäßig auf beiden Seiten abfallenden Streifen. Dies ist bedingt durch Überlagerungen, die durch die Wellenbewegung des Lichts oder Wassers zustande kommt.

 

Schießt man nun tatsächlich Elektronen (also Teilchen) durch die beiden Spalte, zeigt sich, dass nicht, wie erwartet, ein Abbild mit zwei Spalten auf der Projektionsfläche entsteht, sondern ein Interferenz-Muster, wie bei Wellen.  

 

Es stellt sich damit die Frage, wie können Materieteilchen ein Interferenz-Muster erzeugen, wie bei Wellen-Teilchen. Selbst das Abschießen der Elektronen-Teilchen nacheinander, also nicht gleichzeitig, erzeugte das gleiche Interferenz-Muster.

 

Um eine mögliche Erklärung für das Verhalten der Elektronen-Teilchen zu bekommen, wurde sodann durch eine angebrachte Messung beobachtet, wie sich die Teilchen verhalten beim Durchlaufen der Spalte. Nun kam es zu einem erstaunlichen Ergebnis, denn durch den Umstand der Beobachtung verhielten sich die Elektronen-Teilchen nicht mehr wellenförmig, sondern wie Materie-Teilchen, so dass sich auf der Projektionsfläche nur zwei Streifen abbildeten und somit kein Interferenz-Muster wie zuvor ohne Beobachtung.

 

Die Beobachtung als solche verändert somit das Verhalten der Elektronen-Teilchen bzw. durch die Beobachtung nehmen die Beobachter Einfluss auf das Geschehen und verändern die Wirklichkeit. Der Beobachter brachte somit, allein durch seine Beobachtung, die Wellenfunktion zum kollabieren, so dass kein Interferenz-Muster mehr entstehen konnte.

 

Diese Befunde aus der Quantenphysik machen sehr deutlich, das unser Verständnis der Wirklichkeit, weit über die Grenzen einer klassischen naturwissenschaftlichen Sicht hinausgeht, wonach wir uns als nicht einflussnehmende Beobachter von objektiv sich vollziehenden Ereignissen verstehen.  Bisher glaubten wir diese Ereignisse seien messbar und mit den uns vertrauen Erklärungsmodellen auch erklärbar. Tatsächlich sind wir in Anbetracht der Ergebnisse aus der Quantenphysik viel mehr aufgerufen zu einer Haltung der Demut und der Anerkenntnis unserer Beschränktheit.

 

Max Planck sagte hierzu: „Als Physiker, also als Mann, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, nämlich der Erforschung der Materie diente, bin ich sicher frei davon, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich Ihnen nach meiner Erforschung des Atoms dieses: Es gibt keine Materie an sich! Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es aber im ganzen Weltall weder eine intelligente noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie! Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre!“

 

Einstein (1879-1955), der wohl bedeutendste Physiker der Wissenschaftsgeschichte meinte: "Jeder, der sich ernsthaft mit der Wissenschaft beschäftigt, gelangt zu der Überzeugung, dass sich in den Gesetzen des Universums ein Geist manifestiert. Ein Geist, der dem des Menschen weit überlegen ist."

 

Ableitend aus den Erkenntnissen der Quantenphysik können wir fragen, wie es möglich sein sollte, dass ein individuelles Bewusstsein entsteht, wenn wir nicht von der Existenz eines universellen Bewusstseins ausgehen können.

 

Eugene Paul Wigner (1902-1995), Physiker und Nobelpreisträger, sagt hierzu: "Die Quantentheorie beweist die Existenz eines universellen Bewusstseins im Universum."

 

Wie eng diese Erkenntnisse und Einsichten aus unserer modernen Quantenphysik übereinstimmen mit den Jahrtausend alten Überlieferungen des Buddhismus, belegt ein Zitat aus einer Sammlung der Aussprüche des Buddha (Dhammapada). Hier heißt es: "Der Geist ist Vorläufer aller Dinge, die Grundessenz alles Existierenden. Vom Geist geh'n alle Dinge aus, sind Geist geschaffen, Geist geführt."

 

Es bleibt unverständlich, warum die Erkenntnisse der Quantenphysik nicht längst in anderen wissenschaftlichen Disziplinen, wie z. B. auch der Medizin, berücksichtigt und umgesetzt worden sind.

 

Heute können wir davon ausgehen, dass es eine Wissenschaft der Natur, losgelöst von einem menschlichen Bewusstsein, nicht gibt. Erst durch das erkennende, wahrnehmende und interpretierende Bewusstsein wird Wirklichkeit geschaffen.

  

Prof. Thure von Uexküll (1908-2004), Begründer der Psychosomatischen Medizin, sagte hierzu: „Die Physiker glauben schon längst wieder an den Lieben Gott, aber die Mediziner glauben immer noch an die Physiker.“

 


05.06.2019

 

Die Kunst der Medizin heute....

 

In den letzten Jahrzehnten können wir immer mehr und deutlicher erkennen, welche unfassbaren Fortschritte die medizinische Wissenschaft gemacht hat. Bernhard Naunyn (1839-1925), ein deutscher Internist und Hochschullehrer war bereits zu seiner Zeit der Überzeugung, „Medizin muss Wissenschaft sein, oder sie wird nicht sein“. Führen wir uns die Vielzahl der Fortschritte in der Diagnostik und Therapie, alle möglichen Krankheiten betreffend, vor Augen, scheint die medizinische Wissenschaft diesem Anspruch durchaus gerecht geworden zu sein. 

 

Betrachten wir uns den Aufbau eines Medizinstudiums heute, sehen wir, dass auch das gesamte Studium diesem Anspruch, Medizin als Wissenschaft zu verstehen, die auf Forschung, Diagnostik, Therapie, Epidemiologie und Statistik beruht, gerecht zu werden sucht. Gleich zu Beginn liegt der Schwerpunkt auf einem naturwissenschaftlichen Ansatz, der die Physik, Chemie, Biologie und Anatomie des Menschen fokussiert, dies mit allen neuen Methoden der Technik und des Labors. Objekt der Betrachtung ist der Mensch als ein System gut oder schlecht funktionierender Organe und einer dem zu Grunde liegenden Biochemie. 

 

Bezeichnender Weise ist der erste konkrete Kontakt mit dem Menschen in den ersten Semestern beschränkt auf die detaillierte Sektion eines toten Menschen im Rahmen des Anatomie Kurses. Mit diesem ersten intensiven Kontakt, sieht sich der Medizinstudent einem, aufgrund des starken abstoßenden Formaldehyd, leblosen bzw. seelenlosen Körper gegenüber, den es nun nach allen Regeln der Kunst zu sezieren gilt. Die natürliche Abwehr und der Widerstand gegenüber diesem Formaldehyd-Körper lässt sich dann häufig nur überwinden, in dem es zur Verdrängung der Tatsache kommt, es mit einem einstmals lebendigen menschlichen Wesen zu tun zu haben.

 

Aus der Gestaltpsychologie kennen wir den Satz, wonach die Gestalt bzw. das Ganze mehr ist als nur die Summe der Teile. Übertragen auf die Medizin und das Medizin-Studium würde das bedeuten, anzuerkennen, dass auch der Mensch nicht nur aus gut oder schlecht funktionierenden Organen und der entsprechenden Biochemie besteht. Sondern auch eine Ganzheit darstellt, die sich zusammensetzt aus Körper, Seele und Geist. Dem frühen Erwerb im Studium von allen möglichen Labor- und technischen Verfahren, steht keine vergleichbare Lerneinheit gegenüber, in der es um den einfühlenden, sensiblen Umgang mit einem Patienten geht, mit dem auch ausführlich und eingehend gesprochen werden kann und dem ebenso auch achtsam zugehört werden kann.

 

Die Entwicklung, fort vom Patienten, hin zur Technik, lässt sich im alltäglichen Kontakt zwischen Arzt und Patient, sowohl in den Kliniken als auch leider in der ambulanten Versorgung im Rahmen der ärztlichen Praxis finden. In vielen Fällen, wird dem ausführlichen Gespräch kaum Zeit und Raum gegeben, körperliche Untersuchungen mit Hilfe des Abtasten, Klopfen und Abhören werden nur noch selten angewendet. Die Berührung des Patienten kann sich u.U. auf das Hand-Geben bei der Begrüßung und Verabschiedung beschränken. Statt dessen kommt es sehr schnell und früh schon im Verlauf der Untersuchung zum Einsatz von Labor und Technik. Je aufwendiger die eingesetzte Technik umso gewichtiger und aussagekräftiger scheinen sodann die Befunde. 

 

Gefördert wird diese Vorgehensweise durch ein Gesundheitssystem, das ganz entsprechend der Marktwirtschaft ausgerichtet ist, wobei es um Ökonomie und auch Gewinnmaximierung geht. Hinter diesem Gesundheitssystem dürfen wir konkrete privatwirtschaftliche Unternehmen und Aktiengesellschaften erkennen, die fortlaufend neue Medikamente, Tests, Untersuchungsverfahren und anzuwendende Techniken auf den Markt bringen.

 

Somit ist für viele Menschen kaum noch zu erkennen und zu unterscheiden, wo es sich um eine sinnvolle Erneuerung handelt oder eine Prozedur zur Sicherung und Steigerung einer weiteren Geldquelle. Tatsächlich hat es den Anschein, als sei die Krankheit im Rahmen einer solchen ‚Vermarktungslogik‘  inzwischen zu einer ‚Ware‘ geworden und der Mensch als Patient, zu einem 'Konsumenten', der entscheiden soll, was er sich, wo und wann, leisten möchte. 

 

Wie könnte oder sollte ein Gesundheitssystem, das in dieser Weise in den wirtschaftlichen Kreislauf eingebunden ist, fürsorglich im Interesse des Patienten agieren? Wie lässt sich Fürsorge mit Profitstreben in Einklang bringen? Diesem Gegensatz sehen sich viele in der Klinik tätige Ärzte ausgesetzt, wenn sie aus fürsorglichen Erwägungen einen Patienten noch in der Klinik belassen möchten, ihn jedoch aus ökonomischen Überlegungen entlassen müssen, um einen neuen Patienten aufzunehmen, mit dem sich die zu erwirtschaftenden Zahlen anheben lassen. Es scheint in unserem Bewusstsein nicht wirklich präsent zu sein, dass hinter allem, was wir in einer Klinik oder Praxis an Gegenständlichem antreffen können, eine Firma, ein Unternehmen bzw. gar eine Aktiengesellschaft steht, deren primäres Interesse nicht der Versorgung gilt, sondern dem Erwirtschaften von Gewinn.

 

Einher hiermit geht eine fortlaufende Zunahme der administrativen Aufgaben und Verpflichtungen, die dazu führen, dass ein immer größer werdender Anteil der Zeit des Arztes und des Pflegepersonals, für das Ausfüllen von Formblättern, Fragebögen und Statistischen Werten verwandt wird. Im Ergebnis sitzt der Arzt dann in vielen Fällen länger und intensiver vor seinem PC als dem Patienten gegenüber. Und auch hier finden wir ein Wort, das viel schöner klingt, als das, was es tatsächlich bewirkt, 'Qualitätsmanagement'. Worin besteht die Qualität, wenn damit immer weniger Zeit für die Beziehung zum Patienten verbleibt?

 

Die Zeit und Mühe, die darauf verwendet werden könnte, die Fähigkeit für den Aufbau der zwischenmenschlichen Beziehung zu nutzten bzw. die Anteilnahme im Sinne der Achtsamkeit und Empathie zu kultivieren, wird immer geringer bzw. ist kaum noch vorhanden. Wurde sie doch auch im vorangegangenen Medizin-Studium nicht umfassend fokussiert und berücksichtigt.

 

In gleicher Weise, in der uns vermittelt wird, dass es offensichtlich nur eine Frage der Zeit ist, bis die medizinische Wissenschaft auf alles eine Antwort findet, können wir in der Haltung bei nicht wenigen Ärzten den gleichen Anspruch erkennen, alles mit einer Diagnose versehen zu können, einer angemessenen Behandlung zukommen zu lassen und entsprechende Prognosen stellen zu können. Ein solcher Arzt erlebt sich dann u.U. auch als derjenige der ‚heilt‘, nicht als derjenige der in aller Demut nur die Bedingungen schafft, damit Heilung über die Körper-Seele-Geist Einheit natürlicher Weise stattfinden kann.

 

Wie sehr hilfreich und wirkungsvoll ganz grundsätzliche, natürliche, einfache und kostenfreie Elemente in der Versorgung von kranken Menschen sind, zeigen die inzwischen zahlreich vorliegenden Studien, die belegen, dass kurze zugewandte Berührungen beim Puls-, Blutdruck- und Fiebermessen, bereits eine positive Auswirkung auf Komplikationsrate, Liegezeiten und Entlassungszeitpunkte haben.

 

In einer diesbezüglich aufschlussreichen Untersuchung ging Sigwart Ulrich (Zeitschrift: Science) der Frage nach, ob es nach einer Gallenoperation bezüglich des postoperativen Verlaufs einen Unterschied macht, wenn das Fenster des Krankenzimmers auf einen Parkplatz oder einen Wald ausgerichtet ist. Die Ergebnisse waren eindeutig, insofern als die Patienten, deren Krankenzimmer eine Aussicht auf Bäume hatten sich signifikant schneller erholten. Sie benötigten eine geringere Dosis an Schmerzmitteln, die Wunden heilten schneller und sie wurden im Vergleich zur anderen Gruppe, deren Krankenzimmer auf einen Parkplatz ausgerichtet war, früher entlassen. 

 

Machen wir uns all das Ausgeführte bewusst, dürfen wir fragen, ob die ärztliche Kunst und Versorgung ihren ursprünglichen Ansprüchen noch gerecht werden kann. Ist es denn überhaupt möglich diesen Ansprüchen gerecht zu werden, wenn von der gegebenen Ganzheit aus Körper/Seele/Geist, die uns als Mensch kennzeichnet, in Folge der sich immer mehr ausdehnenden 'Apparate-Medizin', die Beachtung weitgehend ausschließlich auf den Körper gelegt wird? Kann eine solche Medizin, die die Seele und den Geist vernachlässigt oder gar ausschließt, sinnvoll sein?

 

Wie steht es mit der Aussage im Eid des Hippokrates (Arztgelöbnis), wonach jeder Arzt, Verordnungen treffen soll „zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil…diese bewahren (wird) vor Schaden und willkürlichem Unrecht.“

 

 

 


04.06.2019

 

Zur Bedeutung der Sprache bzw. Worte....

Die Bedeutung und die Verwendung bestimmter Worte für unser Denken wurde inzwischen vielfach nachgewiesen.  Stephen Levinson vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen vergleicht Wörter mit ‚Bausteinen‘. Sie ermöglichen es auch komplexe Gedankengänge und Ideen zu haben. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass durch das Fehlen bestimmter Worte, Begriffe oder Bilder (Bausteine) auch bestimmte Gedanken nicht entstehen können. Dies wiederum hat Konsequenzen für unsere Entscheidungen, unser Handeln und Verhalten. In diesem Sinne erhalten Worte den Stellenwert von Verbindungslinien zwischen unterschiedlichen Punkten, fehlen diese, können gewisse Zusammenhänge nicht erkannt werden, was für das Verständnis von uns selbst und der Wirklichkeit von erheblicher Bedeutung sein kann.

 

Deutlich wird dieser Zusammenhang anhand der verschiedenen Studien zum Einfluss der jeweiligen Kultur auf die Sprache, das Denken und das Verständnis unserer Wirklichkeit. Hier zeigte sich u.a., dass die Verwendung eines männlichen Artikels  (Franzosen - „Le Soleil“) im Gegensatz zur Verwendung eines weiblichen Artikels (Deutsch - „Die Sonne“) für das Gleiche, zu durchaus unterschiedlichen damit verbundenen assoziativen Qualitäten führt. Untersuchungen bei den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, haben belegt, dass Sprachen, die geografische Ortsangaben nutzen, die Fähigkeit zur räumlichen Orientierung bereits bei Kleinkindern deutlich fördert. 

 

Wie stark unsere jeweiligen Eigenarten der Muttersprache die Wahrnehmung unserer Realität mitbestimmen, konnte vielfach auch anhand der Farbwahrnehmung gezeigt werden. Je differenzierter die Auswahl ist um einen Farbton zu bestimmen, umso schneller und sicherer kann eine Zuordnung erfolgen. Dies hat zur Folge, dass durch das Erlernen einer solchen neuen Sprache mit einer größeren Vielfalt der Abstufungen, auch die Denkweise und die Wahrnehmung der Realität des Lernenden sich verändern kann.

 

Die gesamten Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Sprachforschung haben schon lange dazu geführt, dass die US-Amerikanische Regierung hunderte von Millionen Dollar in Programme zur Untersuchung der Wirkweise und Macht der Sprache investiert. Hier nicht zuletzt mit dem Ziel, sich diese Erkenntnisse im Rahmen der eigenen Politik nutzbar zu machen.

 

Schlüsselworte, verbunden mit einem bestimmten assoziativen Bedeutungsgehalt, der als wiederkehrende Botschaft vermittelt wird, überfluten inzwischen geradezu die verschiedenen sozialen Netzwerke. Ganz offensichtlich sollen sie den jeweils damit verbundenen Foren dazu dienen, die beabsichtigte Wirkung beim Konsumenten zu erzielen. Es ist nicht davon auszugehen, dass diese Vorgehensweise, im Sinne einer konzipierten Strategie, bewusst wahrgenommen, erkannt und durchschaut wird, vergleichbar dem Vorgehen auf der politischen Ebene, die in gleicher Weise agiert. So wie auch dort, werden in den sozialen Netzwerken Worte, Begriffe und Bilder aufgenommen, vervielfältigt und bekommen damit einen sehr starken, das eigene Denken, Fühlen, Entscheiden und Verhalten bestimmenden Stellenwert.

 

Die psychotherapeutische bzw. psychoanalytische Arbeit mit Menschen im Rahmen der Therapeut-Patient-Beziehung, belegt sehr deutlich, von welch großer Bedeutung die individuelle Begriffswelt ist und wie entscheidend die jeweils verwendeten Worte und Bilder das eigene Seelenleben beeinflussen und bestimmen. So hat subjektiv empfundene Unordnung bzw. Unheil im eigenen Leben, nicht selten auch einen ursächlichen Bezug zur verwendeten Sprache ("Nur bei mir war das so, bei allen anderen war das ganz anders."). Viele Untersuchungen belegen, wie stark die Wechselwirkung ist zwischen der verwendeten Sprache eines Einzelnen oder einer Gesellschaft und der Art und Weise, wie wir unsere Welt deuten und erleben. 

 

Die klinische Erfahrung mit Hilfe-Suchenden Menschen zeigt, dass bereits in der verwendeten Sprache häufig eine Entfremdung vom eignen Selbst und den tieferen Ebenen des Selbsterlebens stattfindet. So z.B. in dem verallgemeinernde Worte benutzt werden (‚man‘), ein bestimmter Sprachstil (‚Slang‘), der einer Modeerscheinung gerecht werden möchte, Anglizismen, die mit einer impliziten Distanzierung verbunden sind oder auch ‚Ich-lose‘, unvollständige, abgebrochene Sätze („wird sich zeigen“).

 

Verbunden hiermit ist nicht selten die Neigung sich als Opfer zu definieren, abhängig von Anderen, den Umständen, den Ereignissen, der Vergangenheit oder Zukunft. In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender und grundlegender Bedeutung, ob eine konkrete Lebenssituation als Problem definiert und verstanden wird oder aber als Herausforderung aufgenommen wird. 

 

Es zeigt sich, dass den Worten nicht nur ein Bedeutungsinhalt zukommt, der in unserem Gehirn und den dort abgelegten Erfahrungsbereichen bestimmte Wirkungen auslöst, sondern dass, den Worten damit auch ein ‚energetischer‘ Gehalt zukommt, der sowohl negativ als auch positiv wirksam werden kann. Sind wir uns dessen bewusst, ist es umso wichtiger unsere Sprache und die darin verwendeten Worte auf deren heilsam wirkenden Einfluss zu prüfen.

 

Auf diese Weise kann das bewusste Verwenden und Pflegen eines bestimmten Sprachstils, eine positive energetische Wirkung im Sinne eines heilsamen Vorgehens bedingen. Wie Untersuchungen belegen, sind heilbringende Worte z.B. Güte, Aufrichtigkeit, Geduld, Zuversicht, Hoffnung, Demut, Wohlwollen, Achtsamkeit, Respekt, Weisheit. Auf diese Weise können verwendete Worte, aufgrund deren Bedeutungsinhalt und der mit ihnen verbundenen energetischen Wirkung, zu einer heilsamen Medizin werden. 

 

Mit der auf diese Weise erhöhten Bewusstheit für die eigene Sprache und die in ihr verwendeten Worte, kann auch die Konformität zwischen der verwendeten Sprache und der mit ihr verbundenen Intention erhöht werden. In der Folge ist es dann kaum noch notwendig, dem Gegenüber erklären zu müssen, dass das Gesagte bzw. Formulierte so nicht gemeint war. Die Alternative, die sich dann erschließt, ist ein Sinn-konformer Wortschatz, der zugleich Ausdruck von erhöhter Achtsamkeit ist. Sollten wir noch Zweifel an der Bedeutung der Worte haben, können wir uns erinnern, dass es bereits in unserer westlichen Schöpfungsgeschichte den biblischen Hinweis gibt: „Am Anfang war das Wort.“     

 

Den positiven energetischen Gehalt der Worte in unserer Sprache zu nutzen und in unseren persönlichen Sprachstil zu übernehmen, bedeutet in quantenphysikalischer Sicht, die feinstofflichen, elektromagnetischen Energien in uns selbst, unseren Beziehungen und in unserer gesamten Existenz, wirksam werden zu lassen.

 

Berücksichtigen wir, dass alle Krankheiten immer auch mit Energieblockaden verbunden sind, können wir uns in einer ganzheitlich heilsam wirkenden Weise auf ein vollständig anderes Niveau von Lebensqualität heben. In einem solchen Zustand sollte die Stimme des Herzens dann weit mehr unser Denken, Fühlen, Entscheiden, Verhalten sowie unsere Sprache und die darin verwendeten Worte bestimmen können. 

 

 


03.06.2019

 

Zur 'Therapeutischen Ich-Spaltung' und dem Innehalten....

 

Die Einsicht i.S. eines tiefer gehenden Verständnisses für das, was in uns wirkt und unser Denken, Fühlen und Verhalten bestimmt, ist verbunden mit einer vorausgehenden Bereitschaft, in uns selbst hinein zu schauen, eine Introspektion zu betreiben. 

 

Diese Einsicht bietet uns die Möglichkeit, auch verborgene vor- bzw. unbewusste Anteile zu erkennen und zu benennen, die uns bestimmen. Wenn wir möchten, dass dieses Anliegen sich erfüllen lässt, sind wir darauf angewiesen uns gegenüber unseren eigenen freien Assoziationen, Phantasien, Einfällen, Impulsen, Wünschen und Sehnsüchten zu öffnen. Diese geradezu in einer Art ‚Brainstorming‘ zu zulassen. 

 

Sie mögen wie Bilder oder auch ein Film auf einer inneren weißen Leinwand erscheinen. Wir können sie uns anschauen, erstaunt, erschrocken oder auch erfreut und entzückt sein. Erst in der Folge, wird es uns dann möglich sein, mehr Klarheit, Einsicht und Verständnis über uns selbst zu gewinnen. Im Rahmen einer Psychotherapie erfolgt dies alles im Beisein und in Begleitung der Therapeutin bzw. des Therapeuten. Wir können es als eine notwendige und in diesem Fall nicht krankhafte Art der ‚Ich-Spaltung‘ bezeichnen, eine ‚therapeutische Ich-Spaltung‘.

 

Diese sog. therapeutische Ich-Spaltung, bei der es zu einem inneren Dialog mit dem eigenen Selbst kommt, i.S. eines Selbst-Gesprächs, ist es, was wir in vielen Situationen unseres Alltags bzw. unseres Lebens sinnvollerweise beherzigen sollten. Leider nur vergleichbar wenige Menschen geben sich die Gelegenheit dazu, in dem sie sich in ein sog. ‚Retreat‘ begeben. 

 

Ziel ist es, durch diese Art des Rückzugs eine spirituelle Ruhepause zu bekommen, in der es möglich sein kann, die mit einem inneren Dialog verbundene Besinnung zu erleben. Im christlichen entspricht dies den Exerzitien, im buddhistischen den Meditationen. In dieser Form praktiziert, sind diese Arten der Introspektion stets mit einer Zäsur im alltäglichen Ablauf verbunden. Das jedoch ist im Rahmen einer alltäglichen und allgegenwärtigen Bereitschaft zum inneren Dialog i.S. der therapeutischen Ich-Spaltung nicht notwendig, denn diese kann jederzeit und überall, stets und sofort erfolgen. Dazu braucht es dann u.U. nur wenige Sekunden oder Minuten.

 

Sinnvollerweise sollte diese Fähigkeit bei uns allen vorliegen. Sie ist verbunden mit einem stets möglichen Innehalten, im Augenblick verweilen, um deutlicher zu spüren, zu empfinden, zu bedenken, zu entscheiden und zu reagieren. Im sozialen Kontakt kann das erkennbar sein an der Sequenz der Kommunikation, die den wohl seltensten Stellenwert in der Auftretens-Häufigkeit hat, nämlich der Pause. Die Kommunikationen, die wir im Allgemeinen pflegen bestehen aus den drei Anteilen, Aussagen, Fragen und Pausen. Den größten Teil im täglichen Gesprächsverlauf nehmen die Aussagen (!) ein, den kleineren die Fragen (?) und nur von sehr untergeordneter Bedeutung sind leider die Pausen (...) in unseren Gesprächen. 

 

Doch welchen Stellenwert haben die Zeiten der Besinnung und welche Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Pause zu? Wenn wir uns bewusst machen, auf welche Weise wir die Informationen verarbeiten, die wir über unsere Sinnesorgane wahrnehmen, können wir erkennen, dass all unsere fünf Sinne nur dann ihre Wirkung entfalten können, wenn sie ausreichend Zeit haben einen gegebenen Reiz auch aufzunehmen. D.h. sie sind abhängig von der Zeit-Dauer des Einwirkens eines Reizes. 

 

Gerhard Polt, einer der großen bayerischen Kabarettisten, ließ in einem seiner Filme (‚Man spricht Deutsch‘ 1988) einen deutschen Touristen an einer kleinen Strandbar so schnell seinen Espresso schlucken, dass ein kleiner beobachtender, daneben stehender Italiener vollkommen fassungslos war. Die Frage stand ihm ins Gesicht geschrieben, „Wie kann man den Espresso schmecken, wenn man ihn derart, in sich hinein schüttet?“. 

 

Ebenso verhält es sich wenn wir in einer schönen Landschaft stehen, uns vor einem schönen Gemälde befinden, eine Musik hören, den Duft einer Rose wahrnehmen wollen, den Hauch einer Brise Wind spüren möchten, oder auch nur mit nackten Füßen auf einer Wiese stehen, immer sind wir davon abhängig, dass der Sinneseindruck Zeit hat, auf unsere Sinnesrezeptoren zu wirken, so dass wir ihn in unserem bewussten Erleben wahrnehmen und bewerten bzw. im günstigen Fall auch genießen können.

 

Analog hierzu bedarf es u.U. eines Verweilens, um die Bedeutung des Gesagten nachvollziehen zu können, uns einfühlen zu können bzw. auch verstehen zu können, welcher Sinn sich mit dem Gesagten verbindet. Tatsächlich können wir jedoch im alltäglichen Miteinander häufig feststellen, dass wir als Zuhörer oft sogar dazu neigen, den Sprechenden zu unterbrechen, bevor er mit seiner Mitteilung zu Ende ist. Auch sind wir nicht selten weniger mit dem tatsächlichen intensiven Zuhören beschäftigt als mit der bereits in uns selbst stattfindenden Antwort bzw. Gegenrede oder Gegenargumentation. 

 

Ohnehin verlaufen allzu häufig Gespräche weniger i.S. eines Mit-Einander als viel mehr i.S. eines Gegen-Einander. So kann sich der Eindruck vermitteln, dass es auch in solchen Situationen darum geht, der Bessere, Kompetentere, Klügere, Erfahrenere oder Belesenere zu sein. Dies ganz entsprechend unserer Sozialisation, nach der wir doch ganz tief in uns verinnerlicht haben, wissend und kompetent zu sein bzw. zu wirken.

 

Somit können wir feststellen, dass sowohl die Zuwendung zum eigenen inneren Seelenleben im Sinne einer therapeutischen Ich-Spaltung als auch die Zuwendung zum Anderen ohne Innehalten, Verweilen und einer notwendigen Achtsamkeit kaum möglich ist. 


02.06.2019

 

Gedanken zum 'Unbewussten' und zur 'Intuition'... 

 

Befassen wir uns mit unserer bewussten Wahrnehmung, sollten wir einbeziehen von welch großer Bedeutung die Einflüsse unseres Unbewussten auf unser Denken, Fühlen und Verhalten sind. Sigmund Freud, der uns den Stellenwert des dynamischen Unbewussten in vielen seiner Schriften deutlich gemacht hat, war der Überzeugung, dass wir mit unserem Bewusstsein bestenfalls die Spitze des Eisbergs beanspruchen können. Den Rest des Eisbergs, der sich unter der Wasseroberfläche befindet, macht unser Unbewusstes aus. 

 

In diesem Unbewussten dürfen wir alle möglichen Erfahrungen, Erlebnisse, Vorstellungen, Gedanken, Wünsche, Phantasien und Regungen vermuten, die im Verlaufe unserer Entwicklung, aus unterschiedlichen Gründen, u.a. durch Verdrängung und Abspaltung aus dem Bewusstsein eliminiert wurden und nun dort abgelegt sind.

 

Es beinhaltet jedoch nicht nur Vergangenes bzw. Zurückliegendes, auch Aktuelles, zeitlich Gegenwärtiges, das mit dem bewussten Erleben, Denken, Fühlen, nicht in Übereinstimmung zu  bringen ist. Alles, was Spannungen und innere Konflikte auslösen könnte, kann hier seinen dauerhaften Platz finden.

 

Beziehen wir die Überzeugung von C.G. Jung (bis zum Bruch 1912, früher Unterstützer von S. Freud) mit ein, dann befindet sich zusätzlich in dem Unbewussten auch all das, was im Verlaufe der Menschheitsgeschichte einer kollektiven Verdrängung anheim gefallen ist. Jung spricht hier von Archetypen, die als universell vorhandene Strukturen der Seele aller Menschen zu begreifen sind. Dies vollkommen unabhängig von deren Geschichte und Kultur. Solche Archetypen beziehen sich v.a. auf Mythen, Märchen und Bilder in unseren Vorstellungen, die universell auf unserem Planeten verbreitet sind und zu allen Zeiten anzutreffen waren. 

 

Diese wirken aus dem sog. kollektiven Unbewussten in gleicher Weise auf unser Denken, Fühlen, Empfinden, Verhalten und unsere Entscheidungen, wie es unser individuelles Unbewusstes tut. Auch die den Menschen kennzeichnende Neigung sich eine Religion zu suchen, in der er sich aufgehoben fühlt, verstand Jung als Ausdruck einer ursprünglichen, archetypischen Manifestation eines kollektiven Unbewussten. Hier bekundet sich seiner Ansicht nach auch die Sehnsucht, nach einer transzendentalen bzw. spirituellen Dimension im Menschen.

 

Eine weitere sehr eng mit dem Unbewussten verbundene bzw. möglicherweise gar aus ihr entspringende, uns kennzeichnende Erlebnisqualität, ist die Intuition. Mit ihr bezeichnen wir im Allgemeinen die Fähigkeit ohne gedankliche, bewusste Prozesse der Betrachtung, Analyse und Bewertung, zu Erkenntnissen, Einsichten, Empfindungen und Entscheidungen zu gelangen. 

 

Diese Akte der Intuition sind meist zunächst nicht begründbar und ableitbar, sie erschließen sich auf eine nahezu ‚magische‘ bzw. ‚geheimnisvolle‘ Art und finden häufig erst im weiteren Verlauf der Ereignisse eine Bestätigung oder Relativierung. In vielen Bereichen unserer sozialen Wirklichkeit spielt die Intuition eine immer bedeutendere Rolle, weshalb in diesem Zusammenhang häufig auch von der Intuition als Ausdruck einer emotionalen Intelligenz gesprochen wird. Diese wird im Vergleich der Geschlechter häufig eher bei den Frauen angesiedelt als bei den Männern („weibliche Intuition“). 

 

Wenn wir von einer ganzheitlichen Wahrnehmung im Sinne der ‚guten Gestalt‘ sprechen, dürfen wir davon ausgehen, dass auch die Intuition viel mehr mit einem ganzheitlichen Erfassen, Spüren und Wahrnehmen verbunden ist, als mit einem analytischen, folgerichtigen Betrachten, Erkennen und Wahrnehmen. In diesem Zusammenhang sprechen wir häufig von dem ‚Bauch-Gefühl‘, von einer ‚Anmutung‘ bzw. davon, dass das Herz ‚spricht‘. 

 

Alles das sind Hinweise auf die mit dem Phänomen der Intuition verbundene Dimension der ‚Leibhaftigkeit‘ der Wahrnehmung. Die Intuition wird auch als Ausdruck des 6. Sinnes bezeichnet. In einer weiteren Sinnes-Analogie kann man von einem Sehen mit dem ‚dritten Auge‘ bzw. Hören mit dem ‚dritten Ohr‘ sprechen.

 

Das Hören mit dem dritten Ohr bezieht sich u.a. auf die Eigenschaft des Psychotherapeuten, auch mit Hilfe seines eigenen Unbewussten in Resonanz mit dem Unbewussten des Patienten zu treten, um somit intuitiv dessen Botschaften zu empfangen. Das Verwenden des dritten Auges, bezieht sich auf die Fähigkeit, anhand des Energiezentrums im sog. ‚Stirnchakra‘ zur Erkenntnis und Intuition zu gelangen. Mit Hilfe dieses dritten Auges soll die in uns allen angelegte Fähigkeit der sensitiven Wahrnehmung gefördert werden. Auf diese Weise soll das Tor zur Spiritualität und zur Weisheit geöffnet werden.

 

Sowohl die Fähigkeit mit den dritten Ohr zu hören als auch die Fähigkeit mit dem dritten Auge zu sehen, können wir schulen, in dem wir unseren unbewussten und intuitiven Regungen Aufmerksamkeit und Bedeutung verleihen. Dies erfordert, dass wir bereit sind inne zu halten, uns die Zeit nehmen zu spüren, zu fühlen, zu empfinden, achtsam unseren inneren Regungen gegenüber zu sein. Letztlich ist es eine Fähigkeit, die uns natürlicher Weise gegeben ist, deren Einsatz und Verwendung wir jedoch üben sollten.

 

 


01.06.2019

 

Über die Versuchung, uns 'allmächtig' zu fühlen...

Wir können erkennen, dass die vielfältigen Verunsicherungen, die wir erleben und die in gewisser Weise auch einen nicht unwesentlichen Anteil unseres Lebens auf diesem Planeten ausmachen, dazu führen, dass wir nach Wegen suchen, Sicherheit zu erlangen, damit wir uns nicht besorgt und beängstigt fühlen müssen. Konfrontiert mit der Begrenztheit unserer Möglichkeiten, sind wir bestrebt einen Zustand zu erreichen, in dem wir selbstbestimmt und losgelöst von äußeren Einflüssen unser Leben bestimmen können. 

 

Sind wir jedoch mit unserer Begrenzung konfrontiert, können wir das unweigerlich auch als narzisstische Kränkung erleben, da es dem Wunsch und der Sehnsucht entgegen steht, dass wir als Mensch aufgrund unserer Einzigartigkeit alles erreichen und gestalten können, sofern wir es uns denn als Ziel vornehmen.

 

In gewisser Weise können wir solchen Allmachtsphantasien einen geradezu natürlichen bzw. biologischen Stellenwert zusprechen. Sie entstehen in der individuellen biographischen Entwicklung im Kindesalter zu einem bestimmten Zeitpunkt in physiologischer Weise und sind ebenso kennzeichnend für die Entwicklung von uns Menschen in unserer phylogenetischen (menschheitsgeschichtlichen) Entwicklung. Die unzähligen Fortschritte, Entdeckungen und Entwicklungen in den vergangenen Jahrhunderten und den letzten Jahrzehnten, nähren Allmachtsphantasien und können uns glauben lassen, dass uns letztlich keine Grenzen gesetzt sind. V.a. in unserer modernen westlichen Kultur sind wir davon gekennzeichnet.

 

Erkennen wir diese Dynamik nicht und beziehen sie im Rahmen einer Selbstreflexion und selbstkritischen Distanzierung nicht ein, besteht die Gefahr, dass wir die ‚Erdung‘ bzw. ‚Bodenhaftung‘ verlieren, und damit die Verbindung mit der Schöpfung von der wir nur ein kleiner Teil sind. Dennoch sind wir als Menschen immer wieder von neuem in der Versuchung Allmachtsphantasien zu unterliegen, mögen sie sich auf einen einzelnen Menschen beziehen oder auf eine ganz Gruppe, eine ganze Gemeinschaft oder ein ganzes Volk.

 

Bezeichnender Weise sind selbst die Götter in der griechischen Mythologie nie mit Allmacht ausgestattet. Jede einzelne Gottheit in dieser Mythologie, war auf bestimmte Art und Weise in ihren Möglichkeiten begrenzt und auf die Hilfe anderer angewiesen. 

 

Sinnvoller Weise können wir den Begriff der Allmacht nur mit einem göttlichen Wesen verbinden. Nur bei einer Gottheit ist die Vorstellung der Allmacht denkbar und auch erklärbar. Zugleich ist auch in Verbindung mit einer solchen Gottheit nur von einem 'gemäßigten' Allmachtsbegriff auszugehen. D.h. von einer Allmacht, die in sich nicht widersprüchlich ist und von dieser Gottheit nicht Widersprüchliches fordert, wie es im 'Paradoxon der Allmacht' der Fall ist. In diesem Paradoxon sollte ein Gott einen Stein erschaffen können, den er selbst nicht heben kann. Kann er ihn erschaffen, ist er dennoch nicht allmächtig, weil er den Stein dann nicht heben kann, kann er ihn nicht erschaffen, ist er nicht allmächtig, weil er ihn nicht erschaffen kann. Eine solche Logik ist jedoch auf diese Gottheit nicht anzuwenden, womit sich die Relativierung des Allmachtsbegriffes selbst bei Gott ergibt.

 

Die Alternative zu den genannten, uns Menschen kennzeichnenden Allmachtsansprüchen, liegt in einer gelebten Haltung der Demut, verbunden mit der Bewusstheit der eigenen Begrenzung an Fähigkeiten und Möglichkeiten. Hier ist die Tugend angesprochen, die sich aus dem Bewusstsein erschließt, die Vollkommenheit des Göttlichen nicht erreichen zu können. Eine solche Haltung lässt die eigene Begrenztheit anerkennen und aus freier Entscheidung zugestehen, dass es für uns Menschen Unerreichbares gibt und wohl für immer geben wird, da es ein wesentliches Merkmal unserer Existenz ist. Ein so verstandener Begriff der Demut beinhaltet die Bereitschaft sich dem Göttlichen zu ‚beugen’. 

 

Diese Haltung der Demut, die sich im Beugen versinnbildlicht, finden wir körpersprachlich in vielen Bekundungen, sowohl zwischen uns Menschen als auch im Bereich der Tierwelt. In der körperlichen Beugung bzw. Verbeugung liegt zugleich ein Akt der respektvollen Unterwerfung. 

 

In dieser Unterwerfung bekundet sich die Bereitschaft die Überlegenheit des Anderen anzuerkennen. Erfolgt dies ohne Zwang aus freier Entscheidung, können wir es als Ausdruck einer Tugend verstehen, bei zugleich erfolgter Überwindung des eigenen Narzissmus. Ein solcher Akt der Demut steht im Gegensatz und in der Alternative zu dem, was wir als Ausdruck einer empfundenen und erstrebten Allmacht bzw. des Hochmuts verstehen können. 

 

Dennoch können und müssen wir erkennen, dass nicht zuletzt aufgrund der modernen Medien, über die wir heute verfügen und die es uns möglichen, uns jederzeit und an jedem Ort, weltweit zu vernetzen, die Versuchung für uns immer stärker und umfassender geworden ist, das eigene Selbst und dessen vermeintliche Bedeutung in die gesamte Welt hinaus zu tragen. 

 

Über das Medium des ‚world wide web‘ ist ein Fenster gegeben, das nicht nur zum Nachbarn reicht, sondern die Möglichkeit bietet sich dem gesamten Universum darzustellen. Über die verschiedensten angebotenen Plattformen, wie diese eigene Internetseite hier, bzw. Facebook, Instagram, Twitter und viele andere Soziale Netzwerke mehr, besteht die Möglichkeit alles von sich selbst mit der gesamten Menschheit zu teilen.

 

 

Schützen kann uns vor den damit verbundenen Versuchungen der Allmacht eine empfundene Demut. Sofern diese authentisch ist, können wir am ehesten damit eine Haltung der Bescheidenheit verbinden, die jeden Anklang von Anmaßung, Hochmut oder Arroganz vermissen lässt und uns dennoch ein sicheres Gefühl  eines gesunden Selbstvertrauens, Selbstbewusstseins und der Selbstbestimmung zugesteht.

 


01.06.2019

 

"Ja, aber...." / "Eigentlich...."

Wussten Sie schon, dass „ja, aber...“ und „eigentlich,....“ verwandt sind miteinander?


Wir haben es hier mit zwei Beispielen zu tun, dessen was unseren sprachlichen Alltag und damit unsere Beziehungen in allen Bereichen des Lebens wesentlich mitbestimmt. Und dies leider häufig nicht unbedingt in einem positiven Sinne, insofern als es zur Klarheit, Eindeutigkeit und Verlässlichkeit einer Botschaft beitragen würde. Ganz im Gegenteil.

Eine Zustimmung ist ein ‚Ja‘. Ein ‚Ja, aber‘ ist – bezogen auf eine vorangegangene Aussage oder Frage – nur die vorgetäuschte Zustimmung, die sich bei genauer Betrachtung in der Folge in ein ‚nein‘ bzw. eine Zurückweisung des Gesagten verwandelt.


„Ja, ich stimme zu,...aber ...“ und nun wird dargelegt, warum die Zustimmung so doch nicht erfolgt oder erfolgen wird, es kommt letztlich zu einer Zurückweisung des Gesagten, ohne dass dies in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht wird. Tatsächlich soll der Eindruck einer grundsätzlichen Zustimmung erzeugt werden, welche jedoch nicht gegeben ist.

In gleicher Weise verhält es sich mit dem Wort ‚eigentlich‘. Es wird eine Aussage getroffen, „eigentlich bin ich....“, die sich durch diese Formulierung auf einen Zustand beruft, der im Hier und Jetzt nicht gegeben ist, sondern unter Umständen nur eine Fiktion, ein Wunsch oder eine Hoffnung ist, bestenfalls zu irgendeinem anderen Zeitpunkt zutrifft, aber eben nicht im Hier und Jetzt des Erlebten. Hier wird letztlich unausgesprochen die Erwartung vermittelt, man solle sich nicht nach dem real Geschehenen oder Erlebten richten, sondern nach dem, sprachlich zum Ausdruck gebrachten, ‚Eigentlich-Zustand‘. Ebenso könnte der Anspruch lauten, „Beurteile mich nicht nach dem, was ich tue oder getan haben, sondern nach dem, was ich dir sage.“

Sowohl ein ‚ja, aber..‘ als auch ein ‚eigentlich..‘ beansprucht somit, dass etwas Gültigkeit haben soll, was im Augenblick der Aussage, gar nicht zutrifft bzw. nicht gegeben ist.

Nach was, sollten wir uns im Alltag richten? Nach dem Gesprochenen oder dem tatsächlich Erlebten, das sich uns im Verhalten und in Handlungen im Hier und Jetzt vermittelt?

Ich muss in solchen Augenblicken, in denen ich mit solchen Aussagen konfrontiert bin, assoziativ immer auch an einen Spruch eines Indianerhäuptlings denken, der sagte: „Weißer Mann redet mit gespaltener Zunge!“ In unserem Kulturkreis kennen wir die Analogie des Predigers, der öffentlich von der Kanzel Wasser predigt, heimlich jedoch den Wein trinkt (Heinrich Heine - Versepos Deutschland).

Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit bin ich nahezu fortlaufend mit diesem Widerspruch konfrontiert. Hier ist es häufig nur gegen einen großen Widerstand bzw. eine starke Abwehr der Betroffenen / des Betroffenen möglich, die gegebene Problematik zu vermitteln und aufzuzeigen, wie wenig hilfreich ein solches Muster und Vorgehen im eigenen Leben letztlich ist.

 

Sind wir in der Lage ganz offen ‚Nein‘ zu sagen, uns zu einer abweichenden oder auch ablehnenden Haltung zu bekennen, laufen wir zwar Gefahr uns in einer Auseinandersetzung wieder zu finden, doch ist dies mit einem gänzlich anderen Selbstverständnis verbunden. Es bietet sich uns die Möglichkeit, unsere Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit in viel deutlicherer Weise zu leben, zum Ausdruck zu bringen und auch zu festigen. 

 

In gleicher Weise verhält es sich mit der Bekenntnis zu dem, was tatsächlich gegeben ist, unser non-verbales bzw. verbales Verhalten und unsere Handlungen betreffend, ohne uns auf einen vermeintlichen, ‚eigentlich‘ gültigen Seins-Zustand zu berufen. Auch hier geht es um die Anerkennung einer uns kennzeichnenden Realität, die Ausdruck einer Selbstbestimmung sein kann. Auch hier kann dies bedeuten sich in einer dann folgenden Auseinandersetzung wieder zu finden. In dieser jedoch haben wir die Möglichkeit uns in aufrichtiger Weise, uns zu uns selbst zu bekennen, einschließlich möglicher Fehler und Unzulänglichkeiten, die uns kennzeichnen. Tun wir das, sind wir authentisch und wahrhaftig.

 

 

Wünschenswert und sinnvoll ist die Ausrichtung des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns nach unserem ‚realen‘ Selbst, somit nicht nach dem, was wir als ‚Ideal-Bild‘ von uns Selbst in uns tragen. Letzteres kann uns eine innere Orientierung sein, bezogen auf das, was wir noch verwirklichen wollen. Als real gegeben, sollten wir es jedoch erst beanspruchen, wenn es sich in unserem Leben konkret, für uns selbst und für andere, als bestimmend und konkret erlebbar manifestiert hat.

 


31.05.2019

 

'Herz-Business' - was hat es mit diesem Wort bzw. Begriff auf sich?

Worte haben einen Bezugsrahmen, sie sind verknüpft mit einer Vielzahl von Assoziationen in unserem Gehirn. Der Bezugsrahmen, über den wir verfügen, bestimmt in entscheidender Weise, welches Bild sich uns vermittelt und welche daraus folgende Interpretation wir vornehmen können. Diese Erkenntnis ist v.a. auch im Rahmen Psychotherapeutischer Verfahren von großer Bedeutung, da es hier sinnvoll und hilfreich sein kann, Patienten, die unter bestimmten Erfahrungen und Erlebnissen leiden, anzubieten, das Erlebte und Erfahrene in einen veränderten und damit neuen Bedeutungskontext zu stellen, um in der Folge daraus ganz andere, weniger mit Leid und Schmerz verbundene Interpretationen vornehmen zu können. Gelingt es den Bezugsrahmen auszutauschen und durch einen anderen Rahmen zu ersetzen (reframing), kann u.U. Beschwerdefreiheit entstehen.

 

Insofern können wir natürlich auch dem Wort Herz einen ganz bestimmten Bezugsrahmen zuordnen. Weniger wichtig ist hier die Verknüpfung mit dem Organ, welches sich in unserem Brustkorb befindet und uns am Leben erhält. Bedeutsamer ist wohl die symbolische Bedeutung. So ist das Herz für uns v.a. mit Liebe verbunden. Es ist das Synonym für die Gefühle der Liebe und ebenso, über alle Zeiten, Kulturen und Völker hinweg, auch der Sitz der Weisheit. Somit ist mit dem Wort Herz ganz offensichtlich ausschließlich zu tiefst Positives an Assoziationen, Vorstellungen, Gedanken und Gefühlen verbunden.

 

Wie verhält es sich mit dem Wort Business? In der Übersetzung steht Business für Unternehmen, Geschäft, Gewerbe, Geschäftsleben, etc. Somit alles Inhalte, die letztlich mit dem Erwirtschaften von Geld verbunden sind. War das Geld ursprünglich als Tauschmittel gedacht, mit Hilfe dessen es möglich war, Güter zur Lebenserhaltung und Lebensgestaltung, zu erwerben, so hat sich sehr früh schon dieser Sinn des Geldes als Mittel zum Zweck gewandelt. Die Anreicherung des Geldes ist zu einem Selbstzweck entartet, d.h. der Wert der Anreicherung des Geldes hat ihren Wert in sich selbst, dient nicht mehr unbedingt der Verfolgung eines anderen Zwecks.

 

Die Art der veränderten Bedeutungsverleihung und der bewussten Umdeutung des ursprünglichen Sinngehaltes von Worten, finden wir inzwischen in verschiedenen Bereichen unseres Alltags. Die Ergebnisse und Erkenntnisse hierzu kommen aus der Hirnforschung, der Verhaltensforschung und auch der Linguistik. Vor allem auch in der Linguistik bekommt die Bedeutung von sog. ‚Frames‘ in den letzten Jahrzehnten immer größere Wichtigkeit. Die Erkenntnis, dass jedes Wort mit einem ganzen Bedeutungsinhalt verbunden ist und insofern eine u.U. sehr komplexe Kette von Assoziationen auslöst, hat dazu geführt, dies ganz gezielt einzusetzen um bestimmte Gedanken, Haltungen, Überzeugungen und ebenso emotionale Reaktionen auszulösen. 

 

Gerade auch in der Politik wird diese Erkenntnis sehr konsequent eingesetzt, wofür inzwischen ganze Horden von Spezialisten eingesetzt werden. So hat z.B. der damalige amerikanische Präsident George Bush in der Folge des 11. September 2001 innerhalb von nur wenigen Stunden nach dem Ereignis nicht mehr von ‚Toten‘ gesprochen, sondern von ‚Gefallenen‘. Es bedarf keiner weiterführenden Erklärung, dass die Bezeichnung ‚Gefallene‘ eine vollkommen andere Assoziation auslöst als die Bezeichnung ‚Tote‘. Ging es darum den Zustand des Landes mit einem Kriegsmodus zu verbinden, aus dem sich ganz andere Entscheidungen und Schritte ableiten lassen, so war dieser verwendete Begriff wesentlich effektiver als von Toten zu sprechen. 

 

Ein in dieser Weise eingesetzter Rahmen (Frame) zielt insofern auf bewusst gewollte Effekte, mit dem Ziel, Menschen oder eine Gruppe von Menschen bezüglich eines Themas zu sensibilisieren bzw. eine Zustimmung zu bestimmten Positionen zu erwirken. Elisabeth Wehling (2016), eine deutsche Sprachwissenschaftlerin, bezeichnet Wörter als „semantische Wundertüten“.

 

Wir können davon ausgehen, dass Informationen, die wir erhalten, stets mit einem damit verbundenen Frame geliefert werden bzw. ohne die in uns angelegten Frames gar nicht verarbeitet werden können. Je mehr diese Frames in uns mit konkreten Sinneserfahrungen verbunden sind, i.S. von visuellen Wahrnehmungen, Geräuschen, Gerüchen, Geschmack, Gefühlen und Bewegungen, umso wirksamer sind sie und beeinflussen unsere Überzeugungen, unser Denken, Verhalten und unsere Entscheidungen.

 

Prüfen wir auf diesem Hintergrund den Begriff bzw. das Wort ‚Herz-Business‘, können wir erkennen, dass hier zwei Bedeutungsinhalte miteinander verbunden werden, die in ihrem ursprünglichen Sinngehalt keinerlei Verbindung aufweisen. Was hat Liebe mit dem erwirtschaften von Geld zu tun? Gestehen wir es uns zu die ganze Tiefe der jeweiligen Wortbedeutung mit einzubeziehen, müssen wir erkennen, dass diese beiden Worte, Herz bzw. Liebe und Business in ihrem Sinngehalt gar entgegengesetzt sind und sich ausschließen.

 

Das Herz rechnet nicht, es zieht keine Bilanz, schaut nicht nach Ertrag oder Verlust, leitet hieraus keine strategischen oder taktischen zielführenden Überlegungen ab. Das Herz hat mit Zahlen nichts, aber auch gar nichts im Sinn. Also wie lässt sich diese Wort-Neuschöpfung erklären?

 

Ganz offensichtlich werden die positiven Bedeutungsinhalte und die energetischen Wirkkräfte, die sich mit dem Herz verbinden, dazu verwendet, den Sinngehalt des Wortes Business aufzuwerten. Wenn das Business aus dem Herz kommt, kann es dann fragwürdig oder gar schlecht sein? 

 

Ich selbst sehe in solchen Wort-Neuschöpfungen einen Beitrag zur Irreführung und zum Verschleiern einer tatsächlich gegebenen Realität. Zugleich - und das erscheint mir noch schwerwiegender - droht damit auch eine ethisch-moralische Kategorie verloren zu gehen, die uns stets wegweisend helfen kann zu prüfen, wie aufrichtig wir und andere sind, in dem, was wir fühlen, denken, sagen und tun.

 

An dieser Stelle bietet es sich an (auch als Nichtgläubige), an die sog. ‚Tempelreinigung‘ zu erinnern. Von dieser Tempelreinigung durch Jesus berichten alle vier kanonischen Evangelien. Dieser Geschichte zu Folge, trieb Jesus im Jerusalemer Tempel die Händler und die Geldwechsler (der Überlieferung des Johannes-Evangeliums zufolge) mit einer Geißel aus Stricken aus dem Tempel, stieß Tische um und verschüttete das Geld der Wechsler mit den Worten: „Macht meines Vaters Haus nicht zum Kaufhaus!“.

 

Wir können dieser Überlieferung entnehmen, dass für Jesus der Tempel und das Erwirtschaften von Geld, nicht in Einklang zu bringen waren. Ohne weiters jedoch dürfen wir den Sinngehalt des Tempels, in Einklang bringen mit dem Herz bzw. der Liebe.

 

Die Gefahr bei einer leichtfertigen Übernahme solcher Wort-Neuschöpfungen wie ‚Herz-Business‘ liegt sicher darin, dass - wie oben bereits erwähnt - wir den Bezug zu einer Tiefe der Sinngebung und Bedeutungsverleihung verlieren und wir zugleich uns aneignen, uns mit einer oberflächlichen Nähe zufrieden zu geben, zumal wir dadurch möglichen Zweifeln und Konflikten aus dem Weg gehen können.

 

Da bekanntlich das, was wir denken und in Worte fassen, auch unser Handeln bestimmt,  entstehen daraus unsere Gewohnheiten, die dann letztlich unseren Charakter bilden. Insofern sollten wir prüfen, ob es sinnvoll und ratsam ist, solche Wort-Neuschöpfungen wie ‚Herz-Business‘ zu übernehmen, auch wenn sie über die Verbreitung in den sozialen Netzwerken und manchen neuen Büchern als 'angesagt' erscheinen mögen.

 


25.05.2019

 

'Verbundenheit' als Urerlebnis von uns allen!

(....oder über das Verhältnis des 'Ich' zum 'Wir')

Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbstverständnis etc. - in all diesen Worten finden wir das Wort ‚Selbst‘, denn es geht um das Selbst. 

 

Es sind Worte, welche den Bezug zu uns selbst als bewusst und unbewusst wahrnehmendem, fühlendem und erlebendem Wesen herstellen. Insofern setzt ein solches Konzept des Selbst immer schon auch ein empfundenes und erlebtes Ich voraus. Das Ich in Verbindung mit dem Bewusstsein über das Ich vermittelt uns das Erleben eines Selbst. Wir können erkennen, dass das Ich nicht das Bewusstsein ist, sondern dass es dieses verwendet bzw. benutzt im Sinne der Erkenntnis und Einsicht. 

 

Das Ich als solches entsteht und bildet sich nach und nach aus in der Auseinandersetzung mit der Umwelt bzw. den Anderen. Ohne deren Rückmeldungen könnte in uns kein Konzept des Ichs entstehen. Somit ist das soziale Gegenüber und der Austausch mit diesem, die Voraussetzung für die Entstehung einer Ich-Abgrenzung. Aus dieser Wechselwirkung zwischen dem Anderen und dem eigenen Erleben kann sich das Ich konstituieren, welches dann in Verbindung mit unserem Bewusstsein das Selbst ausbildet.

 

Was ist nun die ursprünglichste in uns angelegte Erfahrung? Ist es das Bewusstsein, das Ich oder gar das Selbst? 

 

Sowohl phylogenetisch (menschheitsgeschichtlich) als auch ontogenetisch (idividual-entwicklungsgeschichtlich) ist der Ursprung des Lebens zu sehen in der Verbindung. Allein in der Verbindung von Samen und Eizelle können wir die Entstehung des Lebens erkennen. 

Aus dieser Verbindung leitet sich die pränatale (vorgeburtliche) Entwicklung des Einzelnen ab, aus dem nach der Geburt und nach der Trennung vom Mutterleib das Ich bzw. das Selbst entstehen kann. 

 

Insofern können wir als die ursprüngliche und erste Erfahrung als lebendes Etwas die Erfahrung der Verbundenheit im Mutterleib bezeichnen. Die Erfahrung dieser Verbundenheit in einem ‚Wir’ geht der Entstehung des ‚Ich‘ und des ‚Selbst‘ voraus und ist somit erlebnismäßig wesentlich tiefer in uns verankert. Es ist die Matrix, die wir in uns tragen und die allem zu Grunde liegt.

 

In vielen der heute im sozialen Netz und vielen Publikationen zu findenden scheinbar spirituellen Botschaften, lässt sich erkennen, dass das Bestreben der Entdeckung, Entwicklung, Entfaltung und Ausgestaltung des eignen Selbst als höchstes anzustrebendes Ziel benannt wird. Es wird nicht selten der Eindruck erweckt, als handele es sich hiermit um das höchst mögliche Gut der individuellen geistig-seelisch-spirituellen Entwicklung, gemäß dem Sokrates häufig zugesprochenen Ausspruch „Erkenne dich selbst!“. (Dieser Spruch stand über einem Eingang des Apollo-Tempels von Delphi und galt als Imperativ des Gottes Apollo.)

 

Sokrates hierzu: „Der Grund davon, mein  Freund,  ist  dieser:  Ich  vermag  noch  nicht  gemäß  dem  delphischen  Spruche  mich  selbst  zu  erkennen. Lächerlich  aber  scheint  es  mir,  solange  man  dies  nicht  kennt,  das  Fremde  zu  erforschen.  Darum  laß  ich  jenen Dingen  ihren  Lauf  und  nehme  den  Glauben  über  sie  an,  wie  er  dem  Brauche  entspricht,  und  erforsche,  wie  ich eben  sagte,  nicht  jene,  sondern  mich  selbst,  ob  ich  etwa  ein  Untier  bin,  verschlungener  und  aufgeblasener  als Typhoni , oder ein milderes und einfacheres Geschöpf, das ein göttliches und gebändigtes Schicksal von Natur erlost hat……“

 

(Platon: "Phaidros oder Vom Schönen")

 

Sokrates würdigt an dieser Stelle nicht das Selbst als das höchste anzustrebende und anzuerkennende Ziel einer spirituellen Entwicklung sondern ruft vielmehr dazu auf, zunächst den Blick auf sich selbst zu werfen im Sinne einer Erforschung, Selbstreflexion und Selbsterkenntnis die Voraussetzung zu schaffen, sich dem Fremden zu zuwenden um dieses Fremde zu erforschen, zu erkennen und zu verstehen.

 

Der Aufruf im Sinne Sokrates zu einem solchen „Erkenne dich selbst!“ ist vergleichbar der Anforderung einer Reise der Selbstreflexion bzw. Selbsterfahrung im Rahmen einer analytischen Psychotherapie bzw. Selbst-Erfahrung.

 

Wir dürfen davon ausgehen, dass im Verlaufe dieser Reise der Entdeckung des eigenen Selbst, sich die Tür öffnet zu der ursprünglich in uns niedergelegten, tief verankerten Erfahrung der Verbundenheit, unserer Matrix. Diese Erfahrung der Verbundenheit können wir als die höchste anzustrebende Erkenntnis und Erlebnisqualität bezeichnen. In der Sanskrit-Bezeichnung steht das Wort Yoga für die Verbindung. Im hinduistischen Sinne ist es die Verbindung der individuellen Seele mit dem universellen Geist.

 

Verstehen wir die Verbindung als Ausdruck des Wir, so können wir erkennen, dass das Wir von weit größerer Bedeutung ist als es das Ich bzw. das Selbst sein kann.

 

Das Ganze kann niemals kleiner sein als ein Teil bzw. ein Teil kann niemals größer sein als das Ganze. So viel zum Verhältnis des ‚Ich‘ zum ‚Wir‘….;)

 

 


18.05.2019

 

"Es tut mir leid, ich hatte keine Zeit."

 

Menschen vermitteln millionenfach täglich diese Botschaft „Es tut mir leid, ich hatte keine Zeit“ oder auch „Es tut mir leid, aber ich habe keine Zeit.“
Im Rahmen meiner langjährigen psychotherapeutischen Praxis gehört es zu den Grundlagen des Prozesses der Selbsterkenntnis, an diesen Stellen zu fragen: 
 
„Was meinen Sie damit, Sie hatten bzw. haben keine Zeit?“
Im weiteren Verlauf der Betrachtung zeigt sich dann in nahezu allen Fällen, dass sich hinter dieser Feststellung ein passives Selbstverständnis verbirgt, abhängig, ausgeliefert und ohne Entscheidungsmöglichkeit zu sein. Seien es Umstände, Verantwortungen, Verpflichtungen, Aufgaben, Vorhaben oder auch Beziehungen, alles lässt sich als Rechtfertigung und Begründung anführen, warum man bzgl. eines Inhaltes oder auch einer Beziehung keine Zeit hat oder hatte.
Die Formulierung als solche „ich habe keine Zeit“ impliziert bereits eine passive Haltung. Etwas haben oder nicht haben, bedeutet nicht etwas tun, es ist ein Zustand, der gegeben ist oder auch nicht, jedoch kein Zustand, den man erzeugt bzw. der geschaffen wird, was mit einer Aktivität verbunden wäre.
Im weiteren Verlauf der Selbstbetrachtung im Rahmen einer Psychotherapie zeigt sich, dass diese Menschen in Wirklichkeit damit bekunden, dass sie sich diese Zeit nicht nehmen, dass an dieser Stelle ihres Lebens, es die Wichtigkeit, die Bedeutung oder den Wert nicht hat. Natürlich kann und darf das auch so sein, nur stellt sich dann die Frage, warum sich auf die scheinbar fehlende Zeit berufen wird.
„Es tut mir leid, ich hatte oder habe keine Zeit“ bedeutet an dieser Stelle, ich bin nicht verantwortlich für mein Tun oder Nicht-Tun. Sich und dem Gegenüber einzugestehen, dass es die subjektive Wichtigkeit oder Bedeutung nicht hat, ist damit verbunden, die Verantwortung für das eigene Tun oder Nicht-Tun zu übernehmen. Es könnte etwas offensichtlich werden, was in dieser Weise nicht gezeigt oder kommuniziert werden sollte. Im Rahmen einer Beziehung könnte es zur Folge haben, sich mit der Frage des Gegenüber konfrontiert zu sehen, „Wieso bedeute ich dir so wenig?“ bzw. „Warum habe ich diese Wichtigkeit nicht für dich?“. Ohne Zweifel unangenehme Fragen, welche die Einleitung zu einem schwierigen oder gar problematischen Austausch sein könnten.
Bei konkreter und genauer Betrachtung des täglichen Zeitablaufs, offenbart sich in fast allen Fällen, dass es sehr wohl Zeiten und Momente innerhalb eines Tages, mehrerer Tage oder einer Woche gibt, welche zur Verfügung stünden, würden wir sie als solche erkennen. In zurück liegenden Jahren war es v.a. das Fernsehen, welches vorhandene Zeiten ‚schluckte‘, die dann nicht mehr zur Verfügung standen. In unserer heutigen Zeit ist das Internet an diese Stelle getreten. Unzählige Untersuchungen belegen inzwischen wieviele Minuten und Stunden Millionen von Menschen täglich bzw. wöchentlich in den sozialen Netzwerken verbringen. 
Sitzt man in einem Wartezimmer bei einem Arzt, in dem sich zeitgleich 10 Menschen befinden, kann man u.U. erleben, dass 8 von diesen 10, mit gesenktem Kopf auf ihr Smartphone schauen. Fährt man an einer Bushaltestelle vorbei, an der sich eine Gruppe von wartenden Menschen befindet, lässt sich u.U. ebenfalls wahrnehmen, dass die Mehrheit mit ihrem Smartphone befasst ist.
Die Arbeit am eigenen Selbst im Rahmen einer Psychotherapie zeigt, dass die kritische Auseinandersetzung mit dem subjektiven Umgang der eigenen Zeit durchaus mit erheblichen Widerständen und mit einer spürbaren Abwehr verbunden ist. Könnte sich als Ergebnis der Selbstbefragung doch zeigen, dass es gilt die Verantwortung für die eigene Zeit zu übernehmen. Dies bedeutet, sich damit zugleich nicht mehr als Opfer der Zeiteinteilung zu definieren, sondern als aktiver Gestalter, aufgrund eigener Entscheidungen, Gewichtungen und Präferenzen.
Welche Folgen hat dies für die in unserer heutigen Zeit so sehr propagierte Dimension der Achtsamkeit? Kann man achtsam sein, wenn man keine Zeit hat? Selbstverständlich nicht, denn Achtsamkeit setzt Zeit voraus. Wir können sie nur  empfinden und einem Inhalt oder einem Anderen zukommen lassen, wenn wir uns die Zeit dazu nehmen. Achtsamkeit ist in dieser Weise vergleichbar mit unseren Sinnesorganen, die nur dann ihre Wirksamkeit entfalten können, wenn wir uns die Zeit nehmen, einen Reiz auf unsere Sinnesorgane wirken zu lassen. 
 
Spüren, Fühlen, Empfinden, Erfassen, Aufnehmen, alles das ist damit verbunden, dass wir uns die Zeit dazu ‚nehmen'. Tun wir das nicht, weil wir ‚scheinbar‘ keine Zeit ‚haben‘, geht vieles, was unser Leben bereichern kann verloren. Es entzieht sich unserem Erleben. Nicht nur für uns selbst bedeutet es dann eine Verarmung, sondern auch für unsere Beziehungen zu Menschen, die wir möglicherweise gar nicht missen möchten. Und doch sind wir aufgrund einer nicht gelebten Achtsamkeit, in Verbindung mit der uns nicht ‚genommenen' Zeit, der Gefahr ausgeliefert, selbstverschuldet auch Beziehungen zu gefährden. 
 
Wir sind nicht Opfer der Zeit, wir ‚gestalten' die Zeit, es liegt an uns selbst, zu entscheiden und zu bestimmen, wie wir mit der Zeit umgehen - trotz aller Verpflichtungen, Verantwortungen und Aufgaben. 
Wir sind diesbezüglich so wenig Opfer, wie an vielen anderen Stellen unseres Lebens auch. Die Frage ist nur, ob wir uns dessen bewusst sind. Auch bezüglich der Zeit gilt das Lebensmotiv von Nelson Mandela, das er dem Gedicht INVICTUS von William Ernest Henley entnommen hat.
„Ich bin der Meister meines Schicksals, ich bin der Kapitän auf meinem Boot.“ 
Insofern gilt in gleicher Weise bzgl. der Zeit: „Ich bestimme, was mir wichtig ist, wann und wofür ich mir die Zeit nehme.“
Ein ‚Geschenk‘ und damit Ergebnis meiner eigenen langjährigen Lehranalyse war es, das erkannt zu haben. Von da an konnte ich selbst es so empfinden und lebe es nun leibhaftig seit vielen Jahren - obwohl ich sehr viele Verpflichtungen und Aufgaben, im beruflichen und privaten Leben hatte und habe, denen ich täglich gerecht werden wollte und will. 
 
Dennoch ist mir stets bewusst, dass ich selbst entscheide, was mir wichtig ist und mit welchem Wert es für mich verbunden ist. Somit kann ich mit aller Gelassenheit sagen:
 
„Ich bin kein Opfer meiner Zeit, ich bin der Gestalter meiner Zeit!!“.
An dieser Stelle, wie auch an vielen anderen Stellen unseres Lebens,
haben wir somit die Möglichkeit uns aus einer 'Opfer'-Haltung herauszulösen, um alternativ das Selbstverständnis eines aktiven, kreativen, schöpferischen und selbstbestimmten Gestalters unserer eigenen Wirklichkeit, unserer eigenen Zeit zu entfalten. Die Folge ist ein Gewinn an Lebensqualität für uns selbst und auch unsere Beziehung zu allem uns Umgebenden, einschließlich unserer Beziehungen zu anderen Menschen.

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